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Veröffentlicht: Februar 16, 2019 in Film
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Bereits seit einiger Zeit erhältlich: Frank Henenlotters wunderbare Splatter-Groteske BRAIN DAMAGE als Mediabook von Koch Media unter dem deutschen Verleihtitel ELMER – und mit Booklet von yours truly. Wer den Film noch nicht kennt, sollte zuschlagen, bevor das gute Stück vergriffen ist, alle anderen die Gelegenheit nutzen, Ersatz für die DVD heranzuschaffen. Zu den Extras gehören unter anderem ein Audiokommentar von Henenlotter himself, Featurettes und Interviews und natürlich die obligatorischen Trailer.

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Actionlastige Rausschmeißer haben beim Mondo Bizarr Weekender Tradition und mit Jackie Chans überwiegend in Europa gedrehtem Versuch, ein internationales Publikum mit einem von Indiana Jones und James Bond inspirierten, dazu mit reichlich Slapstick-Humor abgeschmeckten Abenteuerfilm zu erobern, wurde ein ganz besonderes Leckerchen kredenzt.

DER RECHTE ARM DER GÖTTER, wie er hierzulande hieß, ist eine Entertainment-Maschine, die sich den Luxus einer vollkommen egalen Story leisten kann, weil diese eh nur einen Vorwand für eine 90-minütige Aneinanderreihung von Actionszenen, Verfolgungsjagden, lebensmüden Stunts, geschmacksunsicheren Gags und wahnwitzigen Fights darstellt. Das beginnt mit dem Prolog, bei dem Chan einen in einer jugoslawischen Burgruine lebenden Eingeborenenstamm (über die Integrierung wirklich aller rassistischer Klischees von lustigem Kopfschmuck über Uga-Uga-Sprache hüllen wir vorerst den Mantel des Schweigens) bestiehlt, setzt sich fort mit einem Sangesauftritt des sich selbst spielenden Canto-Pop-Stars Alan Tam, einer komplett lebensmüden Verfolgungsjagd zwischen der Welt hässlichstem Sportwagen und mehreren Motorrädern, unfassbar frauen- nd schwulenfeindlichen Witzeleien („Frauen sind nicht gänzlich nutzlos“, sagt Chan einmal) und der finalen Eroberung einer Bergfestung, in die Chan einen grandios choreografierten Kampf gegen Amazonen in High Heels sowie den Sprung von einem Felsen auf einen vorbeifliegenden Fesselballon inkorporiert (in echt sprang er nicht von einen Felsen, sondern aus einem Flugzeug, der kleine Angsthase). Nicht alles zündet, in der zweiten Hälfte gibt es durchaus mal einen zehnminütigen Durchhänger und das hohe Tempo ist auch der deutschen Bearbeitung zu verdanken, die ca. 15 Minuten Handlung über Bord warf, wissend worauf es den hiesigen Zuschauern in erster Linie ging, aber die Höhepunkte lassen alle vorhandenen Mängel vergessen.

Es sind nicht zuletzt diese kleinen Details, die mir bei diesen Jackie-Chan-Teilen aus der Hochphase seines Schaffens immer das Herz aufgehen lassen, hier etwa seine Masche, sich ständig Kaugummis in den Mund zu werfen und das auf möglichst spektakuläre bzw. umständliche Art und Weise. Die obligatorische Outtake-Show während der Schlusscredits deutet an, welchen Aufwand dieser sprichwörtliche Wegwerf-Gag beim Dreh bedeutete, umso schöner, dass Chan den Sportsgeist hatte, das dennoch durchzuziehen. Dann ist da natürlich der missglückte Stunt, bei dem er fast sein Leben verlor, sich den Schädel brach und einen Teil seines Gehörs einbüßte: Im Film selbst kommt die Szene so unspektakulär daher, dass man kaum glauben mag, dass sie fast das Ende des ganzen Unterfangens und Chans Karriere bedeutet hätte. Dann natürlich dieses übermenschliche Commitment, mit dem sich der Star und seine Stuntmen da in ihre Fights werfen und ihre Körper durch die Luft fliegen lassen. Gibt es etwas Tolleres als diese Zeitlupeneinstellungen, in denen man sieht, wie diese Irren mit ihrem Kreuz voran auf Balken und Mauerkanten krachen oder im Flug noch so getreten werden, dass ihre Flugbahn eine komplette Richtungsänderung mitmacht? Wahnsinn!

Es war ein mehr als würdiger Abschluss für ein wieder einmal sehr gelungenes Kino-Wochenende, für das ich den beiden Machern Marc und Christian an dieser Stelle noch einmal danken möchte. Sie haben es mit dem Mondo Bizarr nicht nur geschafft, Monat für Monat und dann einmal im Jahr eine tolle Veranstaltung zu etablieren, sondern auch einen Spirit zu kultivieren, der von Neugier, Liebe und Offenheit gegenüber den gezeigten Filmen geprägt ist, anstatt mit ätzender Herablassung und dieser nervenden Vertrashungsgeilheit (seltene Ausnahmen bestätigen die Regel), die es ja leider auch gibt. Es hat mich wie immer gefreut, meinen kleinen Teil zum Gelingen beitragen zu dürfen und das alles als Zuschauer begleiten zu können.

 

Das Sequel zum Megahit war unvermeidbar und folgerichtig musste für den zweiten Aufguss alles eine Nummer größer sein: Warum Kevin also nicht allein nach New York verfrachten? Die Idee ist gut, die Umsetzung adäquat, aber ohne den Drive und die Selbstverständlichkeit, die noch das Original auszeichneten. Nichts Besonderes für einen zweiten Teil, der alles  eine Nummer schlechter macht als noch zuvor.

Dafür, dass Kevin allein in der Metropole landet (die 1991 immerhin noch ein bisschen gruselig war), muss die Glaubwürdigkeit im Unterschied zum ersten Teil arg überstrapaziert werden, der Mittelteil zerfällt noch mehr in unverbundene Episödchen und zielloses Location-Hopping, die Taubenfrau (Brenda Fricker), die als Ersatz für Roberts Blossom die Herzen erwärmen darf, kommt mit extra viel Zuckerguss (sorgt aber im Finale zumindest für ein wirklich tolles Bild, wenn die beiden tolpatischigen Einbrecher von Taubenschwärmen befallen werden), ein freundlicher Spielzeugladenbesitzer, der seine Weihnachtseinnahmen an ein Kinderkrankenhaus stiftet, dessen Patienten von ihren Fensterbänken aus traurig in die Weihnachtsnacht schauen, lässt sich nur schwer verteidigen, und es muss schon die dämlichste Hotelbelegschaft der Welt (Tim Curry & Rob Schneider) erfunden werden, damit die ganze Geschichte nicht krachend in sich zusammenstürzt. Dass der Film um diese Defizite weiß, macht es nicht unbedingt besser.

Die erneute Konfontation Kevins mit den Einbrechern aus Teil eins ist erwartungsgemäß noch spektakulärer, noch ausufernder und noch brutaler, versöhnt den, der mit dieser Art Entertaiment etwas anfangen kann, aber mit manchem müden Einfall des Films. Am schlimmsten sind natürlich all jene Szenen, die schon im ersten Teil nur mäßig witzig waren und dies in der aufgewärmten Version nun gar nicht mehr verbergen können: Die Nummer mit den Tonbandaufnahmen, die Kevin im Laufe des Films macht und dann immer passgenau einsetzt, ist so ein Element, von dem sich Hughes und Columbus besser getrennt hätten. Ich will das hier nicht über Gebühr ausdehnen: Es hat Spaß gemacht, das Teil mit meinen Kindern zu schauen. Sollte es ein zweites Mal geben, spulen wir aber bestimmt zum den Szenen vor, in denen Pesci und Stern auf die Glocke bekommen.

Schon bemerkenswert wie diese Kiddie-Komödie im Laufe der letzten 30 Jahre nicht nur zu einem Klassiker gereift ist, den wirklich jeder kennt, sondern auch Teil der westlichen Weihnachtsfeiertagskultur, ohne den das Fest nicht komplett zu sein scheint. Sicher, auch damals war das Teil ein Monsterhit, spielte bei Produktionskosten von schlanken 20 Millionen Dollar weltweit über 550 wieder ein, aber dass er die Zeiten so gut überdauern wurde, war nun wirklich nicht abzusehen.

Schlüssel zum Erfolg ist natürlich die unschlagbare Prämisse, die kein Geringerer als Hollywood-Jugendversteher vom Dienst John Hughes erdachte. Ein Kind, das an Weihnachten allein zu Hause sein muss, ist zunächst mal anrührend, in Verbindung mit dem Subplot um zwei dämliche Einbrecher spannend und aus Kinderperspektive natürlich auch eine Riesengaudi, vor allem, wenn man ein Riesenhaus und ausreichend Bargeld zur Verfügung hat. Das Drehbuch ist megasimpel gestrickt in der Zusammenführung dieser Ideen, aber eben auch sehr, sehr clever: So werden Megablockbuster und Evergreens gemacht. Wie schafft es eine Familie, das eigene Kind zu Hause zu vergessen? John Hughes leitet das maximal glaubwürdig und ohne eitle Kunstgriffe her: Wie da genau im falschen Moment ein dämliches Nachbarkind auftaucht, um die Verkettung von Pannen zu ihrem Höhepunkt zu führen, ist schlicht genial (man ziehe das Sequel zum Vergleich heran, das die Glaubwürdigkeit hingegen enorm überstrapaziert).

Der Mittelteil des Films ist hingegen, das muss man sagen, ein wenig redundant: Für die meisten Menschen dürfte HOME ALONE der Film sein, in dem Macaulay Culkin zwei Einbrecher in verschiedenen Varianten die Treppe runterschmeißt, was auch belegt, wie wenig vom Rest hängengeblieben ist. Hughes und Columbus kaschieren die Tatsache, das der zweite Akt eigentlich reines Zeittotschlagen ist, dramaturgisch durch den geschickten Wechsel von Kevin hin zur Mutter, die von Verzweiflung und Angst geplagt schließlich die Heimreise von Paris nach Chicago antritt und dabei den liebenswert einfältigen Polkamusiker Gus Polinski (John Candy) kennenlernt, der sie mitnimmt – und zum Trost erzählt, dass er sein Kind mal in einem Leichenschauhaus vergessen hatte. Dann muss natürlich über Macaulay Culkin gesprochen werden, der mit HOME ALONE zum Superstar wurde und den Boden für eine ebenfalls filmreife Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Hollywood-Kinderstars bereitete: Er agiert seltsam unnatürlich und mechanisch und mutet speziell in der deutschen Synchro manchesmal geradezu autistisch an. Wahrscheinlich war er einfach zu niedlich, das Script von Hughes zu perfekt, als dass kindliches Overacting es hätte sabotieren können. Ausnahmslos für Freude sorgt hingegen der Auftritt von Roberts Blossom: Der durfte in Allan Ormsbys wunderbarer Ed-Gein-Adaption DERANGED noch den berühmten Serienmörder spielen und erwärmt hier die Herzen als einsamer Nachbar, der die Fantasie der Kinder anregt: Es ist seine Darbietung, die einer geölt laufenden Unterhaltungsmaschine das dringend nötige Herz verleiht.

Aber kommen wir zum Showdown, der realfilmischen Umsetzung cartoonesker Gewaltfantasien. Nichts ist bekanntlich witziger als Menschen, die auf die Schnauze fallen oder schwere Gegenstände auf die Birne bekommen, das beweisen die sich seit über 30 Jahren im Fernsehprogramm haltenden Pannenvideos, und wenn solche Unfälle dann auch noch Charakterfressen wie Joe Pesci und Daniel Stern treffen, gibt es wahrhaft kein Halten mehr. Man darf nicht so genau darüber nachdenken, was den beiden da angetan wird: Machen wir uns nichts vor, im echten Leben wären diese beiden Trottel mit allerschwersten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert und die Erziehungsmethoden von Kevins Eltern ganz genau durchleuchtet worden: Die Booby Traps, die ihr Sprössling da mit ramboesker Detailverliebtheit errichtet, hat das Blag garantiert nicht aus einer Episode von „Bob, der Baumeister“! Für eine ideologiekritische Betrachtung gibt HOME ALONE auch davon abgesehen jede Menge Munition, aber das muss ja nun wirklich nicht sein.

Weihnachten ist ja – machen wir uns nichts vor – in erster Linie ein Fest für Kinder und dass auch Erwachsene in Scharen dem Reiz tagelanger Schlemmerei und tüdeliger Harmonie in der gut beheizten Stube erliegen, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass sie sich ein Stück Kindheit zurückholen wollen. A CHRISTMAS STORY, der seine Weihnachtsgeschichte als Rückblick in die Kindheit seines Protagonisten in den 1940er-Jahren erzählt, ist da nur konsequent. Und er gewinnt, weil er die saccharine Süßlichkeit anderer Weihnachtsfilme immer wieder satirisch unterfüttert. Er kommt mit diesem ketzerischen Ansatz davon, weil er den Zuschauer vom Haken lässt: Es ist nicht „unser“ Weihnachten, sondern eines von vor heute über 60 Jahren.

Ralphie (Peter Billingsley) wünscht sich zu Weihnachten nichts sehnlicher als ein Luftgewehr. Doch das kommt seinen Eltern (Darren McGavin und Melinda Dillon) nicht in die Tüte, sind sie doch überzeugt, dass der Sohnemann sich damit „das Auge ausschießen“ werde. Bis zum Weihnachtsfest muss Ralphie einen Weg finden, dass sein Wunsch erfüllt wird. Und der ist gesäumt von Hindernissen aller Art …

Der Plot um das Luftgewehr ist eigentlich nur das Gerüst für ein munteres Panorama nostalgischer Episoden um das Leben als Kind in einer amerikanischen Stadt der Vierziger. Da gibt es die Bullies, die in einer Gasse warten und einem das Leben zur Hölle machen, die seltsamen Marotten und Erziehungsmethoden der Lehrer und Eltern und natürlich die Verlockungen der Warenwelt. Regisseur Bob Clark – am ehesten bekannt für seine Horrorfilme CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS, DEAD OF NIGHT und BLACK CHRISTMAS, aber in den Achtzigern dann ein echter Komödienspezialist mit Filmen wie PORKY’S und PORKY’S II, FROM THE HIP, TURK 182 und LOOSE CANNONS – gelingt ein munterer, stimmungsvoller und warmherziger Bilderbogen, der von den guten Beobachtungen, liebevollen Charakterzeichnungen und gezielten Überspitzungen lebt: Wir sehen die Welt immerhin durch die Augen eines leicht zu beeindruckenden Kindes. In der Fantasie schlägt Ralphie mit seinem Luftgewehr eine Bande von Einbrechern in die Flucht, er stellt sich vor, wie er seine Familie damit bestraft, auszureißen, nur um dann Jahre später erblindet (aber immer noch in Kindergestalt) zurückzukehren, und er stellt sich in einem Kaufhaus einem offensichtlich schwer betrunkenen Santa Claus und seinen mies gelaunten Elfen, um seinen Wunsch zu äußern. Die Eltern haben mit der Erziehung der beiden Söhne alle Hände voll zu tun, packen den jüngsten regelmäßig viel zu warm ein, sodass der sich kaum bewegen kann, waschen ihrer Brut den Mund mit Seife aus, wenn sie das F-Wort hören müssen (mit dem der Vater selbst ziemlich freigiebig ist) und drücken ein Auge zu, als Ralphie sich seiner Nemesis stellt und die erste Schlägerei hat. Sehr schön ist auch die Episode um den ersten Preis in einem Gewinnspiel, eine potthässliche Stehlampe in Form eines bestrumpften Frauenbeins, das der Vater eigentlich nur deshalb aufs Fensterbrett stellt, weil es eben ein Hauptgewinn war.

A CHRISTMAS STORY ist über 90 Minuten beschwingt, unterhaltsam, witzig und so anheimelnd, wie Weihnachtsfilme das eben sind, allerdings ohne hart auf die Kitschtube zu drücken. Nervig-scheinheilige „Wir wollen uns alle lieb haben“-Botschaften verkneift sich Clark dankenswerterweise: Es gelingt ihm, das Weihnachtsfest zu feiern, ohne alles mit Zuckerguss und Lametta zuzukleistern. Im Gegenteil, das Fest ist ja auch deshalb so schön, weil sich darin so manche menschliche Blödheit so wunderbar spiegelt. Und natürlich, weil wir uns vor dem Weihnachtsbaum alle noch einmal ein bisschen wie Kinder fühlen können.

Von den drei zuletzt gesehenen Rock-Hudson-Vehikeln ist das hier wahrscheinlich nicht das beste, aber dafür ganz sicher das witzigste. Nach drei italienischen Produktionen und einem britischen Film mit Sean Connery kehrte „Lollo“ nach Hollywood zurück, um erneut mit ihrem Co-Star aus COME SEPTEMBER zusammenzuarbeiten. Wie in diesem spielt sie – logisch – eine temperamentvolle Italienerin, die mit dem amerikanischen Beau in einer hitzigen Liebesbeziehung steckt. Der Zuschauer weiß ungefähr, was er zu erwarten hat, aber unter der Regie von Melvin Frank ist das alles eine Nummer absurder und comichafter als sonst. Und das ist dann auch der Schlüssel zum Erfolg, denn STRANGE BEDFELLOWS läuft gegen Ende völlig aus dem Ruder.

Hudson ist Curtis Harrison, erfolgreicher Vertreter eines großen amerikanischen Ölkonzerns, und seit sieben Jahren von seiner Frau, der italienischen Künstlerin Toni (Gina Lollobrigida) getrennt. Beide hatten sich einst Hals über Kopf ineinander verliebt, übereilt das Ja-Wort gegeben und dann festgestellt, dass sie einfach nicht zueinander passen: Er ein eher konservativ geprägter Kapitalist, sie eine voller Ideale steckende Aktivistin. Zu Beginn des Films treffen sich beide wieder und sofort sprühen die verloschen geglaubten Funken. Aber auch die alten Konflikte sind noch da. Toni engagiert sich im „Antiamerikanischen Bund“ und neuestes Ziel der Aktivisten ist eine Zensurmaßnahme: Die Statue eines italienischen Bildhauers wurde bei einer Ausstellung zensiert und aus Protest will Toni als Lady Godiva auf einem Pferd eine offizielle Veranstaltung sprengen. Pikantes Detail: Auf der Veranstaltung wird auch Curtis‘ Chef zugegen sein. Er will seinen besten Angestellten befördern, doch dazu muss dessen Privatleben völlig untadelig sein …

Man kann anhand der etwas umständlichen Inhaltsangabe schon erahnen, welche Wirrnisse STRANGE BEDFELLOWS erdichtet, um zu Lachern zu kommen. Und das ist erst der Anfang, denn nach bester Verwechslungskomödien-Strategie zieht jede Wendung eine wahre Kettenreaktion an unerwarteten Überraschungen nach sich, die die Protagonisten – allen voran den armen Curtis – vor neue Herausforderungen stellen. Auch wenn das mit dem „echten Leben“ alles rein gar nichts mehr zu tun hat, so trifft Frank doch meistens ins Schwarze – richtig daneben schießt er nie. Ja, aus heutiger Perspektive kann man es schon ein bisschen seltsam finden, wie die Männer da mit vereinten Kräften manipulieren und lügen, um sich die Zuneigung einer Frau zu sichern – und wie weit sie dafür gehen. Richtig nett ist das nicht, was Curtis mit Tina anstellt, auch wenn ihre blöden Aktivisten-Freunde durchaus eine Abreibung vertragen können. „Sexismus“ ist ein großes Wort, das ich hier nicht ganz passend finde, aber man merkt schon, in welcher Zeit der Film entstand. Unter den Mitgliedern von Tonis Verein befindet sich auch eine deutlich als unattraktive Schreckschraube gezeichnete Frauenrechtlerin und es ist ein Running Gag des Films, dass Curtis ihr immer wieder unabsichtlich zu nahe tritt, sodass sie sich von ihm belästigt fühlt: In einer aktuellen Komödie fände ich einen solchen Gag deutlich weniger verzeihlich als hier, wo man einfach merkt, dass da noch ein ganz anderes Rollenverständnis vorherrschte. Im Wesentlichen geht es hier aber genau um die Kluft zwischen diesen neuen gesellschaftlichen Strömungen und den Männern, die am Alten festhalten. Und da erfährt Curtis am Ende ja durchaus eine Läuterung, als er das Engagement seiner Frau vor Gericht verteidigt, obwohl er damit seine Karriere aufs Spiel setzt.

Fazit: Eine kurzweilige, höchst amüsante Komödie, die nicht ganz den Stil und die Klasse der Komödienhighlights aus dieser Zeit hat – aber immer noch genug davon, um eine Empfehlung wert zu sein. Viele Eindrücke vom Londo der swingin‘ sixties und einen Gastauftritt des unvergleichlichen Terry-Thomas gibt es als Bonus.

 

Feelgod-Komödien mir Rock Hudson, die zweite, diesmal noch verstärkt um das unvergleichliche Urlaubsflair dass das italienische Küstensetting mit sich bringt. Und natürlich Gina Lollobrigida, die neben der kurvenreichen Figur auch noch das feurige Temperament ihr eigen nennt (oder es zumindest für die Leinwand perfekt vorzutäuschen weiß), von dem Mulligans vergnügliche Komödie wesentlich profitiert.

Rock Hudson ist wieder einmal in seiner Paraderolle des gutsitutierten amerikanischen Geschäftsmanns zu sehen, dessen Charme alle Frauen erlegen sind. In diesem Fall hat es die Italienierin Lisa (Gina Lollobrigida) getroffen: Einmal im Jahr – immer dann, wenn ihr „Robertino“, wie sie Robert L. Talbot zu nennen pflegt, auf Geschäftsreisen in Italien weilt – ist sie seine Geliebte, liegt er ihr zu Füßen und trägt er sie auf Händen. Doch sie will mehr als einen Mann für ein paar Wochen, also plant sie die Hochzeit mit einem seriösen Briten. Bis der jährliche Anruf von Robert bei ihr eingeht: Der Zukünftige bekommt eine Abfuhr und wieder einmal beschließen die Liebenden sich in Roberts Anwesen für einen amourösen Urlaub zu treffen. Diesmal kommt ihren Plänen aber etwas in die Quere: Roberts Hausdiener Maurice (Walter Slezak) verwandelt das Haus während der Abwesenheit des Meisters nämlich in ein Luxushotel um, dessen Gäste er nun nicht mehr rechtzeitig vor der Ankunft der beiden Turteltauben loswird. Es handelt sich um einen Haufen vergnügungssüchtiger Teens …

Es ist interessant sich vorzustellen, wie COME SEPTEMBER heute wohl ausfiele. Es handelt sich nämlich um einen Film, der seinen Witz zu einem ganz erheblichen Teil daraus bezieht, dass seine beiden attraktiven Protagonisten am Bumsen gehindert werden: eine Cockblock-Comedy also. Es wird nie so richtig explizit gemacht, schließlich befinden wir uns im Jahr 1961, aber es ist dennoch ganz klar. Und es ist wahnsinnig putzig, wie wenig eigentlich nötig ist, um die beiden von ihren Plänen abzuhalten. Die bloße Anwesenheit anderer Gäste macht es den beiden unmöglich, auch nur im selben Zimmer zu nächtigen. Man ahnt, was heute für Geschütze aufgefahren werden müssten und wie häufig die Dialoge die schmerzenden Testikel des männlichen Protagonisten umkreisten. Aber um solcherlei Unrat soll es jetzt und hier nicht gehen, denn Robert Mulligan wusste diese durch und durch menschlichen Probleme auf eine Art und Weise zu behandeln, die man nur als „sophisticated“ bezeichnen kann. Was man jetzt nicht unbedingt mit anspruchsvoll verwechseln sollte, ganz im Gegenteil, aber COME SEPTEMBER ist in seiner alles erfassenden Leichtgkeit einfach beeindruckend.

Diese seine herausragendste Eigenschaft ist aber schon fast wieder ein Problem, denn richtig viel bleibt nicht hängen von ihm und im letzten Drittel, in dem die erwartbaren Konflikte auf ebenso erwartbare Art und Weise gelöst werden, geht ihm auch ein bisschen die Puste aus. Richtig herauststechend ist vielleicht noch am ehesten die Szene, in der Robert die vor spätpubertärem Omnipotenzwahn überlaufenden American boys um das britische Rock’n’Roll-Sternchen Bobby Darin gepflegt unter den Tisch säuft, triumphierend zu seiner Lisa zurückkehr, die er nun endlich für sich hat … und dann besoffen zusammenbricht. Aber dieser Mangel an einzelnen Highlights ist auch nicht so richtig entscheidend, weil COME SEPTEMBER einfach so gut reinläuft wie ein fruchtiger Cocktail auf dem Liegestuhl am Pool in der strahlenden Sonne. Es ist eine große Kunst, diese Leichtigkeit auf die Leinwand zu bringen, wahrscheinlich ganz besonders in so einer prestigeträchtigen Produktion. Rock Hudson tut, was er immer tut und ist famos darin, Gina Lollobrigida sieht fantastisch aus und ist besonders gut, wenn die aufbrausende Italienerin durchbricht. Die wunderbare Urlaubskulisse trägt viel zum Vergnügen bei. Es ist tatsächlich so: Diese Form des Entertainments hat Hollywood leider komplett verlernt.