Mit ‘Zoe Saldana’ getaggte Beiträge

lch bin beruhigt: Nachdem mir SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE und GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2 beide unerwartet gut gefallen haben, macht sich nach AVENGERS: INFINITY WAR wieder das bekannte Marvel-Gefühl breit, aber passend zur taub machenden Größe dieses Films noch hundertfach potenziert. Zum einen sagt mir dieses Gefühl nach Ende des 150-minütigen, von der eigenen Last heruntergezogenen Popanzes schlicht so etwas wie „hhmmjoa“ oder auch „ja, nu“. Zum anderen verrät es mir aber auch etwas über mich selbst als Filmseher, nämlich, dass ich nicht genau weiß, ob diese Ratlosigkeit nicht damit zu tun hat, dass AVENGERS: INFINITY WAR mit der Kunstform, die ich seit meiner Kindheit liebe, kaum noch etwas zu tun hat. Und dann, direkt im Anschluss, weil ich kein doofer Kulturpessimist sein will: dass ich das Gefühl habe, diese Filme seien ganz einfach nicht mehr für mich und meine seltsamen Ansprüche gemacht. Das MCU kann offensichtlich ganz gut ohne meine Teilhabe oder meinen Fürspruch existieren. Es braucht keine Rücksicht auf mich und meine bescheidene Meinung zu nehmen, sich schon gar nicht nach den überkommenen Anforderungen richten, die ich auch im 21. Jahrhundert immer noch an narratives Spektakelkino stelle.

Beginne ich mal mit dem Positiven: AVENGERS: INFINITY WAR markiert den Schlusspunkt unter einem Projekt, dass so ambitioniert und ehrgeizig ist … dass es tatsächlich zwei Schlusspunkte braucht, ätsch. Bis hierhin umfasste das MCU 18 Filme, die – wenn sie schon nicht wirklich direkt zusammenhingen – auf einen gemeinsamen Punkt zusteuerten, der mit diesem 19. Film erreicht ist. Marvel wäre aber nicht Marvel, wenn sie sich damit begnügen würden, weshalb auf AVENGERS: INFINITY WAR noch zwei weitere Filme folgten, bevor AVENGERS: ENDGAME dann gewissermaßen das endgültige Ende des ein Jahr zuvor nur angefangenen Endes darstellte. Das MCU ist erst einmal ein ziemlich aufregendes und angenehm größenwahnsinniges Experiment, das der Struktur der gezeichneten Vorlage in Heftform, die Geschichten ebenfalls nicht nur über mehrere Bände, sondern gar über mehrere Heftreihen hinweg entwickelten (was, machen wir uns nichts vor, natürlich nicht zuletzt eine Strategie ist, den Lesern Comics zu verkaufen, die sie sonst vielleicht nicht auf dem Einkaufszettel gehabt hätten) shr nahekommt. Leider erweist sich das Experiment in der Umsetzung als inhaltlich aber deutlich weniger wahnsinnig, innovativ oder revolutionär als die strukturelle Idee dahinter: Die tatsächliche Schnittmenge der Filme ist überschaubar – schließlich will man ja keine Kinogänger verprellen, die sich eher zufällig in einen Marvel-Film verirrt haben -, die Story am Umfang gemessen geradezu lächerlich banal, die Filme insgesamt stilistisch erschreckend konservativ bis langweilig. Selbst der loyalste Fan dürfte ihnen die Last der Herausforderung anmerken, einen narrativen Bogen über 19 Filme zu spannen: Weil jeder einzelne Beitrag letztlich nur ein Puzzlesteinchen ist, darf keiner die absolute Befriedigung anstreben, sondern muss vielmehr das Bedürfnis erzeugen, auch noch den nächsten Film (der am Ende immer schon angeteasert wird) zu schauen. Das ist nicht neu, sondern eine Strategie, die schon in alten TV-Serials Anwendung fand und in aktuellen Serien immer noch findet und natürlich auch in den Comics üblich. Mit dem Unterschied allerdings, dass man bei einer Serienepisode in der Regel nur eine Woche, bei den Comics nur einen Monat warten musste und diese nicht als vollwertige Abendunterhaltung, sondern eher als kleinen Snack betrachtet: Während der Cliffhanger in einer Serie akzeptiert wird, ja, zum Spiel dazugehört, empfand man ihn in einem Film, auf dessen Fortsetzung man in der Regel ein bis zwei Jahre warten muss, bis vor kurzem noch als Bauernfängerei. Man muss wohl konstatieren, dass diese Sichtweise mit dem Erfolg des MCU der Vergangenheit angehört. Denn auch hier wird ja kaum noch echte Nachhaltigkeit angestrebt, weil der serielle Charakter eben beinhaltet, dass es immer weitergeht, ja, weitergehen muss, der Hunger nie ganz gestillt werden darf. Auch das „Ende“ von INFINITY WAR bzw. ENDGAME ist ja nur Augenwischerei. Dem Tod Spider-Mans in diesem Film folgte nur ein Jahr später SPIDER-MAN: FAR FROM HOME, in dem Peter Parker quicklebendig herumhüpfen konnte. Und natürlich werden auch seine anderen verstorbenen Kollegen wieder aus dem Hut gezaubert, wenn die Zeit reif ist (der nächste BLACK PANTHER-Film etwa ist auch schon in der Pipeline).

INFINITY WAR konfrontiert die nach CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR zerschlagenen Avengers also mit dem ebenfalls x Filme zuvor schon angekündigten  Titanen Thanos, der die sechs in alle Himmelsrichtung zerstreuten „Ininity Stones“ sucht, um mit ihnen zum mächtigsten Wesen des Universums zu werden und seinen Plan eines gigantischen Genozids umzusetzen. Die Steine sind kaum mehr als ein Platzhalter und letztlich nicht mehr als das Bindeglied, das die Filme des MCU miteinander verknüpft und hier zusammenführt. Und auch INFINITY WAR ist nur Stückwerk, das unter der Aufgabe, ein Dutzend Handlungsfäden aufzunehmen und zu verknoten, ächzt, knarzt und kracht. Die meisten der Superhelden werden aufgrund der schieren Menge zu Nebenfiguren degradiert, die jeweils auf ein paar Minuten Screentime und eine Handvoll Dialogzeilen kommen (wenn überhaupt). Der Film springt von einem Handlungsort zum nächsten und zerfällt dabei in einzelne Episödchen, die jeweils auch eine eigene Besetzung aufweisen. Zusammengehalten wird das alles von einer spürbar gedrückten Atmosphäre, die die Russos aber nicht daran hindert, etwa in den Szenen mit den Guardians ganz auf leichten Humor zu setzen. Wenn Thanos am Ende sein Ziel erreicht und mit einem Fingerschnipsen 50 Prozent der Lebewesen des Universums auslöscht – darunter eben auch einige der Superhelden – ist das gleichzeitig bitter, weil mit Ausnahme von Spider-Man keinem ein echter Abschied gegönnt wird, zum anderen aber auch irgendwie läppisch: Man weiß ja schon, dass das alles eh nicht von Dauer ist. Warum sollte das erfolgreichste Film-Franchise aller Zeiten da auch anderen Gesetzen folgen als ein beliebiger FRIDAY THE 13TH-Eintrag? Ich weiß nicht so recht, was ich von INFINITY WAR halten soll: Er ist schön bunt und als „langweilig“ kann ich ihn auch nicht bezeichnen, aber wenn man die ungeschriebenen Regeln und Gesetze der Narration anlegt, ist er eine Vollkatastrophe. An die 30 handelnde Figuren balgen sich an zehn verschiedenen Schauplätzen um sechs McGuffins, die ein aus dem Hut gezauberter Bösling unbedingt haben will, um alle tot zu machen: Ist das wirklich eine Story? Und mehr noch: War es wirklich nötig, darauf zehn Jahre und 18 Filme lang hinzuarbeiten? Ich weiß nicht. Von den üblichen Kritikpunkten wie jenem, dass das Gemetzel gegen gesichtslose Aliens in Wakanda unangenehm nach Kriegstreiberei riecht, will ich gar nicht erst anfangen. Aber, hey, wer bin ich schon. Das Publikum hat ja längst entschieden.

Ist es ein Fall von „steter Tropfen höhlt den Stein“ oder gar Altersmilde? GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2 ist jetzt nach SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE schon der zweite Marvel-Film in Folge, den ich richtig klasse fand. Und nein, ich glaube nicht, dass es einfach daran liegt, dass mein Widerstand gebrochen ist: Das Sequel zum Überraschungserfolg macht einfach Spaß, es ist bunt, witzig und spektakulär, es hat Tempo und Drive und kommt mit jener wunderbaren Leichtfüßigkeit daher, die mir bei den „großen“ Meilensteinen des MCU meist fehlt. Schon der Vorgänger verfügte über diese Eigenschaften, vielleicht auch, weil er den Vorteil hatte, mit seiner vergleichsweise unbekannten Protagonistenschar nicht die Last von fünf Jahrzehnten Comicgeschichte auf den Schultern tragen zu müssen, und mit James Gunn einen Regisseur mit Exploitationvergangenheit und der passenden Attitude. Trotzdem konnte ich die Begeisterung, die GUARDIANS OF THE GALAXY damals bei vielen auslöste, nicht hundertprozentig teilen, wobei ich heute nicht mehr weiß, woran das eigentlich lag. Ich müsste den Film noch einmal auffrischen – und ganz ehrlich, nach der Sichtung gestern habe ich da nicht übel Lust drauf.

Vor der Aufgabe stehend, mein positives Urteil zum Sequel zu begründen, könnte ich es mir leicht machen und Teile meines Textes zum bereits erwähnten SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE hier per copy&paste-Verfahren einstellen, aber das mache ich natürlich nicht. Also anders: Innerhalb des MCU kommt den Guardians die Rolle der respektlosen Underdogs zu, die auch schon mal zotige Pimmelwitze reißen (ohne gleich in die Niederungen eines DEADPOOL abzugleiten) und sich gegenseitig dissen, wie alte Freunde das zu tun pflegen. Sie zeichnen sich nicht durch heilige Ergebenheit gegenüber der guten Sache aus, auch nicht durch Edelmut und Unfehlbarkeit: Die Guardians sind im Gegenteil ein paar Banditen mit gutem Herz, die mangelnden Intellekt und fehlende Tugendhaftigkeit mit Einsatzbereitschaft, Improvsationsgabe und Nehmerqualitäten wettmachen. Ihre Kämpfe gegen Monster, aufgebrachte Armeen und Superschurken arten meist in chaotische Scharmützel und Ballereien aus, bei denen die Helden auch davon profitieren, dass sie das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite haben. Diese Charakterisierung macht das Team um Star-Lord (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Rocket (Bradley Cooper), Drax (David Bautista) und Groot (Von Diesel) nahbar und sympathisch, verleiht den Filmen zudem jene Unvorhersehbarkeit, die die Tentpole-Produktionen des MCU, also die Filme um die Avengers, Captain America oder Iron Man, sich nur sehr selten erlauben. Es weht ein milde anarchischer Wind durch die Filme um die Guardians, sie werden beflügelt vom Enthusiasmus der Helden, die es halt auch einfach ziemlich geil finden, durchs Weltall zu rasen und sich mit Superwaffen in die Schlacht zu werfen – auch wenn sie dabei manchmal auf die Fresse bekommen. Heldentum ist hier gleichbedeutend mit Fun und Abenteuer, eben nicht mit der oft beschworenen Verantwortung und drückendem Pflichtgefühl: Zwar setzen sich die Guardians immer für das Gute ein, aber oft genug nervt es sie auch, dass sie nicht einfach nur miese, ausschließlich auf den eigenen Vorteil bedachte Halsabschneider sein können. (Das erinnert mich etwas an die Filme meines großen Helden Bud Spencer – eine sehr gute Referenz!) Der ideologisch befremdliche Militarismus der Avengers, die sich da regelmäßig von irgendwelchen fragwürdigen Institutionen für das angebliche „greater good“ einspannen lassen, ist hier gänzlich abwesend. Das ist sehr wohltuend.

Sowohl GUARDIANS als auch VOL. 2 profitieren außerdem immens davon, dass sie als poppige Space Opera angelegt sind und demnach visuell aus dem Vollen schöpfen können – und das auch tun: GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2 hält sich gar nicht erst lang mit einer Exposition auf, sondern versetzt den Zuschauer mitten rein in den Kampf gegen ein riesiges zahnbewertes Krakenmonster, macht ihn mit den goldhäutigen Klonen der Sovereign bekannt, entführt ihn in einen an TOTAL RECALL erinnernden Amüsierbetrieb sowie den Planeten Ego, der von seinem göttlichen Namenspatron zu einem trügerischen Paradies geformt wurde. Es gibt jede Menge fantasievoller Kreaturen und Kostüme zu bestaunen sowie erstklassig choreografierte Action-Set-Pieces. Der Film läuft geradezu über vor Stilwillen und Ideen und macht nicht den Fehler „Dynamik“ mit „Hektik“ zu verwechseln. Jede Sequenz ist perfekt durchkomponiert, folgt einem klaren visuellen Konzept – ich denke da nur an den fliegenden Pfeil von Yondu (Michael Rooker), der mit der Hilfe seiner einen roten Schweif hinter sich herziehenden Waffe die hundertköpfige Besatzung eines Raumschiffes ausschaltet. Dass die eigentliche Story letztlich auch wieder nur auf den Kampf gegen einen Superschurken hinausläuft, ist angesichts dieses Reichtums verzeihlich, zumal dieser Konflikt durch seine spezielle Konstellation mit einer Fallhöhe ausgestattet ist, die anderen Superheldenfilmen abgeht. Wie INTO THE SPIDER-VERSE vor ihm, fand ich auch dieses Sequel im besten Sinne bewegend und menschlich. So abgedreht GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2 auch ist, letztlich geht es um Sorgen, Ängste und Gefühle, die universell sind. Und eben nicht darum, sich mit Gleichgesinnten zu vereinen, um sich in einem allumfassenden Krieg gegen das zurückzuschlagende Böse zu opfern.

Ach ja, der Soundtrack ist auch wieder toll.

 

 

 

Das Hypebeast des vergangenen Jahres, der Film, der allen Nerds kollektiv feuchte Höschen bescherte und sie endlich die Renaissance des Feelgood-Popcorn-Genrefilms ausrufen ließ, die sie schon hinter den letzten ca. 325 Comic- oder Computerspielverfilmungen sehnsüchtig vermutet hatten, nur um sich dann angesichts des nächsten ihre Kindheitsträume schändenden, zutiefst kompromittierten Rohrkrepierers doch wieder schmollend in ihre mit verklebter Lara-Croft-Fan-Fiction übersäter und mit Anime-Porn ausstaffierter Onanierecke verkriechen zu müssen.

Der neueste Beitrag zum expandierenden (und demnächst ja auch um Spider-Man bereicherten) Marvel-Filmuniversums basiert auf einer vergleichsweise aktuellen Heftserie aus dem Jahr 2008 (die aber die Fortsetzung einer bereits in den Sechzigerjahren gestarteten Reihe ist). Möglicherweise war das auch der Grund für den Erfolg dieses Films: Anders als Spider-Man, Captain America, Hulk, Iron Man oder Thor sind die Helden von GUARDIANS OF THE GALAXY noch nicht zu popkulturellen Ikonen herangereift, mit denen nahezu jeder potenzielle Zuschauer etwas verbindet und an deren Umsetzung im Film er daher notgedrungen gewissen Erwartungen knüpft. Regisseur James Gunn, dessen Retro-Science-Fiction-Schleimer SLITHER mir seinerzeit sehr viel Spaß bereitet hatte, geht recht unbekümmert mit seinem Stoff um, ohne Ehrfurcht vor einem comicliterarischen Erbe, das ja noch gar nicht besteht, inszeniert mit Verve und Tongue in Cheek und befreit GUARDIANS OF THE GALAXY so von auch der etwas nervtötenden Ernsthaftigkeit, die die Marvel-Verfilmungen manchmal so anstrengend macht. Dankenswerterweise versucht er nicht, den zugrunde liegenden Comic auf Gedeih und Verderb in Richtung Seriosität und Relevanz umzubiegen, sondern konzentriert sich ganz auf Spaß und bunte Bildchen. Das Design bietet viele Schauwerte, ohne überkandidelt zu wirken, und der schmissige Pop-Soundtrack – wenn auch nicht die Neuerfindung des Rades, zu der ihn viele nach Sichtung des Films gemacht haben – trägt ebenfalls seinen Teil zum aller Weltraumapokalypse zum Trotz fröhlich-vergnügten Ton des Films bei. Die Darsteller lassen sich davon sichtlich anstecken, ganz gleich, ob sie nun mit vollem Körper- oder aber nur Stimmeinsatz agieren. Der Schlüssel zum Erfolg sind sicher die Figuren: kein Tross von der Schwere ihrer Verpflichtung niedergedrückter Übermenschen, sondern ein bunch of misfits, kleinkriminelle Halunken mit seltsamen Marotten. Drax, the Destroyer (Dave Bautista) begreift das Konzept von bildlicher Rede nicht, der Baummensch Groot (Vin Diesel) verständigt sich mittels unterschiedlicher Betonung ein und desselben Satzes („I am Groot.“), der genetisch manipulierte Waschbär Rocket (Bradley Cooper) ist ein cholerischer Sadist. Das verändert die Dynamik des Films gegenüber etwa THE AVENGERS, bei dem die Kameradschaft der einzelnen Teammitglieder eher ein Nebenaspekt war. Die Verlierer in GUARDIANS OF THE GALAXY müssen ihre Animositäten erst überwinden, um zu Helden zu werden.

Ich habe den Film zweimal gesehen: Beim ersten Mal bin ich pünktlich zum Showdown eingeschlafen und war danach eher unterwältigt. Bei der Zweitsichtung ohne Einschlafen gefiel mir der Film deutlich besser. Er ist gewiss nicht das makellose Wunderwerk, das hysterische Nerds aus ihm machen wollen: Wie fast alle jüngeren Marvel-Comicverfilmungen krankt auch dieser etwas an seinem gesichtslosen Plot, in dem es mal wieder um ein weltenvernichtendes device geht, ein denkbar gesichtsloser McGuffin, der nur dazu da ist, den bunten Reigen von Actionsequenzen anzustoßen. Erwartet man wirklich zu viel von einem Superheldenfilm, wenn man sich nur einmal eine richtige Geschichte wünscht? Auch warum ein solches Werk dann trotzdem mindestens zwei Stunden Laufzeit haben muss, erschließt sich mir nicht. Aber gut, die Zeiten von knackigen 80–90-Minütern scheinen ja eh vorbei zu sein und offensichtlich fällt es unter Value for Money, die Zuschauer auf Gedeih und Verderb für 120 Minuten an den Kinositz zu fesseln. GUARDIANS OF THE GALAXY wird so streckenweise redundant und aufgebläht, was so gar nicht zu seinen eher bescheidenen Heldenfiguren passen will, genauso wenig wie das unvermeidliche Pathos, das am Ende sein hässliches Haupt erhebt, nachdem Gunn es zuvor erfolgreich auf Distanz gehalten hatte. Ich musste nach der Sichtung mehrfach an den zuletzt wiedergesehenen STARCRASH, der im Spirit durchaus verwandt ist mit GUARDIANS OF THE GALAXY, aber diese Flüchtigkeit, die der Kern von Popkultur ist, auch in seiner äußeren Form bewahrt. Aber das war eine andere Zeit und Bescheidenheit passt wohl nicht mehr zum heutigen Verständnis von Kino. Aber genug des Meckerns, GUARDIANS OF THE GALAXY hat mir Spaß gemacht und das ist mehr, als von den letzten Marvel-Filmen sagen kann.

Die neunjährige Cataleya muss mitansehen, wie ihre Eltern von den Schergen des Gangsterbosses Don Luis (Beto Benites) umgebracht werden. Ihr gelingt die Flucht in die USA zu ihrem Onkel Emilio (Cliff Curtis), dem sie ihren Lebenswunsch offenbart: Sie will Profikillerin werden, um den Tod ihrer Eltern zu rächen. 15 Jahre später ist die schöne Cataleya (Zoe Saldana) nicht mehr weit von ihrem Ziel entfernt, da bringt ein Foto auf dem Smartphone ihres Liebhabers Danny (Michael Vartan) ihre Tarnung in Gefahr …

COLOMBIANA erzählt die schon etwas abgegriffene Geschichte des trauernden Profikillers, der sich in der Rache verliert, anstatt durch sie befreit zu werden. Cataleyas Schicksal ist in dem Moment besiegelt, in dem ihre Eltern tot sind und sie blitzschnell eine Entscheidung treffen muss: nämlich die, am Leben zu bleiben. Schon kurz nachdem sie den Mördern bei einer atemberaubenden Verfolgungsjagd durch die Gassen Bogotás entkommen ist, ist sie ein anderer Mensch, getrieben nur noch von der Idee, die Menschen zu finden, zu stellen und umzubringen, die auch ihr Leben zerstört haben. Doch je weiter Cataleya geht, umso klarer wird natürlich, dass ihr Weg kein Ende haben wird – und eine Rückkehr ist ebenso unmöglich. In der Beziehung zu Danny ist sie kaum mehr als ein verführerischer Schatten ohne Vergangenheit. Sie kann ihre Geheimnisse nicht nur deshalb nicht teilen, weil sie ihre Tarnung riskieren würde, sondern vor allem, weil sie selbst weiß, dass es weder Verständnis noch Vergebung für ihre Taten geben kann.

Was leicht zum kitschigen Langweiler hätte geraten können, ist dank der Kombination von Produzent und Autor Luc Besson und Regisseur Olivier Megaton ein supercrispes, stilvolles und packendes Actiondrama geworden, dessen Bildern man sich nur schwerlich entziehen kann. Allein die katzenhafte Zoe Saldana zieht die Blicke an sich, egal ob sie nun in Catsuit und Stealth-Modus durch schattige Gänge schleicht, im Nahkampf mit eisiger Präzision und Entschlossenheit zu Werke geht oder Bad Guys mit massiver Firepower niedermäht. Der zum Klischee geronnene innere Konflikt des mordenden Antihelden wird dank ihrer dunklen Augen, die gleichermaßen eiskalt wie tieftraurig wirken, und ihrer ebenmäßigen, aber scharfkantigen Gesichtszüge wirklich greifbar und Megaton wirft sein ganzes kompositorisches Geschick in die Wagschale, um ihr mit COLOMBIANA ein Denkmal zu setzen. Alles hier ist reines Bild, deshalb lässt sich über manche Trägheit des Plots leicht hinwegsehen. COLOMBIANA ist vor allem ein Film undurchdringlicher, trauriger Gesichter: Jeder hier hat seine Last zu tragen und ein Lächeln kostet körperliche Anstrengung. Es ist eine Welt, in der der Augenblick die Kraft eines ganzen Lebens bündeln kann, das verlangt unvorstellbare Kraft und übermenschliche Leidesnfähigkeit. In 40 Sekunden muss alles gesagt werden können: die Zeit, die der CIA braucht, um einen Anrufer zu orten. Auf das „Ich liebe dich“ folgt unmittelbar das „Lebewohl“. Dazwischen gibt es nichts.