Mit ‘Yvette Mimieux’ getaggte Beiträge

kuwcdvm13vjlrbkgmkjrp6yzku8Dass ich mir diesen Film angeschaut – und auch noch meine Gattin mit hineingezogen – habe, gründet auf einem tragischen Missverständnis: Ich habe DEVIL DOG: THE HOUND OF HELL nämlich mit dem zwar angeblich auch beschissenen, zumindest den Bildern nach zu urteilen aber dennoch hundertmal lustigeren DRACULA’S DOG verwechselt, den ich seit meiner Kindheit sehen will, in der er als ZOLTAN, DRACULAS BLUTHUND über die Mattscheibe flimmerte und meine Fantasie anregte. Mit Dracula hat der titelgebende Wauwau dieses für das amerikanische Fernsehen produzierten Films rein gar nichts zu tun: Es handelt sich bei ihm vielmehr um einen Köter, der vom Teufel in Hunderperson gezeugt wurde – bei einer schwarzen Messe, die von Martine Beswick und R. G. Armstrong in einer alten Scheune organisiert wurde und den Höhepunkt eines Films darstellt, der danach nur noch ein laues Lüftchen produziert, das am besten mit einem leisen, aber dafür besonders faulig riechenden Furz zu vergleichen ist.

Curtis Harringtons Film ist ganz unverkennbar ein Nachzieher von Richard Donners THE OMEN, der zwar auch dusselig war, aber dabei wenigstens effektiv und spannend. Wenn hier eine spanische Haushälterin beim Anblick des knuddeligen (aber vom Teufel besessenen) Welpen wie vom Donner gerührt ihr Kruzifix greift und von einer Atmosphäre des Bösen spricht, die das Tier umgebe, wenn die Protagonisten den treudoof glotzenden Hund voller Angst anstarren und vor ihm wegrennen, während er ihnen gelangweilt hinterhertrottet, wenn die Gattin und Mutter sich unter dem bösartigen Einfluss des Köters in eine Femme fatale verwandelt, die den Ehemann mit Pelzrobe und Kippe empfängt und zum nächtlichen Nacktbad in des Nachbars Pool einlädt, dann ist das vor allem eins: albern. Der Todesstoß für die Ambitionen des Films, aber gewiss nicht sein Hauptproblem: Das ist nämlich, dass DEVIL DOG von geradezu herausfordernder Ödnis ist. Ich gestehe, beim ersten Anlauf irgendwann von der gähnenden Langeweile ins Land der Träume hinfortgerissen worden zu sein, aber tapfer wie ich bin, habe ich das Verschlafene nachgeholt. DEVIL DOG ist wirklich ideal zum Einpennen, auch zartbesaitete Gemüter müssen hier nicht fürchten, von Albträumen geplagt oder von kreischigen Horrorsounds wachgerissen zu werden. Auf dem Soundtrack pluckert plüschige Loungemusik, die auch auf dem Love Boat gut unterhalten hätte, der unter der Sonne L.A.s gedrehte Film hat insgesamt eher die Anmutung einer Familiensoap. Schlimmer als der fiese Hund ist es, dass sich Frau und Kind vom braven Familienoberhaupt abwenden. Statt blanken Entsetzens regiert milder Desorientierung, bei der man nicht weiß, ob es nicht eher die Darsteller sind – Richard Crenna und Yvette Mimieux -, die von akuter Ratlosigkeit heimgesucht werden, statt ihrer Figuren.

Der Film hat ein paar hübsch hirnrissige Szenen, etwa jene, in der der von den Geschehnissen in seinem Haus zunehmend beunruhigte Papa einen Bericht über einen Mann im Fernsehen sieht, der aus heiterem Himmel zum Massenmörder wurde. Die panische Ehefrau des Mörders weiß wer Schuld daran ist: der Hund, ganz wie bei der Familie des Protagonisten. Der Beweis! Bei einer schrulligen Alten erfährt der Papa dann, dass ein uralter Dämon in seinem Hundchen am Wirken dran ist, weshalb er sich in Ecuador Rat bei einem nahezu akzentfrei sprechenden Eremiten holt, der extra für ihn von seinem Berg klettert. Dann stellt er sich der Bestie zum Kampf, einem unfassbar dröge gefilmten Showdown, bei der er seine mit einem religiösen Symbol bemalte Hand solange hochhält, bis sich der Teufelswauwau in einer Wolke schlechter visueller Effekte auflöst. Die Offenbarung, dass der Killerköter noch neun Geschwister hatte, soll am Ende wohl präapokalyptische Anspannung auslösen, aber der Zuschauer ist zu diesem Zeitpunkt längst zu keiner Gefühlsregung mehr in der Lage. Da hat der eigentlich fähige Harrington wirklich ganze Arbeit geleistet.

Zehn Jahre vor THE WILD GEESE, der seinerzeit zum Riesenhit avancierte und eine ganze Welle von Söldnerfilmen nach sich zog, erschien dieser Genrevertreter unter der Regie des Kameragenies Jack Cardiff (u. a. BLACK NARCISSUS, RAMBO: FIRST BLOOD PART 2, A MATTER OF LIFE AND DEATH, THE VIKINGS, THE RED SHOES und THE AFRICAN QUEEN). Statt großer Begeisterung und voller Kinos setzte es aber eher harsche Kritik: Die expliziten Gewaltdarstellungen überforderten viele Rezensenten, die auch Probleme damit hatten, einen realen Konflikt – die sogenannte Kongo-Krise – als pittoresken Hintergrund eines Abenteuerfilms „missbraucht“ zu sehen. Nachdem die Demokratische Republik Kongo, eine belgische Kolonie, 1960 die Unabhängigkeit erlangte, kam es dort zu Auseinandersetzungen zwischen Armee und belgischen Offizieren, die in einer Massenflucht der belgischen Einwohner und dem Eingriff von UN-Blauhelmen mündeten. Die folgenden Machtstreitigkeiten führten angestachelt durch die Interventionen Belgiens, der USA und der UdSSR in einen Sezessionkrieg, der die junge Nation in drei Teile spaltete (der deutsche Titel KATANGA ist der Name eines dieser Teilgebiete).

In Cardiffs Film, inszeniert nach dem Roman von Wilbur Smith, wird der amerikanische Söldner Bruce Curry (Rod Taylor) vom kongolesischen Präsidenten Ubi (Calvin Lockhart) beauftragt, die belgischen Bewohner einer abgelegenen Stadt mit einem Zug in Sicherheit zu bringen. Noch wichtiger sind Ubi aber die Diamanten im Wert von 50 Millionen US-Dollar, die ebenfalls in der Stadt liegen und eine überlebensnotwendige Finanzspritze für die leere Staatskasse bedeuten. Zusammen mit seinem kongolesischen Freund Ruffo (Jim Brown), dem faschistischen Deutschen Henlein (Peter Carsten), dem trunksüchtigen Arzt Wreid (Kenneth More) und 40 Soldaten begibt sich Curry auf die gefährliche Reise. Am Ziel angekommen, erfährt er, dass der mit einer Zeitschaltuhr gesicherte Safe erst in drei Stunden geöffnet werden kann. Und die mordlüsternen Simbas sind schon im Anmarsch …

DARK OF THE SUN (oder auch THE MERCENARIES) vereint im Stile der großen Abenteuer-Kriegsfilme der Sechzigerjahre heute eigentlich Unvereinbares, nämlich Politik, Gewalt und kernige Landser-Romantik zu einem garantiert politisch unkorrekten Gebräu. Das Drehbuch von Ranald McDougall und Adrian Spies hakt alle Klischees ab, die dem Genre auch in den kommenden Jahrzehnten erhalten bleiben sollten: die Auftraggeber mit der Doppelagenda, den grausamen Konflikt vor exotischer Kulisse, den abgefuckten Protagonisten, der sich über die Verkommenheit seines Jobs mit der Ausrede hinwegtäuscht, dass ihn sonst jemand anderes machte, den uneigennützig handelnden Freund, dessen unablässige Ansprachen schließlich einen Sinneswandel beim Helden einleiten, den saufenden Verlierer, der in einem Märtyrerakt seine Menschlichkeit zurück erhält sowie neben den gesichtslosen, dafür umso barbarischer agierenden feindlichen Armeen einen wahrhaft scheußlichen Schurken. Peter Carstens Henlein basiert auf dem deutschen Söldner Siegfried Müller, der als „Kongo-Müller“ international bekannt wurde (und Didi Hallervordens „Kongo-Otto“ in seinem DIDI UND DIE RACHE DER ENTERBTEN inspirierte) und sich u. a. mit einem Eisernen Kreuz von der Presse ablichten ließ. Henlein ist noch eine Nummer widerlicher, denn bei ihm ist es das Hakenkreuz, das an seiner Brust prangt. Curry fordert ihn gleich zu Beginn auf, es abzunehmen, befiehlt ihm dann wenig später, nachdem der Deutsche zwei Kinder erschossen hat, es wieder anzulegen: „You have earned it“, kommentiert er angewidert, eine der besten Szenen des Films.

DARK OF THE SUN überzeugt zunächst einmal durch seine Production Values: Der in Jamaica gedrehte Film sieht so fantastisch aus, wie man das angesichts seines Regisseur erwarten durfte, wartet zudem mit einem phänomenalen Score von Jacques Loussier auf, der die ganze emotionale Bandbreite von spannend bis tragisch abdeckt. Auf dieser Basis gelingen auch einige immens packende Sequenzen, die ihre Wirkung beim Zuschauer nicht verfehlen. Besonders hervorzuheben ist natürlich der längere Abschnitt um die Befreiung des Ortes und die folgende Flucht per Zug. Als eine Explosion den letzten Waggon abtrennt und die schreienden Zivilisten zu den Meuchelmördern zurückrollen lässt, kommt es zu der bitteren Szene, in der der Bürgermeister seine Gattin erschießt, damit sie nicht den brutalen Simbas in die Hände fällt. Auch das Finale, in dem Curry die Mordlust packt und er dem schurkischen Henlein über Stock und Stein hinterherrast, ist ein Kracher und in seiner Verbissenheit durchaus komisch. Insgesamt ist DARK OF THE SUN aber eher düster, die Gewalt wird nicht im Stile der sanitized violence verbrämt und wenn man darüber nachdenkt, was da eigentlich passiert, läuft einem mehr als einmal ein kalter Schauer über den Rücken. Dennoch kann Cardiff den hinsichtlich dieses Sujets eher unpassenden Ruch des eskapistischen Spektakels nicht ganz loswerden und der Verdacht, dass man die Kongo-Krise auch deshalb für einen Actionfilm in Betracht zog, weil sie weit genug entfernt war von der Realität der Zuschauer, liegt nahe. Aller oberflächlichen Kritik an Kriegstreiben und Zynismus zum Trotz ist es am Ende eben doch der Ami, der vielleicht nicht als strahlender Held zurückkehrt, dessen Entschlossenheit aber immerhin den fiesen Nazi seiner gerechten Strafe zuführt. Aber seien wir ehrlich: Es sind ja auch solche Widersprüche und ideologischen Stolperfallen, die den Söldnerfilm überhaupt interessant machten. DARK OF THE SUN ist, diese Einschränkung vorausgesetzt, exzellentes Actionkino. Und das fabulöse Kinoplakat würde ich mir ohne zu zögern in die Wohnung hängen.

where-the-boys-are-movie-poster-1961-1020191124Spring Break. Der Begriff ist längst auch hierzulande geläufig. Sofort hat man Horden vergnügungssüchtiger amerikanischer Jugendlicher vor dem geistigen Auge, die während ihrer Ferien über Florida oder auch Mexiko herfallen und sich dort in jahrmarktartigem Trubel dem Suff und den Freuden des vorehelichen, enthemmten Geschlechtsverkehrs hingeben. Privatsender wissen den Spring Break als Quelle quotenträchtiger Bilder zu schätzen und zu Beginn des Jahres erregte Harmony Korine mit seinem Skandalfilm SPRING BREAKERS die Gemüter auf ähnliche Weise. Doch es gab tatsächlich eine Zeit, da hieß der „Spring Break“ schlicht „Spring Vacation“ und war noch eine weit weniger durchorganisierte und institutionalisierte Zeremonie. Die Wurzeln des heutigen Massenevents gehen auf das Jahr 1958 zurück, in dem Glendon Swarthouts Roman „Where the Boys are“ erschien. Das Buch, das die Geschichte einiger Studenten aus Michigan erzählt, die ihre Osterferien an den Stränden Floridas verbringen, wurde wenig später unter der Ägide von MGM von Regisseur Henry Levin verfilmt und avancierte zum erfolgreichsten Low-Budget-Film des Studios. Im Winter veröffentlicht, inspirierte er Tausende von Teenagern, im folgenden Frühling in den warmen Süden zu reisen und – wie im Film gezeigt – Strände und Kneipen zu bevölkern. Das „einmalige“ Phänomen wurde zum festen, auch heute noch gepflegten Brauch, während WHERE THE BOYS ARE mittlerweile weitestgehend in Vergessenheit geraten ist (er ist für den heimischen Gebrauch im Rahmen der DVD-R-Reihe „Warner Archive Collection“ auf Scheibe verfügbar). Dankenswerterweise ermöglichte das Hofbauer-Kommando die historische Quellenforschung anhand einer wunderschönen 35-mm-Kopie in herrlichstem Scope.

Aus dem kalten, verschneiten Michigan reisen die Freundinnen Merritt (Dolores Hart), Tuggle (Paula Prentiss), Melanie (Yvette Mimieux) und Angie (Connie Francis) nach Fort Lauderdale, um dort die Sonne zu genießen, zu feiern und vielleicht auch einen Jungen kennenzulernen. Schon unterwegs lesen sie den Nonkonformisten TV (Jim Hutton) auf, dessen Sinn für Humor bei der gewitzt-intelligenten Tuggle sofort gut ankommt. Während die beiden sich ganz sachte auf eine Beziehung vorbereiten, schmeißt sich die naive Melanie ein paar halbstarken Sportlern an den Hals und Angie dem halbblinden Leadsänger einer „Dialectic-Jazz“-Band. Die kluge Merritt hingegen scheint das goldene Los gezogen zu haben: Für sie interessiert sich nämlich der attraktive Ryder (George Hamilton), seines Zeichens wohlerzogener Sohn aus reichem Hause …

WHERE THE BOYS ARE ist wunderbar locker-flockiges Hollywood-Unterhaltungskino, rührend unschuldig und anständig, gleichzeitig jedoch geprägt von jener sophistication und jenem Stil, deren heutigen Mangel mancher oft vorschnell als konservativ verschrieene Geselle nicht ganz zu Unrecht moniert. Das ist vor allem deshalb so spannend, weil WHERE THE BOYS ARE gewissermaßen den Grundstein für jene jugendlichen Entgleisungen geliefert hat, mit denen Boulevardmedien heute gern die Elterngeneration erschrecken. Stellt sich der Spring Break Außenstehenden heute als oberflächliches, geistloses Getöse dar, als sinnloser, mehrtägiger Alkoholexzess und grenzdebile Kollektivorgie, kommt die Veranstaltung unter Henry Levins Regie – und mithilfe der herrlichen deutschen Synchronisation – wunderbar kultiviert und geistreich daher. Natürlich liegt das auch daran, dass allzu saftige Details ausgespart werden müssen. Die beiden Heldinnen Merritt und Tuggle sind intelligente junge Damen, denen es weniger um das schnelle Vergnügen als vielmehr um eine ernsthafte Liebesbeziehung geht, und ihre Auserwählten sind gleichfalls moralisch über jeden Zweifel erhaben. So stehen dann am Ende nicht weniger als Liebesheirat und Ehe  im Raum. Das Gegenmodell und einen Blick auf die Schattenseiten des Urlaubsspektakels liefert Melanie, die sich in Ermangelung einer gewissen Reife genau jenen Typen an den Hals wirft, die nur die schlimmsten Absichten verfolgen. So wird dann die bunte, herrlich wenig nachhaltige Fröhlichkeit doch noch durch das große Drama getrübt, das WHERE THE BOYS ARE eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte. Warum sollte es denn nicht möglich sein, 90 Minuten lang mit sympathischen, witzigen und noch dazu gutaussehenden Menschen zu verbringen, die nichts anderes tun, als es sich für eine Woche unter strahlender Sonne bei Meeresrauschen und Musik gutgehen zu lassen? Levin zeigt über weite Strecken, dass es geht und hat somit einen Film gedreht, der das eigene Leben nicht verändert, aber, solange es dauert, ein kleines bisschen sonniger macht. Sowas gibt es leider viel zu selten und in der hier gebotenen Form selbstredend überhaupt gar nicht mehr. Dass Paula Prentiss und Dolores Hart einfach zum Anbeißen sind, ohne dabei dem gängigen Bimboklischee zu entsprechen, hilft immens. Und Connie Francis singt dazu ihr Ständchen.

Als sowohl ihr Berufs- als auch ihr Privatleben implodieren, macht sich die in der Werbung tätige Dinah Hunter (Yvette Mimieux) mit dem Auto auf den Weg von L. A. nach New York, um dort ein neues Leben anzufangen. Eine Verkettung von Missgeschicken und Begegnungen mit schlechten Menschen lässt sie schließlich im Knast von Jackson County landen, wo ihr Leidensweg aber noch nicht zuende ist: Als der Deputy sie vergewaltigt, bringt sie ihn im Affekt um und befindet sich wenig später gemeinsam mit dem Verbrecher Coley (Tommy Lee Jones) auf der Flucht …

JAKSON COUNTY JAIL setzt die Tradition des Crooked-Cop-Subgenres, das Lesern dieses Blogs vor kurzem mit dem sehr ähnlich lautenden MACON COUNTY LINE und vor etwas längerer Zeit mit SHALLOW GRAVE begegnete, fort, ohne jedoch an deren Qualität anknüpfen zu können: Michael Millers Film fehlen der Flow, um mit ersterem, und die Perfidität, um mit letzterem mithalten zu können. Nach seinem ersten Drittel, das sich des von Thrillmeister Hitchcock so geliebten Motivs des zu Unrecht Beschuldigten annimmt und dabei ziemlich effektiv ist – wen packt nicht der nackte Hass, wenn ignorante Staatsdiener unbescholtene Bürger aus bloßer Fauheit und Bequemlichkeit gängeln und die tatsächlich Schuldigen verschonen, weil sie mit ihnen in Kumpanei verbunden sind? –, verliert der Film leider genau in dem Moment an Fahrt, als seine Protagonisten ihre Flucht antreten. Die nun folgenden Episödchen wollen sich nicht so recht zu einem wirkungsvollen Ganzen zusammenfügen, sodass es an den beiden Hauptdarstellern allein ist, das Interesse wachzuhalten. Weil sie ihre Sache jedoch sehr gut machen – vor allem Jones lässt in einer gemessen an seinen späteren Filmen doch eher ungewöhnlichen Rolle sein Können aufblitzen – und JACKSON COUNTY JAIL mit seinen knapp 80 Minuten zudem nur wenig Raum für Leerlauf lässt, bleibt die ganz große Enttäuschung zum Glück aus. Dass Millers desillusionierter Blick auf ein Land, in dem sich die Mächtigen, die die Regeln bestimmen und diese bei Bedarf ändern, wie es ihnen beliebt, jede sonst unverzeihliche Charakterschwäche erlauben können, seinen Film über bloße Exploitation hinaushebt, darf man ihm zusätzlich anrechnen. Leider bleibt seine Kritik jedoch etwas unfokussiert: Die Konzentration der Auftaktsequenz, in der eine fassungslose Dinah sich von einem ihrer männlichen Kunden, einen verfetteten männlichen Ekelpaket, erklären lassen muss, was eine Frau denkt, vermisst man im Folgenden schmerzlich. Trotzdem hat JACKSON COUNTY JAIL das Herz auf dem rechten Fleck und das tragische Finale, das einem weder Triebabfuhr noch eine klare Auflösung gönnt, lässt so manche Drehbuchschwäche wieder vergessen. Miller sollte ein paar Jahre später den famosen Chuck-Norris-Sereinmörderfilm SILENT RAGE inszenieren und sich für weitere Großtaten empfehlen, die dann leider ausblieben. Wie seiner Protagonistin kamen ihm wahrscheinlich die „Powers that be“ in die Quere, die es besser wussten …