Mit ‘Tom Everett Scott’ getaggte Beiträge

Aaah. Das tat gut.

ENEMIES CLOSER ist der erste Film von Peter Hyams seit dem Thriller BEYOND A REASONABLE DOUBT von 2009 (den ich nicht gesehen habe) und macht wieder Lust auf weiteren neuen Stoff des auch schon 72-jährigen Veteranen. Vom Monsterflop mit A SOUND OF THUNDER, dessen Produktion von Flutkatastrophen und Konkursen gebeutelt wurde, und der seiner Karriere einen herben Schlag zu einem strategisch ungünstigen Zeitpunkt versetzt hatte, scheint er sich erholt zu haben. Vom Produktionsniveau der Achtziger- und Neunzigerjahre, als er wohl einer von Hollywoods verlässlichsten Auftragsregisseuren für actiongeladene Thriller war, ist er mit ENEMIES CLOSER zwar weit entfernt, aber man kann deutlich sehen, was einem in den vergangenen 15 Jahren gefehlt hat. Damals erlebte Hyams‘ Karriere beflügelt vom Überraschungshit mit THE RELIC einen zweiten Frühling – sein Spielfilmdebüt ist der großartige BUSTING von 1972 und es folgten bis in die Neunziger u. a. solche Filme wie CAPRICORN ONE, OUTLAND, THE STAR CHAMBER, RUNNING SCARED, PRESIDIO, NARROW MARGIN, TIMECOP und SUDDEN DEATH -, der immerhin zum Schwarzenegger-Vehikel END OF DAYS führte. Die 2000er hätten einen klassisch geschulten Routinier wie ihn ganz gut gebrauchen können, aber es hat nicht sollen sein.

Nun also ENEMIES CLOSER, ein Actionthriller in bescheidenem äußeren Rahmen und besetzt mit seinem alten Weggefährten Jean-Claude Van Damme, diesmal nicht als einsamer Held, sondern als durchgeknallter Anführer einer Bande von Drogenschmugglern. Schon von Beginn an merkt man, dass da jemand hinter der Kamera stand, der sein Handwerk nicht beim Drehen von Werbespots oder Videoclips gelernt hat: Ohne großes Heckmeck, sondern hochkonzentriert wird die Geschichte um einen überschaubaren Kreis von Figuren aufgebaut, visuelle Mätzchen, die vom Geschehen ablenken, sucht man vergebens. Anstatt also den lack of scope durch irgendwelches Effektbrimborium zu kaschieren, begreift Hyams ihn als Stärke: Die Prämisse ist nach kurzer Zeit klar und der sich anbahnende Konflikt wird über die restliche Laufzeit gnadenlos und unter Zuhilfenahme einiger effektiver Wendungen ausgespielt. Man fühlt sich unweigerlich an die Achtzigerjahre erinnert, als solche enorm zugespitzten, aber niemals überkonstruiert anmutenden Filme noch der goldene Standard waren (mich erinnerte er mit seiner Naturkulisse etwas an Spottiswoodes SHOOT TO KILL), bis sie dann irgendwann von immer weiter aufgeblasenen Eventfilmen abgelöst wurden, in denen der Handlungsort wichtiger schien als die Figuren, die ihn bevölkerten. Dabei verkommt ENEMIES CLOSER aber nie zur nervigen Retronummer, im Gegenteil: Mit seinem Ansatz, der allem, was heute so im Actionfilm vor sich geht, diametral entgegengesetzt ist, wirkt er frisch und originell. Selbst seine Schwächen weiß er für sich zu nutzen: Tom Everett Scott ist auch deshalb so effektiv als zurückgezogener Berufssoldat, weil er gar nicht wie einer aussieht, eigentlich eine Spur zu kuschelig scheint. Wenn er dann schließlich alle Hemmungen fallen lassen muss, wie einst John Rambo durch die Wälder zieht und seinen Verfolgern nette Booby Traps hinterlässt, ist die Überraschung umso größer. Eine zweite überlebensgroße Figur neben Xander hätte ENEMIES CLOSER auch nicht gut zu Gesicht gestanden: Van Damme liefert eine anbetungswürdige Darbietung und einen Schurken ab, die in der Ahnengalerie der Action Villains einen Ehrenplatz verdient hat. So bleibt unterm Strich ein packender, actiongeladener und äußerst kompetent inszenierter Thriller, der die teurere Konkurrenz keinesfalls zu scheuen braucht. Klasse!