Mit ‘William Fruet’ getaggte Beiträge

Warum dieser Film BLUE MONKEY heißt, ist leider auch nach dem Studium diverser Online-Artikel nicht klar. Der deutsche Verleihtitel INSECT, der das schicke Videocover zierte, macht definitiv mehr Sinn. Als Steppke hielt ich die Kassettenhülle zahllose Male in der Hand, ohne allerdings Nägel mit Köpfen zu machen und das Teil auszuleihen. Warum, weiß ich nicht mehr, denn die Szenenfotos versprachen ein effektreiches Spektakel, das 30 Jahre später  erwartungsgemäß nicht mehr ganz so beeindruckend daherkommt.

Fruets Film beginnt mit einem alten Opa, der von einem Insekt gestochen wird und daraufhin kollabiert. Im Krankenhaus erbricht er eine Larve, die sich in ein Insekt verwandelt, das nach der Unachtsamkeit einiger Kinder gigantische Ausmaße annimmt. Neben dem Mörderinsekt, das sich im Krankenhauskeller mit seiner Braut einnistet, haben die Insassen auch noch damit zu kämpfen, dass der Stich eine Epidemie ausgelöst hat. Die Regierung riegelt das Krankenhaus ab, um die Gefahr zu bannen, und so ist es an dem Polizisten Jim Bishop (Steve Railsback), der Ärztin Rachel Carlson (Gwynyth Walsh) und dem Insektenforscher Elliott Jacobs (Don Lake), den Kampf gegen das Insekt aufzunehmen, bevor es zu spät ist.

BLUE MONKEY zeigt ein buntes Potpourri von Einflüssen, von denen James Camerons ALIENS sicherlich der wichtigste ist. Die Hatz durch die blau ausgeleuchteten Kellergänge erinnert ebenso an den Klassiker wie die Szenen mit den in Kokons eingeschlossenen Opfern und das Monster selbst, eine Art riesiger schwarzer Gottesanbeterin, die ziemlich angepisst ist. Ein bisschen Katastrophenfilm spielt auch noch mit hinein, vor allem der Vergleich mit dem kürzlich erst gesehenen THE CASSANDRA CROSSING drängte sich auf. Auch das Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Figuren lässt an die effektintensiven, starbesetzten Vehikel der Siebzigerjahre denken: Neben den Protagonisten gibt es da noch zwei Omas, die sich ordentlich volllaufen lassen, während um sie herum ums Überleben gekämpft wird, eine Gruppe niedlicher Kiddies, die die Gänge unsicher macht und am Ende natürlich wichtige Unterstützung liefert, sowie ein Ehepaar, das gerade sein erstes Kind zur Welt bringt. Fruet versieht seinen Film mit viel auflockerndem Humor und besetzt diverse Rollen mit bekannten kanadischen Komikern. Trotzdem kippt BLUE MONKEY nicht in Richtung Genreparodie, sondern hält ein gesundes Gleichgewicht. Ein paar Einfälle sind hübsch bescheuert, aber das gehört ja auch irgendwie dazu. Jedenfalls erweist es sich als überaus praktisch, dass in dem Krankenhaus auch ein Labor zur Laserforschung untergebracht ist. Nachdem dieses nach seiner ausführlichen Einführung zu Beginn überhaupt keine Rolle mehr spielt, ist klar, wo das Insekt sein Ende finden wird. Und die Sexszene im Labor darf natürlich auch nicht fehlen. Fazit: Nicht so geil, wie ich mir das mit 15 ausgemalt habe, aber schon ganz nett, der blaue Affe.

William Fruets BEDROOM EYES hat weder Oliver Reed noch Peter Fonda oder eine Satansviper wie der vorangegangene SPASMS. Es handelt sich vielmehr um einen kleinen Erotikthriller ohne Stars oder besonders hervorstechende Schauwerte. Den Soundtrack bestreiten auch nicht Tangerine Dream, sondern ein peinliches Mark-Knopfler-Soundalike namens John Tucker mit dem heute wie eine Parodie klingenden AOR-Song „Motion City Moves“. Aber er ist trotzdem um Längen besser – nicht zuletzt, weil er das meist für seine aufgesetzte Ernsthaftigkeit und slicke kinkyness bekannte Genre mit einer Prise Humor infiziert, die auch dem Schlangenhorrorfilm gut getan hätte.

Der Stock Broker Harry Ross (Kip Gilman) kommt beim nächtlichen Joggen am Fenster einer verführerischen Dame vorbei, die sich in ihrem Zimmer mit einem Mann auf eine Art und Weise verlustiert, die Harry selbst völlig unbekannt ist. Er kehrt in den folgenden Nächten zurück an ihr Fenster und entwickelt eine Obsession für die Frau, die ihm so unangenehm ist, dass er die Psychiaterin Alex (Dayle Haddon) aufsucht. Einige Tage später ist das Objekt seiner Begierde tot, umgebracht und Harry entdeckt die Leiche: Er verständigt sofort die Polizei, gerät aufgrund der zahlreichen Spuren, die er vor dem Fenster und um den Wohnblock hinterlassen hat, aber schnell selbst in Verdacht, den Mord begangen zu haben – und hat außerdem den echten Killer im Nacken, der keinen Zeugen gebrauchen kann …

Neues hat BEDROOM EYES wahrlich nicht zu erzählen, aber es ist die Art und Weise wie er das Bekannte aufbereitet, die ihn sofort sympathisch macht: Harry ist nicht der Gilette-rasierte Supertyp, der die Weiber scharenweise in seiner Designerwohnung flachlegt, sondern ein zwar attraktiver, aber eher etwas verklemmter Typ. Das, was er da Nacht für Nacht zu sehen bekommt, ist wahrlich nicht so aufregend, wie es der Film suggeriert (natürlich auch, weil niemand die Zensur herausfordern wollte), aber für ihn geradezu mindblowing, was den Charakter nachvollziehbar macht. Dass er sofort eine Psychologin aufsucht, um sicherzustellen, dass er kein „Perverser“ ist, und die Tatsache, dass er sich mit Sonnenbrille in deren Praxis schleicht, zeigen, dass er mit den notgeilen, selbstverliebten Chauvi-Protagonisten des Erotikthrillers rein gar nichts gemein hat. In einer sehr putzigen Szene wird er beim Dinner in einem Restaurant von seiner ausgehungerten Arbeitskollegin aggressiv angegangen: Er macht mit, aber die ganze Situation ist ihm vor allem unangenehm und peinlich – keine Spur von cooler Souveränität oder Freude am Reiz des Verbotenen. Als sie ihn danach noch mit in ihre Wohnung nehmen will, lehnt er dankend ab. Das ist ihm alles zu viel.

Diese Charakterisierung rührt auch daher, dass Fruet unverkennbar versucht, in die Fußstapfen des großen Hitchcock zu treten: Harry ist ein etwas tölpelhafter, aber grundguter Kerl, und nichts könnte ihm ferner liegen, als jemandem etwas zuleide zu tun, trotzdem avanciert er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall. Die Zeichnung des echten Täters kommt dann wieder geradewegs aus der Mottenkiste des Kintopp, aber das macht nichts, weil BEDROOM EYES sonst angenehm gegen den Strich sonstiger Klischees geht. Auch das Polizeitrio bestätigt das: Die zwei typischen, desillusionierten Veteranen werden von einem Rookie ergänzt, den sie erst als „too enthusiastic“ belächeln, bevor er sich dann doch bewährt – ohne aber gleich zum Supergenie stilisiert zu werden. Eine wirklich runde Sache, die mir gut gefallen hat.

Millionär Jason Kincaid (Oliver Reed) wird von Visionen heimgesucht, seit er bei einer Expedition von einer hochaggressiven Schlange gebissen wurde. Während sein Bruder an dem Schlangengift starb, überlebte Kincaid rätselhafterweise und scheint seitdem eine Art telepathischer Verbindung zu dem Tier zu haben. Er lässt es einfangen und nach Amerika bringen, wo er sich Unterstützung des Psychologen Thomas Brasilian (Peter Fonda) geholt hat. Natürlich bricht das Tier aus, weil sich der Anführer eines bizarren Schlangenkults ebenfalls dafür interessiert …

SPASMS (malerischer deutscher Titel: AVANAIDA – TODESBISS DER SATANSVIPER) erschien zu einer Zeit, als die sogenannten „Bubble-Effekte“ groß in Mode waren: Unter eine auf der Haut aufgetragene Latexschicht wurde Luft gepumpt, die die falsche Haut daraufhin lustige Blasen werfen ließ. Zu sehen war der Effekt sehr prominent in Joe Dantes THE HOWLING, aber er kam auch in kleineren Filmen zum Einsatz wie etwa in Philippe Moras THE BEAST WITHIN – oder eben in Fruets SPASMS. Dem putzigen Effekt verdankte SPASMS eine Platzierung auf der Titelseite einer frühen Ausgabe der Fangoria, die nebenan zu sehende Tagline und seine berühmtesten Szenenfotos, die man auch heute noch im Netz finden kann. Explodieren, wie es das Poster verspricht, tut allerdings keiner.

Fruet hat ein paar ganz hübsche Sachen gemacht, etwa den Terrorfilm DEATH WEEKEND, den Vietnam-Heimkehrerfilm SEARCH AND DESTROY, den Backwood-Film TRAPPED oder den originellen Slasher KILLER PARTY, aber trotz der famosen Besetzung und den genannten Splattereffekten ist SPASMS ähnlich öde wie sein missratener Grusler FUNERAL HOME. Es dauert einfach viel zu lang, bis der Film in die Gänge kommt, das Monster sieht man zu spät und der parapsychologische Quark führt nirgendwo hin. Stimmung kommt immer dann auf, wenn die „Satansviper“ zuschlägt: Die begnügt sich nämlich nicht, wie ihre kriechenden Filmkollegen, mit blitzschnellen Einzelbissen, nein, sie heftet sich wie ein blutgieriger Serienmörder an die Fersen ihrer Opfer und wirft sie anschließend durch die Gegend wie ein Profiwrestler mit Tollwut. Das ist schon eine Schau, aber leider auch völlig spannungsarm: Immer, wenn der Film einzuschlafen droht, wird eine unbedeutende oder nur zu diesem Zweck eingeführte Nebenfigur plattgemacht, ohne dass man viel sieht. Erst zum Schluss bekommt man die Schlange in (fast) voller Pracht zu Gesicht und wie es bei Filmen ist, die ihre Hinhaltetaktik überstrapazieren, ist die Enttäuschung groß.

Ich finde es ja grundsätzlich gut, wenn auch solche völlig absurden Filme nicht in offen zur Schau getragener Selbstironie versinken, aber SPASMS hätte eine Prise Humor oder wenigstens Lockerheit definitiv nicht geschadet. Man muss sich das mal vorstellen: Da liegt Oliver Reed festgeschnallt auf einem Untersuchungstisch, heimgesucht von POV-Shots der mörderischen Schlange und wirres Zeug stammelnd, während Psychologe Fonda mit seiner Sonnenbrille danebensteht und was von viral übertragener „extra-sensory perception“ faselt und Fruet behandelt das mit der Ernsthaftigkeit eines Wissenschaftsthrillers. Das muss man auch erst einmal hinbekommen. Ein feister Tierhorrorfilm wäre mir aber lieber gewesen.

funeralÜber Filme wie FUNERAL HOME zu schreiben, ist immer am schwierigsten: Es handelt sich um einen kleinen Horrorthriller, der sich ein wenig beim gerade populär gewordenen Slasherfilm bedient, ein bisschen Backwood-Flair verströmt, wie man es von THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE kennt, vor allem aber eine Hommage an Hitchcocks Überklassiker PSYCHO darstellt. Im Zentrum steht ein altes, düsteres Haus, das einst das titelgebende Bestattungsinstitut beherbergte, nun aber Durchreisenden und Urlaubern eine bescheidene Unterkunft bieten soll, und seine Bewohnerin, die pausbäckige, resolute Maude Chalmers (Kay Hawtrey), eine freundliche Großmutter, die aber, das wird schnell klar, eine sprichwörtliche Leiche im Keller hat.

William Fruet hat in den Siebziger- und Achtzigerjahren viele Genrefilme gedreht, unter anderem den Gewaltthriller DEATH WEEKEND, den Vietnam-Heimkehrer-Actionfilm SEARCH AND DESTROY, den Backwood-Film TRAPPED, den Schlangen-Schocker SPASMS oder den kuriosen Slasher KILLER PARTY: Alle diese Filme sind gut, kompetent gemachte Spannungsware, aber ein richtiger Überkracher ist nicht darunter. Fruets größtes Manko ist wohl, dass er kein Originator ist, sondern bloß ein Epigone. Und das gilt auch für FUNERAL HOME, mit dem Unterschied, dass der Film insgesamt ruhiger angelegt ist als seine typischen Reißer, einen langsamen Spannungsaufbau bemüht, mehr auf eine unheimliche Atmosphäre setzt als auf Gewalt- und Effektszenen. Und da fällt es einfach deutlich schwerer ins Gewicht, dass man den Fortgang der Handlung nahezu punktgenau vorhersagen kann. Schnell machte sich bei mir Langeweile breit und FUNERAL HOME verkam zur Hintergrundbeschallung, weil es eigentlich eh nichts zu verpassen gab. Irgendwo verbirgt sich unter der durchaus ansprechend gestalteten, aber eben vollends generischen Oberfläche ein interessanter Gruselthriller über das Altern, die Einsamkeit und all die kleinen Geheimnisse, die sich in einem Haus im Laufe der Jahrzehnte so anhäufen, aber jedes Potenzial wird von zentnerschwer lastender Konvention erdrückt. Schade, denn eigentlich mag ich solche kleinen, unaufgeregten Teile sehr gern.

death weekend - cinema quad movie poster (1).jpgDer wohlhabende Zahnarzt Harry (Hank Shamata) hat die schöne Diane (Brenda Vaccaro) mit dem Versprechen einer tollen Party (die in Wahrheit mit ihr allein auf seiner Matratze stattfinden soll) in sein Landhaus irgendwo in der kanadischen Pampa gelockt. Schon auf der gemeinsamen Anreise in seiner schnittigen Corvette, die sie besser zu bedienen weiß als er, gibt es Ärger: Das Rennen gegen eine vierköpfige Bande primitiver Hinterwäldler, angeführt vom virilen Lep (Don Stroud), endet damit, dass die Proleten in einen Bach rauschen und nun wutentbrannt nach dem Pärchen suchen. Als sie es in Harrys protzigem Haus ausfindig gemacht haben, hängt der Haussegen bereits mächtig schief, denn Diane will nicht so wie Harry. Es kommt zur Belagerung der reichen Schnösel durch die auf Bambule geeichten Asis, und wie so oft ist es an der Frau, die Wende herbeizuführen …

DEATH WEEKEND, von Ivan Reitman produziert, ist formelhaftes Epigonenkino, sichtlich von Cravens LAST HOUSE ON THE LEFT inspiriert und voll und ganz dem Rape-and-Revenge-Subgenre verpflichtet, aber durchaus effektiv, weil William Fruets Regie geradewegs die Eier ansteuert, sie mit eiskalter Stahlhand umfasst und den harten Griff bis zum Ende nicht lockert. Die gesellschaftskritische Dimension, die Cravens Masterpiece oder auch einen Ableger wie Deodatos LA CASA SPERDUTA NEL PARCO noch auszeichnete, ist hier freilich zur leeren Geste geronnen, was aber natürlich nicht heißt, dass sich beim Zuschauer nicht dennoch die entsprechenden Emotionen einstellen. Wir Materialisten vor der Leinwand – und machen wir uns nichts vor: auch wenn wir uns kein mit teuren Statussymbolen vollgestelltes Liebesnest im Grünen leisten können, geht es uns im Vergleich mit den Leps dieser Welt sehr gut – bekommen zusammen mit Harry und Brenda gleich einen mitverbraten von den im unkontrollierten Zorn der Unterprivilegierten entbrannten Rednecks. Kurz bevor die Schwelle vom gemeinen Bullying zum Gewaltverbrechen übertreten wird, lassen die Proleten um Lep ihre aufgestaute Wut in einer fulminanten Zerstörungsorgie am Interieur von Harrys perfekt ausgestattetem Haus aus. Nicht bleibt heil, mit Vorschlaghämmern, Schürhaken, Messern, Fäusten und Füßen wird alles in seine Bestandteile gelegt, und je mehr zu Bruch geht, je mehr sich die Trümmer auf dem Boden häufen, umso wilder und animalischer werden die Aggressoren. Die ganze Sequenz ist so eindringlich inszeniert, dass auch die bevorstehenden Gewalttaten den entstehenden Eindruck noch überlagern können. Für Harry ist Besitz alles, und in dem Moment, in dem sein Leben buchstäblich in Schutt und Asche vor ihm liegt, kann er sterben. Es ist Genrekonvention, dass die Frau den souveräneren Umgang mit der Welt der Dinge zeigt und demnach als Sieger das Schlachtfeld verlassen kann. Während Harry sich an seinen Wohlstand klammert und zusammenbricht, weil er ihn nicht halten kann, lässt Diane alles los und kommt so auf den Nullpunkt, wo sie den Asis auf Augenhöhe begegnen kann – bzw. ihnen überlegen ist.

DEATH WEEKEND ist ein kleiner, solider Reißer von äußerst geradliniger Machart, der auf der großen Leinwand noch um einiges schöner wird. Die Besetzung ist ideal, die Figuren, so knapp sie auch umrissen sind, sind glaubwürdig entwickelt, das herbstliche Setting vermittelt angemessene Tristesse und Kälte, zum Schluss wird es ziemlich ruppig und brutal, ohne dass die Gewalt allzu selbstzweckhaft inszeniert wäre. Neben Brenda Vaccaro überzeugt vor allem Don Stroud, den man schon in ca. 1.000 Filmen und Serienepisoden gesehen hatte, bevor man seinen Namen kannte, ein toughie, wie sie heute nicht mehr gebaut werden, und der leider viel zu selten in solch großen Schurkenrollen zu sehen ist wie hier. Guter Film!

KILLER PARTY beginnt mit einer hübschen doppelten Finte. Der Zuschauer sieht zunächst vier Menschen bei einer Trauerfeier: Während Schwester, bester Freund, Sohn und Schwiegertochter der Verstorbenen mehr oder minder betroffen dreinblicken, grinst der Pfarrer wie bei einem Kindergeburtstag und schließt seine Rede mit einem Zitat aus THE WIZARD OF OZ. Als die Angehörigen danach still neben dem Sarg stehenbleiben, erinnert er sie mit einem lapidaren „Well, that’s it!“ daran, dass sie die Kirche nun verlassen sollen. Doch auf der Schwelle macht die Schwiegertochter noch einmal kehrt, um – wie sie behauptet – allein Abschied nehmen zu können. Stattdessen nutzt sie die ruhige Minute jedoch, um die Tote zu beschimpfen.  Die rächt sich auf ihre Weise, indem sie den Sargdeckel von innen aufstößt und das Lästermaul unter Geschrei zu sich zieht. Per Hebebühne geht es sogleich in den Keller und den dortigen Ofen. Ein Schnitt führt aus der Brennkammer nun in ein Autokino, die  just gesehene Szene entpuppt sich als Teil eines Films, den sich ein punkiges Teenie-Pärchen anschaut. Sie gelüstet es nach Popcorn, also verlässt sie den Wagen in Richtung Getränkestand. Dort angekommen, wundert sie sich, dass keiner da ist – bis die Hairspray-Metal-Band „White Sister“ anfängt ein Liedchen zu spielen, das ihr gewidmet ist: „April (You’re no Fool)“ singen sie und treiben das Mädel schließlich nach draußen, wo es jedoch nicht von seinem Freund, sondern von Zombies empfangen wird. Der Song endet mit der Einblendung von Bandname und Titel, ein Schnitt blendet über zu Phoebe (Elaine Wilkes), die vor dem Fernseher sitzt und MTV schaut. Alles, was KILLER PARTY bisher gezeigt hat, war Bestandteil eines überaus elaborierten Musikvideos.

 

Danach geht es etwas weniger ausgefallen weiter: Phoebe und ihre beiden Freundinnen sehen gespannt der „Goat Night“ entgegen, in der sie das Aufnahmeritual für die elitäre College-Sorority Sigma Alpha Pi zu absolvieren haben. Bis dahin gilt es diverse Demütigungen und Scherze zu überstehen, die nicht zuletzt die unter chronischem Samenstau leidenden Angehörigen der Beta-Tau-Fraternity immer wieder reißen. Ein paar Morde geschehen zwischendurch auch, ohne dass jemand die Opfer jedoch vermissen würde, und alles scheint sich um einen besonders fiesen Streich zu drehen, der einem Studenten vor Jahren das Leben kostete. Auf der April-Fool’s-Party, die die Beta-Tau-Hengste und die Sigma-Alpha-Pi-Hasen gemeinsam schmeißen, kommt es zum Blutbad …

So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein: Als TotalFilm neulich eine Liste von 50 Amazing Films You’ve Probably Never Seen veröffentlichte, fand sich darauf auch KILLER PARTY. Der Slasherfilm von William Fruet war mir durch Einträge in diversen Horrorfilmlexika ein Begriff, die Sichtung hatte ich aufgrund mäßiger Bewertungen jedoch immer auf die lange Bank geschoben – obwohl ich als Fan des Genres eigentlich vor nix zurückschrecke. Mit der Platzierung auf der appetitlich benannten Liste, zwischen solchen Perlen wie IDI I SMOTRI, GWENDOLINE, I QUATTRO DELL’APOCALISSE, SPALOVAC MRTVOL, VIGILANTE, L’ULTIMO TRENO DELLA NOTTE und einigen weiteren, wurde der vermeintlich langweilige Durchschnittslasher (aus einer Zeit, als das Genre schon längst im Sturzflug befindlich war) plötzlich zum Must See. (Dass sich mit STREETS auch ein Film auf der Liste findet, den ich keineswegs „amazing“, sondern nur nett finde, tat meiner Vorfreude keinen Abbruch.) Nun ja. KILLER PARTY hat, wie schon erwähnt, eine wirklich grandiose Auftaktsequenz und ein innerhalb seines festgefahrenen Genres sehr ungewöhnliches Finale, aber um ihn als „amazing“ zu bezeichnen, fehlt dann doch noch etwas. Der gesamte Mittelteil mit seinen unterleibszentrierten Späßen ist zwar ganz sympathisch, vor allem, wenn man ein Faible für die Mode der Achtzigerjahre hat, aber dann doch nicht aufregend genug, um einen erwachsenen Menschen wirklich bei der Stange zu halten. KILLER PARTY ist mit seinem lax gehandhabten Plot schon ein bisschen langweilig, zumal in den wenigen Mordszenen das Blut fehlt, um einen wieder aufzuwecken. Die ganze Chose ist ziemlich brav, fast schon kinderfreundlich, und erst am Schluss besinnt sich Fruet darauf, welches Genre er da eigentlich beackert. So richtig interessiert daran, sein Publikum zu erschrecken, war er nicht, und so ist sein Film einen ganz niedliche, aber auch etwas unentschlossene Mischung aus Elementen, die nicht richtig zusammenfinden. Was man KILLER PARTY zugute halten muss, ist sein technischer Professionalismus: Vom amateurhaften, unzulänglichen Gestümper so manches anderen Slashers ist er meilenweit entfernt (obwohl das ja auch durchaus seine Reize haben kann). Fruets Film sieht durchweg gut aus, ist solide gespielt, hat einen schönen Soundtrack (den oben erwähnten Hairmetal-Song halte ich für ein Highlight) und Paul Bartel in einer für ihn typischen Rolle als spießiger Dozent. Slasher-Komplettisten, die den Film noch nicht kennen, machen nichts falsch, wenn sie ihn sich anschauen. Nur einen Film, der irgendwie „amazing“ ist, sollten sie besser nicht erwarten.

 

Bei einem Wanderausflug in die Wälder werden vier Studenten Zeuge eines Mordes: Henry Chatwill (Henry Silva), der Patriarch einer kleinen Siedlung, erschlägt im Beisein der Dorfbewohner einen armen Teufel, den er vorher im Bett mit seiner Ehefrau erwischt hat. Die Versuche der vier Studenten, die Polizei einzuschalten, scheitern an eng gewobenen familiären Banden und plötztlich schweben sie selbst in Lebensgefahr, denn Chatwill duldet keine Zeugen …

Nachdem die letzten beiden Filme meiner kleinen Backwood-Reihe eher in loser Beziehung zum Subgenre standen, steht TRAPPED eindeutig in der von DELIVERANCE begründeten Tradition. Schon zu Beginn wird das den Backwood-Film bestimmende Thema angelegt: die Grenzerfahrung des arroganten und naiven Zivilisationsmenschen, dessen hehren moralischen Werte sich als eitler Zierrat erweisen, wenn sie einer harten Prüfung unterzogen werden. Roger (Nicholas Campbell) tönt in einer Vorlesung noch laut, dass er Verzweiflung oder Angst nicht als ausreichende „Entschuldigung“ für einen Mord anerkenne. Der Mensch müsse auch in solchen Extremsituationen das von ihm geteilte Gesetz respektieren. Am Ende muss er natürlich erkennen, dass er seinen eigenen hohen Ansprüchen ans Menschsein nicht gewachsen ist: In der Konfrontation mit Chatwill steigert er sich in einen wahren Blutrausch, der zwei Menschen das Leben kostet. Was sein schönes Konzept von der Gesetzestreue des Menschen wie ein Kartenhaus zusammenfallen lässt, ist die auf Blutsverwandschaft setzende „Stammesgemeinschaft“ der Hillbillies um Chatwill. Dort im Wald zählen nämlich keine universellen moralischen Grundsätze, sondern nur das Überleben der eigenen Leute, das um jeden Preis gegen alle diesem Kreis nicht Angehörenden verteidigt wird.

TRAPPED ist ein hübscher kleiner Gewaltfilm vom Kanadier William Fruet, der in den Siebzigern und Achtzigern ein paar sauber gefertigte Exploiter inszenierte und heute überwiegend fürs Fernsehen arbeitet. Der Clou von TRAPPED ist sicherlich die Besetzung des Hillbilly-Patriarchen mit dem auf Schurken abonnierten Kubaner Henry Silva: auf dem Papier eine katastrophale Fehlbesetzung, die sich dann jedoch als wahrer Glücksgriff erweist. Silva und seine vermeintlich „unpassenden“ Gesichtszüge befreien den Film vom in diesem Genre immer latent mitschwingenden Chauvinismus (der den auf Handlungsebene thematisierten Chauvinismus doppelt). Durch Silva, der ja im amerikanischen Hinterland selbst ein Fremder ist, wird noch einmal hervorgehoben, dass nicht Chatwills Herkunft sondern einzig seine Denkweise ausschlaggebend für seine Bösartigkeit ist. Das befreit TRAPPED von den Zwängen der Konkretion und hebt ihn auf eine höhere Ebene.

Aber auch sonst weiß TRAPPED mit seiner unprätentiösen Art sehr zu gefallen. Das Backwood-Szenario, ein wahrlich von der Zeit vergessener Ort inmitten der Wälder, bietet Atmosphäre galore, und der Kniff, die Geschichte von zwei Enden aufzurollen – Fruet behandelt die Studenten und die Hillbillies um Chatwill zeitlich quasi gleichberechtigt -, erweist sich ebenfalls als ausgesprochen clever. Im zweiten Akt hängt TRAPPED mal kurz etwas durch, aber dafür wird im Finale wieder eine Schippe draufgelegt. Wie man sowieso betonen muss, dass Gewalt hier eher ruppig und unangenehm als exzessiv und übertrieben inszeniert wird. In meiner Videozeit zählte TRAPPED – DIE TÖDLICHE FALLE zu den kleinen Grabbeltisch-Glücksgriffen: unbekannter, unbesungener Stoff, den man einfach mal mitnahm und über den man sich dann zu Hause umso mehr freute. Heute gibt es ihn auf DVD zu kaufen und ich kann ihn ganz ungeniert als kleinen Klassiker für Backwoodfreunde anpreisen.