Mit ‘Whodunit’ getaggte Beiträge

Die attraktive Fünfzehnjährige Melissa Morgan (Aleisa Shirley) ist zuviel für ihren verschlafenen texanischen Wohnort: Die beiden Jungs, mit denen sie zuletzt anbandelte, werden nur wenig später mit mehreren Messerstichen ermordet und als das freche Früchtchen vor lauter Hilflosigkeit und gegen jedes bessere Wissen insinuiert, die ortsansässigen Indianer hätten etwas mit den Verbrechen zu tun, lassen sich die lynchbereiten Rednecks nicht lang bitten. Sheriff Dan Burke (Bo Hopkins) hat alle Hände voll zu tun, die Morde aufzuklären …

Zu deutsch um den markigen Untertitel BLUTIGES INFERNO zweifelhaft bereicherter Murder-Mystery-Film/Psychothriller, der damals wohl vor allem als Slasherfilm rezipiert wurde und deshalb zu Unrecht in der Versenkung verschwand. Mich hat der Film, den mir der Inhaber des besten DVD-Ladens der Welt empfohlen hat (und bei dem ich nahezu 90 % der zuletzt hier besprochenen Filme gekauft habe), nicht wenig an John Sayles brillanten LONE STAR erinnert, was so ziemlich das größte Lob ist, dass man einem 30 Jahre alten, fast vergessenen kleinen Thriller machen kann: Schauplatz in beiden Filmen ist eine Kleinstadt in Texas, unter dessen beschaulicher Oberfläche der Rassenhass brodelt. Hauptfigur beider Filme ist ein sympathischer Sheriff, der bemüht ist, dass es bei diesem unterschwelligen Brodeln bleibt, aber bald feststellen muss, es mit einem weitaus größeren Fall zu tun zu haben, als er zunächst angenommen hat. Die Stärken von SWEET SIXTEEN sind das Drehbuch, das über einen perfekt gewölbten Spannungsbogen und viele interessante Figuren und Subplots verfügt, und die ausgezeichneten Darsteller. Sotos gelingt es so, die Stadt wirklich lebendig werden zu lassen, den Eindruck einer funktionierenden kleinen Gemeinde zu erwecken, die eine Geschichte und ein Leben abseits des Filmes hat. Bestes Beispiel dafür ist die Figur der Melissa, die sich von der neugierigen, aber nichts Böses wollenden Lolita erst in ein intrigantes Stück verwandelt, nur um dann die Empathie des Zuschauers zurückzugewinnen: There is more than meets the eye. Neben Bo Hopkins treten in Nebenrollen Susan Strasberg, Patrick Macnee, Don Stroud, Don Shanks und Hollywood-Legende Henry Wilcoxon auf und bringen ein schauspielerisches Gewicht mit, das kleineren Produktionen dieser Art sonst eher abgeht. Diese Vorzüge addieren sich zu einem ausgesprochen spannenden Ganzen, das glücklicherweise ohne die klischierten Standardsituationen und -plotwendungen auskommt, die allzu vielen Thrillern das Genick brechen. SWEET SIXTEEN macht bis zum Showdown alles richtig, versteigt sich dann aber leider zu einer Auflösung, die dem wirklich famosen Aufbau wie so oft nicht ganz gerecht wird: Sie wirkt angeklebt und kommt geradezu aus dem Nichts, was umso trauriger ist, als SWEET SIXTEEN vorher zahlreiche Plotelemente aufbietet, an denen sich eine viel bessere Auflösung der Geschichte hätte aufhängen lassen. Letztlich kann dieser Schönheitsfehler den mehr als guten Eindruck aber nicht entscheidend schmälern – zumal auch das Schlussbild wieder schön abseitig ist. Ich empfehle den Film hiermit ausdrücklich weiter, Robert vom Movie Store wird sich freuen und mir beipflichten.

Die attraktive und erfolgreiche Werberin Laura Hunt (Gene Tierney) wurde erschossen. Der Detective Lieutenant Mark MacPherson (Dana Andrews) ermittelt und bekommt es mit zwei Hauptverdächtigen zu tun: dem arroganten Journalisten Waldo Lydecker (Clifton Webb), einem alternden Verehrer der Verstorbenen, und dem verweichlichten Versager Shelby Carpenter (Vincent Price), ihrem Verlobten, die sich beide spinnefeind sind. Als MacPherson ein Porträt Lauras sieht, erliegt auch er ihrem Charme …

Ein eigenartiger Film. Er beginnt mit der (Film-Noir-typischen) Voice-Over-Narration, allerdings eines Charakters, der dann doch nicht der Protagonist ist. Und seine titelstiftende weibliche Hauptfigur, um deren Ermordung sich zunächst alles dreht, steht nach ca. der Hälfte der Spielzeit quicklebendig in der Tür und sorgt so für einen harten Stimmungswechsel. Alles wirkt irgendwie unterdrückt, doch da schwelt etwas im Verborgenen und schimmert immer nur kurz durch. Und diese Merkwürdigkeiten sind es, die den auf den ersten Blick so harmlosen Film so interessant machen und ihn im Gedächtnis haften zu lassen.

Wie schon bei DOUBLE INDEMNITY hat mir das Bonusmaterial auf der DVD sehr geholfen, das Gesehene in Perspektive zu bringen. Aber auch die Stimmen von Filmgelehrten und Regisseuren sind nicht in der Lage, das Rätsel vollständig aufzulösen. Merke: Wenn mehrere Minuten darauf verwendet werden, zu erklären, warum LAURA ein Film Noir ist, dann beweist das m. E. sehr viel eher, dass er sich nur mit viel Mühe überhaupt in diese Schublade stecken lässt. Zwar gibt es einen ermittelnden Polizisten, der wird aber im Gegensatz zu anderen Noir-Helden fast ausschließlich positiv gezeichnet. Zwar gibt es eine verführerische Frau, in deren Umlaufbahn gleich mehrere Männer hilflos kreisen, doch eine Femme Fatale ist sie nicht, ganz im Gegenteil. Zwar entpuppt sich die feine Gesellschaft, in der der Film spielt, als durch und durch verkommen, aber so richtig apokalyptisch ist das alles nicht. Otto Premingers Regie tut ihr übriges zur Wolf-im-Schafspelzhaftigkeit des Films: Er inszeniert auffallend zurückhaltend und dieser Widerspruch macht recht deutlich, dass LAURA ein Film mit leicht zu übersehenden Tücken ist. Umgehauen hat er mich noch nicht, aber er hat die Potenz, das bei weiteren Sichtungen noch zu tun. Lust darauf habe ich jedenfalls.