Mit ‘Will Ferrell’ getaggte Beiträge

Wiedersehen mit einem Film, den ich damals, nachdem er ohne große Aufregung zu verursachen, aus den Kinos verschwunden war, auf DVD erwarb und den ich dann schnell ins Herz schloss: THE LADIES MAN ist (zum Glück) kein Remake des gleichnamigen Jerry-Lewis-Klassikers, sondern eine kleine Komödie, die auf einem SNL-Charakter basiert (ähnlich wie zuvor z. B. THE BLUES BROTHERS, A NIGHT AT THE ROXBURY oder WAYNE’S WORLD): Der „Ladies Man“ ist Leon Phels (Tim Meadows), ein Sexberater im Radio, der modisch und geistig in den Siebzigerjahren steckengeblieben ist, lispelt, haarsträubende Ratschläge gibt und ein aufregendes Dasein als Frauenbeglücker führt.

Im Film wird Leon, der von seiner Entdeckerin, der etwas konservativen Julie (Karyn Parsons) protegiert wird, nach einer Reihe von Beschwerden von seinem Sender rausgeschmissen und sucht verzweifelt mit ihr einen neuen Arbeitgeber. Gleichzeitig befindet sich eine Gruppe von Ehemännern, deren Frauen von Leon beglückt wurden, auf der Suche nach ihm. Als das neueste Opfer zu ihnen stößt, erhalten sie einen wichtigen Hinweis auf seine Identität. Zur selben Zeit knüpfen Leon und Julie romantische Bande.

THE LADIES MAN wurde damals weitestgehend verrissen und heute kann ich das dann auch besser nachvollziehen als von 18 Jahren. Auch wenn ich den Film streckenweise immer noch ganz witzig finde, wirkt er doch sehr hingeschludert, und die Idee, die für ein paar improvisierte Sketche vielleicht ganz gut funktionierte, trägt das nur knapp 80 Minuten lange Vehikel kaum. Dazu kommt, dass THE LADIES MAN seinen Witz zum einen ganz wesentlich daraus beziehen soll, dass Phelps am laufenden Band Schweinereien loslässt, ohne dies wirklich zu bemerken, der Film sich also als „anstößig“ positioniert, aber nicht nur in den tatsächlichen Äußerungen seines Helden, sondern auch insgesamt unglaublich brav und bieder wirkt. Ein Beispiel: Als Leon für einen Testlauf bei einem christlichen Radiosender unterkommt, muss er eine Nonne interviewen. Es kommt zum erwartbaren Eklat, weil Leon den Begriff „missionary position“ falsch auslegt: Ein Missverständis, dass zusätzliches Feuer dadurch erhält, dass die Nonne dann auch noch von „Bangkok“ und dem „Yellow River“ spricht. Der ganze Witz wirkt einfach ungelenk konstruiert und albern, keineswegs „racy“, sondern schlicht infantil. In einer anderen eigentlich ganz schönen Szene tritt Leon Phelps in einem ungewöhnlichen Wettkampf gegen den arroganten Exfreund Aloysius (Regisseur Reginald Hudlin) von Julie an: Die Herausforderung besteht darin, das eklige Barfood zu essen, dass Wirt Lester (Billy Dee Williams fungiert auch als Voice-over-Erzähler) auf der Theke bereithält – Schweinefüße, eingelegte Eier, Rinder- und Schweinehoden. In der misslungenen Pointe wird dann enthüllt, dass die letzte „Spezialität“, die der Exfreund da triumphierend verdrückt hat, nichts anderes als menschlicher Kot war. Unter dem lauten Gelächter der „Guten“ zieht er schließlich gedemütigt ab. Mal davon abgesehen, dass ich bezweifeln möchte, dass ein Barkeeper ein Einmachglas voll mit Scheiße bei sich für den Fall aufbewahrt, dass er jemandem einen bösen Streich spielen möchte, finde ich, dass Menschen, die einen anderen in einen solchen Streich verwickeln, eigentlich nicht unsere Sympathie erhalten sollten. Witzig ist THE LADIES MAN aber immer dann, wenn Will Ferrell als Anführer der Selbsthilfegruppe auftritt. Sein Lance DeLune ist ein closeted gay man, der von seiner Gattin (Tiffani Thiessen) betrogen wurde, weil er lieber Griechisch-römisches Ringen mit seinem Freund Brian trainierte, als zärtlich ihr zu sein. Seine großen Reden, in denen er sich sehr zur Irritation seiner Jünger immer wieder in schwulen Fantasien verliert, sind die Höhepunkte des Films.

Die erste Sichtung nach etlichen Jahren war demnach ernüchternd: Zwar finde ich einige Szenen immer noch lustig, aber insgesamt ist THE LADIES MAN in vielerlei Hinsicht unbeholfen. Dass das Urteil noch einigermaßen versöhnlich ausfällt, liegt auch daran, dass er so kurzweilig und unterambitioniert ist, dass man ihm nicht wirklich böse sein kann. Beachtlich ist lediglich, welchen Aufwand man für die Adaption eines TV-Sketches betrieb: In Nebenrollen sieht man neben den schon Genannten außerdem solche Leute wie John Witherspoon, Eugene Levy, Tamala Jones und Julianne Moore, der Klassiker-gespickte Soul-Soundtrack dürfte auch nicht so billig gewesen sein. Hätte man das Geld lieber mal in ein Drehbuch gesteckt …

Fuck, ist das echt schon 16 Jahre her? Das war ja noch ein anderes Leben …

OLD SCHOOL – von HATED– und HANGOVER-Regisseur Phillips – stammt noch aus der ersten Welle der Filme des sogenannten Frat Packs, einer Gruppe von Komikern und Schauspielern, die sich um Ben Stiller formiert hatte, und zu der etwa Owen und Luke Wilson, Will Ferrell und Vince Vaughn gehörten. SNL-Komiker Will Ferrell, der hier zum ersten Mal in einer größeren Rolle zu sehen war, etablierte sich in der Folge selbst als Filmstar, der dann oft mit Adam McKay kollaborierte und Zentrum seines eigenen „Kreises“ wurde, während etwa Vince Vaughns Stern dank fragwürdiger Rollenauswahl unaufhörllich zu sinken begann.

OLD SCHOOL hat mich damals nicht so richtig gekriegt, aus Gründen, die ich heute kaum nachvollziehen kann, denn bei der gestrigen Sichtung habe ich sehr, sehr viel Freude mit dem Teil gehabt. Vielleicht hat die veränderte Perspektive geholfen: Auch wenn die Protagonisten des Films Anfang 30 sein sollen und damit fast 15 Jahre jünger sind als ich jetzt, stehen sie mir heute deutlich näher als damals, als ich eigentlich in ihrem Alter war. Ihre Lebenssituation kann ich heute viel besser nachvollziehen und ihre Entgleisungen bringen demnach eine gewisse kathartische Funktion mit sich. Ich gönne ihnen den Spaß, beneide sie ein bisschen darum und verstehe, warum sie an ihrer idiotischen Fraternity festhalten wollen. OLD SCHOOL bedient ohne Zweifel einen typisch männlichen Irrglauben und Omnipotenzwahn: dass man in der frühen Adoleszenz seinen Zenith erreicht und diesen Zustand im Idealfall bis ins Rentenalter ausdehnen sollte; dass man auch mit 40 noch saufen und feiern kann wie mit 20; und dass Männer, die saufen, feiern und sich gebärden wie Teenager, eine nahezu magische Anziehungskraft auf junge Frauen ausüben bzw. diese eigentlich nie verloren haben. OLD SCHOOL ist gleichzeitig ein Film über die Midlife Crisis und ihre peinlichsten Auswüchse, aber er blickt mit Verständnis und Empathie auf seine Protagonisten und ihre Marotten. Sie sind letztlich nette Jungs, die mit dem Prozess des Alterns und den gesellschaftlichen Anforderungen und Konzepten von „Reife“, die damit einhergehen, gnadenlos überfordert sind.

Ferrell, der ja eh immer eine Art großes Kind spielt, und Vaughn sind als wild gewordenes Party Animal „Frank the Tank“ und der in der minutiösen Organisation ehrfurchtgebietender Parties geradezu begnadete Beanie perfekt besetzt. Ferrell hat erwartungsgemäß die lustigsten und bescheuertsten Szenen, stürzt sich mit der Verve eines hyperventilierenden Elefantenbullen in seine zweite Jugend, misst sich mit Jugendlichen beim Beer-Bong-Saufen, rennt nackt durch die Stadt (in dem Glauben, dass ihm Hunderte folgen würden), schießt sich mit einer Tranquilizer-Gun in den Hals und entwickelt eine unbändige Freude darin, die Pledges herumzukommandieren und zusammenzuscheißen. Und natürlich lässt er es sich nicht nehmen, am Grab eines verstorbenen „Bruders“ „Dust in the Wind“ zu singen. Vaughns Part ist weniger spektakulär, aber nicht weniger toll: Beanie ist eben Vater geworden und er geht in dieser Rolle absolut auf, aber er lässt es sich trotzdem nicht nehmen, dieses Parallelleben nicht zur zu führen, sondern es mit großem Eifer zu planen. Er geht in dem Projekt „Fraternity“ auf wie andere Familienväter im Projekt „Hausbau“.

In seiner ganzen Haltung kommt OLD SCHOOL seinem Vorbild NATIONAL LAMPOON’S ANIMAL HOUSE sehr nahe, auch wenn er eine ganz andere Geschichte erzählt: Gemeinsam ist beiden Filmen die Sympathie für das Außenseitertum sowie die Verachtung für konformistische Streber, deren wesentliche Motivation oft nichts weniger als Selbsthass und Neid sind. Die „Bruderschaft“, die Mitch (Owen Wilson), Frank und Beanie, da um sich scharen (um das auf dem Uni-Campus gelegene Haus nicht zu verlieren), ist eine mitleiderregende Ansammlung von Outcasts, die anderswo keine Chance hätten, nun aber die Gelegenheit haben, an etwas Größerem teilzunehmen. Dieses Größere beinhaltet im Wesentlichen wüste Besäufnisse mit Starbesuch (Snoop Dogg absolviert einen Cameo-Auftritt), die Zuneigung geiler Weiber und Attraktionen wie ein Mixed-Wrestling-Turnier in Öl – bei dem dann auch das älteste Mitglied, der 89-jährige Blue (Patrick Crenshaw) verstirbt: als wahrscheinlich glücklichster Mensch der Welt („YOU’RE MY MAN, BLUE!“). Das Arschloch des Films ist Jeremy Piven in der John-Vernon-Rolle als klemmiger Dean Pritchard: Er ist ein Jugendfreund der Protagonisten, wurde schon als Kind von ihnen gehänselt und verarscht, ist stets der Langweiler von einst geblieben und kompensiert seine Minderwertigkeitskomplexe nun, indem er seine „Macht“ ausspielt. Dass da jemand Spaß am Leben hat, ist für ihn nicht duldbar. Auch wenn ihm gar nichts getan wird.

Aber bei allem anarchischen Geist, den Phillips in die Waagschale wirft, sieht man an OLD SCHOOL auch, was sich in den 30 (mittlerweile 40) Jahren seit ANIMAL HOUSE verändert hat: Der Regress von Frank und Beanie darf nicht einfach für sich stehen, vielmehr muss ihnen mit Mitch ein Charakter gegenüber gestellt werden, der den „guten“ reifen Erwachsenen verkörpert: Mitch will keine Fraternity, er will nicht wild herumhuren und sich von einem Exzess in den nächsten stürzen, vor allem will er nicht als „Godfather“ angesehen werden. (Wie er da von wildfremden Männern mit wissend-bewunderndem Blick gewürdigt wird, erinnert etwas an FIGHT CLUB.) Aber er hat seinen beiden außer Rand und Band geratenen Kumpels nichts entgegenzuhalten, auch dann nicht, als das ihm auferlegte Dasein seine neu aufkeimende Beziehung gefährdet. Aus dramaturgischer Sicht ist es wahrscheinlich sinnvoll, einen „geerdeten“ Charakter zu etablieren, einen Ausgleich zu Frank und Beanie zu schaffen und ihre Exzesse so letztlich noch extremer wirken zu lassen, aber man hat dennoch immer das Gefühl, in einer egalen RomCom gelandet zu sein, wenn Mitch da mit seinem langweiligen love interest anbändelt. Der Film untergräbt damit immer wieder seine Botschaft der Individualität, denn letztlich wird einem dann doch wieder die heteronormative, monogame Beziehung als das Nonplusultra angeboten, für das Mitch seine bekloppten Freunde irgendwie in die Schranken weisen muss. Aber ich will hier gar nicht meckern: OLD SCHOOL ist zu 95 Prozent toll, urkomisch und liebenswert, die restlichen fünf Prozent spiegeln lediglich die Produktionsrealität Hollywoods wider. Aber so ist das Leben: Mitch, Frank und Beanie müssen sich schließlich auch mit Dean Pritchard herumschlagen. Oder mit ungehorsamen Pledges.

 

zoolander-2-posterIch habe einen besonderen Platz in meinem Herzen für ZOOLANDER reserviert, eine Komödie aus dem Jahr 2001, die auf einem Charakter basiert, den Ben Stiller für eine Reihe von MTV-Sketchen erdacht hatte. In Deutschland gab es mangels Bekanntheit dieser Sketche eigentlich gar keinen Markt für diesen Film, aber als ich ihn in völliger Unkenntnis seiner Basis zu Gesicht bekam war es trotzdem um mich geschehen. In den folgenden Monaten und Jahren avancierte ZOOLANDER in meinem Freundeskreis zur beliebten Stimulanz und als selbst meine neueste weibliche Eroberung bei einer unserer allerersten gemeinsamen Filmsichtungen über die Grimassen lachen musste, die Will Ferrells verrückter Modedesigner Jacobim Mugatu seinem androgynen Sidekick Todd (Nathan Lee Graham) zuwirft, wusste ich, dass ich sie ruhigen Gewissens heiraten kann.

In den Jahren nach ZOOLANDER boomten die Komödien um seine Stars und deren erweitertes Umfeld und eine mögliche Fortsetzung geriet im Trubel der Geschäftigkeit in Vergessenheit. Mittlerweile ist das einst als „Frat Pack“ bezeichnete Ensemble längst von der nächsten Generation von Komikern abgelöst worden: Ben Stiller verdient sein Auskommen heute vor allem mit ebenso sicheren wie uninteressanten FOCKERS- oder NIGHT IN THE MUSEUM-Sequels, Owen Wilson ist seit seinem Selbstmordversuch vor einigen Jahren aus dem großen Rampenlicht verschwunden, von jemandem wie Vince Vaughn hört man nach einigen harschen Flops fast gar nichts mehr. Der einzige, der noch regelmäßig und mit einigem Erfolg Komödien im bewährten Stil liefert, ist der anscheinend unkaputtbare Will Ferrell. Man kann also nicht gerade sagen, dass Stiller mit ZOOLANDER 2 offene Türen einrennt, auch wenn sich Fans des Originals sicherlich gefreut haben. Trotzdem: Die Zeiten haben sich geändert und das merkt man auch dem Sequel an, das glücklicherweise nicht den Fehler macht, so zu tun, als wäre nichts gewesen.

Die einstigen Supermodels Zoolander (Ben Stiller) und Hansel (Owen Wilson) sind mittlerweile in Vergessenheit geraten, finden bei ihrem Comebackversuch eine Modewelt vor, die sich massiv verändert hat und in der kein Platz mehr für selbstverliebte Gecken und die Publicity-Stunts von vor 15 Jahren zu sein scheint. Wenn der neueste It-Designer Don Atari (Kyle Mooney) seinen Mund aufmacht, verstehen die Protagonsten kein Wort und ihr überkommener Style macht sie bei einer Modenschau zum Gespött des Publikums. Das lässt sich auch auf den Film als solches übertragen, der sich in den Szenen um seine beiden Helden in erster Linie auf bereits bewährte und noch einmal aufgewärmte Gags verlässt und so einen etwas müden Eindruck macht, der aber durchaus zur Verfassung seiner Helden passt. Es stellt sich heraus, dass man Stiller und Wilson in ihren Rollen zwar immer noch gern zuschaut, sie ihren Charakteren aber auch nichts wirklich Neues abzuringen wissen. Konzeptionell folgt der Film dem Vorgänger, bietet wie dieser zahlreiche Cameos und Gastauftritte auf, die die ganze Bandbreite von „gezwungen“ (Katie Perry ist einfach nur da) bis „gelungen“ (Sting, der sich als leiblicher Vater Hansels herausstellt, oder Benedict Cumberbatch als hermaphroditisches Model namens „All“) abdecken, und steigert sich in ein absurdes Szenario hinein, das Elemente der Bond-Reihe mit esoterischem Verschwörungsschwurbel verknüpft und herrlich bescheuert ist. Die echten Höhepunkte gehören auch diesmal wieder den Nebendarstellern: Man spürt förmlich, wie ZOOLANDER 2 abhebt, seinen dringend benötigten Adrenalinschub erhält, wenn Will Ferrell endlich als Mugatu auftreten darf, und zuvor zeigt Kristen Wiig als Modezarin Alexanya Atoz, warum sie derzeit eine der gefragtesten Komödiantinnen Hollywoods ist: Unter dickem Make-up nicht wiederzuerkennen, verleiht sie ihrer Figur einen haarsträubenden Fantasieakzent, von dem man gern noch mehr gehört hätte.

Ob einem ZOOLANDER 2 am Ende des Tages gefällt oder nicht, hängt wohl davon ab, wie sehr man den Vorgänger mochte. Ich habe mich über das Wiedersehen gefreut und fand die Wiederbegegnung kurzweilig und amüsant genug, um auch mit den unübersehbaren Schwächen leben zu können. Der ganz ähnlich gelagerte ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES hat mir da zum Beispiel deutlich weniger gut gefallen. Wer aber schon mit ZOOLANDER nichts anfangen konnte, kann auch hier getrost passen.

tt1528854_1444736349_871Fünf Jahre nach THE OTHER GUYS vereint DADDY’S HOME erneut die beiden Hauptdarsteller Will Ferrell und Mark Wahlberg in vergleichbaren Rollen, aber gänzlich anderem Sujet. Als liebender, stets positiv denkender Stiefvater Brad, der sich auch von den gemeinsten Anfeindungen der Kinder seiner Gattin Sara (Linda Cardellini) nie aus der Ruhe bringen lässt, ist Will Ferrell in seinem Element, schmeißt den Haushalt, wenn die Ehefrau mal im Stress ist, verachtet Gewalt und einen rohen Umgangston, glaubt fest an die Kraft ruhig und sachlich vorgetragener Argumente, scheut sich nicht, seine Emotionen zu zeigen und arbeitet nebenher bei der Smooth-Jazz-Radiostation Nr. 1, „The Panda“.

Doch all die Werte, an die er glaubt, sowie sein Selbstverständnis als Mann und Vater werden auf den Prüfstand gestellt, als Dusty (Mark Wahlberg), der Ex-Mann Saras und leiblicher Vater ihrer Kinder, sich für einen Besuch ankündigt. Brad ist fest entschlossen, ihm offen, aber doch auch bestimmt gegenüberzutreten, sieht seine Felle gegen den muskelbepackten, motorradfahrenden hunk mit der geheimnisvollen Vergangenheit aber schnell davonschwimmen – nicht zuletzt, weil er sich bei seiner Ehre gepackt fühlt und in den Schwanzvergleich, den er nur verlieren kann, miteinsteigt. Es gilt für ihn, sich auf seine Art und Weise zu behaupten – und natürlich kann auch Dusty, der einst vor dem commitment als Familienvater davonlief, etwas lernen.

DADDY’S HOME verzichtet auf die Ausflüge in den überdrehten Gaga-Humor, der Ferrells frühere Filme auszeichnete, ist insgesamt familienfreundlicher, warmherziger und geerdeter. Man kann sich gut und gern eine Version von Anders‘ Film vorstellen, in der Dustys nur angedeutete Actionhelden-Vergangenheit gnadenlos ausgereizt wird, hier bleibt das alles auf dem Boden der Realität. Die wenigen Ausflüge auf das Terrain des krachigen Klamauks – meist gekennzeichnet durch nicht ganz überzeugende CGI-Effekte – fallen aus dem sonst eher ruhigen Film dann auch etwas raus, der sich auf die Chemie seiner beiden Hauptdarsteller verlassen kann. Will Ferrell ist göttlich als effeminierter Bilderbuch-Papa und sein Konflikt mit Dusty ist auch deshalb so witzig und nachvollziehbar, weil er die Auseinandersetzung moderner Familenväter mit einem überkommenen Männlichkeitsbild und neuen gesellschaftlichen Herausforderungen widerspiegelt. Stand-up Comedian Hannibal Buress hat eine herrlich bescheuerte Rolle als Handwerker Griff, der im Haus der Familie einziehen darf, weil Brad vermeiden will, als Rassist bezeichnet zu werden, und das Geschehen im Folgenden mit seiner typisch verschlafen wirkenden Gelassenheit kommentiert. Ich habe DADDY’S HOME sehr genossen.

„The other guys“: Der nicht ganz leicht sinngemäß zu übersetzende Originaltitel akzentuiert den Unterschied zwischen den beiden New Yorker Supercops Highsmith (Samuel L. Jackson) und Danson (Dwayne „The Rock“ Johnson), die ihren Job mit jenem Maximalismus versehen, der normalerweise Filmfiguren vorbehalten ist, und den beiden Durchschnittstypen Allen Gamble (Will Ferrell) und Terry Hoitz (Mark Wahlberg), die neben diesen beiden Superhelden eben nur „die anderen Typen“ sind. Die, für die sich keine Sau interessiert. Adam McKay lässt seinen Film mit einer von Highsmith und Danson zelebrierten Autoverfolgungsjagd und Zerstörungsorgie beginnen, die er in Hochglanzoptik mit rasanter Kamera und in wilden Schnittfolgen inszeniert, um einige Minuten später, wenn er sich seinen wahren, weniger überlebensgroßen Protagonisten zuwendet, deutliche gemäßigtere Mittel aufzufahren.

Wie eigentlich in allen Ferrell-Komödien besteht der Witz auch hier in erster Linie darin, einem Mann, dessen Gesicht und Körperbau biederstes Mittelmaß sind, Aufgaben zu geben, die dazu in krassem Widerspruch stehen. Sein Allen Gamble ist mit der superheißen Sheila verheiratet (Eva Mendes), die er Hoitz gegenüber als „old lady“ bezeichnet und so behandelt, als sei sie von eher mäßiger Attraktivität, während sie mit größter Offenherzigkeit über ihr aktives gemeinsames Sexleben vor dem staunenden Partner spricht. Dass er keinerlei Interesse an all jenen Aspekten seines Jobs hat, wegen derer Hoitz den Beruf einst ergriff, erklärt er mit einem „dark chapter“ seines Lebens: Es stellt sich heraus, dass er zu Collegezeiten ein erfolgreicher Zuhälter namens „Gator“ war, auch wenn er der Meinung ist, es habe sich dabei um einen ganz normalen Job gehandelt. Als „Aufpeitschmusik“ hört er den einschläfernden Folkpop der „Little River Band“ und eine Tasse mit der Aufschrift „FBI – Female Body Inspector“ hält er für die Sternstunde des Humors.

Adam McKay, der mit Ferrell schon die großartigen ANCHORMAN: THE LEGEND OF RON BURGUNDY, TALLADEGA NIGHTS und STEP BROTHERS gedreht hat (und noch ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES folgen ließ), weiß, dass man Ferrell an einem guten Tag nur die Brocken hinschmeißen und ihn machen lassen muss. Einige der witzigsten Szenen entstehen demzufolge, indem er seinen Star einige seiner unnachahmlich abseitigen One-Liner improvisieren lässt, etwa, wenn dessen spießiger Prius von Obdachlosen für wilde Sexorgien missbraucht wurde und nun nach „deer vagina“ riecht. Was an THE OTHER GUYS indessen weniger gut als in den genannten Filmen gelingt, ist das Halten der Balance zwischen diesen aneinandergereihten Sketchen und der Handlung, einer Krimigeschichte um einen Finanzbetrüger à la Bernie Madoff (Steve Coogan). Den kriminellen Machenschaften, um die es geht, fehlt einfach der Sexappeal, weshalb eine Gang von henchmen um den Australier Wesley (Ray Stevenson) für die nötigen Ballereien eingeflochten wird, mit der Folge, dass die Abwicklung der immer komplizierter werdenden Story von den Figuren, um die es eigentlich gehen soll, wegführt. Die letzte halbe Stunde knickt gegenüber den rasanten ersten 60 Minuten deutlich ein. Hätten sich die Macher an den altbewährten Leitsatz des „Weniger ist mehr“ erinnert, das Resultat wäre noch deutlich besser ausgefallen: Die Schlusscredits, die von Statistiken rund um Finanzkrise, ungerechte Geldverteilung und illegales Geschäftsgebaren von Banken und Kredithäusern gesäumt werden, lassen vermuten, dass die Ambitionen für eine einfache Komödie vielleicht eine Spur zu groß waren, man sich nicht allein auf die ausreichend beknackte Prämisse verlassen wollte. Sei’s drum, THE OTHER GUYS ist immer noch einer der besseren Ferrell-Filme der letzten Jahre.

get hard (etan coen, usa 2015)

Veröffentlicht: Oktober 17, 2015 in Film
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Das „Frat-Pack“, eine Clique befreundeter Schauspieler und Komiker – im Wesentlichen Ben Stiller, Will Ferrell, Owen und Luke Wilson sowie Vince Vaughn -, die ihren Namen den Teeniehelden vom „Brat-Pack“ der Achtzigerjahre verdankten, warfen in den frühen bis mittleren 2000ern eine grandiose Gaga-Komödie nach der anderen auf den Markt. Der einsame Star der Truppe war Will Ferrell, ein Absolvent der erprobten SNL-Schule, den auch ich sehr in mein Herz schloss, egal wie klein seine Auftritte in Filmen wie ZOOLANDER oder STARSKY & HUTCH auch waren. Ferrell gewann vor allem mit seinen unorthodoxen Dialog-Improvisationen sowie mit der immer etwas steifen Art, in der er sie intonierte und seinen irgendwie wurstigen Körper bewegte, und stahl damit den eigentlichen Stars regelmäßig die Show. Als er dann selbst zum leading man wurde, etablierte er als seine Persona sehr überzeugend den Kindmann, einen im arrested development befindlichen Enddreißiger, der mit dem normalen Leben zwar auf Kriegsfuß steht, aber sich davon in seinem männlichen Omnipotenzwahn nicht aus der Ruhe bringen lässt. Im Grunde genommen ein grellerer Chevy Chase at his least suave. Seine schönste Rolle war gewiss der chauvinistische News Anchor Ron Burgundy in ANCHORMAN: THE LEGEND OF RON BURGUNDY, ein aufgeblasener, dabei unfassbar dummer buffoon, dessen Weltbild zusammenbricht, als ausgerechnet eine Frau ihm den Rang abläuft. Will Ferrell reizte die Möglichkeiten seiner Persona weidlich aus, bis sich die Masche zwangsläufig irgendwann abgenutzt hatte. Alles, was nach STEP BROTHERS kam, war bestenfalls nett – siehe LAND OF THE LOST, CASA DE MI PADRE, THE CAMPAIGN oder ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES.

In GET HARD erfindet sich Ferrell glücklicherweise nicht neu, aber endlich einmal wieder übersetzt sich die Prämisse seines Films in ein rundum befriedigendes Ganzes. Es bietet seinem Star nicht nur ausreichend Gelegenheit, seine Trademarks einzusetzen, und Situationen, die mit spitzer Feder nur daraufhin konzipiert wurden, ihn am Ende in lustige Klamotten zu stecken, groteske Verletzungen oder sonstige Demütigungen durchleiden zu lassen, sondern auch eine Story, die etwas mehr als das ist (ohne dabei so anstrengend naiv zu sein wie THE CAMPAIGN mit seiner Politkritik für 16-Jährige). Es geht um den alltäglichen Rassismus in den USA und die gleichzeitige Faszination der weißen Mittelklasse for all things black. Ferrell ist der erfolgreiche Börsenspekulant und Investmentbanker James King, der Opfer einer Intrige wird und sich plötzlich einer zehnjährigen Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis gegenübersieht. Was tut man, wenn man plötzlich um sein Leben fürchtet und daher dringend Nachhilfe in Sachen Knastalltag benötigt? Richtig, man fragt einen Schwarzen, weil die schließlich allesamt über einschlägige Erfahrung verfügen. Der einzige Afroamerikaner, den King kennt, ist aber Darnell Lewis (Kevin Hart), verschuldeter Besitzer einer Autowaschanlage, der die gebotene Finanzspritze zwar gut gebrauchen kann, aber leider so harmlos ist wie ein Küken und demzufolge auch nie im Gefängnis war. Trotzdem willigt er ein, baut Kings Haus zu einem Knast um und leitet dessen Angestellten dazu an, ihm als „Wärter“ tatkräftig zur Hand zu gehen – was diese sich natürlich nicht nehmen lassen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten macht King Fortschritte und fühlt sich gewappnet: Doch natürlich ist das alles nur Illusion und die einzige Chance, ihn zu retten, ist es den Drahtzieher hinter der Intrige ausfindig zu machen.

Regiedebütant Etan Coen holt aus dieser Prämisse alles raus, was rauszuholen ist, gibt Ferrell, wie schon erwähnt, etliche Gelegenheiten, sein Genie zu zeigen, und ist sich nicht zu schade, sich auf dessen Improvisationstalent zu verlassen. Es sind im Wesentlichen die Sprüche, die er am laufenden Band reißt – eine längere Sequenz, in der King das Fluchen lernt, ist der Höhepunkt des Films -, oder die Grimassen, die er zieht – als er etwa sein „Mad Dog Face“ zeigen soll oder wenigstens den Oralverkehr lernen soll, der ihm aller Wahrscheinlichkeit nach bevorsteht -, auf die es hier ankommt. Kevin Hart tut gut daran, ihm gegenüber einfach den straight man zu geben und hat die Sympathien mit dem Enthusiasmus und der Verzweiflung, die er als Darnell an den Tag legt, auf seiner Seite. Aber hinter der angemessen bescheuerten Idee steckt eben auch die Geschichte über den Afroamerikaner, der auf die Rolle des Gangsters festgelegt wird und diese bereitwillig annimmt, um sein gesellschaftiches Fortkommen zu sichern. Als Schwarzer ist man eben ein potenzieller Verbrecher, und wenn man über das einschlägige Wissen entgegen aller Erwartungen nicht verfügt, ist man paradoxerweise auch nur noch halb so viel wert. Andersrum gefällt sich King bald in seinem „schwarzen“ Gehabe, schwadroniert über Hip-Hop („I think I know who killed Tupac.“), schließt sich einer Gang an, reißt mit seinem von Lil Wayne adaptierten Style die twerkende Shonda auf und bringt den „Homies“ nebenher noch bei, wie man das beim Dealen gemachte Geld wäscht und vermehrt. GET HARD erzählt vielleicht mehr über das Spannungsverhältnis zwischen Weiß und Schwarz als ein Film wie 12 YEARS A SLAVE, der sich über die eigene Verwicklung im „Verblendungszusammenhang“ gar nicht im Klaren ist. Mehr kann eine Komödie kaum leisten. Welcome back, Will Ferrell!

Will Ferrells Stern als Starkomiker ging nach einigen grandiosen Gastauftritten – etwa in den AUSTIN POWERS-Filmen, ZOOLANDER, THE LADIES MAN, JAY AND SILENT BOB STRIKE BACK und Hauptrollen in A NIGHT AT THE ROXBURY und OLD SCHOOL – wahrscheinlich mit ELF auf, aber sein frühes Meisterwerk legte er ein Jahr später mit ANCHORMAN: THE LEGEND OF RON BURGUNDY ab. Alles, was ihn auszeichnet, konnte er in diesem ihm auf den Leib geschneiderten Film in Perfektion zeigen: Ein Gefühl für aufgeblasene Popanze, bei denen Selbst- und Außenwahrnehmung krass auseinanderfallen und die das Gemüt eines emotional instabilen Kindes aufweisen, eine Mimik irgendwo auf dem immens schmalen Grat zwischen Ausdruckslosigkeit und Overacting und grenzenloses Improvisationstalent. Herrlich absurde Ideen und eine mit sichtbarem Spaß agierende Riege von Nebendarstellern rundeten ein Werk ab, dem ich ohne zu zögern den Begriff „Kultfilm“ anheften würde, wenn der nicht mittlerweile gänzlich unmöglich wäre. Zuletzt zeigte Ferrells Masche arge Abnutzungserscheinungen und seine beiden letzten wirklich tollen Filme, TALLADEGA NIGHTS und STEPBROTHERS, liegen 8 bzw. 6 Jahre zurück. Seine Imitation und Parodie von George W. Bush in diversen Kurzsketchen und einem Ein-Personen-Stück brachten ihm noch einmal Respekt ein und bestätigten, dass er auch politisch zu den „Guten“ zu zählen ist, aber Filme wie CASA DE MI PADRE oder THE CAMPAIGN waren doch eher enttäuschend. Nach fast zehn Jahren seine vielleicht beliebteste Rolle in Form eines Sequels wiederaufleben zu lassen, schien eine logische Idee und ein relativ sicheres Mittel, das abgeflaute Interesse noch einmal aufleben zu lassen. Aber zumindest bei mir schwang da doch von Anfang an die Befürchtung mit, dass sich ANCHORMAN mit der Fortsetzung als einmaliger Glücksfall erweisen würde und Ferrell als ein Komiker, dessen beste Zeit unbestreitbar vorbei ist. Nachdem ich ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES nun gesehen habe, kann ich sagen: Nein, ANCHORMAN 2 kommt an seinen Vorgänger nicht heran, aber er macht das Beste aus einer vertrackten Situation.

Nach den Ereignissen von Teil 1 sind mittlerweile die Achtzigerjahre angebrochen und Anchorman Ron Burgundy ist dem Ruf des Erfolges nach New York gefolgt, wo er gemeinsam mit seiner Ehefrau Veronica Corningstone (Christina Applegate) eine Nachrichtensendung moderiert. Alles ist gut, bis Veronica eines Tages befördert und er gefeuert wird: In seiner Ehre gekränkt, verlässt er sie und seinen Sohn, stürzt sich in Selbstmitleid, Alkohol und ein Engagement als Moderator der Delfinshow in SeaWorld. Unerwartete Besserung deutet sich an, als er von Freddie Shapp (Dylan Baker) für den neuartigen 24-Stunden-Newskanal des Medienmoguls und Fluglinienbesitzers Kench Allenby (Josh Lawson) engagiert wird. Er trommelt sein altes Team, bestehend aus Sportmoderator Champ Kind (Davd Koechner), Brian Fantana (Paul Rudd) und Wetterman Brick Tamland (Steve Carell), zusammen und tritt erwartungsfroh den neuen Job an. Die Euphorie währt nur kurz: Man überantwortet ihm den unattraktiven Nachtslot, während der schmierige Schönling Jack Lime (James Marsden) zur Prime Time moderieren darf. Als sich der in seiner Ehre gekränkte Burgundy Lime zu einer beinahe aussichtslose Wette hinreißen lässt – er will Limes Quote toppen oder für immer von seinem Beruf zurücktreten –, kommt ihm eine Idee, die die Nachrichten für immer revolutionieren wird: Er erfindet das Infotainment und erreicht mit Einspielfilmen über putzige Tierchen und Brustimplantate, Unwetterwarnungen, Liveübertragungen von Verfolgungsjagden, Crack-Experimenten und wilden Spekulationen Rekordergebnisse …

ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES wählt mit dem Aufkommen von reinen Nachrichtensendern ein interessantes Thema, dessen Potenzial leider nicht voll ausgeschöpft wird. Die Interpretation von Nachrichten als Entertainment, die heute längst der Standard ist, hätte eigentlich ausreichend Gelegenheit für absurde Episoden und Gags gegeben, wird letztlich aber in nur zwei, drei Szenen abgefrühstückt. Wenn McKays Film die lange Pause zwischen beiden Teilen auch oft zugute kommt – man verzeiht ihm nach so langer Zeit gern auch einige unkreativen Wiederholungen –, so spürt man auch die Bürde, die damit einhergeht. Viel Zeit wird gewissermaßen für die Pflicht geopfert, Gags aus dem Vorgänger zu wiederholen oder zumindest zu refrenzieren, und eine Handlung zu konstruieren, die doch eigentlich nur von minderem Interesse ist, während die Kür, das Ausreizen neuer, viel versprechender Einfälle, das wilde Improvisieren haarsträubender Dialoge – das Herz des ersten Teils – viell zu kurz kommt. Ich hätte gern mehr gemeinsame Szenen des Newsteams gesehen, mehr Fremdscham indzuzierende Versuche Burgundys, sich bei der Familie seiner neuen afroamerikanischen Flamme und Chefin Linda (Meagan Good) als „brother“ anzudienen, mehr peinliche Eskapaden des Popanzes Burgundy. Seine Läuterung zum Familienvater und verantwortungsbewusstem US-Bürgerim letzten Akt wirken dagegen müde, ausgewalzte Reprisen etwa des Newsteam-Fights (ntürlich mit noch mehr Cameos als zuvor) sind wie auf Autopilot inszeniert und rauben Zeit, ohne dem Vorgänger noch etwas hinzufügen zu können. Man merkt, dass hier einfach mehr auf dem Spiel stand als beim ersten Teil, an den keinerlei Erwartungen geknüpft waren. ANCHORMAN konnte sich ganz auf seine Figuren konzentrieren und war immer dann ganz bei sich, wenn er Ferrel und Co. improvisieren ließ, ohne sie mit dramaturgischen Zwängen einzuengen. Das kam seinem Thema, der Misogynie in den Medien der Siebzigerjahre, sogar zugute. ANCHORMAN 2 hat hingegen eine Agenda, die sich immer störend nach vorn schiebt. Wenn Burgundy am Ende erklärt, dass Nachrichtensendungen dazu da sind, das Volk über die Taten seiner Politiker aufzuklären, anstatt sie zu betäuben, ist das sehr löblich. Aber dass das so explizit gesagt werden muss, noch dazu von einem Esel wie Burgundy, zeigt auch, was hier falsch gelaufen ist. Trotzdem: Ich habe einige Male sehr gelacht. Und vielleicht vertsecken sich ja auch noch ein paar Perlen im Bonusmaterial.

 

Es gibt gute und schlechte Ideen. Und manche vermeintlich gute Idee entpuppt sich im Nachhinein doch als ziemlich schlecht. CASA DE MI PADRE ist genau so ein Fall:  ein Films, dessen Prämisse auf dem Papier sehr verlockend klingt, der sich dann aber eben wegen dieser Prämisse als ziemlicher Reinfall entpuppt. Will Ferrell zum Spanisch sprechenden Star eines ganz auf Spanisch gedrehten Films zu machen, der vorgibt aus Mexiko zu stammen, in Wahrheit aber nur die theatralische Art des mexikanischen Kinos persifliert, ist sicherlich einer der originelleren Einfälle, die in den vergangenen Jahren aus Hollywood kamen. Leider wird die Idee nicht nur schlecht umgesetzt, CASA DE MI PADRE zeigt auch deutlich, dass einem so ein Konzept auch ziemlich im Weg stehen kann.

Armando Alvarez (Will Ferrell) ist ein einfacher Ranchero und als solcher die personifizierte Enttäuschung für seinen Vater (Pedro Armendariz, jr.). Ganz anders als Armandos Bruder, Raul (Diego Luna), der mit dickem Auto und wunderschöner Verlobter Sonia (Genesis Rodriguez) nach Hause kommt, um die Nachricht zu verkünden, dass er heiraten wird. Aber er hat seinen Erfolg mit Drogengeschäften erreicht, weshalb es zu einer blutigen Auseinandersetzung mit dem Drogenbaron La Onza (Gael Garcia Bernal) kommt, bei der der Papa das Leben lässt. Nun ist es an Armando zu beweisen, dass er ein echter Mann ist …

Piedmonts Film hat zwei ganz große Probleme: 30 Jahre, nachdem Zucker/Abrahams/Zucker mit ihren Spoofs Filmgeschichte schrieben, haftet diesem Genre heute immer etwas Herablassendes an. Vor allem, wenn es sich, wie hier, den vermeintlich urkomischen Charakteristika fremdländischer Filme annimmt – die zudem eher unterstellt als real existierend sind. Da kann man sich noch so sehr darauf rausreden, eine „liebevolle Hommage“ im Sinn zu haben, oder am Ende gar suggerieren, man wolle eigentlich für Toleranz und den Abbau von Vorurteilen werben: Wenn man 90 Minuten lang jedes dieser Vorurteile genüsslich breitgetreten hat – Mexikaner sind dumm, kriminell und schmierig, außerdem hoffnungslose Muttersöhnchen im Gewand des Machos –, ist die Kehrtwende am Ende, so ernst sie auch gemeint sein mag, einfach unglaubwürdig und billig. Die „Unique selling proposition“ von CASA DE MI PADRE, seine komplett spanischen Dialoge, erweisen sich als weiterer Stolperstein, weil sie Ferrell seiner Stärke berauben, absurde Zeilen zu improvisieren. Wenn der initiale Überraschungseffekt weg ist, bleibt eben ein Film auf Spanisch, der auf Englisch genauso gut funktioniert hätte, aber wahrscheinlich witziger gewesen wäre. Wie fehlgeleitet CASA DE MI PADRE tatsächlich ist, zeigt sich daran, dass ich mit zunehmender Laufzeit immer mehr Lust auf einen jener mexikanischen Exploiter bekam, die her vorgeblich verarscht werden. Da hat Piedmonts Film ziemlich viel mit dem fürchterlichen MACHETE gemeinsam, dessen Macher ja auch nicht aufgefallen ist, dass die Filme, die er da angeblich referenziert, alle ganz anders aussehen und zudem viel liebevoller und aufrichtiger sind.

Es bleiben ein paar gelungene Gags, viele schlechte und etliche, die man schon aus besseren Parodien kennt. Als einsame Höhepunkte bleiben die atemberaubend hübsche Genesis Rodriguez und die saftig-blutigen Einschüsse, die an bessere Zeiten erinnern. Umso mehr wünscht man sich, CASA DE MI PADRE sei the real deal, statt fürchterlich sicherer, letztlich kreuzbiederer Spoof.

 

Im 14. Wahlbezirk North Carolians schickt sich der konservative Politiker Cam Brady (Will Ferrell) mangels Konkurrenz an, zum vierten Mal wiedergewählt zu werden. Doch dann bekommt er unerwartete Konkurrenz: Weil die Gebrüder Motch (Dan Aykroyd & John Lithgow), zwei reiche Unternehmer, für ihre Geschäftspläne einen gefügigen Politiker in Nort Carolina brauchen, investieren sie ihr Geld in Marty Huggins (Zach Galifianakis). Der brave, geistig etwas minderbemittelte Sohn eines Geschäftspartners (Brian Cox) wird vom Imageberater Tim Wattler (Dylan McDermott) aufgepeppelt und macht Brady bald arge Probleme. Der Konkurrenzkampf der beiden Kandidaten nimmt bald schon bizarre Züge an. Brady und Huggins beginnen umzudenken – sehr zum Missfallen der Motch-Brüder …

Die Freude über eine neue Komödie mit Will Ferrell nach längerer Abwesenheit (die er mit einem Ein-Personen-Theaterstück zu füllen wusste, in dem er in die Rolle George W. Bushs schlüpfte) wird dadurch geschmälert, dass THE CAMPAIGN als politische Satire und liberale Kritik am kapitalistischen Wahlkampfzirkus reichlich naiv und pauschal daherkommt. Seine Kritik lässt sich am Ende auf das diffuse Gefühl reduzieren, dass „die da oben“ alle gekauft sind und ein guter Politiker doch bitte immer die Wahrheit sagen soll. Das ist ungefähr so differenziert, wie der Schmonzes, der Sido (!) in Stefan Raabs Polittalkshow triumphieren ließ, und eigentlich kaum besser als die Scheinheiligkeit, die man dem Feindbild vorwirft. So muss man den wahrscheinlich ernst gemeinten Background des Films immer ein wenig ausblenden, um gepflegt ablachen zu können – dass Roach eigentlich ausschließlich Standards des Ferrell’schen Humorschaffens bemüht, macht es nicht einfacher. Die Grundidee ist ja nicht verkehrt und wer sich bei Landis‘ TRADING PLACES bedient (der Plan der Motch-Brüder), hat zumindest schonmal Geschmack bewiesen, aber angesichts der Möglichkeiten, muss die Auflösung, bei der alle ihrer Fehler einsehen und der geläuterte korrupte Politiker dem Idealisten freiwillig das Feld überlässt, weil er von dessen moralischer Integrität beeindruckt ist, enttäuschen. Ein Moralist wie Capra (den mein Mitgucker Frank als Vergleich heranzog) kam mit seiner Botschaft unter anderem deshalb weg, weil er seine Geschichten in einem stilisierten Märchen-Amerika ansiedelte: In THE CAMPAIGN stehen der bekannte linksliberale Zynismus und der unheilbare Glaube an eine Welt, in der es nur eines Mannes bedarf, der sich nicht verbiegen lässt, auffallend unvereinbar nebeneinander.

Die Einfalt des Films tritt in einem metergroßen Plothole zutage: Warum die Motches zur Verwirklichung ihrer schmutzigen Pläne überhaupt einen neuen Kandidaten ins Rennen werfen, anstatt ihr Geld gleich auf Brady zu setzen, der doch von Anfang an als Prototyp des käuflichen, karriere- und geldgeilen Politikers gezeichnet wird, kann Roach natürlich nicht erklären. Wäre THE CAMPAIGN „nur“ eine Komödie, wäre das ja alles kein Problem, aber in einem Film, der ein politisches Gewissen vorgibt, sind solche Versäumnisse schlicht peinlich. Die argumentfreie Gesinnungshuberei lasse ich mir dann auch nur gefallen, weil niemand das vernunftunbegabte Kind im erwachsenen, notgeilen Manne so gut drauf hat wie Will Ferrell. ANCHORMAN 2 kann kommen, dann bitte wieder ohne Gesellschaftskritik.

eastbound & down (usa 2008)

Veröffentlicht: August 23, 2010 in Film
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Mit 19 Jahren wird Kenny Powers (Danny McBride) zum Superstar: Völlig unerfahren wird er im Endspiel der World Series im Baseball als Pitcher eingesetzt und wirft das Strikeout, das seinem Team die Meisterschaft einbringt. Doch mit dem kommenden Ruhm kann Powers nicht umgehen: Eh ein streitbarer Charakter, verprellt er sowohl Fans als auch Medien mit seinen Verunglimpfungen, seinem Größenwahn und seiner Söldnermentalität, während seine Leistungen kontinuierlich schlechter werden. Als ihm dann auch noch ein Steroid-Skandal in die Quere kommt, ist seine Laufbahn beendet: Mit Mitte 30, Drogenproblemen und völlig außer Form findet sich Powers mittellos als Untermieter im Haus seines Bruders Dustin (John Hawkes) und dessen Familie wieder. Sein Geld verdient er als Sportlehrer an der Schule, an der auch seine ehemalige Highschool-Flamme April (Katy Mixon) arbeitet. Doch Kenny denkt nicht daran, sich mit dem Durchschnitt abzugeben: Er will mittelfristig nicht nur April zurückerobern, sondern auch zurück in die Major League … 

Unter anderem produziert von Komödienstar Will Ferrell (der auch die Rolle des schleimigen BMW-Händlers Ashley Schaeffer spielt) und Adam McKay, Regisseur der Ferrell-Hits ANCHORMAN, TALLADEGA NIGHTS und STEP BROTHERS, gliedert sich EASTBOUND & DOWN auf den ersten Blick fast nahtlos in deren bisheriges Oeuvre ein. Wie die genannten Filme widmet sich EASTBOUND & DOWN einer skurrilen Figur, die von Mitautor Danny McBride mit grässlicher Vokuhila-Figur, Südstaatenakzent und Bierwampe zum Leben erweckt wird. Weil das Ganze eine Produktion des Bezahlkanals HBO ist, darf man sich auf nackte Tatsachen, mit Vulgaritäten gepfefferte Dialoge und anderen „explicit content“ freuen, die jedoch längst nicht nur den Status oberflächlicher Kosmetik innehaben: Sie markieren vielmehr eine Verschiebung vom zwar in der Realität gründenden, aber dennoch eher harmlosen Quatsch der oben genannten Filme hin zur erwachsenen Tragikomödie. Die Sichtung der sechs 25-minütigen Folgen der ersten Staffel ist dann auch mit der ein oder anderen Irritation verbunden. Denn auch wenn die Komödienhistorie reich an eigentlich unsympathischen Hauptfiguren ist, die dem Zuschauer gegen jede Vernunft aufgezwungen werden und diesem seine Identifikation förmlich abringen müssen, so stellt Kenny Powers sicherlich einen Extremfall dieses Typus dar: Er ist dumm, arrogant, eingebildet, selbstverliebt, vulgär, rassistisch, verantwortungslos, selbstmitleidig, unverschämt, undankbar, unbeherrscht und schlicht und ergreifend peinlich mit seiner Frisur, seinem auf Rebell getrimmten Outfit und seinem ganzen unflätigen Benehmen. Die Entwicklung, die er durchmachen muss, um die Geschichte einem (guten?) Ende zuzuführen, ist jedoch nicht wie sonst üblich mit Selbsterkenntnis und einer anschließenden persönlichen Wandlung verbunden: EASTBOUND & DOWN widmet sich vielmehr einem Mann, der in der Lage ist, jede Situation so zu deuten, dass die anderen Schuld sind und er so bleiben kann wie er ist. Das erinnert jedoch nur selten an die Übungen in Sachen Fremdscham, die in den letzten Jahren so in Mode gekommen sind, stattdessen stellt sich bald Mitleid mit diesem Narren ein, der als ungebildeter Klotz ja auch Opfer einer Maschinerie geworden ist, die er mit seinen begrenzten Mitteln gar nicht verstehen kann. Baseball ist hier sicherlich nicht willkürlich als Powers‘ Sportart gewählt worden: Anders als in den anderen populären US-Sportarten kann sich der Ruhm im Baseball mit einem einzigen Wurf einstellen und das Vorurteil, dass Baseball der Sport ungebildeter Weißer sei, hält sich ebenfalls so hartnäckig, dass man es nicht als vollkommen aus der Luft gegriffen bezeichnen möchte. Insofern widmet sich EASTBOUND & DOWN fast schon einem gesellschaftlichen Problem: Was passiert mit diesen Leuten, wenn sie sich als nicht geeignet für das nach streng wirtschaftlichen Kriterien operierende System „Profisport“ erweisen? Wie ergeht es einem, der plötzlich eine Persona non Grata ist, nachdem ihm zuvor Abertausende zugejubelt haben? Wenn man für alle Mitmenschen als Versager gilt, als einer, der zu deumm war? Kann man ein Leben als Popstar einfach ad acta legen und in einem 9-to-5-Job neu anfangen als wäre nichts gewesen? Wenn man doch gleichzeitig von allen anderen nicht als normale Person, sondern eben als Ex-Superstar betrachtet wird?

Diese Aspekte hieven EASTBOUND & DOWN eindeutig über den Status einer normalen Komödie, auch wenn die Serie über weite Strecken so tut als sei sie nicht mehr als das. Dies macht die Einordnung manchmal schwer, denn einige Plotlines strapazieren den Goodwill des Zuschauers etwas über: die Liebegeschichte zwischen Kenny und April etwa. Dass eine attraktive und gebildete Frau etwas an diesem selbstbesessenen Arschloch findet, will sich nicht unmittelbar erschließen. Ein Urteil fällt nach sechs Episoden auch deshalb ziemlich schwer, weil noch nicht eindeutig abzusehen ist, welchen Weg die Serie und mit ihr Kenny Powers nehmen werden. Wird er sich mit der Realität abfinden müssen, nachdem alle Versuche zur Rückkehr in den Profisport gescheitert sind? Wird er wider jede Vernunft das Wunder schaffen und an seine früheren Erfolge anknüpfen können? Es ist nicht wenig erstaunlich, dass sich diese Fragen überhaupt stellen, wenn man bedenkt, wie formelhaft das Gerne der Komödie doch für gewöhnlich abläuft. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die zweite Staffel, die hoffentlich Antwort auf die Frage geben wird, ob man EASTBOUND & DOWN als konzeptionellen Geniestreich oder doch nur als harmlose Komödie mit unangenehm zynischen Untertönen im Gedächtnis behalten wird. Bis jetzt bin ich bereit, sie als gelungenen Spaß einzuordnen.