Mit ‘Zac Efron’ getaggte Beiträge

THE ROOM ist, das muss ich kaum noch erwähnen, ein faszinierender Film. Zunächst scheint er lediglich auf besonders spektakuläre Art und Weise missglückt zu sein, das Werk eines unfähigen Regisseurs, der dazu verdammt ist, ein hirnrissiges Drehbuch mit mäßig begabten Darstellern zu verfilmen, aber noch während der Betrachtung merkt, man dass das dem Film kaum gerecht wird. Da ist mehr: Er ist in seiner Unzulänglichkeit nicht nur zum Schreien komisch, sondern auch ziemlich verstörend und endlos rätselhaft. THE ROOM ist Ausdruck einer absolut singulären Sicht auf die Welt und die sie bevölkernden Menschen, einem Hirn entsprungen, das gänzlich anders zu arbeiten scheint als es menschliche Gehirne üblicherweise zu tun pflegen. Man fragt sich unweigerlich: Hat Tommy Wiseau, der Mann, der hinter THE ROOM steht, ihn erdachte, das Drehbuch schrieb, ihn produzierte, inszenierte und die Hauptrolle darin übernahm, überhaupt jemals einen Film gesehen? Hat er verstanden, wie Menschen fühlen, denken und handeln? Weiß er, wie Geschichtenerzählen oder auch Kommunikation ganz allgemein funktionieren? Und dann folgerichtig: Wie kam er auf die Idee, einen Filme zu drehen – und noch wichtiger: Wie schaffte er es, ihn auch noch fertigzustellen? THE ROOM ist auch heute noch, 16 Jahre nach seiner Premiere, ein Mysterium. Und ich prophezeie, dass er das auch in 50 Jahren noch sein wird.

„The Disaster Artist“, dem Buch des THE ROOM-Hauptdarstellers Greg Sestero, kommt das Verdienst zu, das Geheimnis, das THE ROOM umweht, nicht zu entzaubern, sondern es durch die Einblicke, die er liefert, sogar noch zu verstärken. Das Buch handelt nicht nur von den Dreharbeiten des Films, sondern vor allem von der ungleichen Freundschaft zwischen Sestero, einem gutaussehenden, aber nur mittelmäßig begabten Schauspieler, und Wiseau, einem Mann, der umso mysteriöser wird, je näher man ihm kommt. Wie alt er ist, wo er herkommt, welche Vergangenheit ihn zu dem machte, was er ist, und vor allem woher die Millionen stammen, mit denen er seinen Film im Alleingang finanzierte – das alles konnte auch Sestero ihm nicht entlocken. Aber man bekommt eine Ahnung davon, was in ihm vorgehen mag, aus welcher Quelle sich der Wahnsinn von THE ROOM speist. Sestero erzählt seine Geschichte ohne Pathos und ohne rückblickend Schönfärberei: Tommy Wiseau legte in seiner Freundschaft zu ihm wie auch am Set bisweilen soziopathische und manipulative Züge an den Tag, er war längst nur nicht der liebenswerte Narr, der Outsider, den man in den Arm nehmen möchte. Aber er schuf eben auch diesen Film, den kein anderer hätte machen können und der die Menschen, die ihn gesehen haben und sehen werden, auch in Zukunft beschäftigen wird. Tommy Wiseau hat mit THE ROOM ohne Zweifel etwas geschaffen, was vielen anderen Filmemachern, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben und erfolgreich in Hollywood arbeiten, verwehrt bleiben wird.

Dass James Franco sich mit THE DISASTER ARTIST Sesteros Buch annahm und in die Rolle von Wiseau schlüpfte, ist nur ein weiterer Beleg. Und natürlich ist das ein endlos faszinierender Stoff für einen Film, Wiseau eine Figur, die geradezu danach schreit, interpretiert zu werden. Das Drehbuch von Scott Neustadter und Michael H. Weber folgt Sesteros Vorlage, lässt einige Details der Geschichte weg, wie das zu erwarten war und rückt Wiseau noch mehr ins Zentrum. Franco erhält demnach viel Raum für seine Darbietung, er geht, um TROPIC THUNDER zu referenzieren, full Wiseau und hat erkennbare Freude daran, dessen Idiosynkrasien und Macken nachzuahmen. Gerahmt wird THE DISASTER ARTIST von den Stimmen einiger Kollegen aus dem Filmbiz (u. a. Kristen Bell, Adam Scott, J. J. Abrams und Kevin Smith), die den Stellenwert von THE ROOM als Außenseiter-Kunstwerk preisen, und der Premiere von THE ROOM im Jahr 2003, bei der das ohrenbetäubende Gelächter des Publikums WIseau fast das Herz brach, bevor ihm sein Freund erklärte, was er da eigentlich auf die Beine gestellt hatte. THE DISASTER ARTIST – das ist es wahrscheinlich auch, was Franco zu dem Stoff hinzog – vertritt die Haltung, dass man seinen Träumen folgen sollte, egal, was andere dazu sagen. Wer glaubt, er habe der Welt etwas mitzuteilen, der sollte dies tun und sich nicht lange mit der Frage aufhalten, ob sich jemand dafür interessiert.

Der Weg zu dieser disneyesken Empowerment-Botschaft ist zwar durchweg unterhaltsam, aber auch steinig: Der Mensch Tommy Wiseau muss hinter Francos raumgreifender Darbietung zurückstecken und einige Härten der literarischen Vorlage werden im Film arg geschönt, um die Fabel vom liebenswerten Geek mit der sympathischen Macke überhaupt aufrecht erhalten zu können. Wo Sesteros Buch passagenweise ziemlich schmerzhaft ist, gerät seine Verfilmung weitaus versöhnlicher: Wiseaus Eifersuchtsanfälle, seine Paranoia und der daraus hervorgehende Kontrollwahn gepaart mit seinen erratischen, wirtschaftlich bisweilen selbstmörderischen Entscheidungen müssen in THE DISASTER ARTIST zu Randnotizen degradiert werden, damit die schöne Message am Ende nicht kaputt gemacht wird. Was schade ist, denn das Spannende an Sesteros Buch und der Geschichte von THE ROOMS ist ja gerade, das sie beides zusammenbringen: Man kann Wiseau für ein therapiebedürftiges Arschloch halten und dennoch seine Chuzpe, einen Film ohne jedes Fachwissen zu drehen, bewundern. Man kann erkennen, dass die Freundschaft von Sestero und Wiseau ein reichlich dysfunktionales Konstrukt ist, und trotzdem verstehen, warum sie zusammenblieben. Das Albtraumhafte des Buches – die Erfahrung, mit einem Tyrannen zusammenarbeiten zu müssen, dessen Denkmuster keiner nachvollziehbaren Logik folgen – kommt in Francos Film deutlich zu kurz.

THE DISASTER ARTIST ist natürlich dennoch ein guter Zeitvertreib, wie könnte er es angesichts dieser irren Geschichte auch nicht sein? Francos Performance ist wunderbar, wenngleich man sich nicht ganz des Eindrucks erwehren kann, dass er auf das Original noch eine ganze Schippe drauflegte. Das zeigt auch der schöne Einfall am Schluss, Originalszenen aus THE ROOM und für THE DISASTER ARTIST nachgedrehte direkt nebeneinander zu stellen: Misslungenheit lässt sich einfach nicht nachahmen, egal wie sehr sich die Schauspieler auch bemühen. Hinter der ganzen Verschrobenheit von THE ROOM steckten zum einen eine gewisse Unschuld, zum anderen wahrscheinlich ein gerüttelt Maß an Verwirrung und Unsicherheit. Die Akteure von THE DISASTER ARTIST waren hingegen zu jeder Zeit in on the joke, sie hatten ein Vorbild, das sie studieren konnten, ein klares Ziel vor Augen. Sie bewegten sich in einem sicher abgesteckten Rahmen, während die Darsteller unter der Regie von Wiseau buchstäblich im Nichts agieren mussten. Diese Umstände verliehen ihrem Spiel eine Qualität, die sich nicht simulieren lässt. Das bringt mich dann auch wieder zu meiner initialen Lobpreisung von THE ROOM und seiner anhaltenden Faszination. THE DISASTER ARTIST ist ihm rein technisch gesehen weit überlegen. Aber er erreicht zu keiner Sekunde dessen oszillierenden Wahnsinn und seine emotionale Kraft. Es ist aber auch ein Kreuz mit dieser verdammten Kunst.

neighbors-poster-artSeth Rogen hat in den Judd-Apatow-Filmen die Persona des Slackers entwickelt, der sich trotz fortschreitenden Alters beharrlich weigert, erwachsen zu werden. In NEIGHBORS muss er sich als frisch gebackener Daddy Mac Radner gemeinsam mit Ehefrau Kelly (Rose Byrne) nicht nur an das neue Leben als Eltern gewöhnen, was beiden schwer genug fällt, er wird auch mit einer Art Alter ego konfrontiert, als im Nachbarhaus Frat Boy Teddy (Zac Efron) mit seiner College-Fraternity einzieht. Mac und Kelly stehen angesichts der zu erwartenden geräuschvollen Exzesse einerseits vor dem Problem, klare Grenzen ziehen, andererseits vor den jungen, gutaussehenden College Boys aber auch nicht als langweilige Spießer dastehen zu wollen. Die erste Kontaktaufnahme resultiert in der Teilnahme an einer wilden Party, auf der das Ehepaar noch einmal die vergangene Jugend aufleben lassen kann, doch natürlich folgt wenig später der Bruch, als Mac und Kelly die Polizei wegen Lärmbelästigung einschalten. Es entbrennt ein Nachbarschaftskrieg, in dem beide Parteien bereit sind, zum Äußersten zu gehen.

Regisseur Stoller (FORGETTING SARAH MARSHALL) verlässt sich in NEIGHBORS sehr auf die kumpelhafte Likeability seiner beiden Hauptdarsteller Rogen und Byrne, bekommt aber weder den Stoff mit seinen verschiedenen Implikationen richtig in den Griff – z. B. die Gegenüberstellung der beiden unterschiedlichen Familienentwürfe – noch gelingt es ihm, die Absurdität der Situation im Stile eines OLD SCHOOL genüsslich auf die Spitze zu treiben. Ein Problem ist Mac und Kellys Gegenspieler Teddy, der von Sangesknabe Efron ohne echten eigenen Witz verkörpert wird. Er ist als hedonistischer, egoistischer und ansonsten leerer und oberflächlicher Frat Boy sicher die idealtypische Besetzung, aber statt solchen „Realismus“ hätte der Film eher eine Figur gebraucht, die nicht einfach nur unsympathisch ist, sondern eher als diabloischer Versucher funktioniert. Selbst wenn Mac und Kelly sich teilweise idiotisch benehmen und von ihren Nachbarn nicht ganz zu Unrecht aufs Korn genommen werden: Der Film schlägt sich eindeutig auf ihre Seite, macht es dem Zuschauer zu einfach, für sie Partei zu ergreifen. Es besteht nicht nur nie ein Zweifel daran, dass sich am Ende alles zum Guten wenden wird, es steht auch nie wirklich etwas auf dem Spiel. So kommt NEIGHBORS über den netten Timewaster mit ein paar guten Gags nie hinaus.