Mit ‘Tom Skerritt’ getaggte Beiträge

hell_camp_coverDie Offizierin Casey (Lisa Eichhorn) meldet sich für einen Speziallehrgang, bei dem sie mit anderen Freiwilligen die Inflitration einer Insel erproben soll. Gemeinsam mit dem erfahrenen Piloten Logan (Tom Skerritt) bildet sie ein Team, das unerwartet schnell und problemlos das Ziel erreicht. Doch dann werden die beiden von den Männern der „Gegenseite“ gefasst und in ein Gefangenenlager verschleppt, das von Becker (Anthony Zerbe) und seinem Untergebenen Stafford (Richard Roundtree) mit unerbittlicher Härte geleitet wird. Handelt es sich wirklich nur um eine realistische Übung?

Eric Karson, der den meiner Meinung nach nahezu unansehbar öden Norris-Film THE OCTAGON verbrochen hat, legt mit OPPOSING FORCE ein kleines, abgründiges und hinterfotziges Meisterstückchen hin, dessen Betitelung sowohl im Original als auch in der deutschen Fassung irreführend ist: Bei seinem Film handelt es sich nämlich mitnichten um einen Vertreter des damals so populären Actionfilms, sondern eher um einen Thriller, der sich durch leichte Justierung einiger Stellschrauben gar in einen überaus fiesen Horrorfilm verwandeln würde. Die zugrundeliegende Idee einer aus dem Ruder laufenden Übung ist perfide und besitzt post-Guantanamo immer noch einige Sprengkraft. Das Szenario ist aber auch deshalb so spannend, weil Casey und ihre Kameraden die ganze Zeit über nicht wissen, ob die Qualen, denen sie ausgesetzt werden, nicht doch nur Teil der harten Ausbildung sind. Diese Ungewissheit hält Karson beinahe über die volle Distanz. Heute würde OPPOSING FORCE wahrscheinlich mit einer großen Schlussoffenbarung kaputtgemacht werden, etwa der, dass Becker eine geheime Mission verfolgt oder mit fremden Mächten im Bunde ist, Karson hingegen verzichtet auf einen solchen Clou. Man kann noch nicht einmal sagen, dass Becker abtrünnig geworden wäre: In der Isolation der Insel ist er einfach über das Ziel hinausgeschossen und seine Untergebenen haben das mitgetragen, weil ihnen die Außenperspektive fehlte. APOCALYPSE NOW ohne Halluzinogene quasi.

Ein geschickter Schachzug ist auch die Entscheidung, eine Frau zur Hauptfigur des Filmes zu machen. Nicht nur, weil es in OPPOSING FORCE auch um das Militär als Männerwelt geht, sondern vor allem, weil dadurch auch die Sexualität als Zielscheibe von Folter ins Blickfeld rückt. Man muss es Karson hoch anrechnen, dass die entsprechenden Szenen nie ins Schmierig-Voyeuristische abgleiten, sondern die Würde seiner Hauptfigur bewahren. Die Vergewaltigung Caseys durch Becker, die den Wendepunkt des Films markiert, empfindet man etwa als besonders niederträchtigen Übergriff, weil es die Offizierin innerhalb dieser Männerwelt noch einmal besonders diskriminiert. Ein starker, unerwartet unangenehmer, schmerzhafter und intelligenter Film.

Es gibt Filme, die wollen einfach nicht klicken. BIG BAD MAMA habe ich jetzt wohl zum dritten Mal eingeschmissen, nachdem ich ihn bislang immer nach kürzester Zeit wieder ausgemacht habe. Ich war besten Willens, aber es funktioniert einfach nicht. Ich finde die geschäftige Aufregung des Films, die unermüdliche Aneinanderreihung heiterer Episoden, die kundenorientierte Verbindung von Sex und Crime nicht etwa unterhaltsam und temporeich, sondern hochgradig öde und nervtötend.

BIG BAD MAMA erzählt, wahrscheinlich inspiriert vom Erfolg von Cormans eigenem BLOODY MAMA, von der Karriere von Wilma McClatchie (Angie Dickinson), die ihren beiden Töchtern Billie Jean (Susan Sennett) und Polly (Robbie Lee, bekannt aus SWITCHBLADE SISTERS) während der Depression ein sorgenfreies Leben ohne Armut ermöglichen will und sie deshalb auf eine verbrecherische Tour gen Westen mitnimmt. Sie verdingen sich erst als Moonshine Runner, nehmen dann kleinere Etablissements und Banken aus – mithilfe der unterwegs aufgelesenen Ganoven Fred Diller (Tom Skerritt) und William J. Baxter (William Shatner) –, bis sie ihren großen Coup planen: die Entführung einer Millionärstochter.

Das Problem ist wohl, dass dem von Steve Carver (der bei Chuck-Norris-Filmen deutlich besser aufgehoben war) mit dem erzählerischen Talent eines Buchhalters realisierten Film jeder dramaturgische Überbau fehlt. Mama McClatchie will also, das es ihren Töchtern gut geht. Das war’s und muss als Motivation für ihre Verbrechen ausreichen. Die Töchter sind ähnlich unterentwickelt und ihre Rolle erschöpft sich im weiteren Verlauf des Films darin, in regelmäßigen Abständen blank zu ziehen. Carver bemüht für seinen episodenhaft zerfallenden Film dabei eine slapstickartige quirkiness, die einfach nur billig und in Verbindung mit dem spekulativen Inhalt auch etwas abstoßend wirkt. Was man mit mehr Talent aus dem Stoff machen kann, hat Jonathan Demme ein Jahr später mit CRAZY MAMA bewiesen. Dass Corman nur ein Jahr nach BIG BAD MAMA bereits ein Quasi-Remake in Auftrag gab, sollte hinsichtlich der Qualität dieses Films zu denken geben. Aber wie gesagt: Vielleicht ist das ja auch nur mein ganz persönliches Problem.

Alien-intro_3064438bVon Kubricks 2001: A SPACEY ODYSSEY sagt man oft, er habe aus dem Science-Fiction-Film, der damals, in den späten Sechzigerjahren, überwiegend ein Thema für Jugendvorstellungen oder Drive-in-Kinos war, ein respektables Genre gemacht, mit dem sich plötzlich auch Intellektuelle beschäftigen konnten. Ridley Scotts ALIEN kommt ein ähnliches Verdienst für den Monsterfilm zu. Der inhaltlich sowohl vom Fünfzigerjahre-Heuler IT! THE TERROR FROM BEYOND SPACE als auch von Mario Bavas TERRORE NELLO SPAZIO inspirierte Film jagte dank Gigers phänomenaler Designs auch Menschen einen Schrecken ein, die für grellen Schlock sonst eher unempfänglich waren. Auch weil Scott auf tief im Innersten verschüttete Urängste vor dem Verlust der sexuellen Identität abzielte, anstatt bloß die Furcht der Menschen vor potenziell feindlich gesonnenen Außerirdischen zu schüren, wie es der Science-Fiction/Monster-Film bis dahin überwiegend getan hatte. Die Besatzung der Nostromo wird nicht einfach hinweggerafft, sie wird geschwängert, penetriert und versklavt von einem zweibeinigen Phallus mit spermatriefendem, bezahntem Zungenpenis, dessen Hunger auf Männlein wie Weiblein gleichermaßen unstillbar ist. ALIEN ist in erster Linie ein Triumph der Ausstattung wie der Atmosphäre. Das Leben auf der Nostromo, die Durchkreuzung des Weltalls hat nichts mehr mit bunten Enterprise-Fantasien zu tun, sondern ist auch nur eine Verlängerung echter Arbeit. Das Schiff ist dreckig, das Essen miserabel, die Bezahlung schlecht und der Arbeitgeber – ein anonym bleibender Konzern – sitzt immer am längeren Hebel. Es findet wenig explizites World Building statt: Man erfährt nicht viel über die Umstände der Mission, auf der sich die Nostromo befindet, noch über das Leben auf der Erde oder die Zeit, in der der Film spielt. Der Film fängt so an, als läge all das auf der Hand. Gerade das macht ALIEN so ungemein effektiv: Man ist sofort drin, weil man alles wiedererkennt als lediglich einige hundert Jahre in die Zukunft gedachte Gegenwart. Wovon logischerweise auch der Monsterplot profitiert, weil er von der Authentizität der Darstellung mitgetragen wird. Scotts Film hat eine unglaubliche erste Hälfte: die Ruhe, mit der er den Zuschauer mit Schiff und Besatzung bekanntmacht, setzt sich in den Vorbereitungen zur Landung und der Erkundung des fremden Planeten fort. Die sonst übliche Hektik und Geschäftigkeit weichen der Routine und der Müdigkeit nach Monaten im All. Alle wollen nur nach Hause, stattdessen müssen sie auf einem gottverlassenen Stein landen, um einem rätselhaften Notsignal nachzugehen. Die Handlung ist ähnlich klaustrophobisch strukturiert wie das Setting: Menschen tun Dinge, die sie nicht tun wollen, aber tun müssen. Und der Zuschauer ahnt bereits, dass das alles kein gutes Ende nehmen kann. Der Besuch auf dem fremden Planeten ist – neben der legendären Chestburster-Szene natürlich – der Höhepunkt des Films. Seine postapokalyptische, aschfarbene Oberfläche, die wie Skelettfinger in den schwarzen Himmel ragenden Trümmer eines fremdartigen Raumschiffes mit seine Vulva-artigen Eingängen, sein in seiner Fremdartigkeit und schieren Größe an Lovecraft erinnernde Interieur, der riesenhafte Leichnam, schließlich die Höhle mit den Eiern. Spätestens, wenn sich eines von ihnen öffnet und den Blick freigibt auf das pulsierende Innenleben, gibt es eigentlich kein Halten mehr und es ist fast eine Erlösung, wenn die konstant gehaltene Drohgebärde sich im Angriff des Facehuggers konkretisiert. Wie Scott während dieser ersten Hälfte des Films die Daumenschrauben in aller Seelenruhe ansetzt und dann unaufhörlich festzieht, ist schlicht beeindruckend. Wenn schließlich das ausgewachsene Alien durch die dunklen Gänge der Nostromo schleicht, die anscheinend nur dafür konstruiert wurden, ihm Tarnung zu verschaffen – man vergleiche die Darstellung des Schiffs in jener zweiten Hälfte des Films mit der vom Anfang, um den Unterschied zu bemerken. (Besonders rätselhaft ist sicherlich der Raum, in dem es Brett erwischt: Mit den herabhängenden Ketten fühlt man sich unweigerlich an einen Underground-Club mit SM-Thematik erinnert – nur eines von vielen Beispielen für die kaum noch unterschwellig zu nennende sexuelle Aufladung von ALIEN.) –, wird Scotts Film ein wenig herkömmlicher und auch, wenigstens aus heutiger Sicht, etwas „gummiger“. Aber der Zuschauer ist dann ja eh schon hoffnungslos verloren. Wer behauptet, mit ALIEN sei Scott einer der unheimlichsten Filme aller Zeiten gelungen, hat damit sicherlich nicht Unrecht. Und das fast erotisch zu nennende Finale zwischen der halbnackten Ripley (Sigourney Weaver) und dem wie ein Triebtäter in ihr Schlafgemach gedrungenen Alien, ist eine Sternstunde seines Schaffens. Ich habe ja ein eher gespaltenes Verhältnis zu dem Mann, finde sein Werk in den letzten 30 Jahren bis auf wenige Ausnahmen ziemlich furchtbar, aber ALIEN ist auch fast 40 Jahre nach seiner Entstehung immer noch meisterlich. Und wenn ein nicht unerheblicher Teil seiner Wirkung auch auf Giger zurückgehen mag: Scott hat genau verstanden, was er mit dessen Ideen anzufangen hatte.

Als der Lehrer Johnny Smith (Christopher Walken) nach einem Autounfall aus dem fünfjährigen Koma erwacht, ist nichts mehr wie vorher: Seine Partnerin Sarah (Brooke Adams) hat ihn verlassen, er muss erst wieder lernen zu laufen und außerdem hat er eine neue Fähigkeit: Er kann in die Zukunft der Menschen schauen, wenn er ihnen die Hand reicht. Doch mit dieser Gabe geht auch eine große Verantwortung einher: Was soll man tun, wenn man weiß, dass der Politiker Greg Stillson (Martin Sheen), der sich derzeit anschickt, Senator zu werden, in der Zukunft den Dritten Weltkrieg auslösen wird? Für Johnny gibt es nur eine Antwort auf diese Frage …

Mit seiner Verfilmung des Stephen-King-Bestsellers – seiner ersten Studioproduktion, die einen wichtigen Karriereschritt bedeutete – reiht sich Cronenberg in die nicht allzu große Riege von Filmemachern ein, denen die Umsetzung eines Romans des Meisters auf die Leinwand ohne Abstriche gelang. THE DEAD ZONE gehört meiner Meinung nach zu den drei mit einigem Abstand besten King-Adaptionen (zusammen mit CARRIE und THE SHINING) und das ist ohne Zweifel der inszenatorischen Klasse Cronenbergs zuzuschreiben – auch wenn der hier als auteur etwas in den Hintergrund tritt, sich dem Stoff unterordnet. Im Zentrum des Films steht ganz eindeutig Christopher Walken als Johnny: Vom für ihn ungewohnten Typ „Schwiegermutters Liebling“ der ersten Minuten verwandelt er sich im weiteren Verlauf ganz allmählich in den grüblerischen, charismatischen, geheimnsivollen, körperlich enorm raumgreifenden Charakter, den man von ihm gewohnt ist und es ist eine Freude, ihm dabei zuschauen zu dürfen. Wenn er als Johnny mit dem Gehstock spazierengeht, seine enorme Schrittlänge dabei deutlich macht, wie sehr er die Krücke wegschleudern möchte, wie sehr er versucht, sie einfach zu vergessen, dann ist das genau jener tänzerische, verspielte Walken, der einem mit seiner Elvis-Impression in Ferraras KING OF NEW YORK fast zur Homosexualität bekehrt hätte. Es ist sein Verdienst, dass das Schicksal Johnnys einen so enormen emotionalen Nachhall findet.THE DEAD ZONE ist niederschmetternd.

Cronenberg ist nicht unbedingt für besonders warme oder gar liebevolle Filme berühmt geworden. Wie er die Neurosen seiner Protagonisten seziert, das hat immer auch etwas Mitleidlos-Wissenschaftliches. Den wenigsten von ihnen hat er ein glückliches Ende geschenkt und auch für Johnny darf man sich keine allzu großen Hoffnungen machen, das ist schon recht früh klar. THE DEAD ZONE, das ist auch eine Erlösergeschichte: Da opfert sich jemand, damit die Menschheit weiter bestehen kann. Cronenberg inszeniert diese Geschichte erwartungsgemäß ohne großes Pathos, ohne Tearjerking und tränenreiche Abschiede. Bewegend ist sein Film trotzdem, weil seine Sachlichkeit klar macht, dass hier jemand eine Verantwortung aufgebürdet bekommt, die er zwar nicht tragen will, zu der er aber trotzdemvollkommen bekennt. Kings Roman beschäftigt sich mit philosophischen Fragestellungen um Schicksal, Vorhersehung, Determinismus und den moralischen Folgen, die daraus erwachsen, aber Cronenberg streift diese Fragen allenfalls, er verhandelt sie nicht. Ihm geht es vor allem um die Konsequenzen, die Johnnys Begabung für ihn ganz persönlich hat. Kein Wunder also, dass THE DEAD ZONE ambivalent bleibt: Zwar hat Johnny dank seiner Fähigkeiten die Welt vor dem Nuklearkrieg bewahren können, doch für ihn selbst kann es keine Rettung mehr geben.Es ist auch diese utilitaristische Strenge, die den Film so schockierend macht.

Dominik Graf hat in seinem prächtigen Text zu THE DEAD ZONE, der in dem Buch „David Cronenberg“ von Bertz & Fischer erschienen ist (zu dem ich ja auch etwas beisteuern durfte), die großartige Besetzung des Filmes hervorgehoben, deren Leistungen Cronenberg durch seine episodische Inszenierung noch unterstreicht: Herbert Lom ist wunderbar als väterlich-fürsorglicher Arzt, Tom Skerritt leidet als Sheriff sichtbar darunter, einen Serienmörder nicht fassen zu können, Anthony Zerbes wachsam funkelnde Augen brennen sich durch den Bildschirm hindurch und Martin Sheen lässt einem als reaktionär-krimineller Politiker die Galle hochkochen. In der Abfolge dieser Episoden erweckt Cronenberg tatsächlich den Eindruck, einem Leben zu folgen: Gesichter tauchen auf und verschwinden wieder. Jeder ist für einen kurzen Moment ein wichtiger Begleiter Johnnys, bevor das Leben ihn weiterzieht, dem unausweichlichen Ende entgegen. Insofern ist Johnny Smith – das sagt ja schon sein Name – ein ganz normaler Mensch: Er mag eine besondere Begabung haben, doch wichtig sind vor allem die die Entscheidungen, die er trifft, die Konsequenzen, die er zieht und das Schicksal, das er wählt. Die spannende und beängstigende Frage, die der Film aufwirft: Würden wir auch so handeln wie er?