Mit ‘Tim Robbins’ getaggte Beiträge

Der tollkühne Pilot Hal Jordan (Ryan Reynolds) wird als erstes menschliches Mitglied des „Green Lantern Corps“ auserwählt, einer Art intergalaktischer Bürgerwehr, die vom Planeten Oa aus über die Galaxie wacht. Als ein uraltes Wesen namens Parallax aus seinem Gefängnis ausbricht, droht der Erde Gefahr. Doch Hal Jordan stellt sich der Herausforderung …

Als Kind fand ich die „Grüne Leuchte“, wie die DC-Comicserie bei uns hieß, immer blöd. Mit einem Helden, der einen Ring aus dem Kaugummiautomaten benötigte und noch dazu einen solch bescheuerten Namen hatte, konnte ich einfach nichts anfangen. Wie die Green Lantern zu ihren Fähigkeiten kam und was es mit diesen auf sich hat, das habe ich daher erst durch diesen Film erfahren (bzw. durch Reviews, die ich vorher gelesen hatte). Zwar finde ich die Green Lantern jetzt nicht mehr ganz so beknackt, dennoch ist es sicherlich ungleich schwieriger, ihn zum Protagonisten einer ambitionierten Realverfilmung zu machen als einen geerdeten Helden wie Batman, den ikonischen Superman oder einen zur Identifikation einladenden Jugendlichen wie Spider-Man. Martin Campbells Film belegt diese Vermutung: Für einen „ernsten“, wirklich involvierenden Actionfilm ist die Story um die Weltraumpolizei und die Wunderlampe irgendwie zu kindisch, aber den beliebten Comichelden zum Protagonisten eines selbstironischen Camp-Spektakels zu machen, kam wohl auch nicht in Frage. So entfaltet der Film nie ganz sein Potenzial: Um der Geschichte wirklich zu folgen, ist das ganze zu krude und albern, gleichzeitig versäumt Campbell es aber auch, gerade dies zu seiner Tugend umzudeuten. GREEN LANTERN bleibt ad nauseam durchgenudelten Plotstandards verpflichtet, anstatt eine eigene Linie zu finden, seine Charaktere werden daher nie lebendig, sondern bleiben zweidimensional und flach. Pflichtschuldig werden Standard-Plotstationen abgehakt, die einem die Figuren kein Stück näherbringen, der eigentliche Konflikt des Films dann in 20 Minuten abgespult.

Es gibt durchaus ein paar hübsche Bilder, die wie direkt aus den Heften auf die Leinwand projiziert wirken. Der Showdown im Weltall ist sehr ansehnlich, wenn man auch angesichts der zahlreichen umfassenden CGI-Effekte vergisst, dass man hier keinen Zeichentrick-, sondern einen Spielfilm sieht. Überhaupt kommt gegen Ende das Leben in den Film, das man während der quälend öden ersten Stunde schmerzlich vermisst. Alles in allem bleibt GREEN LANTERN ein Film, mit dem die Produzenten wahrscheinlich niemandem wirklich einen Gefallen getan haben: Er erntete überwiegend schlechte Kritiken und enttäuschte an den Kassen, sodass fraglich bleibt, ob hier tatsächlich ein neues lukratives Franchise aus der Taufe gehoben (ein kurzer Epilog leitet schon das potenzielle Sequel ein) oder nicht eher eines vorzeitig zu Grabe getragen wurde. So mies, wie mancherorts behauptet wurde, ist GREEN LANTERN allerdings nicht. Er ist einfach nur biederer, typischer Hollywooddurchschnitt, wie man ihn mittlerweile gewöhnt ist und sich deshalb kaum noch drüber ärgern mag. Für Zwischendurch oder für die 5, 6 Euro, die ich für die DVD bezahlt habe, geht das schon.

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Am Ende, während die Abschlusscredits laufen, fährt die Kamera einen Stadtplan von Los Angeles ab, zeigt die unüberschaubare Vielzahl von sauber vertikal und horizontal oder aber kurvig und scheinbar natürlich verlaufenden Linien, die die Straßen der Westküstenmetropole repräsentieren, und deren gemeinsame Kreuzungen. Mit SHORT CUTS, mit dem Altman nach seinem Comeback THE PLAYER bewies, dass der mitnichten ein Zufallstreffer gewesen war, und an seinen ambitionierten, ausschweifenden Ensemblefilm NASHVILLE anknüpfte, entwirft der Regisseur so etwas wie einen emotionalen Straßenplan, zeichnet die Stadt als ein engmaschiges Geflecht, aus sich kreuzenden Lebenswegen von Menschen, die über mehrere Ecken miteinander in Verbindung stehen, ohne es zu wissen. Nicht alle dieser Begegnungen begründen eine dauerhafte Beziehung, manche sind sehr flüchtig und werden von den Betroffenen kaum weiter bemerkt, weil ihnen der Kontext fehlt, sie in den „Stadtplan“ einzuordnen. Genau daraus entspringt die Schönheit, die Komik, aber auch die Tragik von SHORT CUTS: Altman zeigt, wie Jeder mit Jedem verwoben ist, wie die Handlungen des Einzelnen das Leben eines Fremden auf völlig unvorhergesehene Weise beeinflussen und wie alle viel zu sehr mit ihren niederen Problemchen oder auch großen Krisen beschäftigt sind, als dass sie diesen größeren Zusammenhang, in den sie eingebunden sind, verstehen könnten. Der Mensch ist in SHORT CUTS wie ein Tourist ohne Straßenplan.

Die Kellnerin Doreen Piggot (Lily Tomlin) fährt den kleinen Casey an, Sohn von Andy und Howard Finnigan (Andie McDowell & Bruce Davison). Der Junge übersteht den Unfall anscheinend unverletzt, doch er wird an seinen Folgen sterben, seine Eltern in tiefe Trauer stürzen, während Doreen am Schluss die Überwindung einer Ehekrise ausgelassen mit ihrem Gatten Earl (Tom Waits) feiert, nicht wissend, welches Leid ihre Unachtsamkeit ausgelöst hat. Die Ehe des für Casey zuständigen Arztes Dr. Ralph Wyman (Matthew Modine) mit der Malerin Marian (Julianne Moore) krankt an einem nicht aufgearbeiteten vermeintlichen Seitensprung der Frau, die des Polizisten Gene Shepard (Tim Robbins) und seiner Frau Sherri (Madeleine Stowe) an der Unfähigkeit beider, sich ihrer sexuellen Zuneigung zu versichern. Jerry Kaiser (Chris Penn) leidet an der Telefonsex-Tätigkeit seiner Frau Lois (Jennifer Jason Leigh) und der wahrgenommenen Diskrepanz zwischen dem Enthusiasmus, mit dem sie diesen ausübt, und der Tristesse des gemeinsamen Sexlebens, die Cellistin Zoe (Lori Singer) an der Unaufmerksamkeit und Selbstbezogenheit ihrer Mutter Tess (Annie Ross), die für ihre emotionale Unfähigkeit wiederum den Drogentod ihres einstigen Mannes heranführt. Stuart Kane (Fred Ward) betrachtet die Leiche der jungen Frau, die just dort am Flussufer liegt, wo er mit seinen Freunden ein Angelwochenende verbringt, nicht als Körper eines Menschen, der Angehörige hat, sondern lediglich als Hindernis, das es für ein paar Tage zu ignorieren gilt, und die Versuche von Howard Finnigans Vater Paul (Jack Lemmon), den jahrelang brachliegenden Kontakt zu seinem Sohn wiederherzustellen, scheitern daran, dass er sich dafür ausgerechnet den Zeitpunkt ausgesucht hat, an dem der mit seiner Frau wohl den schlimmsten Tag erlebt, den sich Eltern vorstellen können.

Keine dieser ursprünglich von Raymond Carver als einzelne Short Stories verfassten und erst von Altman verbundenen Geschichten ist besonders spektakulär, genauso wenig wie ihre am Ende des dreistündigen Films manchmal doch etwas abrupt wirkenden Auflösungen. Sie sind, wie meine Gattin nach dem Film sagte, damit einen unausgesprochenen Gedanken von mir bestätigend (wenn man über Film schreibt, formuliert man ja noch während des Filmschauens ständig mögliche Sätze), „wie das Leben“. Das heißt aber konsequenterweise nicht nur, dass sie sehr authentisch erscheinen, sondern auch, dass sie immer wieder auch banal, hässlich, undramatisch, unterentwickelt, pointen- und humorlos sind. Dies ist aber keineswegs als Kritik gemeint, schon deshalb nicht, weil es dazwischen immer wieder auch zahlreiche Momente von sprühendem Witz, menschlicher Wärme und bleischwerer Traurigkeit gibt, sondern eben ausdrückliche Stärke des Films, der sein Thema nicht aus einem Zurechtbiegen oder eine dichterischen Überhöhung und Stilisierung entwickelt, sondern einzig aus der Verbindung seiner einzelnen, kompakten Teile. Die Gesamtheit aller menschlichen Leben, ist jedes einzelne davon auch noch so mangelhaft und defizitär, ergibt ein wahrhaft göttliches Konstrukt, dessen wahre Schönheit auch im Hässlichen dem Menschen leider verschlossen bleiben muss, weil er zu sehr in seiner individuellen Narration gefangen ist, ihm der Überblick fehlt, sich selbst als Puzzleteil in einer gewaltigen Erzählung namens „Leben“ zu begreifen.

Vielleicht finde ich es auch deshalb so schwierig, mich zu SHORT CUTS zu verhalten. Die drei Stunden vergehen wie im Flug und die Charaktere werden einem – so idiotisch man ihre Neurosen und Probelme vielleicht auch finden mag – über die Spielzeit mit all ihren Macken so vertraut, dass man sich unweigerlich fragt, was beim eigenen Nachbarn denn eigentlich so vor sich geht. Aber dann ist der Film, dessen Protagonisten ja alle im Sumpf der irdischen Durchschnittlichkeit gefangen bleiben, ohne Hoffnung jemals aus diesem emporzusteigen, auch verdammt deprimierend. Und nichts, aber auch gar nichts kann für mich den Tod des kleinen Casey, die Schmerzen seiner Eltern und die unweigerlich aufkeimende Angst, es könnte dem eigenen Kind genauso ergehen, in eine tröstliche Perspektive rücken oder irgendwie abmildern. Diese auch von Altman zentral positionierte Geschichte prägt die Stimmung des ganzen Films, der damit sehr unmissverständlich in Erinnerung ruft, dass Leben immer ein Leben mit dem stets zur falschen Zeit eintreffenden Tod ist. Ich sagte es bereits: SHORT CUTS ist wie das Leben: voller Paradoxien. Ganz leicht zu schauen, dabei nur schwer zu ertragen. Eine ambitionierte Abhandlung über das moderne urbane Leben, die dabei aber nie zur Erbauungsprosa verkommt, auf metaphysische Paradiesversprechen und Romantisierungen ganz verzichtet. Ein zweifellos großer filmischer Wurf, der mir jedoch nie das Gefühl gab, einem Meister der Kunst bei der Ausübung seiner heiligen Kunst zusehen zu dürfen, sondern der in seiner narrativen Akribie nur wie gewissenhafte, ganz dem Zweck unterworfene Arbeit wirkt. Ein Film, der nicht dafür gemacht zu sein scheint, ihn schön zu finden, oder der sonstwie auf Zustimmung und Applaus aus wäre, sondern der einfach da ist. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt noch klarer hinbekomme: Mir ist SHORT CUTS irgendwie unheimlich.

Das war der vorläufige Abschluss meiner am Ende doch etwas ermüdenden Altman-Reihe. Ein guter Schluss, weil SHORT CUTS doch auch gut als Antwort Altmans auf den nicht zuletzt von mir öfter mal erhobenen Zynismus-Vorwurf gelten darf. Das letzte Drittel seines Werkes werde ich bestimmt irgendwann mal nachholen. Jetzt freue ich mich erst einmal, mich neuen Dingen zuwenden, die längst überfällige Fleischer-Werkschau mit neuem Elan beginnen und mich einem Regisseur widmen zu können, der einen gänzlich anderen Typus des Filmemachers vertritt.

Griffin Mill (Tim Robbins) hat die Aufgabe, für ein Hollywood-Studio geeignete Drehbücher auszuwählen. Als er mit Larry Levy (Peter Gallagher) einen Konkurrenten bekommt und in Folge Gerüchte kursieren, er befände sich auf dem absteigenden Ast, beginnen seine Nerven zu flattern. Eine Reihe von anonym an ihn gesendeten Droh-Postkarten trägt auch nicht zur Stärkung seines Nervenkostüms bei. Ein Treffen mit dem Drehbuchautor David Kahane (Vincent D’Onofrio), den Griffin vor ein paar Monaten abgewimmelt hat und deshalb als Urheber dieser Postkarten vermutet, endet schließlich in einem Handgemenge und der Ermordung des jungen Autors. Von nun an hat Griffin an zwei Fronten zu kämpfen: Er muss sich in der Hierarchie des Studios behaupten und gleichzeitig die bald mit unangenehmen Fragen auftauchende Polizei von seiner Unschuld überzeugen. Dass er eine Liebschaft mit Kahanes Ex-Freundin, der Malerin June Gudmundsdottir (Greta Scacchi), beginnt, macht seine Aufgabe nicht leichter …

THE PLAYER markierte zu Beginn der Neunzigerjahre eine Art Comeback für Robert Altman. Zwar war er in den Achtzigerjahren keineswegs untätig gewesen, doch keiner seiner in diesen Zeitraum fallenden Filme konnte an seine Erfolge aus den Siebzigern anknüpfen – sie floppten sowohl an der Kasse als auch künstlerisch, zumindest in den Augen der meisten Kritiker. Die Bissigkeit und der Spott, mit der er die Filmindustrie in THE PLAYER überzieht, legen die Vermutung nahe, dass er diesen Liebesentzug nicht erwartet hatte und für ungerechtfertigt hielt, die „Schuld“ nicht bei sich suchte, sondern einem mutlosen Studiosystem zuschob, das sich sein Publikum zurechtverdummt hatte. Sein Film ist bevölkert von Speichelleckern und Arschkriechern, hoffnungslosen Egomanen, Materialisten, rücksichtslosen Karrieristen und einfallslosen und noch dazu geschmacksverwirrten Produzenten, die eine Kunstform mit dem Enthusiasmus eines Versicherungsvertreters, der Ehrfurcht eines Grabschänders und dem Feingefühl eines Schrotthändlers traktieren. Es ist demzufolge alles andere als ein Wunder, dass ein solcher Rundumschlag nicht gerade dazu geeignet ist, das Herz des Zuschauers zu erwärmen. Mit dem Protagonisten, dem ebenso rückgrat- wie skrupellosen Griffin, fiebert man dann auch eher qua Konvention mit: Er ist die Figur, die man von Altman aufgezwungen bekommt und dass man ihm für seinen Mord und das darauf folgende feige Sich-um-die-Verantwortung-Drücken sowie das erbärmliche Abservieren seiner Freundin nicht die passende Strafe an den Hals wünscht, sondern vielmehr hofft, dass er entkommen möge, liegt einzig und allein daran, dass einem keine positiveren Alternativen zur Identifikation angeboten werden.

THE PLAYER ist schon ein besonders abgezockter und böser Film, der sich die Liebe, die normalerweise Menschen zukommt, ganz für seine filmischen Injokes, Meta-Referenzen und selbstreflexiven Tricks aufspart, die Altman am Ende zu einem hintersinnigen Zirkelschluss verwebt. Er eröffnet seinen Film mit der Großaufnahme einer Filmklappe und lässt den Zuschauer so gleich zu Beginn dem – vermeintlichen? – Trugschluss aufsitzen, er befinde sich an einem Filmset, den er mit seiner Schlusspointe dann doch wieder als richtig nahelegt, wenn Griffin über einen Film namens „The Player“ nachdenkt, der genau die Geschichte erzählt, der wir soeben beigewohnt haben. Dazwischen kommentiert Altman das Geschehen immer wieder mithilfe von Verweisen auf Filme, lässt seine Figuren während einer langen Einstellung ohne Schnitt über berühmte lange Einstellungen ohne Schnitt diskutieren oder Griffin Filmideen konstruieren, um Lösungsansätze für seine realen Probleme zu erproben. Film und Realität sind in THE PLAYER überhaupt nicht mehr zu trennen, was durch Dutzende von Cameos berühmter Schauspieler, Regisseure, Autoren und Produzenten, die sich selbst spielen, noch bekräftigt wird.

So gesehen ist THE PLAYER durchaus ein Vorbote des ein paar Jahre später durchstartenden Metakinos eines Quentin Tarantino, der ja ebenfalls eine Welt zeichnet, die aus popkulturellen Zitaten und Verweisen zusammengesetzt ist und von Menschen bewohnt wird, die sich vor allem als Popfans oder zumindest -konsumenten definieren. Der Unterschied ist, dass Altman seinem Zuschauer nicht die Ausflucht bietet, sein moralisch bis ins Mark verrottetes Hollywood als in der Fantasie verortete Parallelwelt zu begreifen. Man ahnt, dass die schwachsinnigen Pitches, die hirnrissigen Ideen und halbherzigen Kompromisse, die das Filmgeschäft in THE PLAYER betimmen, keine Erfindung und Halsabschneider wie Griffin keine Ausnahme, sondern genau der Stoff sind, aus dem die hollywood’schen Erfolgsgeschichten sind. Der unverkennbare, ätzende Humor dient ihm nicht zur Distanzierung, sondern dazu, die bittere Wahrheit umso tiefer einsinken zu lassen.

Um zum Schluss zu kommen: THE PLAYER ist ein meisterlich gefertigter Film und stilistisch tatsächlich eine Rückkehr zu den Großtaten seines Regisseurs. Es mag also an einer sich nach nunmehr 20 geschauten Filmen unweigerlich einstellenden Übersättigung meinerseits liegen – Altman-Filme sind immer Altman-Filme und sein Stil ist ebenso wenig variabel wie seine Themen -, dass er mich nicht mehr zu jenen Begeisterungsstürmen hinreißt, die er für meinetwegen NASHVILLE, CALIFORNIA SPLIT, MCCABE & MRS. MILLER, THIEVES LIKE US oder 3 WOMEN von mir geerntet hat. Ich finde, dass er diesen Meisterwerken aus den Siebzigern in THE PLAYER allerhöchstens noch Nuancen hinzuzufügen hat. Und der pastellige Look der frühen Neunziger ist einfach nicht mein Ding. Ich freue mich darauf, meine Zwei-Drittel-Werkschau mit SHORT CUTS demnächst abzuschließen, um mich mit neuer Frische anderen Dingen zu widmen – und THE PLAYER dann vielleicht in ein paar Jahren neu entdecken zu können.

Der Enterich Howard widmet sich auf seinem Entenplaneten nichts Böses ahnend dem Feierabendbier und dem Herrenmagazin „Playduck“, da reißt ihn ein Beben förmlich aus dem Sitz und katapultiert ihn  auf die Erde und geradewegs vor die Füße der Rocksängerin Beverly (Lea Thompson). Mithilfe des Hobbyforschers Phil (Tim Robbins) finden sie heraus, dass Howard durch die Laserexperimente des Wissenschaftlers Jennings (Jeffrey Jones) auf die Erde gebeamt wurde. Und bei dessen Bemühungen, Howard den Weg zurück zu ermöglichen, landet noch etwas auf der Erde, das weniger freundlich als eine Ente ist …

HOWARD THE DUCK ist als einer der großen, ja katastrophalen Flops der Achtzigerjahre in die Filmgeschichte eingegangen. Den Mut von George Lucas, einen Multimillionen-Dollar-Blockbuster um eine freche anthropomorphe Ente zu produzieren, mag man noch loben, doch die Entscheidung, eine mit ihrer lasterhaften Hauptfigur eindeutig auf Erwachsene abzielende Comicserie für die Filmadaption (fast) aller Spitzen und somit ihres prägenden Elements, ja ihres ganzen Wesens zu berauben, somit alle Fans des Comics zu vergraulen und stattdessen darauf zu hoffen, dass der durchschnittliche Kinogänger bereit ist, sich einen Film um eine sprechende Ente, die er nicht kennt, anzuschauen, kann man nur als selbstmörderisch bezeichnen. Die Menschen blieben dem Film denn auch in Scharen fern und so liegt es an den nachfolgenden Generationen von Video- und DVD-Guckern den Film neu zu bewerten.

In manchen Kreisen genießt HOWARD THE DUCK mittlerweile Kultstatus, der wohl nicht zuletzt darauf gründet, dass der Film in seiner ganzen Absurdität ein echtes Unikat ist: Man kann – muss? – Huycks Film lieben, gerade weil er so einen groteske Fehlkalkulation darstellt. Und es gibt ja auch sonst Einiges an ihm zu mögen: Die Effekte sind – vom Entenkostüm, das ein einziger Irritationsmoment bleibt, mal abgesehen – erste Sahne, Jeffrey Jones liefert im Jahr von FERRIS BULELLER’S DAY OFF seine zweite Glanzvorstellung ab und die kleinen anstößigen Spitzen, die man aus dem Comic in den Film hinüberrettete, wirken in diesem Kinderkram umso verstörender. Lea Thompson etwa versprüht mit ihrem knapp unterhalb der Nieren endenden Minirock – eine akute Blasenentzündug induzierend – mehr Sex als so manche durchgeliftete Diva im angeblich heißesten Erotikthriller der Saison und bringt demzufolge den Hormonhaushalt der Ente ziemlich durcheinander. Und auch die von Lovecraft inspirierten „Dark Overlords“, die es am Ende zu besiegen gilt, sehen, in zeitloser Stop-Motion-Animation realisiert, einfach spitze aus. Auf der Negativseite muss man allerdings bemängeln, dass HOWARD THE DUCK merkwürdig leer und irgendwie auch leblos wirkt, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die Story arg schematisch und ohne echte eigene Ideen abgespult wird. Man merkt, dass es hier in erster Linie darum ging, ein Erfolg versprechendes Franchise auf den Markt zu schmeißen. Was mich an HOWARD THE DUCK jedoch am meisten wurmt, ist dass er das Ende der Regiekarriere von Willard Huyck bedeutete, der in den Siebzigerjahren mit MESSIAH OF EVIL einen der besten kleinen US-Horrorfilme überhaupt verantwortet hatte. Ach wärst du doch in Düsseldorf geblieben …

Während einer Segeltörn entlang der Küste Mittelamerikas entledigen sich die Jugendlichen um Millionärstochter Amy (Terri Garber) ihres „Aufpassers“ Sarge (Jason Miller), eines ehemaligen Soldaten. Der so begonnene Spaß endet aber abrupt, als sich eines der Kids beim Rumtollen den Kopf aufschlägt und an Land behandelt werden muss, denn im Landesinneren tobt der Kampf der Militärjunta gegen die Landbevölkerung. Plötzlich befinden sich die verwöhnten Kinder in der Gefangenschaft skrupelloser Mörder, aus der Sarge zunächst nur Amy befreien kann. Und die schmiedet wieder zu Hause den Plan, ihre Freunde rauszuhauen, weil die amerikanische Regierung auf die Lösegeldforderung der Bösewichter nicht einzugehen gedenkt …  

In Deutschland geschnitten, aber dafür mit dem wirklich fantastischen Titel SCHNITZELJAGD – TEENAGE APOCALYPSE gesegnet, ist TOY SOLDIERS – nicht zu verwechseln übrigens mit dem gleichnamigen (und ebenfalls sehenswerten) Film von Daniel Petrie jr. aus dem Jahr 1991, hierzulande als BOY SOLDIERS erschienen – ein Teenieactionfilm, wie er in dieser Form nur in den Achtzigerjahren entstehen konnte. Schon gleich mit der ersten Crediteinblendung in neongrüner Schrift vor einem jede Fototapete adelnden karibischen Sonnenuntergang fühlt man sich wie zu Hause. Ein Gefühl, das im Folgenden nicht nur durch die Farbpalette des Films aufrechterhalten wird, sondern auch durch inhaltliche Beigaben: Das unterschwellige Misstrauen gegenüber der amerikanischen Regierung und dem Großkapital, das noch jeden Actionfilm dieses Jahrzehnts befeuert hat, ist auch hier wieder vorhanden, während in den Bananenrepubliken schauzbärtige Generäle mit Zigarren ihre misanthropischen Gefühle ausleben und Horden ungewaschener Taugenichtse befehligen, die die gutmütige Landbevölkerung knechten. Doch trotz der schönen Prämisse, die eigentlich reichlich Gelegenheit für tolldreiste Actioneinlagen böte, und der stimmungsvollen Fotografie versandet TOY SOLDIERS nach der Etablierung des Konflikts. Es dauert viel zu lang, bis die Befreiungsaktion losgeht und wenn es dann endlich soweit ist, muss man angesichts der ungenutzten Möglichkeiten schon ein wenig enttäuscht sein. Auch die Akteure wissen keine echten Zeichen zu setzen: Neben dem charismatischen Jason Miller (dem Vater Karras aus THE EXORCIST) verblassen sowohl Cleavon Little als auch Tim Robbins in einer seiner frühen Rollen. Ach, das ist alles sehr schade: TOY SOLDIERS ist handwerklich sehr ordentlich gemacht, hat eine schöne Prämisse und die nötigen Production Values, um das alles ins Bild zu setzen, aber mit David Fisher einen Regisseur an Bord, dem es einfach nicht gelingt, Zug in den Film zu bringen. Wahrscheinlich wollte er nur das Beste, doch er verheddert sich in zahlreichen Szenen, die zwar allesamt gut gemeint sind, letztlich aber vor allem dafür sorgen, dass das Tempo massiv verschleppt wird. Unterm Strich bleibt ein Film, der verwundern muss: Auf dem DVD-Cover (siehe oben links) als Klamaukfilm mit POLICE ACADEMY-Anleihen ausgewiesen, entpuppt er sich als durchaus ernst gemeintes Actiondrama, das in seinen Gewaltdarstellungen zwar nicht allzu grafisch, aber trotzdem weit davon entfernt ist, den Krieg als großen Abenteuerspielplatz zu verniedlichen. In dieser zwiespältigen Zusammenführung von Teenie- und Actionfilm-Elementen, von Humor und Ernst, von Fantasy und Realpolitik ist TOY SOLDIERS durchaus programmatisch für sein Jahrzehnt, aber wahrscheinlich interessanter als filmhistorisches Dokument, denn als Actionfilm.  Vielleicht muss ich in auch einfach noch einmal sehen, wenn draußen weniger als 49 Grad Celsius herrschen.