super-platoon (christ hannah, hongkong/philippinen 1987)

Veröffentlicht: August 19, 2010 in Film
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Vietnam: Beim Überfall der Vietcong auf ein vietnamesisches Dorf werden zwei amerikanische Agenten und eine Vietnamesin gefangen genommen. Eine Spezialeinheit der vietnamesischen Armee wird damit beauftragt, die Gefangenen zu befreien und eine vierköpfige Vorhut US-amerikanischer Soldaten soll den Weg „freimachen“ …

Manchmal stößt man noch auf sie: apokryphe Filme, deren Spuren auch im Internetzeitalter nicht zu rekonstruieren sind. SUPER-PLATOON ist so einer: Zu deutsch unter dem Titel DSCHUNGELRATTEN 2: BLACK WARRIOR vermarktet, lässt sich zwar ein OFDb-Eintrag finden, mit den von diesem gelieferten Daten kommt man in der Folge aber kein Stück weiter. Die IMDb erkennt weder den deutschen Verleih- noch den Originaltitel, der Regisseur „Christ Hannah“ ist ihr genauso unbekannt wie der auf dem Cover angegebene Produzent Thomas Tang und auch die englischen Pseudonyme der überwiegend asiatischen Besetzung bringen keine weitere Erkenntnis. Via Google finden sich zwar einzelne Verweise auf die deutsche DVD, das deutsche Video und eine griechische Fassung, aber das war’s dann auch. SUPER-PLATOON ist beispielhaft für die in den Siebziger- und Achtzigerjahren abseits großer Studios im Überfluss produzierten asiatischen Actionfilme: leidenschaftlicher Trash, der mit prolligen Covers und idiotischen Synchros versehen die Videotheken eroberte, ohne dass man sich für seine genaue Herkunft besonders interessiert hätte. Diese Filme werden wahrscheinlich irgendwann einfach verschwinden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Tragisch.

Christ Hannah beackert das beliebte Vietnamkriegs-Subgenre, kreuzt die Kriegsgefangenenthematik aus RAMBO: FIRST BLOOD PART II mit der Spezialeinheitenromantik etwa aus THE DELTA FORCE, stellt sich aber eben auf die Seite der Vietnamesen anstatt der Amerikaner. Das führt gleich zu Beginn zu einer putzigen Szene, in der sich die Mitglieder des „Super-Platoons“ beim Missionsbriefing darüber ereifern, dass sie den Amis „schon wieder“ aus der Scheiße helfen müssen. Dass immerhin fünf Amerikaner in die Rettungsmission involviert sind, stellt der Film so dar, als hätte es mit diesem Vorwurf rein gar nichts zu tun. Hat es dann letztlich auch wirklich nicht, denn die amerikanische Vorhut stellt sich denkbar dumm an, ist bald schon keine große Hilfe mehr und bestätigt somit alle bestehenden Vorurteile. In diesem Stil geht es weiter: SUPER-PLATOON ist nicht so richtig zum Kaputtlachen schlecht, aber dennoch rührend in seiner Unbeholfenheit: Als der Auftraggeber die Waffen verteilt, zieht er auch einen Raketenwerfer aus der Tasche, den er in einem Anflug von Kreativität als „Raketenfaust“ bezeichnet. Im Jargon eines kundenorientierten Einzelhandelskaufmanns erklärt er den anwesenden Supersoldaten weiter, dass dieses Ding ziemlich schwer zu schleppen sei und deswegen von jemandem getragen werden müsse, der sich damit auskenne. Und wie der Trainer der E-Jugend vom FC Oer-Erkenschwick  schließt er: „Ich schlage deshalb Billy vor!“ Die Raketenfaust spielt dann leider nicht die Rolle, die ihr nach dieser Einleitung gebührt, dafür kommt aber später auf Seiten des Vietcong ein Maschinengewehr zum Einsatz, das heißen Dampf schießt. Der GI, der damit aus nächster Nähe verbrüht wird, sieht danach so aus, als habe er ein großes rohes Hacksteak in der Fresse oder aber übereifrig von der Erdbeerkonfitüre von Schwartau genascht. Der Oberclou des Films ist das Ende, das aber wahrscheinlich auf dem Mist des deutschen Verleihs gewachsen ist: Der Film hört nämlich einfach auf! Das Super-Platoon steht samt der geretteten Gefangenen dem schussbereiten Feind gegenüber, da wird auf den VC-Führer geschnitten, der in seinem Camp gerade noch die Erschießung eines der US-Soldaten verhindern kann, um bedeutungsvoll zu murmeln, dass er mit diesem ja noch einiges anfangen könne. Und schwupp: Der Film ist zu Ende. Wollte man dem deutschen Actionkunden nicht mehr als 83 Minuten asiatischen Actionmülls zumuten oder ist dieses Ende gar auf dem Mist des Regisseurs gewachsen, der der Sinnlosigkeit des Krieges in einer einzigen sprachlos machenden Ellipse ein Mahnmal setzen wollte? Ich tendiere zu ersterem.

Dieser abrupte Schluss passt dann auch zu einem Film, der wohl mit der Überzeugung inszeniert wurde, Rhythmus sei die Abwechslung von Nichts und Hysterie: Es gibt ca. alle fünf Minuten eine Ballerei zu bestaunen, der dann wieder eine Passage folgt, in der man die Soldaten beim Marsch durch den Busch bewundern kann. Es wird viel ziellos gelaufen und noch mehr gestorben, doch lässt einen das vollkommen kalt. Bis zum Schluss ist es mir nicht gelungen, die Hauptfiguren halbwegs auseinanderzuhalten, und auch wer da wann von wem umgelegt wurde, entzog sich weitgehend meinem Verständnis. Zwischendurch scheint es mal so, als solle das weibliche Mitglied der Einheit zur Protagonistin aufgebaut werden (dem Misstrauen der Männer begegnet sie zu Beginn u. a. mit den Worten „Ich war mal Lazarettschwester!“, als qualifiziere sie das für einen Kampfeinsatz), doch auch die muss dann irgendwann ins Gras beißen. Man ahnt es schon: SUPER-PLATOON ist nicht so richtig gut, weil er kaum involviert und als Aneinanderreihung letztlich kalt lassender Actionszenen paradoxerweise geradezu lahm erscheint. Beeindrucken müssen seine Härte, die sich aber weniger in grafischen FX als vielmehr in einem irrsinnigen Bodycount niederschlägt – es stirbt einfach jeder -, und eben sein grenzenloser Enthusiasmus. Die Statisten zucken und zappeln hektisch unter den Einschüssen, hüpfen munter durch die Gegend, wenn irgendwo eine Handgranate explodiert, und der Mann am Schnittpult entdeckt irgendwann die Freuden der unmotivierten Zeitlupe. Ich kann mir nicht helfen: Ich mag solchen Käse, auch wenn ich drei Anläufe gebraucht habe, um den Film zu Ende zu schauen, und die Gedanken ein ums andere Mal in die Ferne schweiften. Gigantisch ist auch der Text auf dem deutschen Cover, der von „blutigen Missionen“ schwafelt, die sich in „blutrünstige Massaker“ verwandeln. Manche Dinge ändern sich eben nie, Vietnammissionen gehören offenkundig dazu.

Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Herrlich. Ich lache immer noch. Der ideale Epilog unseres gestrigen 2 3/4-stündigen (!) Telefongesprächs. :))

  2. Bob sagt:

    Sehr geil 😀 Alleine der Titel ‚SUPER-PLATOON‘, herrlich. Da verlangen meine Trash-Gelüste gleich noch mehr solcher Titel. How about: EXTREME FULL METAL JACKET, SAVING SUPER PRIVATE RYAN, MEGA-APOCALYPSE NOW oder der deutsche Kriegsfilm DIE KRASSE BRÜCKE (von Bernhard Wicked).
    Werde mal die Augen offen halten, hört sich nach einer Menge Spaß an.

    • Oliver sagt:

      Wobei der Titel ja eigentlich nur in Deutschland diese reflexive Ebene beinhaltet, wo er aber als DSCHUNGELRATTEN 2 vermarktet wurde. Auf Englisch ist das „Platoon“ ja einfach nur die „Kolonne“, insofern kann es durchaus ein „Super-Platoon“ geben – das ja dann auch die Protagonisten des Films stellt -, ohne damit auf Stones Films anzuspielen.

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