Mit ‘Willi Colombini’ getaggte Beiträge

Die Fortsetzung des im Vorjahr von KOMMISSAR X-Regisseur Gianfranco Parolini mit seinen beiden Stars Brad Harris und Tony Kendall inszenierten I FANTASTICI 3 SUPERMEN kommt mit einer deutlich bescheideneren Besetzung wie eine Vorahnung der Komödien daher, die im Folgejahrzehnt auf dem Steifel in rauen Massen entstehen sollten. Es wird unter tatkräftiger Unterstützung der deutschen Synchro geblödelt, bis der Notarzt kommt, aber nur noch den Exitus feststellen kann. Hauptverantwortlicher für den Klamauk ist Salvatore Borghese als stummer Trottel Dick: Er äußert sich ausschließlich in einer nur rudimentär entwickelten Zeichensprache, zu der er Stammellaute von sich gibt und dafür von seinen beiden Partnern in einer Tour verhöhnt wird. Für FBI-Mann Martin (George Martin) etwa ist klar, das Dick die Sprache verlor, als er sich zum ersten Mal selbst im Spiegel sah. Der Mann, den man aus unzähligen Polizeifilmen als Nebendarsteller kennt, darf hier komödiantisches und artistisches Talent in einer Hauptrolle zeigen.

Besagter Agent Martin wird den beiden mit kugelsicheren Kostümen ausgestatteten, artistisch begabten Superverbrechern Willi (Willi Colombini) und Dick zur Seite gestellt, um mit ihrer Hilfe einen pikanten Film in seinen Besitz zu bringen, mit dem ein Politiker kompromittiert werden soll. Die Hatz führt die drei erst nach Hongkong und dann nach Tokio, wo es die üblichen Keilereien, Verfolgungsjagden, Mordanschläge, Verwicklungen und amourösen Anwandlungen mit gefährlichen Frauen gibt. Das Ganze kulminiert im Einsatz einer Verkleinerungsmaschine, mit der Dick auf Miniaturgröße geschrumpft und dann im Hauptquartier der Bösewichte eingeschleust wird. Das ist alle hoffnungslos bescheuert, aber der Eurospy-Film ist ja sowieso eine eher komische Angelegenheit, die ihre Existenzberechtigung im Wesentlichen aus der Beliebtheit der Bond-Filme bezieht. Aus der unüberbrückbaren finanziellen Kluft, die zwischen den großen Vorbildern und ihren in dieser Hinsicht oft eher minderbemittelten Nachziehern klafft, machten diese Filme oft eine Tugend, indem sie die britischen Produktionen immer wieder mit Spott überzogen: Natürlich sind es ihre Helden, die gegenüber der Doppelnull den entscheidenden Vorteil haben und zu Rate gezogen werden, wenn dieser mal wieder versagt hat.

Man sieht das Augenzwinkern, denn natürlich wussten die Macher, dass sie den Abenteuern des Briten nichts entgegenzusetzen hatten, außer einer gewissen Unverdrossenheit und der Freiheit, die damit einhergeht, dass man an der Kasse keine Abermillionen einspielen muss, um den Bilanzausgleich zu schaffen. 3 SUPERMEN A TOKIO blödelt sich mit Verve durch seine Pappkulissen im Hinterhof von Cinecittà, doch bei den Szenen auf den Straßen von Tokio gucken die ungläubigen Passanten fast genauso neugierig und ungläubig, als wenn da der echte Bond rumturnen würde. Und natürlich gibt es dann auch immer wieder diese hübsch beknackten Ideen: In einem Nachtklub verhindert ein riesiger hinter einer Wand versteckter Magnet, dass sich die Schurken mit Waffen ins Etablissement schleichen. Da werden einer Gruppe von Ganoven dann also Panzerfäuste, Maschinengewehre, Messer und, wie eine Empfangsdame fürs Protokoll zu Bericht gibt, „drei Atombomben“ abgenommen. Und weil wir uns erst im Jahr 1968 befinden, muss man sich auch um die Political Correctness keine Sorgen machen: Japaner sagen also „l“ statt „r“, werden als „Geschlitzte“ bezeichnet und servieren Hund mit Reis, das Essen mit Stäbchen ist willkommener Anlass für eine ausgedehnte Slaspstick-Nummer. Die Miniatur-Nummer ist effekttechnisch erstaunlich gut gelöst und dass für die Zwischenstufe der Rückverwandlung Kinder in die Supermänner-Kostüme schlüpfen ein putziger Einfall. Doch, doch, ich hatte meinen Spaß mit diesem Teil.

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