Mit ‘Treat Williams’ getaggte Beiträge

the-eagle-has-landed-movie-poster-1977-1020195891John Sturges letzter Film – er zog sich danach aus dem Filmgeschäft zurück, was er schon nach seiner Erfahrung mit LE MANS in Erwägung gezogen hatte – ist eine kleine Kuriosität, weil er über weite Strecken die Nazis und damit die eigentlichen Schurken in den Mittelpunkt seiner Handlung rückt. Ausgerechnet der für Filmseher meiner Generation wie kein anderer „den Briten“ verkörpernde Michael Caine spielt den Oberst Steiner, der den wahnwitzigen Auftrag erhält, Winston Churchill zu entführen. Um das für den Zuschauer etwas goutierbarer zu machen, wird Steiner aber natürlich als „guter“ Nazi dargestellt: Als er mit seinem Fallschirmspringer-Battalion die Deportation von Juden durch die SS beobachtet, versucht er ein junges Mädchen zu retten, legt sich daraufhin mit dem Befehlshaber an und wird schließlich vor dem Kriegsgericht degradiert. Geradezu ikonische Nazi-Darstellungen legen Robert Duvall als Oberst Radl mit Augenklappe und lederbehandschuhter Prothesenhand und Donald Pleasence als grienender Himmler hin: Viel besser geht es eigentlich nicht, zumal auch Donald Sutherland als verräterischer IRA-Terrorist Devlin eine Glanzleistung abliefert und auch die Nebenrollen perfekt besetzt sind.

Die Plotentwicklung ist gleichermaßen raffiniert: Hitler hat sich – inspiriert von der gelungenen Befreiung Mussolinis – in einer seiner Launen in den Kopf gesetzt, Churchill zu kidnappen, um die Alliierten zu Friedensverhandlungen zu zwingen und dem verlorenen Krieg noch einmal eine entscheidende Wendung zu geben. Admiral Canaris (Anthony Quayle) hält die ganze Idee für vollkommen irrsinnig und beauftragt nun Radl damit, eine Machbarkeitsanalyse zu erstellen, die aber zu einem negativen Ergebnis kommen soll. Wie es der Zufall will, hat der deutsche Geheimdienst just zu diesem Zeitpunkt erfahren, dass Churchill in kurzer Zeit ein Wochenende in einem kleinen Dorf einer wenig bevölkerten Küstenregion verbringen wolle. Plötzlich scheint die Entführung gar nicht mehr unmöglich. Zum Entsetzen von Canaris wird die Mission eingeleitet und das Schicksal nimmt seinen Lauf …

Von der Jung’schen „Synchronizität der Ereignisse“ spricht Radl einmal, damit Bezug nehmend auf die Koinzidenz von Hitlers Idee und der Nachricht über Churchills Urlaub, die schicksalhaft zusammentreffen. Radl ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass diese Synchronizität nicht immer nur zum eigenen Vorteil gereicht. Und so sind es letzten Endes vor allem kleine Zufälle und menschliches Versagen, die zum Scheitern einer Mission führen, die eigentlich große Erfolgschancen hatte. Devlin verliebt sich in Molly (Jenny Agutter), ein einheimisches Mädchen, der Wunsch der Fallschirmjäger, deutsche Uniformen unter ihrer Tarnung zu tragen (damit sie nicht als Spione angesehen und hingerichtet werden), führt zu ihrer Entdeckung, der wenige Meilen entfernt stationierte amerikanische Colonel Pitts (Larry Hagman) brennt geradezu darauf, in die Kriegshandlungen eingreifen zu können, weil er bereits die Abberufung erhalten hat. So werden die Deutschen besiegt, noch bevor Churchill überhaupt an seinem Ziel eingetroffen ist.

Zunächst fand ich diesen Ausgang der Geschichte etwas enttäuschend, aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist es genau das, was THE EAGLE HAS LANDED sein Alleinstellungsmerkmal verleiht. Der Krieg ist bei Sturges eben nicht das von hinten bis vorn planbare Schachspiel, sondern ein ungeordnetes Zusammentreffen unterschiedlichster Menschen, Beweggründe, Emotionen und Motivationen. Nichts kommt in THE EAGLE HAS LANDED so, wie es der Zuschauer oder die Protagonisten erwartet haben. Ein schöner Film und ein mehr als würdiger Ausklang für eine bemerkenswerte Regielaufbahn.

Nach einer wilden Straßenschlacht mit zwei amoklaufenden Juwelenräubern erleben die beiden LAPD-Cops Roger Mortis (Treat Williams) und Doug Bigelow (Joe Piscopo) eine dicke Überraschung: Die beiden im Schusswechsel getöteten Verbrecher landen nämlich bereits zum zweiten Mal im Leichenschauhaus, sind auf gut Deutsch Zombies. Die Ermittlungen führen die beiden Cops in ein dubioses Chemieunternehmen, wo Mortis beim Kampf gegen einen fettleibigen Mutanten umkommt. Mittels einer mysteriösen Maschine kann der Cop zwar zu neuem Leben erweckt werden, die Freude über die zweite Chance währt aber nur kurz: Mortis bleibt nämlich nur ein halber Tag, bevor er sich endgültig in einen Haufen leblosen Zellabfalls verwandelt. Die Zeit drängt also und so machen sich die beiden Partner auf die Suche nach dem Schuldigen, der das Geheimnis des ewigen Lebens für schnöde Raubüberfälle missbraucht …

Das Spielfilmdebüt des umtriebigen Schnittpult-Wizards Mark Goldblatt ist, wie man der Tagleiste schon entnehmen kann, ein hübsches Konglomerat unterschiedlichster damals aktueller Einflüsse, die zum Zwecke größtmöglichen Entertainments zusammengerührt wurden – durchaus mit Erfolg, wie ich hinzufügen möchte. Von seinen knapp 80 Minuten Laufzeit wird keine einzige verplempert, DEAD HEAT gibt von der ersten Sekunde an Gas und hält dieses Tempo bis zum Ende durch. Wenn seine Protagonisten sich nicht mit aufgewärmter Zombiebrut balgen, so schießen sie ihre One-Liner hin und her, wie es in den Achtzigerjahren so beliebt war und man es heute leider nicht mehr so oft zu Gesicht bekommt. Für den Wortwitz ist vor allem Joe Piscopo zuständig, dem als Bigelow auch noch in der abwegigsten Situation ein dummer Spruch einfällt, während der viel zu selten, aber immer wieder gern gesehene Treat Williams als prophetisch benannter „Roger Mortis“ den Straight Man gibt, an dem sich sein Partner abarbeiten darf. Die Chemie zwischen beiden stimmt, ihre Interaktion ist sozusagen das Herz des Films. Dass Piscopo – ein ehemaliges Mitglied der zweiten SNL-Inkarnation – heute meist als Sünde der Achtziger verunglimpft wird, scheint mir in erster Linie auf die Arroganz der Spätgeborenen und in zweiter auf seine zugegebenermaßen streitbare Frisur zurückzuführen zu sein: Als etwas einfältiger, aber gutmeinender Prolet weiß er durchaus zu gefallen (in De Palmas WISE GUYS hat er eine ganz ähnliche Rolle). Neben den Hauptdarstellern stechen vor allem die FX hervor, die von Steven Johnson gewohnt kompetent umgesetzt wurden: Besonders schön ist die Sequenz in einem China-Restaurant, in dem die Helden von zu neuem Leben erweckten Fleischwaren attackiert werden, aber auch der explodierende Oberschurke zum Schluss ist nicht zu verachten. Nachhaltig ist das überhaupt nicht, auch wenn sich Goldblatt einen schönen Kommentar zu den Workaholics des Copfilms nicht verkneifen kann: Roger Mortis jedenfalls lernt noch nicht einmal aus dem eigenen Tod, bleibt ganz der in seinem Beruf aufgehende Bulle, der den Täter auch dann noch um jeden Preis fassen will, wenn es das Letzte ist, wozu er überhaupt noch Zeit hat. Vor allem aber ist DEAD HEAT ein durch und durch sympathischer Unterhaltungsfilm, kein bisschen überkandidelt, nicht über die eigenen Verhältnisse clever, aber immer liebevoll und mit sichtbarem Spaß inszeniert und gespielt. Es mag blöder Kulturpessimismus meinerseits sein, aber so leichtfüßig, reuelos albern und genussvoll irrelevant sind Unterhaltungsfilme heute einfach viel zu selten, wenn überhaupt. Vincent Price, der hier einen seiner späten Auftritte absolviert, hätte es also durchaus schlechter treffen können und dass Goldblatt nach seinem auf diesen folgenden THE PUNISHER keinen Film mehr inszenieren durfte, finde ich einfach nur schade.