Mit ‘Tom McLoughlin’ getaggte Beiträge

friday-the-13th-6Die „Mission“, die Tom McLoughlin als Autor und Regisseur von Teil 6 angetreten war, lässt sich wie folgt umreißen: 1) Er musste die vom Jason-losen Vorgänger enttäuschten Fans mit einer besonders ausgedehnten Rolle ihres Idols und einer porentief reinen Umsetzung des Stalk ‚N‘ Slash-Prinzips besänftigen. 2) Damit dies gelänge, musste er Jason zu einer echten Onscreen-Präsenz verhelfen, ihn zu einem nicht mehr nur heimlichen Protagonisten und Helden machen, anstatt ihn nur ab und zu durchs Bild huschen zu lassen. 3) Ferner hatte er das damit einhergehende „Spannungsproblem“ zu lösen: Da Anwesenheit und Identität des Killers nicht mehr mit Suspense einhergingen, musste er etwas finden, das einen adäquaten Ersatz darstellte. Das Ergebnis: JASON LIVES: FRIDAY THE 13TH PART VI ist ein actionlastiger Spoof geworden, in dem Jason fast mehr Screentime hat als sein menschlicher Gegner Tommy (Thom Mathews) und seine Morde nicht mehr Anlass für Schock und Schrecken sind, sondern für Gelächter und Szenenapplaus.

Der in FRIDAY THE 13TH: A NEW BEGINNING bereits zum zweiten Mal nach FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER angestoßene Kniff, Tommy zum Erben Jasons zu machen, wird mit JASON LIVES dann auch zum zweiten Mal verworfen. McLoughlin variiert zunächst die Eröffnungsszene des Vorgängers: Damals träumte Tommy, wie zwei Rowdies Jasons Grab öffnen und ihn so zum Leben erwecken, nun begeht er höchstselbst diesen Fehler: History repeats itself, das weiß man spätestens aus den FRIDAY THE 13TH-Filmen. Ein Blitz versorgt den faulenden Killer mit neuer Lebensenergie und fortan prescht er durch den Wald, wo das ehemalige Camp Crystal Lake unter dem Namen „Camp Forest Green“ seiner Neueröffnung entgegensehnt. Tommy versucht den Sheriff (David Kagen) zu warnen, wird jedoch im Stile eines Hitchcock-Helden nicht für voll genommen, sondern kurz entschlossen eingeknastet, bis ihm die fesche Megan (Jennifer Cooke), die Tochter des Gesetzeshüters, aus der Patsche hilft. Am Ende eines ausgedehnten Gemetzels wird der Klller im Crystal Lake versenkt, wo er auf Teil 7 wartet.

Nach der atmosphärischen Auftaktsequenz um Jasons Wiedererweckung (Teil 6 ist das erste Sequel, das auf eine Best-of-Compilation zu Beginn verzichtet) stellt eine kleine James-Bond-Hommage die Weichen: Wie der Superagent läuft Jasons von rechts nach links ins Bild und wirft ein Beil Richtung Zuschauer, woraufhin sich aus dem sprudelnden Blut der Titel herausschält. Im weiteren Verlauf wundert sich ein besoffener Totengräber beim Anblick von Jasons offenem Grab darüber, was manche Menschen für „Entertainment“ halten, wird eine Gruppe trotteliger Weekend-Warriors beim Gotchaspielen hinweggerafft (darunter auch ein Woody-Allen-Lookalike), liest ein kleines Mädchen im Ferienlager Sartres „No Exit“, sind die zahlreichen Morde übertriebener und comichafter, der Film insgesamt poppiger und viel, viel sauberer als alle Teile zuvor. Es gibt durchaus ein paar hübsche Einfälle: Dass Kinder anwesend sind, schafft eine gewisse Fallhöhe, doch verhält sich Jason ihnen gegenüber eher wie ein Schutzgeist. Seine wahren Feinde sind die Counsellors, die ihn einst absaufen ließen. Eine tolle Aufnahme zeigt den stoischen Mörder nach getaner Arbeit sein Werk betrachtend auf dem Wrack eines umgestürzten, noch dampfenden Wohnmobils. Und mit dem Duell zwischen Tommy und seiner Nemesis mitten auf dem See schlägt McLoughlin sehr schön den Bogen zum Ursprung der Reihe. Wie der Film überhaupt durchweg sauber inszeniert und überaus effektvoll fotografiert ist. Doch all das täuscht nicht darüber hinweg, dass JASON LIVES: FRIDAY THE 13TH Part VI als Horrorfilm auf ganzer Linie versagt. Die Omnipräsenz Jasons raubt der Figur jegliches Mysterium, seine Opfer sind nur darauf angelegt, von ihm umgebracht zu werden, alle existenzielle Schwere ist aus dem Film gesaugt. Zur Ehrenrettung McLoughlins muss man sagen, dass sein Vorhaben grundsätzlich auf richtigen Beobachtungen fußt: Die Geschichte um den Killer war spätestens nach dem vierten Teil auserzählt, wahrscheinlich sogar früher, und das, was die Kids in die Kinos lockte, waren eben die kreativen Morde und der Hüne mit der Eishockeymaske. Aus diesen Zutaten ließ sich anno 1986 nur noch sehr bedingt ein waschechter Horrorfilm machen, der Wandel zum spaßigen Comicvehikel mit Jason als Helden war mehr als naheliegend. Besser macht das diesen sechsten Teil aber trotzdem nicht: Einem gesichtslosen, stummen Killer dabei zuzusehen, wie er völlig egale, eindimensionale Pappkameraden in Slapstickmanier um die Ecke bringt, ist nur bedingt unterhaltsam. Früher mochte ich den Film ganz gern, heute würde ich sagen, dass er von allen FRIDAY THE 13TH-Teilen am schlechtesten gealtert ist.

Die sensible Julie Wells (Meg Tilly) will unbedingt zur hippen Highschool-Clique der zickigen „Sisters“ gehören. Die haben zwar gar nicht vor, Julie aufzunehmen, lassen sie aber trotzdem eine Aufnahmeprüfung machen: Julie soll eine Nacht im Friedhofsmausoleum verbringen, wo die „Sisters“ sie natürlich ordentlich erschrecken wollen. Was die Damen nicht ahnen: In jenem Mausoleum ist am selben Tag der paranormal begabte „Raymar“ beerdigt worden, der unter äußerst mysteriösen Umständen das Zeitliche gesegnet und dazu mehrere junge Damen mit sich genommen hatte. „Raymar“, so erfahren wir, ist ein „Psychic Vampire“: Er saugt Menschen Lebensenergie ab, um diese dann in telekinetische Energie umzuwandeln. Und auch als Leiche hat er noch einiges von seiner Macht behalten. Es verspricht eine lustige Nacht zu werden …

ONE DARK NIGHT hat eine unverbrauchte Grundidee aufzuweisen, eine zweckdienliche Regie von McLoughlin (der als nächstes den spaßigen FRIDAY THE 13Th Part 6: JASON LIVES machen sollte), eine schöne Kameraarbeit, die vor allem in der Eröffnungsszene um den grausligen Leichenfund in Raymars Appartement einiges leistet, sowie einen feinen Score, der an den Stellen für die nötige Stimmung sorgt, wo der Film sie sonst etwas vermissen lässt. ONE DARK NIGHT braucht für meinen Geschmack nämlich ein bisschen zu lang, um zu Potte zu kommen, hält sich sehr ausgiebig mit der Exposition auf, die nun alles andere als spannend ist, und gönnt sich den ein oder anderen unnötigen erzählerischen Schlenker. Das, was eigentlich von Interesse ist, nämlich die gruselige Nacht im Mausoleum, wird hingegen merkwürdig stiefmütterlich behandelt und so einiges Potenzial verschenkt. Julie schlendert ein bisschen durch die hell erleuchteten Hallen und guckt milde beunruhigt, doch das war’s auch schon bis zum Auftritt der gemeinen Sisters mit ihrer Gummimaske. Daraus hätte McLoughlin viel, viel mehr machen können, wenn nicht müssen. Zum Glück gibt es jedoch das wirklich tolle Finale, bei dem der auferstandene Raymar die versammelte Protagonistenschar mit in unterschiedlichem Verwesungsgrad befindlichen Leichen bewirft. Das ist eine hübsch eklige Idee, die dank der ausgezeichneten Effekte und Masken von Tom Burman auch zur vollen Wirkung entfaltet wird. Ich mochte ONE DARK NIGHT eigentlich ganz gern, ein bisschen mehr hatte ich mir aber trotzdem versprochen. Unterm Strich bleibt aber ein für seine Zeit recht origineller Grusler mit einer überaus niedlichen Meg Tilly. Was ist aus der eigentlich geworden?