Mit ‘Timothy Bottoms’ getaggte Beiträge

Ein junger Mann (Timothy Bottoms) verübt mit selbstgebauten Sprengsätzen Anschläge in Vergnügungsparks, um von deren Betreibern einen großen Geldbetrag zu erpressen. Der technische Inspektor Harry Calder (George Segal) wird nach dem ersten Unglücksfall zu Ermittlungen hinzugezogen – der Attentäter nimmt Kontakt zu ihm auf und fordert, dass er die Lösegeldübergabe vornimmt. Der Versuch, den Verbrecher dabei zu fassen, misslingt, sehr zum Unmut des FBI-Manns Hoyt (Richard Widmark). Doch Calder ahnt, wo der Terrorist als nächstes zuschlagen wird …

Make no mistakes: ROLLERCOASTER ist mitnichten ein Katastrophenfilm, auch wenn er mit der Nähe zu diesem 1977 noch populären Genre kokettiert und vielfach als solcher eingeordnet wird, sondern vielmehr ein lupenreiner Thriller, der auch einige  Elemente des Serienmörderfilms beinhaltet, wie er in den Achtziger- und Neunzigerjahren reüssierte. Bottoms interpretiert seinen namenlosen Terroristen nicht so sehr als aus Gier handelnden Verbrecher, sondern als akribischen Künstler, der zum einen den Nervenkitzel liebt, der damit einhergeht, seine Anschläge in aller Öffentlichkeit durchzuführen, als auch das Gefühl der beinahe göttlichen Überlegenheit genießt, dass sich einstellt, wenn er da aus dem Hintergrund die Fäden zieht und alle nach seiner Pfeife tanzen müssen. Und in Calder, einem ebenso wachen Geist, entdeckt er den „Seelenverwandten“, zu dem er als einzigem so etwas wie eine Beziehung aufbaut.

Die zentrale Szene von ROLLERCOASTER ist reine Suspense: Bei der Lösegeldübergabe schickt der Terrorist Calder via Funk von einer Vergnügungsparkattraktion zur nächsten, lässt ihn mit dem Geldkoffer Achterbahn und Safari fahren: Das alles hat keinen anderen Zweck, als die eigene Macht zu demonstrieren. Das Geld ist nur das Mittel dazu. Die ganze Sequenz dauert wahrscheinlich gut 20 Minuten und am Ende ist der Verbrecher einfach weg: Das alles hat zu nichts geführt.

Nicht, das wir uns falsch verstehen: ROLLERCOASTER hat mir sehr gut gefallen, George Segals Werk aus jener Zeit, in der er ein veritabler Star war, was heute fast völlig vergessen ist, werde ich mal einer kleinen Revision unterziehen, da scheinen sich noch einige Perlen zu verbergen. Er ist auch hier ganz toll als leicht abgebrannter Calder, der in seiner ersten Szene trotz Elektroschocktherapie eine Kippe nach der anderen qualmt und danach den ganzen Film über Schmacht schiebt. Aber die oben beschriebene Sequenz verdeutlicht auch das Goldstones Film inhärente Problem: Die Tatsache, dass es Vergnügungsparks und Achterbahnen sind, auf die es der Täter abgesehen hat, ist ganz offensichtlich als Gimmick erkennbar. Jeder Zuschauer kennt diese Fahrgeschäfte, die ihren Reiz ja nicht zuletzt aus eben jener Angst beziehen, die auch der Filme für seine Zwecke instrumentalisiert. Der Antagonist könnte genauso gut Supermärkte in die Luft jagen, das wäre halt nur nicht so schön anzusehen. Warum es Vergnügungsparks und Achterbahnen sein müssen, dafür hält ROLLERCOASTER keine Lösung bereit.

Hier ist dann auch die offensichtlichste Parallele zum Katastrophenfilm zu suchen: in der Selbstzweckhaftigkeit, mit der da minutenlang Achterbahnfahrten mithilfe von POV-Shots gefilmt werden, unterstützt durch das Sensurround-Verfahren, das einst für EARTHQUAKE erfunden worden war, einen der großen Hits des Genres. Aber die Sensationslust, die der Film als Köder nutzt, wird nie wirklich bedient: Nach dem Achterbahnunfall, der ROLLERCOASTER eröffnet, kommt es nicht mehr zu dem spektakulären Crash, den Goldstone über fast zwei Stunden anteasert. Das hat schon Methode und der Films ist durchaus spannend und sehr kompetent gemacht, aber es bleibt eben ein Gimmick – über das sich die Betreiber der Vergnügungsparks, die da reichlich Werbezeit erhalten, gewiss gefreut haben. Aber ich will nicht allzu kleinlich sein. ROLLERCOASTER bietet gute Unterhaltung von Format und wer gut aufpasst, entdeckt einen jungen Steve Guttenberg und Craig BODY DOUBLE Wasson sowie Helen Hunt als Calders Tochter.

Hinter dem Haus der Familie Gardner landet mitten in der Nacht ein UFO. Die Warnungen des kleinen David (Hunter Carson), der die Landung beobachtet hat, wird von seinen Eltern in den Wind geschlagen. Als aber der Papa (Timothy Bottoms) wenig später nicht nur eine verdächtige Narbe im Nacken trägt, sondern auch äußerst merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag legt, schöpft David Verdacht. Und tatsächlich stellt sich wenig später heraus, dass Außerirdische seinen verschlafenen Heimatort als Ausgangsunkt einer Invasion ausgewählt haben. Gemeinsam mit der Schulkrankenschwester Linda (Karen Black) nimmt der Junge den Kampf gegen die Invasoren auf …

INVADERS FROM MARS, das Remake des Fünfzigerjahre-Klassikers, ist der zweite von drei Filmen, die Tobe Hooper mitte der Achtzigerjahre für die Cannon inszenierte. Und wie  LIFEFORCE und THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2 sollte auch dieser Film an der Kniokasse weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, seine Produktionskosten nicht einmal annähernd wieder einspielen. Die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden: Das Sequel des Kettensägenfilms gilt mittlerweile als rehabilitiert und wird für gewöhnlich unter dem Etikett „zu seiner Zeit missverstandenes Meisterwerk“ einsortiert, LIFEFORCE und INVADERS FROM MARS profitieren heute nicht unerheblich vom Eighties-Bonus und werden vor allem von in jener Zeit aufgewachsenen Filmnerds favorisiert, die den bunten Stil von damals, die „handgemachten“ Effekte und den Charme von millionenschwerem, naivem Trash schmerzlich vermissen. Tatsächlich ist INVADERS FROM MARS sympathisch unschuldiges Entertainment, fügt sich fast nahtlos in das jugendfreie Genrekino dieser Zeit, wie es von Steven Spielberg oder auch Joe Dante geprägt wurde, ein. Fast.

INVADERS FORM MARS ist ein bisschen wie die mit Superstars gespickte Fußballmannschaft, bei der das Gesamte dann merkwürdigerweise weniger wert ist als die Summe seiner Teile: Der herrlich künstliche, farbintensive Look des Films, seine fantasievollen Settings, der schöne Einsatz der Steadicam, die die langsam Gestalt annehmende Gewissheit in kaum merklich schwankenden Bildern einfängt, der suggestive Score von Christopher Young, die herausragende Effektarbeit von John Dykstra und Stan Winston und das inspirierte Casting – Bud Cort als Science-Nerd! Louise Fletcher als besessene, froschfressende Lehrerin! James Karen als ledernackiger Militärchef! – addieren sich leider nicht zu einem rundum befriedigenden Film. Wie schon Hoopers LIFEFORCE zuvor wird auch INVADERS FROM MARS von einer rätselhaften Bräsigkeit daran gehindert, Fahrt aufzunehmen. Es ist schwer, dieses Versagen an betimmten Ursachen festzumachen: INVADERS FROM MARS wirkt irgendwie leblos, der Funke, der bei den Filmen Spielberg und Dante sofort auf den Zuschauer überspringt, verglimmt hier, bevor er das Herz in Flammen setzen kann. Dass allein auf Hauptdarsteller Hunter Carson zu schieben, der als Protagonist zu blass bleibt, wäre zu einfach. Hooper inszeniert wie mit angezogener Handbremse, der Mittelteil des Films zieht sich zu lang und das Drehbuch hakt lediglich Plotpoints ab, ohne jemals wirklich spezifisch zu werden. Es fehlen einfach die Details, die den Ort und seine Bewohner für den Zuschauer erst wirklich lebendig machen und ihn so überhaupt ein Interesse an ihrer Rettung entwickeln lassen würden. Auch die Angst, dass die eigenen Eltern einem nach dem Leben trachten, die letztlich den psychologischen Kern des Films ausmacht, entwickelt nie die existenzielle Schwere, die nötig wäre, um den Film wirklich anzutreiben. So plätschert INVADERS FORM MARS so dahin und das Getöse, das auf dem Bildschirm herrscht, lässt einen merkwürdig ungerührt.

Das ist ausgesprochen schade, denn äußerlich stimmt eigentlich alles und man sieht jederzeit, was ein profilierterer Regisseur mit den zur Verfügung stehenden Mitteln hätte anfangen können. INVADERS FROM MARS ist insofern ein typischer Hooper: Der Schöpfer des Jahrhundertfilms THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE hat heute längst den Status der Eintagsfliege mit tragisch-ernüchterndem Karriereverlauf inne und die hier aufgeführten Kritikpunkte lassen sich mit ganz wenigen Ausnahmen (THE FUNHOUSE, TCM 2) auf fast alle seiner Filme anwenden. INVADERS FORM MARS ist mit entsprechend modifizierter Erwartungshaltung trotzdem sehenswert, eben ein Vertreter einer Art von Blockbuster-Kino, die es heute so nicht mehr gibt. Und wenn man sich vor Augen führt, was Hooper etwa ab Mitte der Neunzigerjahre so vorgelegt hat, dann erscheint er fast wie eine kleine Meisterleistung.