Mit ‘Werwolf’ getaggte Beiträge

monster-dogSeltsam, dass niemand vorher auf die Idee gekommen war, Alice Cooper in einem Horrorfilm zu besetzen. Cooper hatte sich in den frühen Siebzigerjahren einen Namen als Kopf der gleichnamigen Band gemacht, die mit makabren Texten („I love the Dead“ handelte etwa von Nekrophilie) und Grand-Guignol-Bühnenshows das Establishment verschreckte, bevor er dann als Solokünstler ganze Horrormusicals vertonte. Sein Solodebüt „Welcome to my Nightmare“ erfuhr eine Fernsehadaption (und eine aufwändieg Live-Inszenierung), aber davon abgesehen beschränkten sich seine Filmauftritte auf kleine Nebenrollen, etwa in ROADIE oder SEXTETTE. Als Fragasso ihn für LEVIATÁN castete, befand sich Cooper gerade in einer mehrjährigen kommerziellen Durststrecke – seine New-Wave-inspirierten Alben „Special Forces“, „Zipper catches Skin“  und „DaDa“ waren allesamt hart gefloppt – und einem Kampf gegen die Alkoholsucht, die ihn fast umgebracht hätte. Er hätte gewiss einen besseren Film verdient gehabt, als diesen rumpeligen Werwolfschocker, aber immerhin konnte auch Fragasso nicht verhindern, dass es mit dem Musiker danach wieder aufwärts ging (zumindest kommerziell, denn seine beiden Hardrock-Platten „Constrictor“ und „Raise your Fist and Yell“, mit denen er sich zurückmeldete, sind wahrscheinlich auch seine schlechtesten).

Alice sieht ziemlich mitgenommen aus, als habe er mit einem schlimmen Hangover zu kämpfen – er war damals gerade 36, sieht aber, gezeichnet durch vergangene Exzesse, deutlich älter aus -, wirkt ausgesprochen desorientiert und verunsichter. Es passt zu LEVIATÁN, der eigentlich immer und überall verrissen wird. Es ist gewiss kein „guter“ Film – aber er hat mich positiv überrascht, weil er ganz anders ist, als ich das erwartet hatte. Fragasso darf man durchaus als einen der Totengräber des italienischen Kinos bezeichnen: Gemeinsam mit Bruno Mattei bildete er ein gefürchtetes Duo, das in den Achtzigern alle irgendwie erfolgreichen US-Filme kopierte und in meist lieblos hingerotzten Italo-Versionen auf den Markt brachte. Mit ZOMBI 3 bescherte Fragasso dem armen Lucio Fulci eine echte Breitseite und besaß die Chuzpe, danach mit OLTRE LA MORTE sogar noch einen Nachklapp zu inszenieren. Sein berühmtester Film ist wohl TROLL 2 ein Meilenstein des „So bad it’s good“, den ich auch endlich mal gucken muss. Was ich sagen will: Alles deutete daraufhin, dass LEVIATÁN ein inkompetentes Formula-Movie ist. Ich erwartete eigentlich einen Slasher mit austauschbaren Hackfressen und einem doofen Monster. Ein doofes Monster gibt es, austauschbare Hackfressen auch, aber den Film um diese herum möchte ich beinahe als „eigenständig“ bezeichnen.

Vince Raven (Alice Cooper) ist ein erfolgreicher Popmusiker, der mit seinem neuesten Video zu dem Song „Identity Crisis“ (furchtbar lazy getextet, aber den Refrain habe ich jetzt seit zwei Tagen im Ohr) überhaupt nicht zufrieden ist. Für seinen nächsten Clip packt er deshalb seine befreundete Crew ein und fährt zu dem Haus, in dem er einst aufwuchs – und sich ein handfestes Trauma zuzog. Sein Vater litt nämlich an einer seltenen Geisteskrankheit, die ihn in ein werwolfähnliches Wesen verwandelte: In dieser Gestalt tötete er einige Menschen und wurde schließlich von einem aufgebrachten Lynchmob hingerichtet. Kein Wunder, dass Vincents Ankunft von den Eingeborenen wenig begeistert aufgenommen wird: Man vermutet, dass er die Krankheit von seinem Vater geerbt hat – und hat außerdem mit einem Rudel wild gewordener Hunde zu kämpfen, die die Gegend unsicher machen. Tatsächlich gibt es bald die ersten Toten …

Um ehrlich zu sein: LEVIATÁN ist auch ein Meisterstück der Laufzeit-Schinderei. Der Film beginnt mit dem Videoclip, in der Mitte gibt es eine ausgedehnte Passage, in der Cooper einen zweiten fürchterlichen Song zum besten gibt, bevor die Schlusscredits laufen, gibt es noch einmal eine Art „Best-of-Montage“ und viel Zeit geht außerdem drauf für das unwichtige Miteinander der Figuren. Aber LEVIATÁN hat eine eigene Atmosphäre und wandelt nicht nur auf ausgetretenen Pfaden. Wenn es richtig losgeht, geht die größte Bedrohung gar nicht vom „Monster Dog“ aus, sondern von ein paar Rednecks, die sich Zugang zu Vincents Elternhaus verschaffen (das etwas an eine Mischung aus dem Haus der Sawyer-Family aus THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE und der Bleibe derer zu Usher erinnert) und Vincents umbringen wollen. Da gibt es dann ein sehr handfestes Belagerungsszenario mit deutlichen Westernanleihen, das Fragasso viel besser liegt als die etwas tölpeligen Horrorszenen. Die Titelkreatur sieht man nur ein paar Mal: Sie ist eher eine Metapher denn der eigentliche „Schurke“ des Films. Großen Anteil an der eigenartigen Stimmung des Ganzen hat der Drehort: LEVIATÁN spielt in den USA, wurde aber irgendwo in der spanischen Pampa gedreht. Das schafft eine kognitive Dissonanz, und dass die Bilder ein herbstlicher Grauschleier umwabert, schadet auch nicht. Wie gesagt: LEVIATÁN ist keinesfalls ein vergessener Klassiker und ich würde auch nicht unbedingt empfehlen, ihn aktiv zu suchen, aber wenn er einem über den Weg läuft, sollte man sich von Vorurteilen freimachen und ihm eine Chance geben. Besser als die beiden zuletzt von mir gesehenen Hundeschocker DEVIL DOG und DRACULA’S DOG ist er in jedem Fall.

large_5of5s0byh5k3ihld3zcya2aknst„Das Jahr des Werwolfs“ war neben seinen Romanen eine eher flüchtige Kalendergeschichte von Stephen King, die mich als Jugendlicher vor allem mit ihren detaillierten und bisweilen blutigen Zeichnungen aus der Feder von Bernie Wrightson begeisterte. Als nahezu alles, was unter Kings Namen erschien, sich verkaufte wie geschnitten Brot und zwingend auch verfilmt werden musste, war auch „Das Jahr des Werwolfs“ an der Reihe, das eigentlich keinen Stoff für einen vollwertigen Spielfilm hergab. Also adaptierte King die Geschichte in einem Drehbuch, das dann später zusammen mit der Ursprungsnovelle in einem Band unter dem Titel des Films veröffentlicht wurde: King war in den Achtzigerjahren nicht nur ein immens produktiver Autor, hinter ihm verbarg sich auch eine gut geölte Marketingmaschine.

SILVER BULLET war kein großer Erfolg, entlockte Roger Ebert einen erbitterten Verriss und beendete die Spielfilm-Karriere des Regiedebütanten Daniel Attias auf Anhieb: Er arbeitet seitdem aber überaus produktiv fürs Fernsehen und hat seinen Beitrag zu so ziemlich jeder namhaften Serie der letzten 30 Jahre geleistet. Der Film ist nett, wie eigentlich alle King-Verfilmungen jener Zeit, und das steht ihm aufgrund seines eher flüchtigen Inhalts besser zu Gesicht als anderen Werken, die überwiegend als Enttäuschungen empfunden wurden. Der epische Bogen, der mithilfe des Voice-overs geschlagen werden soll – Jane (Megan Follows), die Schwester des Protagonisten Marty (Corey Haim) fungiert als Erzählerin, die sich an die Vergangenheit erinnert -, geht nicht recht auf, weil der Film zu gegenwärtig aussieht, Ideen wie jene um den aufgemotzten Rollstuhl des querschnittsgelähmten Marty sind als reine Gimmicks zu enttarnen. Aber SILVER BULLET bietet einfach angenehme Kurzweil, ist hier und da recht blutig, hat mit Gary Busey als stets angetrunkener, aber herzensguter Onkel Red einen exzellenten Darsteller, den man nicht oft in solchen durch und durch sympathischen Rollen gesehen hat, ist bis in die Nebenrollen gut besetzt (u. a. treten Lawrence Tierney, Terry O’Quinn und James Gammon auf) und schafft eine gelungene Mischung aus Horror und Humor. Die Szene mit dem Lynchmob im Nebel ist wunderbar und Everett McGill, hier noch vor seiner Paraderolle in TWIN PEAKS, gibt einer fantastischen Schurken ab. Die Werwolfeffekte spielen hingegen nicht ganz in der Liga von THE HOWLING oder AMERICAN WEREWOLF: Für sie zeichnete Carlo Rambaldi verantwortlich, der seine Karriere in den Sechzigerjahren in Italien begonnen und oft mit Mario Bava zusammengearbeitet hatte, bevor er in die USA ging. Er war unter anderem an Spielbergs STRANGE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND, Zulawskis POSSESSION und Scotts ALIEN beteiligt, bekleckerte sich bei KING KONG nicht  gerade mit Ruhm, machte sich aber mit der Schöpfung von E.T., THE EXTRA-TERRESTRIAL unsterblich, bevor er dann im Verlauf der Achtzigerjahre von der Zeit eingeholt wurde. Sein Werwolf in SILVER BULLET leidet jeweils an akutem Wasserkopf. Vielleicht ist er deshalb so wütend.

Ein Aspekt, der leider nicht weiter ausgearbeitet wird: Die Voice-over-Narration zeichnet zu Beginn ein typisches Kleinstadtidyll („everybody cared as much for the other as he cared for himself“), das dann im weiteren Verlauf mit einem wütenden Lynchmob, Männern die schwangere Frauen im Stich lassen, asozialen Säufern und einem Priester, der sich des nachts in ein blutgieriges Monster verwandelt, mehr als nur in Frage gestellt wird. SILVER BULLET interessiert sich aber nicht besonders für die Kritik an der amerikanischen Kleinstadt, und das ist in diesem Fall auch ganz OK so.

Der Partner von Max Dire (Mario van Peebles) sprach eben noch davon, den Polizeidienst zu quittieren, zu heiraten und ein neues Leben zu beginnen, da wird er bei einem Einsatz brutal niedergeschossen und ohne große Überlebenschancen ins Krankenhaus eingeliefert. Umso erstaunter ist Max, als der Partner wenige Tage später nicht nur vor ihm steht, als sei nichts passiert, sondern er in der Ausübung seines Dienstes plötzlich einen fast übermenschlichen Ehrgeiz an den Tag legt, der nichts von seinen vorherigen Bekundungen mehr erkennen lässt. Das ungute Gefühl Max‘ findet seine Bestätigung, als der Partner sich schließlich wieder nur einige Tage später öffentlich erschießt. Der geschockte, trauernde Cop wird daraufhin vom Psychologen Adam Garou (Bruce Payne) angesprochen: Er lädt Max in eine von ihm geleitete „Selbsthilfegruppe“ ein. Doch diese entpuppt sich bald als mehr als das, nämlich eine Art Spezialeinheit, in der ein von Garou entwickeltes Serum zum Einsatz kommt, dass die Polizisten in unbesiegbare Kampfmaschinen verwandelt …

Mal wieder eine kleine Nostalgiestunde: FULL ECLIPSE – vom einstigen Genrespezialisten Anthony Hickox fürs amerikanische Pay-TV inszeniert – reifte Mitte der Neunzigerjahre bei seiner deutschen Videoveröffentlichung zum kleinen Kulthit heran, der bei mir sehr hoch im Kurs stand. Grund für meine Begeisterung waren die hübsch pulpige Verbindung von Horror- und Polizeifilm, das dadurch bedingte Nebeneinander von blutigen Schießereien, die der damaligen Mode entsprechend an Meister Woos artistischen Bullet Ballets angelehnt waren, und splatterigen Werwolfeinlagen, aber auch die hübsche Besetzung: Mario van Peebles ging so eben noch als Quasi-Actionstar durch, Patsy Kensit sah man als Heranwachsender immer gern und Bruce Payne zählte damals zu meinen ausgesprochenen Lieblings-Schurkendarstellern. Ich war bei der Wiederbegegnung auf handfeste Ernüchterung eingestellt, ja, hatte diese eigentlich fest eingeplant. Mir war klar, dass der Film heute nicht mehr ganz so unmittelbar kicken konnte, wie er das vor nunmehr fast 20 Jahren tat: Die Trends haben sich ebenso verändert, wie die Möglichkeiten der Darstellung und FULL ECLIPSE war ja nun eben keine Multimillionen-Dollar-Kinoprodution, die damals Maßstäbe hinsichtlich ihrer Effekte gesetzt hätte, sondern ein bescheidener Fernsehfilm, der vor allem durch seine Attitude punkten konnte. Und ich bin keine 17 mehr und deutlich weniger begeisterungsfähig als damals. Umso größer mein Erstaunen darüber, dass ich FULL ECLIPSE immer noch sehr unterhaltsam finde. Na klar, die Shootouts reißen heute niemanden mehr vom Hocker, sind mit ihren beidhändig schießenden Hechtsprüngen durchaus ein bisschen albern und der Film wirkt heute noch etwas kleiner und billiger als damals. Aber das Wesentliche bleibt von diesen heute sichtbaren Mängeln unangetastet: Hickox‘ Film macht einfach Spaß, er ist schön kurzweilig und er pflegt einen überaus sympathischen Umgang mit seiner inhärenten Blödheit: Er zieht sein Ding sehr straight durch und lässt nur in ganz kurzen Augenblicken erkennen, dass er selbst in on the joke ist, anstatt sich in selbstdistanzierendem Wink-wink, nudge-nudge zu ergehen. Da gibt es etwa diesen einen sehr geilen, sehr komischen Moment: Adam Garou und seine Werwolf-Spezialeinheit haben soeben ein Sprengstoff-Attentat überlebt und marschieren in einer dieser mit pathetischer Musik unterlegten Zeitlupenszenen in das Polizeipräsidium. Mit ihren zerrissenen Klamotten und den geschwärzten Gesichtern ziehen sie sofort die Blicke der umstehenden und -sitzenden Kollegen und der anwesenden Zeugen und Verdächtigen an: Alle sehen für einen Augenblick von ihrer Tätigkeit ab und verfolgen gebannt, was diese illustre Gruppe im Sinn hat. Die anderen im Schlepptau tritt Garou zum Schalterbeamten, knallt ein abgerissenes Lenkrad auf das Pult und sagt mit einem selbstbewussten Grinsen: „Wir brauchen ein neues Auto.“ – Das ist kein besonders origineller Spruch und auch keine wirklich einfallsreiche Auflösung der Szene, aber sie trifft dennoch ins Schwarze, weil Hickox sie ganz trocken runterinszeniert. Man merkt fast gar nicht, dass das ein Witz ist. Ich kann mir richtig vorstellen, wie zeitgenössische Regisseure den One-Liner damit eingeleitet hätten, dass die Musik mit einem „Kratzer“ verstummt wäre, Garou seine Witz in die neue Stille hineingesagt hätte, damit man ihn auch bloß nicht verpasst. Oder dass die Kamera dazu ruckartig an ihn herangezoomt hätte, er den Spruch im Stile eines Clint Eastwood ins Objektiv gegrummelt hätte . Nichts davon hier. Eher noch hat man den Eindruck, dass Bruce Paynes verschmitztes Lächeln von seiner Belustigung über die Szene herrührt und absichtlich dringelassen wurde. Wie gesagt: sympathisch.

Was mir diesmal mehr als damals aufgefallen ist: FULL ECLIPSE bedient sich ikonografisch recht dreist bei den X-Men und da natürlich vor allem beim Design Wolverines. Die erste Verfilmung der Comicserie sollte erst gut sechs Jahre später erscheinen und es ist mehr als fraglich, ob Singer als Vorbereitung darauf ausgerechnet diesen kleinen Pay-TV-Fernsehfilm gesehen hat. Die Szenen, in denen die Spezialeinheit in vollem Werwolf-Look und in Body-Suits im Mondschein herumpost, weckt allerdings mehr als nur leise Assoziationen. Sehr wahrscheinlich ist es eher umgekehrt: Mit der seit damals gewonnenen Kenntnis dutzender Superhelden-Comicverfilmungen sieht auch FULL ECLIPSE heute so aus wie eine von diesen. Früher war es einfach nur ein merkwürdiger Genrehybrid ohne große Vorbilder, heute sieht man in seiner Dramaturgie zahlreiche Parallelen zu den modernen Marvel-Filmen. FULL ECLIPSE erzählt demnach so etwas wie die Origin Story von Max Dire, dem Werwolf-Polizisten, und das Ende deutet dessen kommenden Abenteuer an, in denen er seine Eigenschaften dann für das Wohl der Menschheit einsetzt. Schade, dass nie ein Sequel gedreht wurde. Das hätte mir – wie FULL ECLIPSE auch – wahrscheinlich besser gefallen als alle X-Men-Filme zusammen.

Weil sie im Mittelalter die Anführerin eines Satanistenkults auf den Scheiterhaufen gebracht haben, lastet ein Fluch auf den Daninskys. Nur wann er in Kraft tritt, steht in den Sternen. Es trifft dann ein paar hundert Jahre später den braven Waldemar (Paul Naschy): Eine Frau versetzt ihm einen Biss mit einem Wolfsschädel und beim nächsten Vollmond verwandelt sich der Arme in einen Werwolf. Die anderen Dorfbewohner glauben an das Werk eines Irren und Waldemar selbst hat keine Erinnerung an seine nächtlichen Streifzüge …

Ich habe jetzt sehr vereinzelt einige Filme um den armen Wolfsmann Waldemar Daninsky gesehen, ohne einen echten Überblick über die Reihe zu haben. Diesen hier hielt ich aufgrund seiner Story gestern für den ersten, musste mich aber von der IMDb eines Besseren belehren lassen. Naschy war zuvor bereits 5 mal in die pelzige Haut des Gebeutelten geschlüpft, selbst der hier vor einigen Monaten besprochene, pulpige LOS MONSTRUOS DEL TERROR ging diesem noch voraus. Da sage noch mal einer, Reboots seien eine Erfindung der Gegenwart! Zurück zu Aureds Film: Wie eigentlich alle spanischen Horrorfilme jener Zeit, die ich bisher gesehen habe, hat auch EL RETORNO DE WALPURGIS heftige Schlagseite Richtung Melodram: Gegenüber dem traurig dreinblickenden Waldemar (in der deutschen Fassung Wladimir), dessen Liebesglück sich aufgrund eines Fluchs, für dessen Ursache er rein gar nichts kann, nicht erfüllt, der stattdessen zum Mörder wird und keinerlei Aussicht auf Retung hat, tritt das Treiben des Monsters doch ziemlich in den Hintergrund. Paul Naschy ist natürlich super, gerade weil er optisch überhaupt kein Starpotenzial mitbringt und in die Rolle des tragischen Verlierers so noch besser reinpasst, aber ein bisschen langweilig sind diese Filme schon. Man weiß stets von vornherein, was passiert, und der holprige Schnitt verhindert, dass man wirklich eintaucht ins Geschehen: Die Szenenübergänge sind das Äquivalent zum Sprung auf der Schallplatte. Andererseits ist auch EL RETORNO DE WALPURGIS unbedingt liebenswert: Eine gewisse Atmosphäre kann man ihm nicht absprechen, das Wolfs-Make-up finde ich super und eigentlich sogar besser als spätere, weitaus realistischere Varianten, gewisse Unzulänglichkeiten versprühen zentnerweise Charme, etwa das Wölfe hier von Schäferhunden verkörpert werden. Man fährt definitiv besser, wenn man in diesen Film mit der Erwartung einer bestimmten Stimmung und Bildwelt geht, als mit der Hoffnung auf spannende Unterhaltung.

Die Wissenschaftlerin Erika (Silvia Aguilar) hat die Grabkammer der Vampirgräfin Bathory (Julia Saly) ausfindig gemacht, und möchte sie – unter ihrem Bann stehend – zu neuem Leben erwecken. Zwei Grabräuber haben aus Versehen bereits den Wolfsmenschen Waldemar Daninsky (Paul Naschy), aufgeweckt, der sein Schicksal der Bathory verdankt. Zunächst kommt er Erika und ihren beiden Freundinnen aber zur Hilfe, nimmt sie dann bei sich auf und verliebt sich schließlich in die schöne Karen (Azucena Hérnandez), in der Hoffnung, dass sie ihn von seinem Fluch erlösen möge. Als Erika die Wiedererweckung der Bathory gelingt, treibt aber plötzlich auch eine Gruppe weiblicher und verführerischer Vampire ihr Unwesen. Kann Waldi sie aufhalten?

Mein Reisebericht aus Spanien hat länger auf sich warten lassen als geplant: Derzeit schlafe ich einfach bei jedem Film ein und bin dann zur Nacharbeit verdammt. Doch EL RETORNO DEL HOMBRE LOBO ist nicht so richtig gut geeignet, ihn häppchenweise zu genießen, weil sein Erzählfluss gerade in der ersten Stunde so lose und locker ist, dass man nur schwer reinfindet, wenn man einmal draußen ist. Er ist mitnichten kompliziert oder gar langweilig, aber er verfügt auch nicht gerade über eine besonders flüssige Szenenabfolge. Vielmehr präsentiert er sich als munterer Reigen mal mehr, mal weniger theatralischer Szenen, mit denen sich Regisseur Naschy eher stolpernd auf einen Schluss zubewegt. So knutscht Daninsky in der einen Szene noch mit seiner neuen Angebeteten, bevor er in der nächsten ohne Vorwarnung und unter dem Einfluss des Vollmonds erst zum Derwisch, dann zum Werwolf mutiert. Nicht nur hinsichtlich seiner Bilderwelt – die Karpathen sehen verdächtig nach Spanien aus, der Werwolf wie ein mürrischer Teddybär, eine lebende Mumie mit Zahnlücke erinnert an die reitenden Leichen Ossorios und „Wissenschaftler“ sind attraktive Frauen, die mit okkulten Amuletten herumwedeln – lässt sich EL RETORNO DEL HOMBRE-LOBO also am ehesten als „kindlich“ beschreiben, auch die ihm zugrunde liegende Handlungslogik (oder der Mangel an einer solchen), erinnert an die Europa-Horror-Hörspielkassetten von einst, auf denen auch alle möglichen Monster bunt durcheinandergewürfelt und kombiniert wurden. Erst gegen Ende, wenn die Bathory mit ihren neuen Vampirsklavinnen durch die Gemächer wandelt, immer von einer dicken Nebelwolke umhüllt und schick ausgeleuchtet, findet EL RETORNO DEL HOMBRE LOBO dann seine Linie und auch seinen visuellen Stil: Während der Sinn dafür, was hier „real“ ist, unter dem Zauber der Vampirgräfin mehr und mehr ins Wanken gerät, wird der Film paradoxerweise gleichzeitig konkreter und klarer. Der Spuk endet schließlich in einer handfesten Balgerei zwischen Daninsky und Bathory, bevor er über seine geliebte Karen herfällt, die ihm aber noch den geweihten Silberdolch ins Herz rammen kann und so die Prophezeiung, er könne nur durch das Selbstopfer seiner wahren Liebe erlöst werden, wahr macht.

Was ich an spanischen Horrrofilmen so liebe, das ist die Mischung aus der beschriebenen kindlichen Naivität und einer melodramatischen Schwermut: Alle Gefühle werden zu Phänomenen von existenzieller Schwere aufgeblasen, die die Protagonisten von einem Zusammenbruch in den nächsten treiben. Exemplarisch dafür steht hier die herrliche, gut fünf Minuten dauernde Verwandlungssequenz, während der Daninsky die gesamte Inneneinrichtung zerkloppt, sich quer durch das geräumige Zimmer und wieder zurück arbeitet, ab und zu hinter einem Möbelstück verschwindet, um dann mit etwas mehr Gesichtsbehaarung wieder aufzutauchen, und sich in Schmerzen auf dem Boden windet, bevor er endlich  als fertiger Wolf dasteht. Naschy ist dann auch der Grund, warum die Stimmung von EL RETORNO DEL HOMBRE LOBO eher gedrückt ist: Sein herzensguter Held wirkt dank Naschys nun nicht gerade imposanter Statur und seinem eher durchschnittlichen Äußeren alles andere als heldenhaft, viel eher traurig und defizitär; den heißblütigen Liebhaber nimmt man ihm nur mit viel Goodwill ab. Ich meine, Naschy weiß das: Man kann ihn von der traurigen Daninsky-Figur kaum trennen und wahrscheinlich begreift man diesen Film deshalb am besten als ausuferndes Stimmungsbild, denn als kohärente Sinneinheit. Das karge iberische Ungarn ist ein Spiegel von Daninskys/Naschys Seelenleben, das unter ständiger Bedrohung unbekannter, außerweltlicher Kräfte steht. Mit der unsterblichen Liebe geht der eigene Tod einher und was im einen Moment noch glasklar erscheint, darüber legt sich im nächsten schon dichter Nebel. Und wer fragt bei so viel Poesie noch nach der korrekten Interpunktion? Das Bild der ekstatischen Bathory, als sich nach Jahrhunderten der Dunkelheit endlich wieder das rote Blut einer Jungfrau über ihr bleiches Antlitz ergießt, lässt keine Fragen offen.

Weil ihr eigener Planet kurz vor der Eiszeit steht, muss sich eine Rasse Außerirdischer eine neue Heimat suchen. Ihre Wahl fällt auf die Erde, die sie jetzt noch von den lästigen Menschen befreien müssen, bevor es zu spät ist. Weil sie herausgefunden haben, dass der Mensch zu Aberglauben neigt, versichern sie sich der Dienste berühmt-berüchtigter Monster: Vampirgraf, Golem, Werwolf und Mumie. Doch weil es eine schwierige Aufgabe ist, diese Kreaturen unter Kontrolle zu halten, gerät der eigentliche Plan ins Hintertreffen …

Wie kann man einen europäischen Genrefilm aus den späten Sechzigerjahren, der mit dieser Prämisse daherkommt, nicht lieben? Alles an LOS MONSTRUOS DEL TERROR ist kindliche Monsterbegeisterung, von Groschenromanen geprägte und nicht von der Realität beeinträchtigte Imagination, Lust am wüsten Fabulieren und am barock überladenen Bild. Diesem Enthusiasmus wird tatsächlich alles unterworfen, was Demichelis Film zu einer Effizienz verhilft, die der des Außeriridischenplans nicht ganz unähnlich ist: Zum Wesentlichen kommt Demicheli genauso wenig wie die Wohnungssuchenden. Aber selten habe ich einem Film lieber beim Verfehlen der selbst gesteckten Ziele zugeschaut als hier. Der haarsträubend umständliche Welteroberungsplan gerät schon nach kürzester Zeit in Vergessenheit, weil sich die Monster nicht so einfach dem Zweck unterwerfen lassen. Wie ein paar im Süßigkeitenladen losgelassene Kinder beginnen sie sofort auf eigenen Wegen zu wandeln. Am Ende haben die Außeriridischen nicht nur nicht die Erde erobert und die Menschheit ausgelöscht, es ist ihnen noch nicht einmal gelungen, das malerische Fachwerkkaff, in dem der Film über weite Strecken spielt, unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Grad des Versagens ist gar nicht messbar.

Beim Film selbst möchte man das nicht so deutlich sagen: Zwar bleibt Demicheli (oder vielmehr das Drehbuch) in seiner Narration irgendwo im zweiten Akt stecken und ist dann damit beschäftigt, die lustige Rasselbande im Zaum zu halten, dass es hier ja nicht zuletzt um Vorgänge von geradezu kosmischer Bedeutung geht, gerät bei diesem lustigen Ringelpiez auch in Vergessenheit. Aber das ist ja das Tolle an dem Film: Aus einer Prämisse, die heute einen von vorn bis hinten durchgetunten und marketingtechnisch bis zur Mc-Donald’s-Spielzeugkampagne perfekt organisierten Film nach sich zöge (siehe zum Vergleich etwa den furchtbaren VAN HELSING), macht Demicheli einen verhinderten Kinderfilm, dessen Unschuld zu Herzen geht und der seinen Monstern die Ehre erweist, anstatt sie nur durch den postmodernen Verwertungswolf zu drehen. Wahrscheinlich sollte ich hier mehr ins Detail gehen oder lustige Dialoge zitieren (die deutsche Synchro ist nämlich ein Kracher!), aber das muss ich mir für die Zweitsichtung aufheben. Nur ein kleines Bonbon, das helfen soll, sich eine Vorstellung von dem entwaffnenden Irrsinn, der hier geboten wird, zu machen: Die Entscheidung, sich einen anderen Planeten zur Besiedelung zu suchen, begründet das Oberalien (Michael Rennie) lapidar in einem Nebensatz damit, dass es ihnen leider nicht gelungen sei, eine künstliche Sonne zu konstruieren. Na, dann muss es eben Plan B mit den Monstern sein, ist ja klar.

Der drifter Ian (Brendan Hughes) wartet in einem verschlafenen Nest auf die Ankunft des Wanderzirkus von Harker (Bruce Payne): Dessen Hauptattraktion ist die umfangreiche Freakshow, der auch Ian bald einverleibt wird. Er ist nämlich ein Werwolf – und hat eine Rechnung mit Harker zu begleichen …

Der bislang letzte Teil der spektakulär unzusammenhängenden HOWLING-Reihe – die deutsche Titelschmiede potenzierte die Konfusion noch mit ihren absurden Titelkreationen – ist nach dem doch eher ernüchternden HOWLING V: THE REBIRTH wieder ein Schritt in die richtige Richtung. Perellos Film hat ordentliche Production Values, ist gut besetzt – etwa mit Bruce Payne, der in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre zu sowas wie dem B-Movie-Gary-Oldman avancierte und mit seinem dekadent-aristokratischen Gestus einige wirklich hassenswerte Schurkenrollen spielte, und Antonio Fargas, dem Huggy Bear aus STARSKY & HUTCH – und hat mit der Freakshow zudem ein ebenso stimmungsvoll-nostalgisches wie originelles Setting (und eines, mit dem man bei mir immer punkten kann, siehe GHOULIES II), das dem Film einen harten Fantasy-Einschlag verleiht und ihn in motivische Nähe zu etwa Tod Brownings FREAKS und George Pals THE SEVEN FACES OF DR. LAO rückt; nicht die schlechtesten Referenzen für ein DTV-Horrorsequel aus einer Zeit, als das Genre nur noch wenig beklatschenswertes hervorbrachte. Zwar ist das Werwolfthema wie schon im Vorgänger auch hier nicht viel mehr als eine Fußnote, aber es gibt sowohl die schmerzhaften Verwandlungsszenen als auch einige durchaus ansehnliche Make-up-Effekte, sodass man sich als Horrorfan nicht total verprellt fühlen muss. Dass es zum ganz großen Wurf trotzdem nicht reicht, liegt zum einen am wohl zugunsten einer apokalyptischen Stimmung arg verschleppten Erzähltempo und an einer gewissen Vorhersehbarkeit: Die finale Konfrontation erwartet man ab der ersten Minute des Films und der Konflikt, der hinter ihr steckt, wird leider nicht wirklich mit Leben gefüllt. Mit knapp 100 Minuten ist HOWLING VI: THE FREAKS zudem einfach einen Hauch zu lang geraten: Die vorhandenen guten Ideen und Szenen werden mit läppischem Füllmaterial und langgezogenen Passagen neutralisiert, ihr Effekt verwässert. Trotzdem: ein sehr respektabler Abschluss einer Reihe, die man am besten als willkürliche Verbindung für sich stehender Filme rezipiert.