Mit ‘Trash’ getaggte Beiträge

ghost shark (griff furst, usa 2013)

Veröffentlicht: Dezember 7, 2013 in Film
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Als ein paar Rednecks vor der Küste Louisianas einen Hai tödlich verwunden, kann dieser sich mit letzter Kraft in eine verfluchte Höhle retten, die jeden, der dort stirbt, als Geist wiederkehren lässt. In Folge wird das Städtchen Smallport von einem Geisterhai terrorisiert, der für seine Schandtaten nicht mehr ans Meer gebunden ist, sondern sich überall materialisieren kann, wo Wasser ist: Bürger Smallports werden also im Swimming Pool, aus dem Wassereimer, dem Wasserspender, dem Hydranten und dem Klo attackiert. Mit dem Leuchtturmwärter Finch (Richard Moll) versuchen Blaise (Dave Davis) und Vicky (Amy Brassette) den fischigen Spuk zu beenden …

Fürs Fernsehen gedreht, macht es GHOST SHARK selbst mir schwer, meine anhaltende Liebe für die schrottigen CGI-Monsterfilme der Gegenwart schlüssig zu verargumentieren. Die Effektarbeit ist wirklich aufreizend nachlässig, die Schauspieler zum Teil erbarmungswürdig schlecht, die Story trägt mit Mühe und Not über 60, aber keinesfalls über 90 Minuten. Sobald die Freude an der hirnrissig-genialen Prämisse und den kuriosen Geisterhaiauftritten sich etwas gelegt hat, bleibt nicht viel mehr als Ödnis. Das Finale ist so spannend wie die beliebte Fernsehshow „Ich trage einen großen Namen“, was mit den Protagonisten und dem Hai passiert, tangiert einen so sehr wie der berühmte Sack Reis in China, der der Erdanziehungskraft nachgeben muss. Schöner wäre es gewesen, einfach 90 Minuten lang zu zeigen, wie Menschen an den unmöglichsten Orten von einem durchsichtigen Hai gefressen werden und wie ihre Mitmenschen das erstaunlich gut verpacken. Mit Ausnahme des Bürgermeisters und des Sheriffs – natürlich – freunden sich alle erstaunlich schnell an mit der unglaublichen Tatsache: Die süße Cicely (Sloane Coe) nimmt es ganz gelassen hin, dass sie in ihrer Badewanne gefressen und dann aus unerfindlichen Gründen wieder ausgekotzt wird. Man möchte nicht wissen, was sie sonst so erlebt. Und die Straßenkids, deren Kumpels von einem plötzlich aus einem Hydranten herbeifliegenden Haigeist in der Mitte durchgebissen werden, zeigen auch keine Anzeichen von Panik oder auch nur Fassungslosigkeit. Aber schon Marky Mark wusste ja: „Life in the streets ain’t easy.“ Vielleicht konnten sie es aber auch einfach nicht fassen, dass man das Niveau einer Asylumproduktion so weit unterbieten kann. Ich fand’s ganz witzig, aber ob ich mir GHOST SHARK noch ein zweites Mal antun werde, möchte ich doch arg bezweifeln. Für die Szene, in ein armer Kerl den Hai aus dem Wasserspender zapft, trinkt und anschließend aufplatzt, archiviere ich ihn aber gern für die Nachwelt.

sharknado (anthony c. ferrante, usa 2013)

Veröffentlicht: November 9, 2013 in Film, Zum Lesen
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Wer meinen Blog verfolgt, der weiß, dass ich für die umstrittenen Mockbuster und Monsterfilme von The Asylum ein ausgesprochenes Faible habe. Mit SHARKNADO ist der kalifornischen Produktionsfirma nun eine veritabler Verleih-Coup gelungen, der ihnen einige Aufmerksamkeit beschert und ihren Namen auch in Deutschland bekannt gemacht hat. Mit dem gestiegenen Prestige sind auch die Stimmen derer lauter geworden, die die Geschäftsidee von The Asylum fragwürdig und kritikabel halten. In meinem Text für Hard Sensations habe ich mich mit der hinter der Kritik stehenden Argumentationslinie auseinandergesetzt, eine kleine Apologie für die „Mockbuster“ verfasst und natürlich SHARKNADO rezensiert. Wer neugierig auf den Film ist, dem empfehle ich die Blu-ray, auf der der schöne 2-HEADED SHARK ATTACK als Bonus enthalten ist. Meinen Text findet ihr hier.

Mein Abarbeiten des Haufens bemitleidenswerter Monsterfilme aus der Schmiede der Produktionsfirma The Asylum geht weiter. Für die armen Kollegen habe ich mich des Schlange-versus-Kroko-Films MEGA PYTHON VS. GATOROID angenommen, über den ihr hier eine Rezension lesen könnt. Außerdem möchte ich eure Aufmerksamkeit auf einen Text lenken, zu dem mich der unglaublich bescheuerte MEGAPIRANHA inspiriert hat: In einem Einakter habe ich versucht, zu zeigen, wie ein solcher Wahnsinn möglicherweise entstehen könnte. Nehmt euch etwas Zeit, schüttet euch ein kühles Bier ein, greift euch etwas Knabbergebäck und dann klickt hier. Danke!

Um mich von pakistanischen Actionfilmen zu erholen und Kraft für die mir auf der Weltreise bevorstehenden Inder zu tanken, habe ich ein paar Krakenmonsterfilme geschaut und für Hard Sensations einen Artikel dazu geschrieben, der so lang geraten ist, dass ich ihn in zwei Teile spalten musste. Teil 1 ist heute online gegangen und wartet darauf, von euch gelesen zu werden. Ich wünsche viel Vergnügen! Klick hier.

Während meine Actionkolumne auf Hard Sensations weiterhin im künstlichen Koma schlummert (sie ist noch nicht tot, versprochen!), arbeite ich hart daran, zum deutschen Direct-to-Video-Monstertrash-Experten zu werden (denn die Konkurrenz schläft nicht). Immer am Puls der Zeit, habe ich mir Fred Olen Rays neuestes Wunderk namens SUPERSHARK angeschaut, das dieser Tage via Sunfilm bei uns auf DVD erscheint. Ob es sich lohnt, den örtlichen MediaMarkt zu stürmen, um dort mit Ehrfurcht gebietendem Bariton nach der Herausgabe Scheibe zu verlangen und die Filiale bei Nichtverfügbarkeit mit den Abertausenden anderen darbenden Monstertrash-Kunden zu verwüsten, könnt ihr hier nachlesen. (Wem das zu aufwendig ist, hier die Kurzantwort: Ja.)

Männer vergewaltigen Frauen und werden von einer mysteriösen Katzenfrau blutig dafür bestraft. Ein Polizist ermittelt und verdächtigt einen Rocker, der aber unschuldig ist. Eine Gang grell geschminkter und gekleideter Punks treibt ihr Unwesen und wird nach und nach von der Katzenfrau dezimiert. Zwischendurch singen Menschen und dicke Frauen machen Bauchtanz …

Ich fürchte zwar, der obige Versuch, diesen Film in ein paar Sätzen zusammenzufassen, hilft niemandem wirklich weiter, aber viel mehr als das habe ich einfach nicht mitbekommen: Das liegt zum einen mal wieder daran, dass es weder eine Untertitelspur noch eine Synchro zu diesem bizarren Film gibt, viel mehr aber noch daran, dass sich alles in DA KHWAR LASME SPOGMAY dem gesunden Menschenverstand verschließt, zumindest jenem, der im Westen geprägt wurde. Zum Glück habe ich diesen Text gefunden, sodass ich mit meiner Traumabewältigung nicht ganz allein bin. Und ein paar der lebensnotwendigen Hintergrundinformationen, die ich ihm entnommen habe, fasse ich hier mal kurz zusammen, weil ich sonst kaum weiß, wie ich das Chaos in meinem Kopf, das dieser Film ausgelöst hat, in einen lesbaren Eintrag umformen soll. DA KHWAR LASME SPOGMAY ist ein Pashto-Film: Er entstammt einer in Peshawar, im Nordwesten Pakistans zentrierten Filmindustrie, deren Produktionen sich überwiegend an die Paschtunen richtet, ein als konservativ geltendes Völkchen, dessen Lebensraum sich bis in den Süden Afghanistans erstreckt. Nach langsamem Start in den späten Dreißiger-/frühen Vierzigerjahren stieg die Zahl der Pashto-Filme in den späten Sechziger- und den Siebzigerjahren massiv an, bevor der Siegeszug von Fernsehen und Video in den Achtzigern dieser Entwicklung ein Ende bereitete. Um das Überleben der Industrie zu sichern, richteten sich die Filmproduktionen fortan vor allem an ein männliches, überwiegend armes Publikum: Sex & Crime standen fortan im Mittelpunkt des Interesses, der Ruf des Pashto-Kinos wurde nachhaltig beschädigt, es steht mittlerweile synonym für billigen Schund. Ein längeres Zitat: „Noted India and Pakistan film expert Omar Ali Khan […] has even mentioned that some cinemas would start out playing the normal sleazy awful film, then switch reels to European porn, and then return to the actual film for the final reel. Pashto cinema became known for women wearing skimpy costumes gyrating around with repeated zooms or closeups of the crotch region. It is just a weird thing to see. And these films passed the censor boards in the area, making the whole thing even more bizarre. Pashto men are manly men with big mustaches and everyone is shouting all the time. It’s like Turkish film to the power of 100.“

DA KHWAR LASME SPOGMAY – was angeblich so viel bedeutet wie „Schön wie der 14. Mond“ – ist zunächst mal lang: 110 Minuten dauert der zweifelhafte Spaß, wobei schätzungsweise 40 davon für zahlreiche ausgedehnte Gesangs- und Tanznummern draufgehen. Formaltechnisch ist er eine mittlere Katastrophe: Er sieht unglaublich billig aus und wirkt mit seinen zahlreichen Verschmutzungen und den ausgeblichenen Farben trotz seines doch recht niedrigen Alters wie ein aus irgendeinem verschütteten Archiv geborgener Film aus den frühen Siebzigerjahren. Zwischendurch ist eine Szene mal völlig unscharf, was die Illusion, dass hier auch mal nicht der erste Take genommen worden sein könnte, endgültig zerstört. Schnitt und Ton gehen eine unheilige Allianz ein, scheinen einzig das Ziel zu verfolgen, die Zuschauer in den Wahnsinn oder in einen epileptischen Anfall zu treiben: Da kreischt und dröhnt es in einem Fort, während irgendwo darunter ein geklauter Score vor sich hin dudelt, und dazu die Bilder der Katzenfrau – die Regisseurin höchstselbst, die eine Badekappe mit Katzenohren sowie Handschuhe mit Plastikkrallen trägt – im Stroboskop-Rhythmus auf einen niederprasseln. Überhaupt die Frauen: Konnte man auch am sehr züchtigen, fast verschämten ZINDA LAASH noch gut erkennen, dass der Pakistani ein Faible für mollige Frauen hat, so werden die kleinen Butterfässchen hier von allen Seiten ausführlich beleuchtet. Zwar gibt es keine explizite Nacktheit zu begutachten, dennoch legen die verschiedenen Damen jegliche Scheu ab, zeigen ihre weichen Speckpölsterchen von allen Seiten und inszenieren sich in einer Art, die man bei Damen ihres Formats in unseren Breiten (äehm …) als eher unpassend empfände. In einer lustigen Szene streckt eine Frau ihrem love interest den dicken Po entgegen, den dieser daraufhin mit seinen Fäusten bearbeitet wie einen Punchingball. Die Männer sind wie in obigem Zitat erwähnt alle beschnurrbartet und dominant, außer eben sie begegnen ihren dicken Herzensdamen: Dann sind sie plötzlich ziemlich unbeholfen. 

Normalerweise müsste ich nach etabliertem Baddie-Berichterstattungsbrauch noch en detail auf diverse Verfehlungen und Unglaublichkeiten dieses Films eingehen, aber das scheint mir gänzlich unmöglich. Irgendwann ab Minute 30 starrte ich ob der eigenen Unfähigkeit, das Gebotene irgendwie fassen zu können, nur noch völlig konsterniert auf den Bildschirm. Dutzende von handelnden Figuren geben sich in DA KHWAR LASME SPOGMAY die Klinke in die Hand und nahezu jede bekommt einen Partner zur Seite gestellt, mit dem eine eigene Gesangsnummer absolviert wird. Figuren, die man als Protagonisten ausgemacht zu haben glaubte, verschwinden einfach mal für eine halbe Stunde, bevor sie dann wieder zu alter Funktion zurückkehren. Irgendwann habe ich es tatsächlich als körperliche Arbeit empfunden, diesen Film weiterzusehen. Die Seherfahrung kann ich nur damit vergleichen, wie es wohl sein mag, auf LSD am Iron-Man-Triathlon teilzunehmen. Ich habe zwar weder Erfahrung mit halluzinogenen Drogen noch mit Triathlon, aber deshalb passt der Vergleich ja auch so gut: Nichts konnte mich auf DA KHWAR LASME SPOGMAY vorbereiten. Wer glaubt, schon alles gesehen zu haben, hat garantiert noch nie einen Pashto-Film gesehen. Danach ist nichts mehr so wie vorher und man weiß, dass man nichts weiß.

Bei einem Überfall der Wikinger auf eine Festung der Hunnen, entführen die bösen Nordmänner nicht bloß Attilas schöne Tochter Yonca (Fatma Belgen), sie erschlagen auch Tarkans (Kartal Tibet) treuen Freund, den Wolf Kurt. Der türkische Superheld schwört Rache und macht sich mit Kurts Sohn Kurt sogleich auf den Weg nach Norwegen, um die Wikinger Mores zu lehren. Deren Anführer Toro (Bilal Inci) hat eben den Wikingerkönig Gero gekillt und deswegen den Zorn von dessen Tochter Ursula (Eva Bender) auf sich gezogen. Die tapfere Ursula tut sich natürlich mit Tarkan zusammen, um Yonca zu befreien, die Tode von Kurt senior und Gero zu rächen und ein fieses Krakenmosnter zu plätten. Ach ja, die Tochter des Kaisers von China mischt auch noch mit …

Yeah! TARKAN VIKING KANI hält nun wirklich alles, was 3 DEV KANI bloß versprochen hatte. Aslans Film ist so dermaßen vollgestopft mit wüster Action, rührenden Kostümen, geklauter Soundtrack-Musik (u. a. kommen Morricones berühmte SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD-Melodie und außerdem Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ zum Einsatz, der Großteil dürfte allerdings aus Fleischers THE VIKINGS stammen), unbeweglichen Pappmachee-Monstern, schlechten Spezialeffekten, absurder Geschichtsklitterei, grellgelben Perücken und meterbreiten Schnurrbärten, dass man sich nach den knapp 90 Minuten fühlt, als habe man sich durch die Auslage einer Konditorei gefressen: pappsatt, aber überglücklich. Man muss diese unwiderstehliche Mischung aus Unbedarftheit und Übereifer einfach lieben: Da werden zwei brave Schäferhunde furztrocken als Wölfe bezeichnet und die verdörrte türkische Berglandschaft als Norwegen ausgegeben, verkommt die Reise ins finstere Mittelalter zu einer wilden Kostümparty, bei der grellbunter Plüsch de rigueur ist. Und je bescheuerter das alles ist, umso mehr scheinen die Schauspieler darauf bedacht, mit doppeltem Einsatz davon abzulenken. Wie die mit ihren Pappschwertern rumfuchteln, ihre albernen Perücken und ultratuckigen Kostüme mit äußerster Würde tragen und, wenn sie dann doch mal die Scham befällt, einfach eine Grimasse ziehen oder wüst rumschreien, nötigt dem Betrachter allerhöchsten Respekt ab.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, so irrwirtzig ist TARKAN VIKING KANI: Das bewegungslose Krakenmonster hat seit Ed Woods BRIDE OF THE MONSTER nix dazugelernt, bei einer Wikingerorgie werden die hilflosen Weiber von den euphorisierten Kerlen unter anderem mit einem Sprungtuch in die Höhe geworfen, das stolze Wikingerschiff verfügt offensichtlich über einen leistungsfähigen Außenbordmotor, die Wikingerburg (!) praktischerweise auch über ein ausladendes türkisches Bad mit viel prunkvollem Goldkitsch. All diese Details fallen aber hinter die den ganzen Film beherrschenden Raserei zurück: Spätestens nach einer halben Stunde wird das Drehbuch kurzerhand in die Tonne getreten. Statt sich des wohltemperierten Wechselspiels von Ruhepausen und Actionszenen zu bedienen, das man Dramaturgie nennt, steigert sich TARKAN VIKING KANI in einen unaufhaltsamen Rausch. Keilerei folgt auf Keilerei, bevor dann eine Keilerei dazwischengeschoben wird, um zur nächsten Keilerei überzuleiten. Dem Bemühen des Zuschauers, den Überblick zu behalten, wird eine schroffe Absage erteilt. Auch der Schnitt hilft bei der Beschleunigung eifrig mit: Scheiß was auf Rhythmus oder Überblick, Hauptsache es wird möglichst viele geiles Zeug in kürzester Zeit untergebracht. Und wenn mal was danebengeht, auch egal, man hat ja eh keine Zeit, darüber nachzudenken. Mit schnöder Vernunft kommt man hier nicht weiter, TARKAN VIKING KANI ist genau der Film, der vor dem inneren Auge des Achtjährigen vorbeizieht, wenn er mit dem Playmobilpiratenschiff in der Badewanne sitzt oder seine Cowboy- und Indianerfiguren den Angriff auf die Ritterbrug proben lässt. Mehmet Aslan ermöglicht es für die Dauer seines Films, nochmal in die Haut dieses Kindes zu schlüpfen. Wunscherfüllung par excellence.