Mit ‘Trash’ getaggte Beiträge

Der böse Gangster Spider macht mit seiner Spider (Murphy?) Gang die Türkei unsicher. Weil man sich dort nicht zu helfen weiß, holt man sich die Besten der Besten aus den USA: Captain America (Aytekin Akkaya), der zum Glück ausgezeichnet Türkisch spricht, seinen Kumpel Santo (Deniz Erkanat) und ihre schöne Assistentin. Messerscharf haben sie die kriminelle Methode des in ein grünrotes Spiderman-Ganzkörperkondom gehüllten Superverbrechers analysiert: Er klaut wertvolle kulturelle Artefakte (= hässliche Nippesfiguren), die angeblich „hunderttausend“ wert sein sollen, verramscht sie für wenig Geld an amerikanische Artefakthändler und kauft sie dann für große Falschgeldbeträge zurück. Was sich selbst für Menschen mit nur geringem kaufmännischen Talent nach einem doppelten Verlustgeschäft anhört – wertvolle Gegenstände unter Wert verkaufen und dann aufwendig produziertes Falschgeld verschleudern, um sie sich wieder zurückzuholen? –, muss in einer Welt, in der solche Dialoge gesprochen werden, als Supercoup gelten: Kommissar Orhan zu Captain America: „Why are you wearing masks and costumes during work?“ Captain America: „Spider is a child minded lunatic. When he sees someone wearing a mask, he wants to destroy them. My costume is bulletproof.“ Kommissar: „I see.“ Ach so, na dann.

Die Hatz auf den Schurken läuft dann ab wie ein Bond-Film ohne Schauwerte: Die Helden sind anscheinend fest davon überzeugt, dass das Verfolgen rätselhafter Hinweise und die damit verbundenen Schauplatzwechsel, das fleißige Ausspionieren von angeblich Verdächtigen und manische Durchwühlen irgendwelcher Schubladen einer streng kriminalistischen Logik folgt, aber der Zuschauer hat spätestens nach 20 Minuten komplett die Orientierung verloren: Da ist immer die Rede von einer Yacht, die der Spider Gang als Basis dient, aber im ganzen Film ist kein einziges Schiff zu sehen. Da präsentiert Santo immer wieder stolz gefundene Papierfetzen, die irgendwas beweisen sollen, ohne das man erfährt, was. Da stellt sich plötzlich heraus, dass die Bösen auch irgendwie in einem Stripclub drinhängen, und schon wird flugs die schöne Assistentin dort eingeschleust, um etwas herauszufinden, was doch eigentlich eh keinen interessiert. Denn wenn man ehrlich ist, sind Captain America und Santo als knallhart ermittelnde und kombinierende Kriminalisten vollkommen unterbelichtet. Es ist ihr Glück, dass auch der supergerissene Spider, dem die buschigen Augenbrauen aus den Gucklöchern wachsen, nicht gerade eine Low-Profile-Strategie verfolgt: So wird das lästige Verfolgen von Spuren immer wieder von kräftigen Balgereien unterbrochen, bei denen der Captain und Santo dann ganz in ihrem Element sind. 3 DEV ADAM verliert sich zum Schluss endgültig in einer Folge wilder Prügeleien, während derer sich herausstellt, dass Spider offensichtlich mehrere Doppelgänger hat oder aber magisch begabt ist. Nachdem die Helden ihn ca. fünf Mal gekillt haben ist er dann aber tatsächlich hinüber.

Ein bisschen enttäuscht war ich schon von diesem Film. Ein charismatischer Szenenfresser wie Cüneyt Arkin fehlt an allen Ecken und Enden und das einzige, was wirklich komplett durchgeknallt ist an 3 DEV ADAM ist sein Mangel an Wahnsinn. Das muss man auch erst einmal hinbekommen: Einen Film zu drehen, in dem Captain America und Santo auf Geheiß der türkischen Polizei in die Türkei kommen, um das Criminal Mastermind Spiderman dingfest zu machen, und das als beinahe bodenständigen Krimi anzulegen. Während andere Türkploitation-Vertreter regelmäßig das Raum-Zeit-Kontinuum ins Wanken bringen, eine Gefahr für den fragilen menschlichen Verstand bedeuten und ihre Zuschauer an existenzielle Grenzen und darüber hinaus führen, da bleibt dieser hier trotz seiner Anlage merkwürdigerweise krampfhaft auf dem Teppich. Klar, wenn ein Verräter vom Spiderman einer Rattenfolter unterzogen wird, statt der fiesen Nager aber possierliche Meerschweinchen zum Einsatz kommen, ist das schon ziemlich einmalig. Aber es ist eben nur ein Moment in einem Film, der einige mehr davon vertragen hätte.

Haris Stavropoulos (Dimitris Voyatzis) ist ein obsessiver Serienvergewaltiger und Ladendieb. Kein Tag vergeht, an dem er nicht irgendwelchen Frauen oder auch Schulmädchen nachstellt, sich mit fadenscheinigen Geschichten ihr Vertrauen erschleicht, wie ein Irrer über sie herfällt und sich danach zu Hause verzückt in Allmachtsfantasien suhlt. Eines seiner Opfer, Teresa, die Freundin eines erfolgreichen Popsängers, ist von seiner Vergewaltigung nachhaltig beeindruckt: Sie kann ihren Schänder einfach nicht vergessen, hat sich Hals über Kopf in ihn verliebt …

Zunächst muss ich mich bei allen Griechen entschuldigen: Als sei ihr Heimatland, das als Wiege unserer Zivilisation gilt, mit Homer einen der bedeutendsten Künstler überhaupt und außerdem zahllose weitere große Denker hervorgebracht hat, mit der Springer-Propaganda, der finanziellen Misere und „Vorzeigegriechen“ wie Costa Cordalis, Nana Mouskouri und Vasili Sarikakis nicht schon genug gedemütigt, muss jetzt also auch noch Voyatzis‘ unterirdischer Schmier- und Schmuddelfilm als Beispiel griechischer Filmkunst herhalten. Selbst wenn man ein ausgesprochenes Faible für Schund hat, man als hartgesottener Exploitation- und Trash-Freund auch das Gesamtwerk Bruno Matteis ohne mit der Wimper zu zucken goutiert: Was Voyatzis hier auffährt, schlägt dem Fass den Boden aus. Er selbst spielt den Vergewaltiger als stets verschwitzten, manisch grimassierenden Schmierlappen, der nur von seiner krankhaften Lust am Leben gehalten zu werden scheint, und die irren Fratzen, zu denen sich sein Gesicht nach erfolgreich vollendeter Tat verzerrt, lassen selbst einen bis zur Hutkrempe zugekoksten Kinski noch als lethargischen Stoiker erscheinen. Der Film reiht Stavropoulos‘ Streifzüge ohne nennenswerten Spannungsaufbau aneinander, folgt ihm in geschmacklose Boutiquen, in denen er stets kettenrauchend Hemden und Schlüpfer mitgehen lässt, in von farbenblinden eingerichtete Absteigen und hoffnungslos zugemüllte und ausschließlich mit den hässlichsten Einrichtungsgegenständen bestückte Apartments. Dort trifft er dann auf seine „wunderschönen “ Opfer: käsige Trümmerfrauen mit Vokuhila-Frisuren, Krampfadern und Fettfalten, denen er die grotesken Polyesterblusen vom schwammigen Leib reißt, um sich wie ein epiletischer Bäckermeister an ihren teigigen Brüsten zu vergreifen.

HOBBY MOU … O VIASMOS! – was so viel bedeutet wie „Vergewaltigung ist mein Hobby!“ – zeigt mit sprachlos machender Konsequenz die ganze Hässlichkeit des Durchschnittlichen: Er folgt keiner Ästhetik des Hässlichen, wie es meinetwegen Giovinazzo in COMBAT SHOCK tut, Jim van Bebber in DEADBEAT AT DAWN oder auch Gaspar Noe in SEUL CONTRE TOUS, vielmehr frönt er einer totalen Antiästhetik. Der Film ruft mit seinen deprimierend stilfreien Bildern ein handfestes Ekelgefühl hervor und wenn er auch noch riechen würde, so würde er die Nasen seiner hilflosen Zuschauer wahrscheinlich mit einer Mischung aus kaltem Zigarettenrauch und überfülltem Aschenbecher, altem Schweiß, Käsefüßen, billigem Parfüm, tagelang im Kunstfaserslip gegorenem Altherrensack, Mundgeruch und vollgepissten Unterführungen erfreuen. Man stelle sich einen Film vor, dessen Cast sich ausschließlich aus den abstoßendsten Teilnehmern der (zum Glück der Vergangenheit angehörenden) Mittagstalkshows zusammensetzt und an den scheußlichsten Orten künstlich hochgezogener mediterraner Touri-Nester der Achtziger spielt (Athen sieht hier aus wie ausgeschissen), mit der leidenschaftslosen Mucke talentfreier Coverbands untermalt und einer billigen Videokamera abgelichtet ist, die jede Farbe zu einer schimmlig-grünen Pastellkotze verblassen lässt und jede Veränderung der Lichtverhältnisse mit lustigen Schattenwürfen quittiert, dann hat man eine ungefähre Vorstellung von der „Ästhetik“ von Voyatzis‘ Film. Genau: Würg.

Offensichtlich war das aber die Masche des Filmemachers: Wie einst die großen Exploitationmogule und die findigen Vielfilmer der Sechziger- und Siebzigerjahre übernahm der mittlerweile verstorbene Voyatzis gleich mehrere Funktionen, um seine Ideen zu Film zu machen. Als Produzent/Regisseur/Autor/Schauspieler verfügte er zwar weder über das technische Know-how noch über das schöpferische Talent oder das nötige Geld, aber das hielt ihn nicht davon ab, seine Visionen auf Video zu bannen und diese dann seinen Freunden in Nordgriechenland bei öffentlichen Vorführungen zu präsentieren. HOBBY MOU … O VIASMOS! ist eine von zwei oder drei Produktionen (je nachdem, ob man Wikipedia oder die IMDb um Rat fragt), die auf sein Konto gehen und die sich (angeblich) allesamt um heruntergekommene, am Rand der Gesellschaft stehende, kriminelle und vertierte Protagonisten drehen, die ohne Empathie ihren eigenen Trieben folgen und darüber zugrunde gehen. Das Erstaunliche an diesem Film ist, dass er trotz seines anstößigen Themas und der ohne Zweifel auf den kasseträchtigen Tabubruch hin konstruierten Geschichte fast zahm ist. Splattereffekte sucht man vergebens und die zahlreichen Vergewaltigungen, bei denen alle involvierten Geschlechtsteile schamvoll verhüllt bleiben (zum Glück, möchte ich hinzufügen!), erinnern eher an unentschieden ausgehende Ringkämpfe oder aber die verzweifelten Versuche heftig pubertierender Jungs, ihrer unwilligen Angebeteten einen Kuss abzuringen. Vielleicht ist das sogar das eigentlich Geschmacklose, denn die Taten Stavropoulos‘ zeitigen keinerlei Wirkung bei ihren Opfern, zumindest erfährt man nichts darüber. Die Ausnahme bildet ausgerechnet die flachbrüstige Teresa, bei der die Vergewaltigung sogar Gefühle der Liebe weckt und die deshalb schon kurz nach dem Übergriff einen Bauchtanz in ihrer Diskothek hinlegt (mit übermotivierten Wackelzooms abgelichtet). Auch ihr Freund nimmt es erstaunlich gelassen hin, dass er in ihrem Apartment von einem Vergewaltiger bewusstlos geschlagen wurde und auf ihr Geständnis, sich in den Schänder verliebt zu haben, antwortet er eierlos mit dem Hundert-Drachmen-Satz: „Lass uns Freunde bleiben.“

Ja, auf seine ganz eigene, niederträchtig-unbeholfene Art und Weise ist HOBBY MOU … O VIASMOS! durchaus als Partyfilm zu bezeichnen – auch wenn der Kater am nächsten Morgen ganz hartes Brot sein dürfte. Die mit versteckter Kamera gefilmte Szene, in der der eklige Stavropoulos ganz Stalker-like am Strand herumtänzelt, sich potenziellen Opfern nähert und seinen in eine viel zu enge Badehose gequetschten Prachtleib in Pose wirft, ist schon ziemlich weit draußen. Und auch die englischen Fan-Untertitel, die die Unzulänglichkeiten des Films treffend kommentieren, haben dazu beigetragen, dass ich HOBBY MOU … O VIASMOS! ohne Folgeschäden überstanden habe. Fast wie Stavropuoulos‘ Vergewaltigungsopfer bin ich also weitesgehend schmerzfrei durchgefickt worden. Nur diesen ekligen Geruch habe ich noch in der Nase …

Für Filme mit gefräßigen Haien habe ich ein Faible, seit mich Spielbergs JAWS mit acht Jahren zum Filmfan gemacht hat. Für Hard Sensations habe ich jetzt zwei neue Vertreter dieses Subsubsubgenres rezensiert, die dieser Tage auf DVD veröffentlich wurden: MEGA SHARK VS. CROCOSAURUS und SHARKTOPUS. Einmal unfasslicher Schrott, einmal größte anzunehmende Freude. Den Text gibt’s hier. Viel Vergnügen!

Supersoldat Serdar (Serdar Kebapçilar) wird in eine Gruppe von Banditen unter der Führung des alten, aber gnadenlosen Ziya (Hüseyin Peyda) eingeschleust, die im türkisch-iranischen Grenzgebiet ihr Unwesen treiben. Auf dem Weg dorthin rettet er noch ein armes Bergbauern-Töchterlein, das ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht …

KORKUSUZ, weltweit unter dem Titel TURKISH RAMBO (bzw. RAMPAGE) bekannt, aber nicht zu verwechseln mit dem in Deutschland beschlagnahmten VAHSI KAN, der ebenfalls ein türkisches RAMBO-Ripoff ist und Superstar Cüneyt Arkin aufbietet, ist ein wahnsinnig schlechter Film, aber keine das geistige Gleichgewicht gefährdende Psychodroge wie etwa DÜNYAYI KURTARAN ADAM aka TURKISH STAR WARS. Mischten sich dort aus STAR WARS und FLASH GORDON geklaute Raumschiffszenen, Prügeleien zwischen abgetriebenen Kreaturen aus Jim Hensons Puppenwerkstatt und ausgedehnte Spaziergänge durch das anatolische Hinterland zu einem wahrhaft psychedelischen Cocktail, reduziert sich der Irrsinn in KORKUSUZ weitestgehend auf eine mit „Inkompetenz“ noch wohlwollend bezeichnete Inszenierung und das Non- respektive Overacting der Akteure. Inançs Film ist recht bodenständig (wobei er alles andere als sicher auf seinen von Muskelschwund und Glasknochen geplagten Beinen steht), erzählt eine überaus einfache Story eben überaus einfach und erringt allerhöchstens in dem Unvermögen Meisterschaft, einfachste Sachverhalte und Zusammenhänge filmisch so darzustellen, dass sich keine klaffenden Risse im Raum-Zeit-Kontinuum ergeben. Das ist schon eine ziemliche Leistung, einen inhaltlich wie bildlich so dermaßen reduzierten Stoff so beeindruckend unpraktisch und konfus zu inszenieren. Als Zuschauer verliert man schon den Anschluss, wenn eine Person bloß zur Tür reinkommt. Wo ist diese Tür? Welche Person ist das? Wo war sie vorher? Und was wollte sie dort respektive hier? Fragen, die auch Muskelprotz Serdar nicht beantworten kann, was wohl der Grund dafür ist, dass er entweder ausdruckslos in die Botanik glotzt oder aber direkt in die Kamera. Und wer wollte es ihm verdenken? Wie soll man denn leben in einer Welt, in der ständig Leute mit unmöglichen Schnurrbärten aus dem Nichts auftauchen und Dinge tun, die keinen Sinn ergeben? Wie sich verhalten, wenn man als Supersoldat mit dem Auftrag in der Ödnis ausgesetzt wird, vermeintliche Banditen zur Strecke zu bringen, und feststellen muss, dass das nur alte Leute sind, die nichts anderes wollen, als in Frieden mit ihren Schafen zu verkehren?

Was Serdar so treibt, wer er ist, das wird nie ganz klar. Als er von einem der Banditen gefoltert (= mit einem fröhlich vor sich hinsprudelnden Wasserschlauch abgespritzt) wird, hat er mal ein kurzes Flashback zu einer richtigen Folter, aber wer die an ihm für welches Vergehen verübt hat, bleibt unklar. Als er die namenlose Ische beim Klettern vor dem Absturz rettet, erinnert er sich kurz daran, wie ihm das bei einem Armeekumpel mal nicht gelungen ist, aber anlässlich welchen Konflikts das war, bleibt ebenso ein Rätsel wie seine Verbindung zum Abgestürzten. Man ahnt, dass Serdar ein Gezeichneter ist, ein gebrochener Held wie sein US-Kollege John Rambo: Schließlich hat er auch solche Muckis und ein schickes Stirnband. Dass es einem der Bösewichter erst beim fünften Mal gelingt, Serdar eine Wunde mit dem Messer beizubringen, lässt zudem auf eine nach außen gekehrte seelische Abstumpfung schließen. Oder ist Serdar nur ein Hohlkopf, dem der rege Steroidmissbrauch auch noch den letzten Rest von Verstand geraubt hat? Wie er da komplett entfesselt über Stock und Stein springt, krachende Maulschellen mit einer Technik verteilt, bei denen andere sich die Schultern auskugeln würden, und am Ende in einer Mischung aus Schwarzenegger’scher Tonlosigkeit und Norris’scher Ausdruckslosigkeit die Treue zum Vaterland beschwört, lässt darauf schließen. Demgegenüber steht wiederum sein unnachahmliches Talent, mitten in der Walachei anscheinend nach Belieben Munition für seinen Raketenwerfer zu finden, diesen dann so präzise zu bedienen, dass manche Schurken bloß Streifschüsse im Gesicht erleiden, und trotz kompletter Charmefreiheit auch noch das Herz des (ziemlich westeuropäisch aussehenden) Osmanenbabes zu erobern. Nachdem er mit ihr ein paar Stunden durchs anatolische Allgäu gelatscht ist und ihr ein Stück von einem über dem offenen Feuer gebratenen amorphen Klumpen abgegeben hat, ist sie so hin und weg, dass sie später im Sterben noch davon schwafelt, in ihm habe sie einen Seelenverwandten gefunden. Was für ein bemitleidenswertes Geschöpf: Sie hatte nie eine Chance.

KORKUSUZ ist tatsächlich so schlecht, dass man sich schon bald entweder nach einer guten Szene sehnt oder aber nach einer noch mieseren, damit man wenigstens irgendwas fühlt. Der Schnitt verursacht mit seinem arhytmischen Holpern Seekrankheit, die Bildführung ist miserabel, eine Dramaturgie gibt es nicht. Menschen haben auf einmal Vollbärte, Ketten werden einfach ums Handgelenk gewickelt, um jemanden zu fesseln (uneffiziente Fesseltechniken ziehen sich wie ein Leitmotiv durch den Film), und zur Befreiung über einer lausigen Flamme geschmolzen. Schlamm verwandelt sich von einer Einstellung zur nächsten in Steine, bevor diese sich dann wieder in Schlamm verwandeln, Gefangene werden von in den Türrahmen genagelten Brettern in Schach gehalten. Raketen fallen mit einem schwächlichen „fump“ aus dem Raketenwerfer heraus und in der obligatorischen Trainingssequenz hat man gleich ganz darauf verzichtet, sich Übungen auszudenken, die Serdar ausführen könnte: Er stützt sich einfach an einem Baum ab und spannt die Muskeln an. Der Oberböse sieht aus wie Fernando Rey mit einem schmerzhaften Krampf im Unterkiefer und der Gefängnistransporter, aus dem Serdar am Anfang fliehen kann, ist ein Wohnmobil. Dialoge gehen ungefähr so: „Stop the car, someone’s sick!“ – „He said you should stop the car, someone’s sick.“ – „Well, I’ll stop the car. See if someone’s sick!“ Und am Schluss werden Antworten auf Fragen gegeben, die sich wohl allerhöchstens den Beteiligten gestellt haben. Die Frage „Was machen wir hier eigentlich?“ war aber nicht darunter.

Und weil es so schön war, ein paar Bilder:

Gruppenbild mit Spaten und Kopfweh

„Serdar, steh doch mal bequem!“

„Hätte ich doch bloß nicht die Rolle in THE FRENCH CONNECTION abgelehnt!“

Nicht ganz so optimale Fesseltechniken, Teil 1

Serdar, das kleine Regengesicht

„Meine Spezialität: Am Stock gegrilltes Aas!“

Die with a stupid face on …

Von links nach rechts: Rakete, Raketenwerfer, Serdar. (Man beachte auch das Seil, an dem die Rakete hängt.)

Achtlos im Meer versenkte Tonnen mit Giftmüll sorgen dafür, dass ein paar auf dem Meeresgrund liegende Leichen sich in schuppige Fischmonsterzombies verwandeln und den mit Jugendlichen bevölkerten Badestrand heimsuchen. Ein paar Leichen später finden Dr. Gavin (Allen Laurel) und Schönling Hank Green (John Scott) die Lösung, wie man die Kreaturen besiegen kann, doch dazu müssen sie erst ausfindig gemacht werden …

An manchen Tagen gibt es einfach nichts Besseres als schwarzweißen Low-Budget-Monsterfilm-Trash: Del Tenneys munterer 75-Minüter hält, was der Titel verspricht und liefert geilen Sixties-Teen-Pop von den Del-Aires, die den tanzwütigen Strandkids mit Hits wie „The Zombie Stomp“ mächtig einheizen, bestusste Monster, deren Darsteller einem in den unwürdigen Kostümen richtig Leid tun, und einen generischen Plot, der wenig Überraschungen, dafür aber jede Menge idiotischer Dialoge und ebensolche Einfälle bietet.  

THE HORROR OF PARTY BEACH beginnt schwungvoll am besagten Strand, an dem sich die kesse Tina mit ihrem Lover Hank anlegt, weil sie diesem etwas zu vergnügungssüchtig ist. Als hätte sie einen Ruf zu verlieren, schmeißt sie sich bei der folgenden Twist-Tanzchoreografie auch gleich an den Chef einer Motorrad-Rockerbande ran, der sich nicht lang lumpen lässt, bis es zur handfesten Auseinandersetzung mit Hank kommt. Die beiden Männer reichen sich nach getaner Arbeit die Hände und lassen Tina doof rumstehen, sodass sie beim folgenden Badegang als erste den Monstern zum Opfer fallen darf. Die Fischmenschen sind natürlich der große Clou des Films: Ihre Verwandlung wird mit fadenscheinigen Rückprojektionen und Überblendungen hingetrickst, bevor man den fertigen Fischmann dann der Einfachheit halber durch ein Aquarium filmt. Die Kostüme bestehen aus übereinander genähten Plastiklappen (= Schuppen) und Gummipatschehänden sowie gigantischen Fischköpfen, die die Schauspeiler aber nicht wie Masken über dem Gesicht tragen, sondern wie Hüte auf dem Kopf. Das führt dazu, dass die Fischmonster senkrecht nach oben gucken, wenn sie aus dem Wasser auftauchen, und nur wenig elegant dabei aussehen. Trotzdem darf man die Biester nicht unterschätzen: Ihre Lust auf weibliches Menschenfleisch scheint unstillbar: Erst werden drei Freundinnen beim Reifenwechseln im Wald überfallen, dann schließlich ein ganzes Studentinnenwohnheim – und ein Fischmann, der nix abbekommen hat, angelt sich vor lauter Frustration sogar eine Schaufensterpuppe, wobei er sich an der eingeschlagenen Scheibe den kompletten Arm abschneidet.  

Dieser Arm beschäftigt dann auch Dr. Gavin, der fieberhaft nach einer Lösung für die Problemfischmänner sucht. Sein abergläubisches schwarzes Dienstmädchen Eulabelle ist eher pragmatisch veranlagt, schüttet kurzerhand ein ungünstig herumstehendes Glas über den für unzerstörbar gehaltenen Arm, woraufhin dieser sich in seine Bestandteile auflöst. Eureka, her mit dem Sodium! Während Hank mit seinem schicken Cabrio nach New York fährt, um dort sämtliche Soidum-Vorräte einzukaufen, und einen äußerst miesen Orientierungssinn offenbart – die Reihenfolge, in der die New-York-Sehenswürdigkeiten in der folgenden obligatorischen Montage aneinandergeschnitten werden, lässt jedenfalls auf eine echte Irrfahrt schließen und macht die Aussage Eulabelles, man solle Hank nicht vor Einbruch der Dunkelheit zurückerwarten, sofort plausibel. Während Hank sich also ein Navigationsgerät wünscht, suchen Dr. Gavin und ein paar Freiwillige sämtliche Gewässer des Ortes ab, um die Spuren der Monster zu finden. Seine Tochter Elaine (der die Del-Aires auch ein Stück gewidmet haben) wird von den Fischmännern gestellt, weil sie tatsächlich als Einzige auf die Idee gekommen ist, just an dem Gewässer zu suchen, an dem zuvor diverse Mädchen verschwunden waren. Elaine kann rechtzeitig gerettet werden, Hank kommt mit dem Sodium an und unter viel Qualm und Krawumm segnen die bösen Kreaturen, die eine Zeitung schön sachlich als „Sea Zombies“ tituliert hat, das Zeitliche.

Als Zuschauer darf man sich mit einem breiten Grinsen zurücklehnen, feststellen, dass die Kreuzung von Beach- und Monsterfilm eindeutig riesiges Potenzial hat, das bislang viel zu wenig genutzt wurde und man sich dieser von Fukushima-Panik geprägten Tage ruhig mal eine Scheibe Gelassenheit von den Protagonisten abschneiden könnte: Die wissen alle, dass regelmäßig radioaktive Abfälle ins Meer gekippt werden, nehmen das aber überaus sportlich zur Kenntnis. Solange keine Fischmonster die Frauen aufessen, kann man mit so ein bisschen Dreck ganz gut leben.

12.000 Jahre in der Vergangenheit werden die Geschwister Tra (Barbara Bain) und Gar (Robert Gribbin) von der eigenen Mutter für einen begangenen Frevel zu ewigem Leben verflucht: In einem Jahr sollen sie jeweils zehn Jahre altern, ihre Jugend können sie kurzfristig zurückerlangen, wenn sie das Blut und Fleisch eines Menschen zu sich nehmen, und erst in 12.000 Jahren sollen sie eine Möglichkeit erhalten, den Fluch aufzulösen. Dazu müssen sie eine Jungfrau opfern, die zu einem Teil von ihnen selbst, zum anderen von den „Normalsterblichen“ abstammt. Und so schickt sich der Bruder also zum geeigneten Zeitpunkt an, eine Frau zu finden, die ihm ein Kind schenkt, dessen Tötung ihn und seine Schwester von dem Fluch des ewigen Lebens befreien soll …

DON’T GO NEAR THE PARK ist, vielleicht ahnt man das schon, ein merkwürdiger Film: In Großbritannien jahrelang als Video Nasty verboten, wurde er in Deutschland unter dem nur wenig verheißungsvollen, ja geradezu konservativen Titel DER FLUCH DES EWIGEN LEBENS  veröffentlicht, was auch eher nach einem Propagandafilm für Atheisten klingt als nach einem Horrorfilm. Damit enden die Merkwürdigkeiten aber noch nicht: Die narrative Klammer, mit ihrer schlappe 12.000 Jahre zurückreichenden Rückblende, erscheint arg ambitioniert für einen Low-Budget-Schocker, und so ist Foldes Film dann auch ziemlich vollgestopft mit einer Handlung, aus der andere Filmemacher mindestens zwei Filme gemacht hätten, die aber wahrscheinlich nicht halb so interessant wie DON’T GO NEAR THE PARK geworden wären.

Die erste halbe Stunde widmet sich den erfolgreichen Versuchen Gars, eine Frau (Linnea Quigley in ihrem Filmdebüt) für sein Kind zu finden, und erinnert mit seiner Atmosphäre familiären Terrors und trügerischem Kindersegen an konservative Thriller um böse Papas, zusammenbrechende Mamas und gemeine Wechselbälger. Foldes gelingen hier tatsächlich einige ziemlich beunruhigende Szenen, bis das Drehbuch den nächsten großen Handlungsschritt erforderlich macht. Als Gars Tochter Bondie (Tamara Taylor) nämlich 16 wird und der Zeitpunkt ihrer Opferung naht, reißt sie von zu Hause aus, sitzt beim Trampen allerdings einer Gruppe jugendlicher Vergewaltiger auf, die ihr in einer ziemlich unangenehmen Sequenz an die Wäsche gehen und flüchtet sich, nachdem sie sich der Schmierlappen mithilfe eines vom Papa geschenkten magischen Amuletts entledigt hat, geradewegs in die Hände von Tra, die unter dem Namen Patty als altes Mütterchen im titelgebenden Park wohnt und ausgerissene Kinder bei sich aufnimmt, darunter den kleinen Nick und den hübschen Cowboy. Der Fokus verschiebt sich nun zugunsten Bondies und des kleinen Nick, der dank des sehr unvermittelt auftauchenden Autors Taft (Aldo Ray) erfährt, dass mit Patty irgendwas nicht stimmt, ja dass sie vermutlich schon mehrere hundert Jahre alt ist. Der Plot verdickt sich, bis es schließlich zum Ritual kommt, bei dem Bondie geopfert und der Fluch Tras und Gars aufgelöst werden soll. Natürlich kommt alles anders und so können die drei ausgerissenen Kinder zu guter Letzt als elternlose Familie in den Sonnenuntergang marschieren. Die letzte Einstellung zeigt jedoch, dass Bondie von ihrem Papa vielleicht den Appetit auf Menschenfleisch geerbt haben könnte.

DON’T GO NEAR THE PARK eignet sich gut dazu, das zu verdeutlichen, was ich neulich in meinem Text über Rodriguez‘ MACHETE geschrieben habe. Legt man ein klassisches Verständnis von technischer und erzählerischer Wohlgeformtheit zugrunde, dann ist Foldes Film eine ziemliche Katastrophe. Der Plot ist konfus und ausufernd, es fehlt ihm ein emotionales Zentrum, zudem reicht das Budget nicht aus, um den Rückblick auf ein Land weit, weit vor unserer Zeit glaubhaft auszugestalten: Mit ihrem Lendenschurz, der Kriegsbemalung und dem sauberen Haarschnitt sehen Tra und Gar weniger aus wie „echte“ Urzeitmenschen, sondern eher wie Manager im Selbstfindungsseminar. Weitere tpische Schwierigkeiten – der „Star“, für den eigentlich kein Platz im Drehbuch war (Aldo Ray), die abgebrochenen Subplots (von der Mutter des kleinen Ausreißers Nick hört man nie wieder etwas), die Lücken in der Handlung (was genau finden die Kinder an der gruseligen Patty?) – lassen sich als logische Konsequenzen einer hektischen Produktion unter widrigen Bedingungen werten. Aber diese „Fehler“ machen DON’T GO NEAR THE PARK erst zu dem, was er ist: ein Film, der sich geradezu renitent dagegen sperrt, einsortiert zu werden, Sinn zu ergeben – aber auch dagegen, seine Zuschauer mit hundertfach gesehen Standardszenarios zu nerven. Klasse!

Vom Planeten Davana kommt der Außerirdische „Mr. Johnson“ (Arthur Roberts), der herausfinden soll, ob seiner Rasse ein Leben auf dem Planeten Erde möglich ist. Weil das Menschenblut, das er braucht, aber immer wieder in seinen Adern egrinnt, benötigt er regelmäßige Bluttransfusionen, wofür er die Krankenschwester Nadine (Traci Lords) einstellt. Gemeinsam mit dem freundlichen Chauffeur Jeremy (Lenny Juliano) kommt sie dem Spacevampir auf die Schliche …

Das gleichnamige Corman-Original aus dem Jahr 1957 habe ich noch nicht gesehen, aber Wynorskis Remake passte so gut in meine kleine Achtzigerjahre-Trashreihe, dass ich gestern einfach nicht drumrumgekommen bin, ihn einzuwerfen. Im filmhistorischen Gedächtnis bleiben wird NOT OF THIS EARTH wahrscheinlich zu allererst als Spielfilmdebüt der 19-jährigen Traci Lords, die damals erfolgreich antrat, um sich von ihrem Lolitaporno-Image zu befreien. Ihre Darstellung ist dann – durchaus keine Selbstverständlichkeit – auch ein Qualitätsmerkmal des Films: Ganz entgegen dem Brauch, gut gebaute Schönheiten in typischen Damsel-in-Distress-Rollen als Screamqueens zu verheizen, haben die Drehbuchautoren ihr ein ziemlich loses Mundwerk angeschrieben, dass ihr gut zum hübschen Gesicht steht und dem sie auch die nötige Persönlichkeit hinzufügt. Der ganze Film ist darüber hinaus ziemlich deutlich als flockig-satirische Zivilisationskomödie angelegt und das funktioniert sehr gut, weil der Humor nie zu grell wird, sondern im Gegenteil erstaunlich subtil ist und oft erst im Nachhinein als solcher auffällt. Viel Witz bezieht Wynorski aus dem Aufeinanderprallen des von Spock’scher Emotionalität geprägten Außerirdischen mit den menschlichen Katastrophen, die sich in L.A. so tummeln: etwa als ein „Strip-O-Gram“ bei ihm eintritt, um ihm ein Geburtstagsliedchen zu singen und er völlig regungslos bleibt, bis sich herausstellt, dass die kurzsichtige Stripperin die falsche Hausnummer erwischt hat; oder als ein Staubsaugervertreter ihm unbedingt sein Gerät vorführen will, was „Mr. Johnson“ immer wieder stoisch mit dem Hinweis ablehnt, er wolle nichts kaufen, bis ihm der ahnungslose Vertreter vorschlägt, den Keller zu reinigen. Ein toller Cameo gehört Monique Gabrielle, die eine geistig verwirrte Frau an einer Bushaltestelle spielt und das New-Wave-Punk-Outfit, in dem sich Rebecca Perle als Außerirdische vom Planeten Davana auf die Erde abseilt, um ein paar Punks aufzumischen, ist auch nicht ohne. Ein Film also, dessen kleinen Pretiosen ich jetzt noch länger aufzählen könnte, ohne damit jeglichen Sinn zu stiften, wehalb ich es beim obligatorischen Hinweis belasse, sich den Film schleunigst zuzulegen. Sweet!