Mit ‘Vic Morrow’ getaggte Beiträge

Nachdem Larry (Peter Fonda) eine Nacht mit Mary (Susan George) verbracht hat, lässt er sie kommentarlos sitzen, um mit seinem Kumpel Deke (Adam Roarke) einen Ramschmarkt auszurauben. Doch den beiden kommt die gehörnte Mary in die Quere und weil keine Zeit für lange Diskussionen bleibt, wird sie kurzerhand mit auf die folgende Flucht genommen. Larry hat die Fähigkeiten, die es braucht, um den Bullen zu entkommen, Deke das nötige Wissen, um Pannen zu beheben, der Polizeifunk hilft, die Schritte der Polizei vorauszuahnen. Nur mit der Besessenheit des Polizeibeamten Franklin (Vic Morrow), der die Jagd leitet, haben beide nicht gerechnet …

Dieser Film stand schon mehrere Jahre bei mir im Schrank rum. Zwei Sichtungsversuche hatte ich wegen Müdigkeit nach kurzer Zeit abgebrochen, im Zuge meines Carsploitation-Tages war es jetzt an der Zeit, ihn endlich zu gucken. Als er vor ein paar Jahren auf DVD erschien, waren es (wenn ich mich recht erinnere) die lobenden Worte Harry Knowles‘ und das knallige DVD-Coverdesign, die mich für den Film einnahmen und zum Kauf verleiteten. Knallig ist der Film, Erwähnung hat er durchaus verdient, dennoch war ich ein bisschen enttäuscht von ihm. Ob das wirklich dem Film anzulasten oder auf eine falsche Erwartung meinerseits zurückzuführen ist, darüber denke ich jetzt seit der Sichtung gestern nach. Eigentlich ist der Film recht hübsch, weil ungewöhnlich innerhalb des bekannten Rahmens: Die Verfolgungsjagd führt nicht über Staatsgrenzen hinweg, sondern spielt sich auf vergleichsweise engem Raum ab, die Dynamik zwischen den drei Protagonisten ist voller Konfliktpotenzial. Es schwelt und brodelt eigentlich die ganze Zeit über, keine Spur von der Kameradschaft unter Gaunern – und auch nicht unter den Polizisten. Die „Freundschaft“ von Larry und Deke ist jeder Herzlichkeit beraubt, mehrfach steht sie kurz davor, umzukippen und die Zickereien zwischen Larry und Mary stellen die Nerven des ruhigen Dekes zusätzlich auf eine harte Geduldsprobe. Wer erwartet, dass die offene Verachtung zwischen dem titelgebenden Pärchen irgendwann in eine romantische Liebe à la Bonnnie & Clyde umschlägt, sieht sich getäuscht: Auf jede kleine Annäherung folgt so sicher wie das Amen in der Kirche der nächste Zoff. Man kann das „Hassliebe“ oder auch schlicht „Beziehungsunfähigkeit“ nennen. Und so wie die Gauner sich nicht einig werden, leistet sich der Polizist Franklin bis zum Schluss ein erbarmungsloses Kompetenzgerangel mit seinem Vorgesetzten, dem ein Scheitern der Jagd gar nicht so ungelegen käme, könnte er dann doch neue Autos und Ausrüstung anfordern.

Diese ungewöhnliche Charakterzeichnung und Figurenkonstellation war aber auch das, was mir gestern ein Problem bereitet hat: Es gibt einfach keine Sympathieträger in DIRTY MARY CRAZY LARRY. Die Härte und Mitleidlosigkeit, mit der Larry und Deke zu Beginn ihren Coup durchziehen, wird auch durch den Verzicht auf körperliche Gewalt nicht wirklich abgemildert und Marys Motiv, sich den beiden anzuschließen, scheint einer unreflektierte Mischung aus Sturheit und Langeweile geschuldet. Peter Fonda spielt seinen Larry mit der von ihm gewohnten Distanziertheit, so als habe er sich nur deshalb dazu herabgelassen, diesen Film mit seiner Präsenz zu adeln, weil er gerade nichts Besseres zu tun hatte (und schon immer mal Susan George bumsen wollte). Man kann sich darüber streiten, ob er mehr als korperliche Anwesenheit in die Wagschale wirft. Seine aufreizende Arroganz war gestern für mich das größte Manko des Films: Vielleicht werde ich ihn beim nächsten Mal aber genau dafür lieben, wer weiß. Die sowieso immer etwas hilflos wirkende Susan George wirkt gleich doppelt allein gelassen und bei Roarke stellt sich die Frage, ob die Gereiztheit Dekes nicht auch die seine ist. Wie gesagt: Das ist alles ziemlich merkwürdig, gerade weil Houghs Film doch sonst so ungemein straight ist. Das Ende lässt immerhin darauf schließen, dass das nicht alles nur ein unglücklicher Zufall gewesen ist und versöhnte mich ein bisschen. Schlecht ist DIRTY MARY CRAZY LARRY auf gar keinen Fall, halt nur anders. Noch mehr als erwartet.

Der versoffene, heruntergekommene Ex-Baseballspieler Morris Buttermaker (Walter Matthau) soll ein Team in einer kalifornischen Jugendliga trainieren. Das Geld nimmt er gern, die Arbeit aber nicht besonders ernst. Erst nach einer demütigenden ersten Niederlage fühlt er sich bei der Ehre gepackt, sieht sich in der Verantwortung, die ihm unterstellten Kinder – alles andere als Sportskanonen – wieder aufzurichten. Mithilfe seiner talentierten Stieftochter Amanda (Tatum O’Neal) und dem juvenile delinquent  Kelly (Jackie Earle Haley) formt er aus dem mitleiderregenden Haufen einen Meisterschaftskandidaten, sehr zum Missfallen des überambitionierten Konkurrenztrainers Roy Turner (Vic Morrow) …

DIE BÄREN SIND LOS dürfte eine meiner frühesten Fernseherinnerungen sein, allerdings nicht die Filmversion, die ich gestern tatsächlich zum ersten Mal gesehen habe, sondern die Serienfassung von 1979, in der Jack Warden in die Rolle des Trainers Buttermaker schlüpfte und auch ein kleiner, noch nicht drogenabhängiger Corey Feldman mitwirkte. Diese Serie bedeutete nach zwei Sequels (ohne Beteiligung von Matthau) und einem Rip-off namens HERE COME THE TIGERS das Ende der kommerziellen Ausschlachtung von Ritchies Erfolgsfilm bis zu Linklaters Remake aus dem Jahr 2005. Mit den rudimentären Erinnerungen, die ich an die Serie noch habe, war THE BAD NEWS BEARS schon eine kleine Überraschung.

Der Film ist nämlich gar nicht so leicht und unbeschwert wie ich das erwartet hatte, die Unzulänglichkeiten der kleinen Baseballer werden weitaus weniger ausgeschlachtet, als man das aus vergleichbaren Filmen kennt, und statt von unschuldigem Slapstick wird der Film von einer sehr greifbaren, melancholischen Stimmung dominiert, die ihn – trotz des geringen Alters seiner kindlichen Protagonisten – als Coming-of-Age-Film markiert. Das goldene Licht der südkalifornischen Sonne verzerrt die Bilder ins leicht Unwirkliche, der ganze Film ist in einem dämmrigen Zwielicht angesiedelt, das schon den Beginn einer neuen, weniger unschuldigen Zeit heraufbeschwört. Ritchie hat ernste Absichten: Er zeigt, wie das in den USA vorherrschende Leistungs- und Erfolgsdenken Außenseiter überhaupt erst produziert, wie von Ehrgeiz zerfressene Eltern ihre Kinder aus egoistischen Motiven zu Höchstleistungen antreiben, wie sie „Versagen“ sanktionieren, Individualismus verdammen, ihren Kindern jeglichen nicht auf ein Ziel gerichteten Spaß austreiben und sie so schon früh auf die Rücksichtslosigkeit konditionieren, die allein zum Erfolg verhilft. Wie blinde Profit- und Gewinnsucht selbst noch die Beziehungen zu den eigenen Kindern bestimmt, ein Klima geschürt wird, in dem der Schwächere nicht Zuwendung und Hilfsbereitschaft, sondern Spott, Demütigung und im äußersten Fall sogar Gewalt erntet und jeder, der nicht mitmacht bei diesem Wettkampf, als ewiger Verlierer abgestempelt wird.

So muss selbst der chronische Gammler Buttermaker, der eine potenzielle Gattin samt dazugehöriger Stieftochter vertrieben, eine Baseball-Karriere in den Wind geschossen hat, sich mit armseligen Jobs über Wasser hält und in seinem stets mit einer Kühltasche voller Bier ausgestatteten Auto zu wohnen scheint, irgendwann bemerken, dass er vor lauter Erfolgswillen seine Ideale vergessen, seine eigenen Interessen über die seiner Schützlinge gestellt hat. Es ist der Moment seines Umdenkens, der den eigentlichen Triumph des Films einleitet: Am Ende, just in dem Moment, in dem er die Chance hat, mit seinen Bears den Titel zu gewinnen, allen Spöttern zu beweisen, was er kann, setzt er die schwächsten Spieler ein, gibt jenen eine Chance, die nie eine hatten. Die knappe Niederlage fühlt sich an wie ein Sieg, weil sie auch ein Bekenntnis zu Solidarität und Freundschaft ist – durchaus nicht selbstverständlich für das oft reaktionäre Sportfilm-Genre, das auf den finalen, zählbaren Erfolg als deutlichsten Ausdruck der Entwicklung seiner Figuren selten verzichten mag. In THE BAD NEWS BEARS kann „Sieg“ nur bedeuten, das System mit seinen eigenen Waffen zu schlagen: Indem man die Niederlage zum Triumph umdefiniert, den Pokal in den Dreck wirft, die leeren Respektbekundungen des Gegners als leere Phrasen und sprachliches Mittel der Unterdrückung bloßstellt und ihnen mit der gebührenden Verachtung entgegentritt. Ritchie geht es nicht um staatstragende Ideologie und Volkserbauung: Er weiß, dass das Leben hart ist und die Kindheit ebenso kostbar wie oft auch traurig und deprimierend; dass die Welt der Erwachsenen und der Kinder immer mehr in Konflikt miteinander geraten (er hat sich auch in THE ISLAND mit dem Druck auseinandersetzt, der Kindern von ihren Eltern auferlegt wird). In der emotional am stärksten nachwirkenden Szene ohrfeigt Roy Turner seinen eigenen Sohn auf dem Platz, weil dieser einen Fehler gemacht hat. Ein Sieg der Bears hätte nach dieser Szene kein Happy End mehr sein können.

Im kalifornischen Fischerstädtchen Noyo gibt’s Ärger: Die Fischer um den rassistischen Slattery (Vic Morrow mit Minipli) freuen sich auf eine Dosenfabrik, die demnächst gebaut werden und großen Profit bringen soll, die Umweltschützer um den Indianer Johnny Eagle (Anthony Penya) warnen vor der bevorstehenden Verschmutzung des Ozeans und das Aussterben der Lachse, von denen Noyo abhängig ist. Bald gibt es jedoch eine weitaus handfestere Bedrohung: Die Experimente, die das Wachstum der Lachse beschleunigen sollten, haben nämlich eine Rasse von gefährlichen Fischmenschen geschaffen. Und für die beginnt pünktlich zum bevorstehenden Lachsfest die Paarungszeit. Der tapfere Jim Hill (Doug McClure) stellt sich gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Susan Drake (Ann Turkel) der Gefahr …

HUMANOIDS FROM THE DEEP ist zunächst einmal ein klassischer Monsterfilm, der das genretypische Monster-on-the-loose mit moderner Ökothematik und offenkundigen JAWS-Einflüssen anreichert – man lausche nur dem Score von James Horner. Die „Humanoids“ von Rob Bottin erinnern ein wenig an Jack Arnolds Kiemenmenschen, wenn der eine Karriere als Dirty Old Man beginnen würde, und können sich mit ihren extralangen Armen auch an Stellen kratzen, an die normale Menschen nur mit obszön aussehendem Werkzeug kommen. Vor allem aber – und hier kommt Roger Cormans Gespür für das, was die Leute ins Kino lockt, ins Spiel – sind sie absolute Lüstlinge und mit räuberischem Hunger nach den handvermessenen Nebendarstellerinnen ausgestattet. Wer über der Tatsache, dass auch noch eine Frau die romantischen Fischmenschvergewaltigungen inszenierte, den Feminismus bedroht sieht, sei beruhigt: Die entsprechenden Szenen, die nach ca. einem Drittel den bis zum Finale eher gemächlichen Flow des Filmes aufbrechen, wurden nachträglich in den Film montiert und nicht von Peeters inszeniert. Und wo ich schon beim Finale bin: Da geht es mächtig rund, wird das gemütliche Lachsfest von den algenbehangenen Unholden mächtig aufgemischt. Da spritzt die rote Suppe und vermischt sich mit muffig riechendem Fischrogen, bis Doug McClure den Tag rettet, indem er kurzerhand die ganze Bucht in Brand steckt. Gegenüber den beiden zuletzt gesehenen FORBIDDEN WORLD und GALAXY OF TERROR ist HUMANOIDS eher eine gemütliche Angelegenheit, die dann von den Gewaltexplosionen aber umso heftiger zerrissen wird. Ein hübscher Film, der mit seiner knapp bemessenen Lauflänge und der Fischerdorfkulisse – für die ich ein absolutes Faible habe – zusätzlich Punkte macht.