Mit ‘Turkploitation’ getaggte Beiträge

Bei einem Überfall der Wikinger auf eine Festung der Hunnen, entführen die bösen Nordmänner nicht bloß Attilas schöne Tochter Yonca (Fatma Belgen), sie erschlagen auch Tarkans (Kartal Tibet) treuen Freund, den Wolf Kurt. Der türkische Superheld schwört Rache und macht sich mit Kurts Sohn Kurt sogleich auf den Weg nach Norwegen, um die Wikinger Mores zu lehren. Deren Anführer Toro (Bilal Inci) hat eben den Wikingerkönig Gero gekillt und deswegen den Zorn von dessen Tochter Ursula (Eva Bender) auf sich gezogen. Die tapfere Ursula tut sich natürlich mit Tarkan zusammen, um Yonca zu befreien, die Tode von Kurt senior und Gero zu rächen und ein fieses Krakenmosnter zu plätten. Ach ja, die Tochter des Kaisers von China mischt auch noch mit …

Yeah! TARKAN VIKING KANI hält nun wirklich alles, was 3 DEV KANI bloß versprochen hatte. Aslans Film ist so dermaßen vollgestopft mit wüster Action, rührenden Kostümen, geklauter Soundtrack-Musik (u. a. kommen Morricones berühmte SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD-Melodie und außerdem Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ zum Einsatz, der Großteil dürfte allerdings aus Fleischers THE VIKINGS stammen), unbeweglichen Pappmachee-Monstern, schlechten Spezialeffekten, absurder Geschichtsklitterei, grellgelben Perücken und meterbreiten Schnurrbärten, dass man sich nach den knapp 90 Minuten fühlt, als habe man sich durch die Auslage einer Konditorei gefressen: pappsatt, aber überglücklich. Man muss diese unwiderstehliche Mischung aus Unbedarftheit und Übereifer einfach lieben: Da werden zwei brave Schäferhunde furztrocken als Wölfe bezeichnet und die verdörrte türkische Berglandschaft als Norwegen ausgegeben, verkommt die Reise ins finstere Mittelalter zu einer wilden Kostümparty, bei der grellbunter Plüsch de rigueur ist. Und je bescheuerter das alles ist, umso mehr scheinen die Schauspieler darauf bedacht, mit doppeltem Einsatz davon abzulenken. Wie die mit ihren Pappschwertern rumfuchteln, ihre albernen Perücken und ultratuckigen Kostüme mit äußerster Würde tragen und, wenn sie dann doch mal die Scham befällt, einfach eine Grimasse ziehen oder wüst rumschreien, nötigt dem Betrachter allerhöchsten Respekt ab.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, so irrwirtzig ist TARKAN VIKING KANI: Das bewegungslose Krakenmonster hat seit Ed Woods BRIDE OF THE MONSTER nix dazugelernt, bei einer Wikingerorgie werden die hilflosen Weiber von den euphorisierten Kerlen unter anderem mit einem Sprungtuch in die Höhe geworfen, das stolze Wikingerschiff verfügt offensichtlich über einen leistungsfähigen Außenbordmotor, die Wikingerburg (!) praktischerweise auch über ein ausladendes türkisches Bad mit viel prunkvollem Goldkitsch. All diese Details fallen aber hinter die den ganzen Film beherrschenden Raserei zurück: Spätestens nach einer halben Stunde wird das Drehbuch kurzerhand in die Tonne getreten. Statt sich des wohltemperierten Wechselspiels von Ruhepausen und Actionszenen zu bedienen, das man Dramaturgie nennt, steigert sich TARKAN VIKING KANI in einen unaufhaltsamen Rausch. Keilerei folgt auf Keilerei, bevor dann eine Keilerei dazwischengeschoben wird, um zur nächsten Keilerei überzuleiten. Dem Bemühen des Zuschauers, den Überblick zu behalten, wird eine schroffe Absage erteilt. Auch der Schnitt hilft bei der Beschleunigung eifrig mit: Scheiß was auf Rhythmus oder Überblick, Hauptsache es wird möglichst viele geiles Zeug in kürzester Zeit untergebracht. Und wenn mal was danebengeht, auch egal, man hat ja eh keine Zeit, darüber nachzudenken. Mit schnöder Vernunft kommt man hier nicht weiter, TARKAN VIKING KANI ist genau der Film, der vor dem inneren Auge des Achtjährigen vorbeizieht, wenn er mit dem Playmobilpiratenschiff in der Badewanne sitzt oder seine Cowboy- und Indianerfiguren den Angriff auf die Ritterbrug proben lässt. Mehmet Aslan ermöglicht es für die Dauer seines Films, nochmal in die Haut dieses Kindes zu schlüpfen. Wunscherfüllung par excellence.

Der böse Gangster Spider macht mit seiner Spider (Murphy?) Gang die Türkei unsicher. Weil man sich dort nicht zu helfen weiß, holt man sich die Besten der Besten aus den USA: Captain America (Aytekin Akkaya), der zum Glück ausgezeichnet Türkisch spricht, seinen Kumpel Santo (Deniz Erkanat) und ihre schöne Assistentin. Messerscharf haben sie die kriminelle Methode des in ein grünrotes Spiderman-Ganzkörperkondom gehüllten Superverbrechers analysiert: Er klaut wertvolle kulturelle Artefakte (= hässliche Nippesfiguren), die angeblich „hunderttausend“ wert sein sollen, verramscht sie für wenig Geld an amerikanische Artefakthändler und kauft sie dann für große Falschgeldbeträge zurück. Was sich selbst für Menschen mit nur geringem kaufmännischen Talent nach einem doppelten Verlustgeschäft anhört – wertvolle Gegenstände unter Wert verkaufen und dann aufwendig produziertes Falschgeld verschleudern, um sie sich wieder zurückzuholen? –, muss in einer Welt, in der solche Dialoge gesprochen werden, als Supercoup gelten: Kommissar Orhan zu Captain America: „Why are you wearing masks and costumes during work?“ Captain America: „Spider is a child minded lunatic. When he sees someone wearing a mask, he wants to destroy them. My costume is bulletproof.“ Kommissar: „I see.“ Ach so, na dann.

Die Hatz auf den Schurken läuft dann ab wie ein Bond-Film ohne Schauwerte: Die Helden sind anscheinend fest davon überzeugt, dass das Verfolgen rätselhafter Hinweise und die damit verbundenen Schauplatzwechsel, das fleißige Ausspionieren von angeblich Verdächtigen und manische Durchwühlen irgendwelcher Schubladen einer streng kriminalistischen Logik folgt, aber der Zuschauer hat spätestens nach 20 Minuten komplett die Orientierung verloren: Da ist immer die Rede von einer Yacht, die der Spider Gang als Basis dient, aber im ganzen Film ist kein einziges Schiff zu sehen. Da präsentiert Santo immer wieder stolz gefundene Papierfetzen, die irgendwas beweisen sollen, ohne das man erfährt, was. Da stellt sich plötzlich heraus, dass die Bösen auch irgendwie in einem Stripclub drinhängen, und schon wird flugs die schöne Assistentin dort eingeschleust, um etwas herauszufinden, was doch eigentlich eh keinen interessiert. Denn wenn man ehrlich ist, sind Captain America und Santo als knallhart ermittelnde und kombinierende Kriminalisten vollkommen unterbelichtet. Es ist ihr Glück, dass auch der supergerissene Spider, dem die buschigen Augenbrauen aus den Gucklöchern wachsen, nicht gerade eine Low-Profile-Strategie verfolgt: So wird das lästige Verfolgen von Spuren immer wieder von kräftigen Balgereien unterbrochen, bei denen der Captain und Santo dann ganz in ihrem Element sind. 3 DEV ADAM verliert sich zum Schluss endgültig in einer Folge wilder Prügeleien, während derer sich herausstellt, dass Spider offensichtlich mehrere Doppelgänger hat oder aber magisch begabt ist. Nachdem die Helden ihn ca. fünf Mal gekillt haben ist er dann aber tatsächlich hinüber.

Ein bisschen enttäuscht war ich schon von diesem Film. Ein charismatischer Szenenfresser wie Cüneyt Arkin fehlt an allen Ecken und Enden und das einzige, was wirklich komplett durchgeknallt ist an 3 DEV ADAM ist sein Mangel an Wahnsinn. Das muss man auch erst einmal hinbekommen: Einen Film zu drehen, in dem Captain America und Santo auf Geheiß der türkischen Polizei in die Türkei kommen, um das Criminal Mastermind Spiderman dingfest zu machen, und das als beinahe bodenständigen Krimi anzulegen. Während andere Türkploitation-Vertreter regelmäßig das Raum-Zeit-Kontinuum ins Wanken bringen, eine Gefahr für den fragilen menschlichen Verstand bedeuten und ihre Zuschauer an existenzielle Grenzen und darüber hinaus führen, da bleibt dieser hier trotz seiner Anlage merkwürdigerweise krampfhaft auf dem Teppich. Klar, wenn ein Verräter vom Spiderman einer Rattenfolter unterzogen wird, statt der fiesen Nager aber possierliche Meerschweinchen zum Einsatz kommen, ist das schon ziemlich einmalig. Aber es ist eben nur ein Moment in einem Film, der einige mehr davon vertragen hätte.

Supersoldat Serdar (Serdar Kebapçilar) wird in eine Gruppe von Banditen unter der Führung des alten, aber gnadenlosen Ziya (Hüseyin Peyda) eingeschleust, die im türkisch-iranischen Grenzgebiet ihr Unwesen treiben. Auf dem Weg dorthin rettet er noch ein armes Bergbauern-Töchterlein, das ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht …

KORKUSUZ, weltweit unter dem Titel TURKISH RAMBO (bzw. RAMPAGE) bekannt, aber nicht zu verwechseln mit dem in Deutschland beschlagnahmten VAHSI KAN, der ebenfalls ein türkisches RAMBO-Ripoff ist und Superstar Cüneyt Arkin aufbietet, ist ein wahnsinnig schlechter Film, aber keine das geistige Gleichgewicht gefährdende Psychodroge wie etwa DÜNYAYI KURTARAN ADAM aka TURKISH STAR WARS. Mischten sich dort aus STAR WARS und FLASH GORDON geklaute Raumschiffszenen, Prügeleien zwischen abgetriebenen Kreaturen aus Jim Hensons Puppenwerkstatt und ausgedehnte Spaziergänge durch das anatolische Hinterland zu einem wahrhaft psychedelischen Cocktail, reduziert sich der Irrsinn in KORKUSUZ weitestgehend auf eine mit „Inkompetenz“ noch wohlwollend bezeichnete Inszenierung und das Non- respektive Overacting der Akteure. Inançs Film ist recht bodenständig (wobei er alles andere als sicher auf seinen von Muskelschwund und Glasknochen geplagten Beinen steht), erzählt eine überaus einfache Story eben überaus einfach und erringt allerhöchstens in dem Unvermögen Meisterschaft, einfachste Sachverhalte und Zusammenhänge filmisch so darzustellen, dass sich keine klaffenden Risse im Raum-Zeit-Kontinuum ergeben. Das ist schon eine ziemliche Leistung, einen inhaltlich wie bildlich so dermaßen reduzierten Stoff so beeindruckend unpraktisch und konfus zu inszenieren. Als Zuschauer verliert man schon den Anschluss, wenn eine Person bloß zur Tür reinkommt. Wo ist diese Tür? Welche Person ist das? Wo war sie vorher? Und was wollte sie dort respektive hier? Fragen, die auch Muskelprotz Serdar nicht beantworten kann, was wohl der Grund dafür ist, dass er entweder ausdruckslos in die Botanik glotzt oder aber direkt in die Kamera. Und wer wollte es ihm verdenken? Wie soll man denn leben in einer Welt, in der ständig Leute mit unmöglichen Schnurrbärten aus dem Nichts auftauchen und Dinge tun, die keinen Sinn ergeben? Wie sich verhalten, wenn man als Supersoldat mit dem Auftrag in der Ödnis ausgesetzt wird, vermeintliche Banditen zur Strecke zu bringen, und feststellen muss, dass das nur alte Leute sind, die nichts anderes wollen, als in Frieden mit ihren Schafen zu verkehren?

Was Serdar so treibt, wer er ist, das wird nie ganz klar. Als er von einem der Banditen gefoltert (= mit einem fröhlich vor sich hinsprudelnden Wasserschlauch abgespritzt) wird, hat er mal ein kurzes Flashback zu einer richtigen Folter, aber wer die an ihm für welches Vergehen verübt hat, bleibt unklar. Als er die namenlose Ische beim Klettern vor dem Absturz rettet, erinnert er sich kurz daran, wie ihm das bei einem Armeekumpel mal nicht gelungen ist, aber anlässlich welchen Konflikts das war, bleibt ebenso ein Rätsel wie seine Verbindung zum Abgestürzten. Man ahnt, dass Serdar ein Gezeichneter ist, ein gebrochener Held wie sein US-Kollege John Rambo: Schließlich hat er auch solche Muckis und ein schickes Stirnband. Dass es einem der Bösewichter erst beim fünften Mal gelingt, Serdar eine Wunde mit dem Messer beizubringen, lässt zudem auf eine nach außen gekehrte seelische Abstumpfung schließen. Oder ist Serdar nur ein Hohlkopf, dem der rege Steroidmissbrauch auch noch den letzten Rest von Verstand geraubt hat? Wie er da komplett entfesselt über Stock und Stein springt, krachende Maulschellen mit einer Technik verteilt, bei denen andere sich die Schultern auskugeln würden, und am Ende in einer Mischung aus Schwarzenegger’scher Tonlosigkeit und Norris’scher Ausdruckslosigkeit die Treue zum Vaterland beschwört, lässt darauf schließen. Demgegenüber steht wiederum sein unnachahmliches Talent, mitten in der Walachei anscheinend nach Belieben Munition für seinen Raketenwerfer zu finden, diesen dann so präzise zu bedienen, dass manche Schurken bloß Streifschüsse im Gesicht erleiden, und trotz kompletter Charmefreiheit auch noch das Herz des (ziemlich westeuropäisch aussehenden) Osmanenbabes zu erobern. Nachdem er mit ihr ein paar Stunden durchs anatolische Allgäu gelatscht ist und ihr ein Stück von einem über dem offenen Feuer gebratenen amorphen Klumpen abgegeben hat, ist sie so hin und weg, dass sie später im Sterben noch davon schwafelt, in ihm habe sie einen Seelenverwandten gefunden. Was für ein bemitleidenswertes Geschöpf: Sie hatte nie eine Chance.

KORKUSUZ ist tatsächlich so schlecht, dass man sich schon bald entweder nach einer guten Szene sehnt oder aber nach einer noch mieseren, damit man wenigstens irgendwas fühlt. Der Schnitt verursacht mit seinem arhytmischen Holpern Seekrankheit, die Bildführung ist miserabel, eine Dramaturgie gibt es nicht. Menschen haben auf einmal Vollbärte, Ketten werden einfach ums Handgelenk gewickelt, um jemanden zu fesseln (uneffiziente Fesseltechniken ziehen sich wie ein Leitmotiv durch den Film), und zur Befreiung über einer lausigen Flamme geschmolzen. Schlamm verwandelt sich von einer Einstellung zur nächsten in Steine, bevor diese sich dann wieder in Schlamm verwandeln, Gefangene werden von in den Türrahmen genagelten Brettern in Schach gehalten. Raketen fallen mit einem schwächlichen „fump“ aus dem Raketenwerfer heraus und in der obligatorischen Trainingssequenz hat man gleich ganz darauf verzichtet, sich Übungen auszudenken, die Serdar ausführen könnte: Er stützt sich einfach an einem Baum ab und spannt die Muskeln an. Der Oberböse sieht aus wie Fernando Rey mit einem schmerzhaften Krampf im Unterkiefer und der Gefängnistransporter, aus dem Serdar am Anfang fliehen kann, ist ein Wohnmobil. Dialoge gehen ungefähr so: „Stop the car, someone’s sick!“ – „He said you should stop the car, someone’s sick.“ – „Well, I’ll stop the car. See if someone’s sick!“ Und am Schluss werden Antworten auf Fragen gegeben, die sich wohl allerhöchstens den Beteiligten gestellt haben. Die Frage „Was machen wir hier eigentlich?“ war aber nicht darunter.

Und weil es so schön war, ein paar Bilder:

Gruppenbild mit Spaten und Kopfweh

„Serdar, steh doch mal bequem!“

„Hätte ich doch bloß nicht die Rolle in THE FRENCH CONNECTION abgelehnt!“

Nicht ganz so optimale Fesseltechniken, Teil 1

Serdar, das kleine Regengesicht

„Meine Spezialität: Am Stock gegrilltes Aas!“

Die with a stupid face on …

Von links nach rechts: Rakete, Raketenwerfer, Serdar. (Man beachte auch das Seil, an dem die Rakete hängt.)