Archiv für September, 2010

Um die auf ehemaligem Indianerterritorium gelegene Mine „Golden Pike“ ranken sich dank zahlreicher mysteriöser Todesfälle von Minenarbeitern düstere Legenden. Ein Team von Abenteurern begibt sich in das verschlungene Höhlensystem, um das Rätsel zu lösen. Stattdessen werden sie eingeschlossen und nach und nach von einem grotesken Tentakelmonster in die ewigen Jagdgründe befördert …

Die Regisseurin Melanie Anne Phillips, die heute als Erfinderin einer Software für kreatives Drehbuchschreiben ihr Geld verdient, weiß ihren Film schon richtig einzuordnen. Peinlich ist ihr THE STRANGENESS, den sie – selbst eine Filmanfängerin – mit einer Crew von Collegeabsolventen und Filmstudenten und einem lausigen Budget von 25.000 Dollar auf die Beine stellte, zwar  nicht, aber man kann ihren freundlichen Äußerungen im Interview auf der Code-Red-DVD mehr als deutlich entnehmen, dass sie sich ihren eigenen Film heute nicht mehr unbedingt ansehen möchte. Sie und ihre Kollegen waren damals jung, neugierig, filmbegeistert und enthusiastisch und machten vor allem deshalb einen Horrorfilm, weil sie wussten, dass man in diesem Genre noch am ehesten mit technischen Unzulänglichkeiten davonkommt. Ihre Empfehlung an potenzielle Zuschauer von THE STRANGENESS: Man sollte ihren Film als Beleg dafür betrachten, dass man etwas auf die Beine stellen kann, wenn man das Heft in die Hand nimmt. Das ist zwar richtig und dank einiger wirklich hübscher und liebenswerter Details, wie etwa des per Stop-Motion-Animation realisierten Monsters, das ein bisschen an die Großen Alten von Lovecraft denken lässt, und des ein oder anderen gelungenen Gags kann ích ihrem Film dann auch nicht so richtig böse sein, doch angesichts der nagenden Langeweile, die THE STRANGENESS über gut 60 Minuten produziert, fragt man sich schon, ob es wünschenswert ist, dass jeder Halbbegabte „sein Ding“ machen kann. Es ist lobenswert, dass sich Phillips gemeinsam mit Ko-Drehbuchautor Huntley nicht einfach am damals profitablen und wesentlich einfacher zu realisierenden Slasherkino versuchten, sondern sich die Messlatte mit einem klassischen Monsterfilm im filmisch doch recht anspruchsvollen Höhlensetting wesentlich höher legten, aber leider beweist THE STRANGENESS vor allem, dass es etwas mehr als nur guten Willens bedarf, um einen Film, der 90 Minuten lang in einer Höhle spielt, nicht zur Härteprüfung für das Sitzfleisch zu machen. Die Handlung ist auf die oben stehenden zwei Zeilen eingedampft, die Figuren flach und uninteressant, der Film technisch bestenfalls zweckmäßig (vor allem die Ohren haben einiges zu erleiden) und das nicht enden wollende Gelatsche durch schlecht beleuchtete Gänge einfach nur ermüdend. Dass THE STRANGENESS aller Mängel zum Trotz viel besser ist, als er es gemessen an den zur Verfügung stehenden Mitteln eigentlich sein dürfte, ändert leider nix daran, dass er vor allem für eine Redewendung treffender Beleg ist: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

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Als die Lehrerin Julie Sullivan (Trish Everly) von Father James (Dennis Robertson) erfährt, dass ihre Zwillingsschwester Mary (Allison Biggers) todkrank im Krankenhaus liegt und sie  nach mehr als sieben Jahren der Trennung sehen möchte, kommen in ihr längst verarbeitet geglaubte Ängste hoch: Unter der wahrhaften teuflischen Mary musste Julie als Kind nämlich unbemerkt von Eltern und anderen Erwachsenen wahre Todesängste und körperliche Torturen ausstehen. Die durch eine Knochenkrankheit schwer entstellte Mary macht bei Julies Besuch dann auch da weiter, wo sie einst aufhören musste, und droht ihr, sich am bevorstehenden gemeinsamen Geburtstag an ihr zu rächen. Als sie wenig später aus dem Krankenhaus verschwindet und Menschen aus Julies Umfeld auf mysteriöse Weise ums Leben kommen, ist sie sich ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch weder ihr Freund Sam (Michael MacCrae) noch Father James schenken ihren Befürchtungen Glauben …

Unter dem Titel MADHOUSE – PARTY DES SCHRECKENS stieß Assonitis‘ Film bei der deutschen Staatsanwaltschaft auf nur geringes Verständnis und noch weniger Gegenliebe und wurde so im Zuge des Großreinemachens Mitte der Achtzigerjahre Anfang der Neunzigerjahre kurzerhand beschlagnahmt, wovon er aber im Gegensatz zu anderen Filmen, die durch das Verbot zu kultisch verehrten Artefakte wurden, merkwürdigerweise kaum profitieren konnte. Assonitis Film ist heute fast vergessen und fristet ein Dasein im Schatten deutlich bekannterer, aber auch wesentlich schlechterer Skandalfilme wie etwa Lenzis MANGIATI VIVI oder D’Amataos ANTHROPOPHAGUS. Hinsichtlich seiner Splattereffekte bleibt THERE WAS A LITTLE GIRL zwar bei aller Zeigefreude stets im Rahmen des noch Erträglichen und dürfte die FSK heute relativ problemlos und unbeschadet passieren, doch ist er in den ersten 60 Minuten unleugbar von einer fiesen, misanthropischen Stimmung geprägt, die mich stärker erwischt hat, als irgendwelche kannibalischen Ausweidungen oder sonstige Späße. Assonitis legt nach einer gialloesken, albtraumhaften Creditsequenz einen Schocker vor, der sehr davon profitiert, dass er die in der Kindheit geprägten und damit auf ein irrationales Ausmaß angewachsenen Ängste Julies zur Triebfeder seines Films macht. Was Mary ihrer Schwester wirklich angetan hat, bleibt weitestgehend ungewiss – Assonitis beschränkt sich auf eine kurze, eher harmlos anmutende Erzählung der Protagonistin -, doch Julies Blick lässt den Zuschauer die wahren Abgründe hinter den Worten erahnen und ihre schon Jahrzehnte zurückliegenden Angstzustände fast körperlich nachfühlen. Die Etablierung einer grundlos bösen Figur, die zudem bis auf wenige Sekunden, in der man sie sieht und hört, ausschließlich in der Erinnerung ihrer Schwester ihr Unwesen treibt, verlagert den Schrecken von der Leinwand in die Fantasie des Zuschauers, was sich im Horrorfilm immer wieder als Gewinn erweist. Mithilfe einer famosen Kamerarbeit, die die ungemütlichen Schatten in Julies Wohnhaus bedrohlich in den Vordergrund rückt und mehr als einmal sehr effektiv eine Subjektive vortäuscht (und zudem deutlich macht, dass es den modernen, mit Computernachbearbeitung auf siffig, eklig und schmuddelig getrimmten Horrorfilmen vor allem an Dunkelheit mangelt), und dem Gänsehaut evozierenden, einschmeichelnden und melancholischen Streicherscore von Riz Ortolani, in den dann wie schon beim Jahrhundertsoundtrack zu CANNIBAL HOLOCAUST immer wieder kalte Synthiesounds hereinplatzen und die Harmonie brutal zerreißen, gelingt Assonitis so ein ungemein wirkungsvoller, kreuzunheimlicher und origineller Horrorthriller. Der macht nach 60 Minuten aber einen krassen left turn, den sich vergleichbare Filme für die Schlussüberraschung aufzusparen pflegen und mit dem THERE WAS A LITTLE GIRL nahezu eine 180-Grad-Wende vollzieht. Im auf der hervorragenden DVD von Dark Sky enthaltenen Interview mit Assonitis bekundet der, dass er dem Drehbuch eine schwarzhumorige Seite abringen wollte, und das ist ihm zweifelsohne gelungen. Allerdings bin ich mir heute noch nicht so sicher, ob ich diese Wendung des Films wirklich gut finde: Nach den düsteren, albtraumhaften ersten zwei Dritteln des Films begibt er sich gegen Ende dann doch wieder auf vertrautes und „sicheres“ Terrain, doch wie er da hinkommt, hebt ihn vom Gros der Slasherfilme doch deutlich ab. Bleibt ein Film, der mir gestern bei gelöschtem Licht gehörig das Fürchten gelehrt hat und der die Aufmerksamkeit von Horrorfreunden unbedingt verdient hat. Egal, zu welchem Schluss man dann auch kommt: THERE WAS A LITTLE GIRL lässt sich sicherlich nicht fein säuberlich in eine der zur Verfügung stehenden Schublade einsortieren.

EDIT: Ich habe den Film ein zweites Mal gesehen und eine kleine Ergänzung formuliert.

Nach einem Schiffsunglück landet Lieutenant Claude de Ross (Claudio Cassinelli) mit einer Handvoll Überlebender auf einer Insel, die jedoch schon kurze Zeit später von merkwürdigen Fischmenschen dezimiert wird. Der zwielichtige Edmond Rackham (Richard Johnson), der die Insel gemeinsam mit der schönen Amanda (Barbara Bach) sowie einigen unter seinem Befehl stehenden Eingeborenen bewohnt, schweigt zunächst über den Ursprung der Kreaturen, doch de Ross bleibt hartnäckig: Es stellt sich heraus, dass Rackham das versunkene Atlantis entdeckt hat und mithilfe der Fischmenschen – den ehemaligen Einwohnern der vergangenen Zivilisation – hofft, gewaltige Reichtümer aus den Tiefen zu bergen. Bleibt nur die Frage, was es mit Amandas Vater, Prof. Ernest Mavin (Joseph Cotten) auf sich hat, der von Rackham gefangen gehalten wird …

Martinos L’ISOLA DEGLI UOMINI PESCE (deutscher Verleihtitel: DIE INSEL DER NEUEN MONSTER) orientiert sich unverkennbar an der zwei Jahre vorher entstandenen Wells-Verfilmung THE ISLAND OF DR. MOREAU: Eine hier wie dort stargespickte Besetzung tummelt sich auf einem nur auf den ersten Blick idyllischen Tropeneiland, die Inszenierung ist für italienische Verhältnisse erstaunlich gediegen und zurückhaltend und die Geschichte hat einen heute etwas betulich anmutenden Abenteuereinschlag, demgegenüber die Science-Fiction-Elemente eher in den Hintergrund gedrängt werden. Die moralphilosphischen Überlegungen, die Wells noch beschäftigten, sind hier bloßer Zierrat, in erster Linie geht es Martino um Schauwerte, die er dann auch liefert. Die Fischmenschen sind durchaus als gelungen zu bezeichnen, wenngleich sie an die Kreaturen aus Taylors Moreau-Film selbstverständlich nicht herankommen, die Unterwasserszenen um das versunkene Atlantis sind zwar etwas fadenscheinig, aber dennoch sehr atmosphärisch und liebevoll, und Settings wie auch die Besetzung lassen vermuten, dass Martino ein durchaus hübsches Sümmchen zur Realisierung des Films zur Verfügung stand. Dass L’ISOLA DEGLI UOMINI PESCE der große Erfolg trotzdem verwehrt bleibt, liegt vor allem darin begründet, dass die Auflösung um den Ursprung der Fischmenschen den Kenner des literarischen oder filmischen Vorbilds nur wenig überraschen kann, sich die Behutsamkeit, mit der der Film auf diese „Enthüllung“ zuläuft, damit als eher nachteilig erweist: L’ISOLA ist nach heutigen Maßstäben einfach ein bisschen zu langsam. Ich finde ihn dennnoch hochgradig sympathisch, weil er seine nun ziemlich depperte Geschichte nicht ironisch bricht, sondern ganz seriös erzählt und somit eindeutig auf ein Publikum abzielt, das bereit ist, das auf der Leinwand Gebotene für bare Münze zu nehmen und nicht ständig auf Realitätsnähe und Plausibilität abzuklopfen, sondern sich für 100 Minuten in eine Fantasiewelt entführen zu lassen. Filme dieser Art gibt es mittlerweile nicht mehr und L’ISOLA DEGLI UOMINI PESCE ist ein gutes Beispiel dafür, was wir damit verloren haben. Schön!

30 Jahre nachdem die Erde von einem Atomkrieg zerstört wurde, wandert Eli (Denzel Washington) mit dem letzten verbliebenen Exemplar der Bibel durch die einstigen Vereinigten Staaten gen Westen, weil ihm eine Stimme dies befohlen hat. In einer Siedlung begegnet er Carnegie (Gary Oldman), der eine neue menschliche Zivilisation begründen will und dafür auf der Suche nach ebenjenem Buch aller Bücher ist – vor allem, weil er sich davon erhofft, so selbst zum Führer messianischen Ausmaßes zu werden …

Fast zehn Jahre nach ihrer letzten gemeinsamen Regiearbeit FROM HELL versuchen sich die Hughes-Brüder mit THE BOOK OF ELI am Endzeitgenre, allerdings wie schon beim Vorgänger mit eher mittelmäßigem Erfolg. Das größte Problem des Films ist wohl, dass er ästhetisch absolut vorhersehbar ist: In ausgewaschenen monochromen Farben wird die postnukleare Welt als endlose Staubwüste gezeichnet, die marodierenden Banden streunen in aus der MAD MAX-Requisite entliehenen Klamotten herum, hin und wieder suggeriert eine Aufnahme aus der Vogelperpektive den göttlichen Blick, der über Elis Mission wacht und sich anschaut, was die Menschen aus der Schöpfung gemacht haben. Ich vermute mal, dass man hinterher nicht mehr weiß, wo der eine Film aufgehört und der andere angefangen hat, wenn man THE BOOK OF ELI im Double Feature mit THE ROAD schaut. Denzel Washington, der eine ganze Karriere lang am Image des rechtschaffenen Ehrenmannes, hinter dessen kultivierter Fassade der Badass schlummert, gefeilt hat, ist zwar die Idealbesetzung für den Endzeitpropheten Eli, der sich vom gewiesenen Weg nicht abbringen lässt und unter göttlicher Protektion steht, doch raubt dieser Besetzungscoup dem Film auch noch die letzte Spannung. Und weil die Hughes-Brüder wohl selbst wussten, dass ihr Film nicht besonders aufregend ist, müssen am Ende gleich drei große Enthüllungen her, die THE BOOK OF ELI nichts Wesentliches hinzufügen, außer zu beweisen, dass Einfallslosigkeit nicht durch schnöde Gags kompensiert werden kann.

THE BOOK OF ELI ist, machen wir uns nichts vor, nicht mehr als Hollywood-Mainstream. Als solcher ist er zwar eine ganze Ecke besser als vieles, was man mittlerweile über sich ergehen lassen muss, krankt aber immer noch daran, dass er viel zu viele Standards inkorporiert, die dem Zuschauer zwar schnell die Orientierung ermöglichen, aber eben auch verhindern, dass irgendetwas wirklich Spuren hinterlässt. Man muss den Hughes-Brüdern dankbar dafür sein, dass sie auf einen aufgeblasenen Showdown und allzu großen Lärm verzichtet haben: THE BOOK OF ELI endet angemessen unspektakulär und nicht im religiös-pathetischen Überschwang, den man sich bei dieser Thematik längst gewöhnt hat, schlucken zu müssen. Und auch sonst profitiert er sehr davon, dass vergleichbare Werke sonst deutlich dümmer sind. Das macht ihn aber entgegen landläufiger Meinung im Umkehrschluss noch nicht zu einem intelligenten Film.

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich Tarantinos Zweiten-Weltkriegs-Film im Kino gesehen und hier einen galligen Text darüber veröffentlicht, der mir nun, da ich den Film zum zweiten Mal unter günstigeren Umständen gesehen habe, ziemlich unangenehm ist. Zur Erinnerung: Damals hatte ich Tarantinos nun nicht gerade kurzen Film direkt im Anschluss an das Fantasy Filmfest 2009 in einer Spätvorstellung gesehen und – das muss ich jetzt so sagen – einfach nicht mehr den Nerv, mich wirklich auf ihn einzulassen. Klassischer Fall von Reizüberflutung: Nach einer Woche mit rund 30 Filmsichtungen hätte ich wahrscheinlich besser etwas anderes gemacht, als mich gleich wieder in einen Kinosessel zu fläzen. Irgendwann, als die Müdigkeit zunahm, hat mich INGLOURIOUS BASTERDS dann nur noch genervt. Und dieses Gefühl hat die unangenehme Tendenz, sich zu verselbstständigen.

Dass meine Genervtheit mehr mein Problem als das des Films war, habe ich gestern feststellen dürfen, als mich der Film von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen hat, als ich jede Wendung der wirklich grandiosen Dialoge verfolgt, jeden kleinen Ausflug auf die Metaebene genossen und mich nun wirklich zu keiner einzigen Sekunde gelangweilt habe. Blöde Ideen, die sich zu keinem sinnhaften Ganzen zusammenfügen, wie ich sie damals glaubte, konstatieren zu müssen, konnte ich diesmal auch nicht mehr ausmachen: Ganz im Gegenteil muss ich sogar sagen, dass der Film sich sehr zielstrebig und geradlinig entwickelt, alles seinen Platz hat und selbst vermeintlich selbstverliebte Manierismen sich plötzlich als absolut entscheidend für den Fortgang der Handlung entpuppen. Mein Vorwurf schließlich, Tarantinos Film versperre sich einem emotionalen Zugang, ist vollkommen unhaltbar: Nach JACKIE BROWN dürfte INGLOURIOUS BASTERDS Tarantinos menschlich wärmster Film sein, wie mich die Geschichte um Shoshanna Dreyfus damals kalt lassen konnte, ist mir ein ziemliches Rätsel. Ich will jetzt nicht mehr allzu viel über den Film schreiben, weil ich dem, was klügere und hellsichtigere Menschen vor einem Jahr schon geschrieben habe, eigentlich nichts mehr hinzuzufügen habe. Vielleicht nur eine Sache: Nach den punktgenauen und absolut virtuos geschriebenen Dialogen, die spätestens hier endgültig nicht mehr als Zierrat verleumdet werden können, sondern tatsächlich der dramatische Kern von INGLOURIOUS BASTERDS und äußeres Abbild aller auf Handlungsebene verhandelten Konflikte sind, freue ich mich unbändig auf das, was da als nächstes von ihm kommt. Mann, was war ich für ein Idiot!

Im kalifornischen Fischerstädtchen Noyo gibt’s Ärger: Die Fischer um den rassistischen Slattery (Vic Morrow mit Minipli) freuen sich auf eine Dosenfabrik, die demnächst gebaut werden und großen Profit bringen soll, die Umweltschützer um den Indianer Johnny Eagle (Anthony Penya) warnen vor der bevorstehenden Verschmutzung des Ozeans und das Aussterben der Lachse, von denen Noyo abhängig ist. Bald gibt es jedoch eine weitaus handfestere Bedrohung: Die Experimente, die das Wachstum der Lachse beschleunigen sollten, haben nämlich eine Rasse von gefährlichen Fischmenschen geschaffen. Und für die beginnt pünktlich zum bevorstehenden Lachsfest die Paarungszeit. Der tapfere Jim Hill (Doug McClure) stellt sich gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Susan Drake (Ann Turkel) der Gefahr …

HUMANOIDS FROM THE DEEP ist zunächst einmal ein klassischer Monsterfilm, der das genretypische Monster-on-the-loose mit moderner Ökothematik und offenkundigen JAWS-Einflüssen anreichert – man lausche nur dem Score von James Horner. Die „Humanoids“ von Rob Bottin erinnern ein wenig an Jack Arnolds Kiemenmenschen, wenn der eine Karriere als Dirty Old Man beginnen würde, und können sich mit ihren extralangen Armen auch an Stellen kratzen, an die normale Menschen nur mit obszön aussehendem Werkzeug kommen. Vor allem aber – und hier kommt Roger Cormans Gespür für das, was die Leute ins Kino lockt, ins Spiel – sind sie absolute Lüstlinge und mit räuberischem Hunger nach den handvermessenen Nebendarstellerinnen ausgestattet. Wer über der Tatsache, dass auch noch eine Frau die romantischen Fischmenschvergewaltigungen inszenierte, den Feminismus bedroht sieht, sei beruhigt: Die entsprechenden Szenen, die nach ca. einem Drittel den bis zum Finale eher gemächlichen Flow des Filmes aufbrechen, wurden nachträglich in den Film montiert und nicht von Peeters inszeniert. Und wo ich schon beim Finale bin: Da geht es mächtig rund, wird das gemütliche Lachsfest von den algenbehangenen Unholden mächtig aufgemischt. Da spritzt die rote Suppe und vermischt sich mit muffig riechendem Fischrogen, bis Doug McClure den Tag rettet, indem er kurzerhand die ganze Bucht in Brand steckt. Gegenüber den beiden zuletzt gesehenen FORBIDDEN WORLD und GALAXY OF TERROR ist HUMANOIDS eher eine gemütliche Angelegenheit, die dann von den Gewaltexplosionen aber umso heftiger zerrissen wird. Ein hübscher Film, der mit seiner knapp bemessenen Lauflänge und der Fischerdorfkulisse – für die ich ein absolutes Faible habe – zusätzlich Punkte macht.

Als auf dem Planeten Xerxes ein Notsignal der Besatzung des aus ungeklärten Gründen auf dem Planeten Morganthus gelandeten Raumschiffs Remus eingeht, wird Commander Ilvar (Bernard Behrens) vom „Master“ beauftragt, eine Rettungsmission anzuführen. Auf Morganthus angekommen, muss die vom Master aus denkbar schwierigen Charakteren zusammengestellte Crew feststellen, dass alle Besatzungsmitglieder der Remus tot sind. Auf der Suche nach der Bedrohung findet einer nach dem anderen einen schrecklichen Tod durch Monstren, die offenbar dem Unbewussten ihres jeweiligen Opfers entsprungen sind …

Im inoffiziellen Double Feature Corman’scher ALIEN-Ripoffs ist GALAXY OF TERROR gegenüber dem schmierigen FORBIDDEN WORLD der deutlich aufwändigere und kreativere Film. Inhaltlich begibt man sich mit den Attacken fleischgewordener Phobien in die Nähe eines zumindest halbverstandenen Sigmund Freud und von Filmen wie FORBIDDEN PLANET oder auch Tarkovskys SOLARIS, optisch lässt der hauptverantwortlich von James Cameron gestaltete Film mit seiner tristen Planetenoberfläche und der organischen Architektur schon die desolaten Zukunftswelten von THE TERMINATOR oder ALIENS erahnen. Stimmungsmäßig ähneln sich beide Filme hingegen deutlich: Wie Holzmans Mutantenstadl so mutet auch Bruce D. Clarks Film reichlich expressiv, psychedelisch und wild an, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass das Drehbuch einen größeren Brocken abbeißt, als der Film dann zu schlucken vermag. Vieles wirkt nur angerissen, unvollständig, halb durchdacht und unterentwickelt. So z. B die Phobien der einzelnen Crewmitglieder – unter ihnen etwa der spätere Regisseur des Mickey-Rourke-Vehikels WILD ORCHID Zalman King als schießwütiger Baelon, Robert Englund als Mechaniker Ranger, Eddie Albert jr. als Cabren, Sid Haig als stummer Krieger Quuhod, Ray Walston als Schiffskoch Kore und Grace Zabriskie als psychotischer Captain Trantor – die entweder gar nicht eingeführt oder nur kurz in einem Nebensatz erwähnt werden. Erstaunlicherweise schadet das GALAXY OF TERROR aber nicht, sondern gereicht ihm gar zum Vorteil, weil es für den Zuschauer noch ein Geheimnis zu bergen gibt, ihm nicht alles bereits schön vorgekaut serviert wird, auf dass er es dann nur noch runterzuschlucken hat. Mal ganz davon abgesehen, dass der Verzicht auf lange Expositionen und Erklärungen den Film einfach immens kurzweilig macht. Nach der kurzen und ziemlich merkwürdigen Einleitung, bei der der „Master“, der statt eines Kopfes ein rotes Leuchten auf den Schultern trägt, mit einem zahnlosen Hutzleweib ein futuristisches Brettspiel spielt, geht es auch schon an Bord des Schiffes, wo Captain Trantor ihrer Besatzung nicht einmal genug Zeit gibt, Platz zu nehmen und sich anzuschnallen. Kaum gestartet wird der Hyperspace-Antrieb angeworfen und – schwupps! – befindet man sich auf Morganthus, wo es ohne Umschweife ans Eingemachte geht. Höhepunkt des Films ist neben den ziemlich beeindruckenden Bauten natürlich die berüchtigte Vergewaltigung der schönen Dameia (Taaffe O’Connell) durch eine gigantische Made, die man gesehen haben muss, um es zu glauben. Garantiert eine der abseitigeren Ideen der an solchen nun nicht gerade arm zu nennenden Exploitationfilm-Historie. Clark und Drehbuchautor Marc Siegler waren von diesem Einfall nur wenig begeistert, ließen sich von Corman aber eines besseren belehren, was wieder einmal beweist, dass man als junger Mensch auf die Weisheit des Alters hören sollte. Der Film endet kaum weniger bizarr, als er begonnen hat, und ich schätze, dass GALAXY OF TERROR den Hippothalamus ziemlich zum Glühen brächte, schaute man sich den Film mit einer richtig schönen Fiebererkrankung an. Danach fühlt man sich wahrscheinlich ähnlich gut durchgenudelt wie die schleimbedeckte Dameia nach ihrem multiplen Madenorgasmus.