Mit ‘Komödie’ getaggte Beiträge

EASTBOUND & DOWN ist kompliziert. Das Lachen fällt mitunter schwer, oft will man sich abwenden von dem, was sich da abspielt, seinem Protagonisten den Rücken zudrehen, ihn nie wieder sehen, nichts mehr mit ihm zu tun haben – wie die ganzen Nebenfiguren, die vom Schicksal dazu gezwungen wurden, ihren Weg oder gar ihr Blut mit ihm zu teilen. Die Serie suhlt sich in Obszönität und crassness, die Macher nutzen die Tatsache, dass die Privatsender-Produktion nicht an geltende Bestimmungen hinsichtlich Sprache, Nacktheit und Gewallt gebunden ist, weidlich aus. Zu verkennen, dass ein Teil des Konzeptes darin besteht, moralische Standards lustvoll zu zerschmettern, wäre naiv: Die Hauptfigur Kenny Powers (Danny McBride) ist förmlich darauf hin konzipiert, sie auf ihrem Weg durch die vier Staffeln jedes nur erdenkliche Tabu zu brechen, sich zu benehmen wie der letzte Mensch auf Erden, Dinge zu sagen, die kein Mensch mit Anstand jemals sagen würde. So weit, so unspektakulär. Das Kunststück, dass den Machern jedoch gelingt (mehr und besser noch als schon in der Fingerübung THE FOOT FIST WAY), ist es diesen Charakter nicht nur als Witzfigur durch die einzelnen Folgen zu hetzen, sondern ihm bei allen unübersehbaren, unentschuldbaren Fehlern, die er hat und begeht, nicht die Sympathie zu verwehren. Als Zuschauer ertappt man sich immer wieder dabei, mit diesem Dummkopf, Rassisten und Sexisten mitzufühlen – und das, ohne billige Drehbuchstrategien. Irgendwo las ich, man müsse EARTHBOUND & DOWN sehen, wenn man das Redneck-Amerika verstehen wolle, das Donald Trump ins Weiße Haus gewählt hat. Und sieht man mal davon ab, dass es viel wichtig wäre, zu verstehen, warum auch Nicht-Rednecks Trump ihre Stimme gaben, stimmt das. Kenny Powers ist ein buffoon, ein Mann, der mit jeder Faser seines Seins dazu verdammt ist, in jeder Sekunde seines Lebens das Falsche zu tun, die falsche Entscheidung zu treffen; der ein dummes, gestriges Amerika verkörpert, eines das Konföderierten-Flaggen, das Recht auf Schusswaffen, Mullets und Dosenbier hochhält, Frauen, Schwarze, Immigranten und Homosexuelle verachtet. Wie entwickelt man vor diesem Hintergrund eine Serie, die doch immer auch darauf beruht, dass ihr Protagonist eine Entwicklung zum Guten durchläuft, eines Guten, dass hier einfach nicht in Reichweite ist?

Kenny Powers war einst ein Shooting Star im Major League Baseball. Sein Hundert-Meilen-Fastball und seine Catchphrase „You’re fucking out!“ machten ihn in jungen Jahren zum Medienphänomen und Liebling der Massen. Es kam, was unweigerlich kommen musste: Größenwahn, Drogen, Steroide, abfallende Leistungen, die gepaart mit der großen Klappe, die ihn zum Liebling machte, und den schon angesprochen notorisch falschen Entscheidungen seinen unweigerlichen Abstieg einleiteten. Bei Start der ersten Staffel ist Powers, der sich für Gottes Geschenk an die Menschheit hält und in seiner Eigenwahrnehmung immer noch ein Superstar ist, obwohl die Welt sich längst weitergedreht und ihn bestenfalls noch als Witz in Erinnerung hat, ein ausgebrannter has-been und völlig pleite. Er erwirbt eine Qualifikation, die es ihm ermöglicht, in seiner Heimatstadt als Sportlehrer zu arbeiten – wo er seine Jugendliebe April (Katy Mixon) wiedertrifft, die er sofort zurückerobern will, obwohl sie mit seinem Arbeitgeber, dem Schuldirektor Terrence Cutler (Andrew Daly) verlobt ist. Er nistet sich im Haus seines Bruders Dustin (John Hawkes) und dessen Ehefrau Cassie (Jennifer Irwin) ein und „arbeitet“ an seinem großen Ziel: zurück in die Major League, in die er dem eigenen Empfinden nach immer noch gehört.

Im weiteren Verlauf der Serie landet Powers in Mexiko, wo er seinen Vater (Don Johnson) wiedertrifft, der vor Jahrzehnten nur mal kurz Zigaretten holen wollte und ihn, seinen Bruder und seine Mutter (Lily Tomlin) kurzerhand sitzen ließ, und ein Amateurteam gegen sich aufbringt, in Myrtle Beach, wo er in einer niedrigen Liga für die Rückkehr in die Majors vorbereitet werden soll, schließlich in seiner Heimat, wo er den Karriereweg einschlägt, der für solche Großmäuler und ehemaligen Sportstars die einzige Option zu sein scheint: Er wird Mitglied in der Talkshow seines ehemaligen Teamkameraden Guy Young (Ken Marino). Immer dabei auf seinem Weg: Sein Sidekick Stevie (Steven Little), ein rückgratloser Versager, der als einziger die Autosuggestionen Kennys bedingungslos unterstützt und deshalb ein unverzichtbarer Krückstock für das Kind in Menschengestalt ist, das den Halbgott in Menschengestalt spielt, aber ein höchst pflegeintensives Selbstwertgefühl hat. Und April, die die guten Seiten Kennys sieht und einfach nicht von diesem Trottel lassen kann.

Es ist schon ein kleines Fernsehwunder, wie die Macher es schaffen, das Interesse an Kenny Powers wachzuhalten, grelle Absurditäten zu integrieren, ohne die Serie als Ganzes jemals komplett in den Bereich der Groteske oder der Farce kippen zu lassen. Zu Beginn scheint es noch ein harmloser Spaß, den EASTBOUND & DOWN gewährt: ein rassistischer Dummkopf mit Nackenspoiler, Bierplauze und Omnipotenzwahn, der sich für unwiderstehlich hält, dabei aber von einem Fettnäpfchen ins nächste tappt – aber von solch billigem Vergnügen emanzipiert sich die Serie sehr schnell. Klar, die Großmäuligkeit des Protagonisten, seine hirnrissigen Dummheiten sind immer wieder auch für einen Lacher gut, aber eigentlich ist das, was sich da abspielt, vor allem eins: unendlich traurig. Man bekommt über die volle Laufzeit der Serie einen Eindruck von dem Menschen hinter der Fassade des Trottels, sieht immer wieder das leise Glimmen des Mannes, der er auch hätte sein können, wenn nicht ein selbstsüchtiger Vater, eine großmäulige Mama, der schnelle Ruhm und ein verlogenes Geschäft ihre Arbeit an ihm verrichtet hätten. In meinem Text zu THE FOOT FIST WAY schrieb ich, dass der Film zeigt, wie schmerzhaft es für einen unterdurchschnittlichen Menschen sein muss, in einem Land aufzuwachsen, das auf dem eponym gewordenen Traum errichtet ist, dass jeder das Zeug zum Heldentum hat. Das stimmt ja einfach nicht, kann gar nicht sein. Kenny Powers hat gegenüber seinem Seelenverwandten Fred Simmons, dem Protagonisten des erwähnten Films, noch das zusätzliche Problem, dass er ja einmal am Superstardom schnuppern durfte. Was er nicht begreift ist, dass zu dauerhaftem Ruhm mehr gehört, als ein starker Wurfarm – und natürlich, dass Amerika noch etwas anderes fast genauso sehr liebt wie seine Helden: das große Scheitern. An jeder Ecke wird Powers an einstige Glanzzeiten erinnert, wird ihm der Erfolg, der ihm entglitten ist, unter die Nase gerieben. So wie seine Nation die Helden braucht, die sie an ihre Größe und das in ihr schlummernde Potenzial erinnert, braucht sie auch die abschreckenden Beispiele, die als Mahnung und Warnung dienen. Was macht man, wenn das die Rolle ist, die das Leben für einen vorgesehen hat?

EASTBOUND & DOWN nimmt fast biblische Ausmaße an. Der Weg Kenny Powers‘ ist eine Passionsgeschichte, eine Geschichte endloser Prüfungen, Niederlagen und Demütigungen. Das Schmerzhafte ist ja, dass man von Anfang an weiß, dass sie nie den Ausgang nehmen wird, auf den Powers selbst hinarbeitet. Das Versagen ist in ihn einprogrammiert – nicht unbedingt, weil er wirklich zu schlecht wäre: Zu siegen – in einem Teamsport noch mehr – bedeutet ja auch, dass man sich einem Regelsystem unterwirft. Nur wer mitspielt, kann gewinnen. Aber mitspielen, den Regeln anderer zu folgen und so implizit zuzugeben, dass man genauso ist wie sie, kommt für Powers einfach nicht in Frage. Er will nicht das Recht zugesprochen bekommen, wieder mitmachen zu dürfen. Er will nicht in einem Spiel gewinnen, dessen Regeln andere bestimmen. Er will seine eigene Geschichte schreiben. Das ist sein Ziel. Er erkennt es und tut genau das in einem gloriosen Ende, das mich sprachlos zurückließ. Allein für diese letzten fünf Minuten lohnt es sich, die komplette Serie zu sehen. Und natürlich für Danny McBride, das größte liebenswerte Arschloch der jünngeren Fernsehgeschichte. Ganz abseits von allen Vorzügen, die ich hier versucht habe, darzulegen – und den unendlich zitierwürdigen Dialogen, haarsträubenden Einfällen und bizarren Wendungen, die EASTBOUND & DOWN in einer Frequenz ausschüttet, dass die überhypte BREAKING BAD daneben wie ein spießiger Langweiler aussieht -, ist EASTBOUND & DOWN fantastisch inszeniert, verfügt über eine triumphale Musikauswahl und eine Spitzenbesetzung. Neben den genannten Haupt- und den toll ausgewählten Nebendarstellern sind unter anderem Will Ferrell als geckenhafter Autohändler, Jason Sudeikis als Powers‘ bester Freund Shane (und dessen Zwillingsbruder), Matthew McConaughey als Baseball-Scout, Michael Peña als Besitzer des mexikanischen Baseball-Teams, Craig Robinson als Powers‘ großer Rivale, Sacha Baron Cohen als Fernsehproduzent, Seth Rogen als Pitcher, Gina Gershon als arrogante Hausbesitzerin und Marilyn Manson (in zivil) als Kellner zu sehen. Schade, dass es vorbei ist.

 

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Henry Hill benötigt in GOOD FELLAS einen guten halben Film, bis er bemerkt, dass das geile Leben als Mafiosi vielleicht doch nicht so prall ist, THE SPORANO gönnte sich gar mehrere Jahre, um es zu entzaubern. In Jonathan Demmes MARRIED TO THE MOB hat Angela DeMarco (Michelle Pfeiffer), Gattin von Frank „The Cucumber“ DeMarco (Alec Baldwin), seines Zeichens Killer in Diensten von Boss Tony „The Tiger“ Russo (Dean Stockwell) schon in der ersten Szene die Schnauze voll. Die aufgebrezelten Ehefrauen der anderen Familienmitglieder gehen ihr mit ihrem oberflächlichen Gesülze auf die Nerven, und dass ihr Sohn seinen Freunden das Geld mit Taschenspielertricks aus der Tasche zieht oder gar mit des Vaters Bleispritze hantiert gefällt ihr genauso wenig wie die Tatsache, dass ihr Wohlstand mit blutigem Geld erkauft wurde. Doch ihren Wunsch nach Scheidung lacht der Gatte einfach so weg: Es scheint kein Entkommen vor der Familie zu geben. Das ändert sich, als Frank von Tony mit dessen Geliebter ertappt und erschossen wird: Angela verschenkt ihr Haus und zieht in eine Bruchbude nach Manhattan, Hauptsache weit weg. Dummerweise hat Tony Pläne mit ihr und das zieht sowohl den FBI-Agenten Mike Downey (Matthew Modine) an, der den Mobster hinter Gitter bringen will, als auch Tonys eifersüchtige Ehefrau Connie (Mercedes Ruehl).

Demme kommt das Verdienst zu, den Mafiafilm mit MARRIED TO THE MOB schon vor den weiter oben genannten, aber weitaus berühmteren Genrevertretern „entzaubert“ zu haben. Hinter dem Gerede von Ehre und Familie verbirgt sich bei ihm ein grotesker Intrigenstadl von oberflächlichen Menschen mit schlechtem Geschmack und noch schlechteren Manieren. Auch wenn mit dem großen Geld herumgeworfen wird und sich alle in feinen Zwirn kleiden: Im Grunde ist die italienische Mafiafamilie nichts anderes als das Zerrbild der amerikanischen Keimzelle mit ihrem Häuschen in der Vorstadt, dem verzogenen Rotzbalg und den kleinbürgerlichen Vorstellungen von Wohlstand. Die Frau darf in den eigenen vier Wänden die Herrin des Hauses spielen, aber eigentlich hat sie nichts zu melden, und schon gar keinen Anspruch darauf, die „Einzige“ zu sein. Angela ist das zu wenig: Sie hat andere Vorstellungen vom Leben und um die umzusetzen, nimmt sie gern auch eine vorläufige wirtschaftliche Verschlechterung in Kauf. Hautsache endlich etwas Echtes. Die Ironie besteht darin, dass sie die ausgerechnet in der Beziehung zu einem Mann findet, der ihr etwas vorspielt. Zwar entwickelt Mike schnell einen echten Crush für die charmante junge Frau – und wie könnte er das angesichts von Michelle Pfeiffer auf dem Gipfel ihrer Attraktivität auch nicht? -, aber gleichzeitig verschweigt er ihr etwas: seine wahre Identität und seine Beweggründe.

MARRIED TO THE MOB ist etwas weniger komplex als der meisterhafte SOMETHING WILD, aber trotzdem ein Fest. Erneut erweist sich Demme als großer Komödienregisseur, der seine Filme mit dem Schwung, Esprit und der Eloquenz der Screwball-Klassiker infiziert, und darüber hinaus als sehr genaue Beobachter. Grandios ist vor allem Mercedes Ruehl als eifersüchtige Connie, Anführerin der Ehefrauenclique, die sich gegen die abtrünnige Angela verschwören und ihr natürlich da auflauern, wo Frauen „unter sich“ sind: zwischen den Regalreihen des Supermarktes. Mit ihrem Zorn stellt sie ihren wild um sich schießenden Gatten durchaus in den Schatten: Hell hath no fury like a woman scorned, indeed. Wie im Vorgänger gibt es auch wieder eine wunderbare Tanzszene, die die ganze transzendentale Kraft von Musik und sich verausgabendem Tanz einfängt, und die für Demme typischen Gastauftritte und Regulars: Tracey Walter ist als schmieriger Restaurantbesitzer zu sehen, Charles Napier als schwuler Stylist, Chris Isaak als Killer und Todd Solondz als Reporter. Anders als SOMETHING WILD drängt sich MARRIED TO THE MOB nicht direkt auf, aber er macht einfach Freude und zeigt Klasse in seiner Homogenität. Leider gibt es so etwas heute gar nicht mehr.

 

the foot fist way (jody hill, usa 2006)

Veröffentlicht: September 17, 2017 in Film
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Als Vorbereitung auf die großartige Serie EASTBOUND & DOWN schufen Jody Hill und Danny McBride THE FOOT FIST WAY, „The story of a man who teaches people how to kick other people in the face“. Wie auch bei der Serie über den heruntergekommenen Ex-Baseballstar Kenny Powers, beschränkt sich dieser Film jedoch nicht auf den vordergründigen Witz seiner Prämisse: Hinter dem bisweilen grellen Humor von THE FOOT FIST WAY steckt das schmerzhafte Porträt eines verblendeten Dummkopfes; eines Mannes, der ahnt, das er ein Idiot ist, dem aber schlicht die kognitiven Fähigkeiten fehlen, „besser“ zu werden. Es ist ein Klischee, aber es stimmt tatsächlich, das einem das Lachen hier oftmals im Halse stecken bleibt.

Danny McBride ist Fred Simmons, Tae-Kwon-Do-Lehrer in einer amerikanischen Kleinstadt. Er ist ein Prahlhans von eher minderem Talent, der sein Leben mit nur halb verstandener fernöstlicher Philosophie und der Behauptung körperlicher Disziplin größer und interessanter machen will. Er ist ein Versager, was auch jeder sieht, aber seine Rolle als Lehrmeister verleiht ihm die Autorität, die er eigentlich nicht hat. Sein Beruf ist gewissermaßen ein Live-Rollenspiel: Er füllt eine Rolle aus, die ihm mindestens drei Nummern zu groß ist. Zuhause wird sein Scheitern endgültig evident: Seine platinblonde Gattin Suzie (Mary Jane Bostic) respektiert ihn kein Stück, stellt ihn vor seinen Schülern bloß und schmeißt sich an ihrem Arbeitsplatz jedem an den Hals, der auch nur das geringste Interesse zeigt. Irgendwann platzt der „Meister“ …

Sowohl hier als auch bei EASTBOUND & DOWN wird ein höchst schmaler Grad beschritten: Sich über den Trottel lustig zu machen, ihn von oben hinab mit Spott zu überschütten und ihn mithilfe des Drehbuchs zu demütigen, ist eine Gefahr, der sich die Macher in nahezu jeder Sekunde aussetzen. Und teilweise gelingt es ihnen nicht, zu widerstehen, aber sie fangen das immer wieder auf, indem sie dem Trottel Momente der Klarheit gewähren, in denen er erkennt, wer er ist und seinen Impulsen zuwiderhandelt. Das schwächt die Wirkung nicht ab, im Gegenteil werden THE FOOT FIST WAY und EASTBOUND & DOWN dadurch erst wirklich schmerzhaft und wahr. Hier werden nicht einzelne Charaktere aufs Korn genommen, sondern eine Kultur enttarnt, die Helden verehrt und Größe einfordert, aber ihren weniger begabten Individuen keine Möglichkeit bietet, sie zu zeigen. Was macht man, wenn man wie Fred Simmons dem falschen Glauben aufsitzt, ein Mann müsse in jeder Sekunde seines Lebens der Mack Daddy sein – körperlich und mental stark, selbstbewusst, gutaussehend, viril, intelligent -, aber eben nur ein armer Tropf ist, wenig attraktiv, nicht besonders clever, mit Bierbauch, fliehendem Kinn und ohne Publikum, das ihn feiert?

In THE FOOT FIST WAY gibt es Augenblicke, in denen die Komödie droht, ins Psychogramm zu kippen, meint man, der Film verwandle sich jetzt in jeder Sekunde in eine Variation von HENRY: PORTRAIT OF A SERIAL KILLER. In EASTBOUND & DOWN wird das sauberer gelöst, sind die Übergänge fließender, ist der Gesamtentwurf homogener. THE FOOT FIST WAY lässt noch diese ausgeklügelte Dramaturgie vermissen, was sich auch darin zeigt, dass der Film stilistisch wie ein Homevideo oder eine Doku konzipiert ist, eine Sammlung unverbundener Einzelszenen, willkürlich zusammengestelltes Szenenmaterial. Der daraus resultierende Realismus ist für einen Low-Budget-Film einerserseits eine kluge Entscheidung, aber er macht THE FOOT FIST WAY auch noch deutlich unangenehmer als EASTBOUND & DOWN, die über eine geschliffene Inszenierung und visuelle Gestaltung verfügt und ihre absurderen Einfälle besser integrieren kann. Aber da muss man erst einmal hinkommen. THE FOOT FIST WAY war der nötige Zwischenschritt und ist als solcher absolut sehenswert. Den Humor des Films beschreibt der Witz sehr gut, in dem ein Mann mit einem Messer im Rücken ins Krankenhaus kommt. „Tu es sehr weh?“, fragt ihn eine Krankenschwester. „Nur wenn ich lache“, antwortet der Unglückliche.

SOMETHING WILD habe ich zuletzt während meiner Teeniezeit gesehen: Wenn ich mich recht erinnere, steckte die Videokassette in einer dieser schönen Hüllen, die man nicht komplett aufklappte, sondern an der schmalen Seite öffnen musste. Wie dem auch sei, ich mochte den Film damals, war aber davon enttäuscht, wie er sich in der zweiten Hälfte entwickelte. Als Criterion ihm vor ein paar Jahren die Ehre erwies, ihn in ihre ruhmreiche Collection aufzunehmen, war ich zunächst verwundert und dann enorm neugierig, ihn wiederzusehen. Das hat zwar etwas länger gedauert, aber dafür bin ich jetzt total weggeblasen: Mit SOMETHING WILD ist Jonathan Demme ein modernes amerikanisches Meisterwerk gelungen, ein Film, der seine späteren mehrfach ausgezeicheten Klassiker meiner Meinung nach weit übertrifft. Der Film vereint den Esprit, die Lockerheit und die sexuelle Progressivität, die die besten der populären Komödien der Achtzigerjahre sich aus der Screwball Comedy entlehnt hatten, mit einer subtilen Abgründigkeit, die in THE SILENCE OF THE LAMBS dann endgültig an die Oberfläche drang, und einem gleichermaßen liebevollen wie wissenden Blick auf die USA und ihre Kultur. SOMETHING WILD ist ein ungemein reicher Film, der immer wieder überrascht, wenn man meint, ihn“ausgerechnet“ zu haben, und selbst vermeintlich „unwichtige“ Szenen mit schön beobachteten Details zum Leben erweckt. Dem Titel angemessen handelt es sich um einen schnellen, emotionalen Film, der dennoch nie gehetzt wird, sondern sich immer wieder die Zeit nimmt, durchzuatmen, die Dinge wirken zu lassen. Und dann dieses Licht, eingefangen von Demmes Stammkameramann Tak Fujimoto. Ein Gedicht.

Charles Driggs (Jeff Daniels) ist der prototypische Eighties-Yuppie: Gerade zum Vizepräsident seiner Steuerberatungsfirma erkoren, nimmt er im feinen Zwirn seinen Lunch in Manhattan ein, als die schwarzhaarige Lulu (Melanie Griffith) in sein Leben tritt und es binnen Sekunden auf den Kopf stellt. Sie entführt ihn, verabreicht ihm Schnaps aus der Pulle, kettet ihn in einem schäbigen Motel in New Jersey ans Bett und zwingt ihn dann während des ungezügelten Sex dazu, erst seinen Chef und dann seine Frau anzurufen. Er meistert die unangenehme Situation mit Bravour und erntet dafür das Lob der unkonventionellen Verführerin: „You’re a good liar, Charlie.“ Sie ahnt in diesem Moment noch nicht, wie Recht sie wirklich hat. Was wie eine Liebesgeschichte über das „Manic Pixie Dream Girl“ beginnt, die dem langweiligen Spießer das wahre Leben zeigt, nimmt bald einen ganz anderen Verlauf: Erst verwandelt sich Lulu in die blonde, brave Audrey, dann taucht ihr Ex-Mann Ray (Ray Liotta) auf und entpuppt sich als gefährlicher Psychopath, der seine Frau nach absolvierter Haftstrafe verständlicherweise zurückhaben will. Der zögerliche Charles bekommt seine Chance, sich zu behaupten, SOMETHING WILD durchläuft eine weitere Metamorphose von der Liebeskomödie zum harten Thriller.

Die Komplexität der Geschichte wird getragen durch die Darsteller: Melanie Griffith ist als exotische Verführerin genauso überzeugend wie als verzweifelte damsel in distress; noch wichtiger ist es, dass ihr der Übergang gelingt. Dass sie die Verkleidung der selbstbewussten Femme Fatale ablegt, ist kein Zeichen der Schwäche, kein Kotau vor dem auserkorenen Liebhaber: Sie fühlt sich sicher, ihm ihr wahres Gesicht zeigen zu können, weil er sich ihr als vertrauenswürdig erwiesen hat. Jeff Daniels‘ triumphale Leistung liegt darin, das wahre Gesicht seines Charles zu verbergen: Charles spielt nämlich seinerseits ein Spiel mit Audrey, auch wenn er als völlig „offen“ erscheint: Er ist in der komfortablen Lage, sich dem Abenteuer ganz hinzugeben, die Rolle des überwältigten Langweilers auszufüllen und abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Er hat nichts zu verlieren, auch wenn es die ganze Zeit den Anschein macht, als müsste er eine existenzielle Entscheidung treffen. Demme hält diese Differenz sehr lang aufrecht, ohne sie aufzulösen. Wenn Charles kurz vor Schluss die Dinge in die Hand nimmt, seinen Rivalen konfrontiert und aufs Ganze geht, ist das gar kein so großer Schritt für ihn: Er hatte die ganze Zeit über ein gutes Blatt auf der Hand. Jetzt ist lediglich der Moment gekommen, in dem er sich entscheidet nicht länger zu bluffen. Und Ray Liotta ist ganz schmieriger Charme und schwelende Bedrohung, die lediglich durch diesen unendlich traurigen Blick unterwandert wird. Er ist der Schurke, aber man versteht seinen Schmerz.

Es gäbe noch so viel zu sagen über SOMETHING WILD: Über sein Amerika, das aus geschwungenen Highways durch grüne Wälder besteht, gesäumt von Motels, Diners, Tankstellen und Souvenirläden. Das von echten Originalen bevölkert wird (u. a. John Waters als Autoverkäufer und Charles Napier als Koch), von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Klassen. Das jenseits der pulsierenden Metropolen aus kleinen Orten besteht, mit ihren eigenen Geschichten, die sich dann mit den Menschen über das Land verbreiten und mit anderen Geschichten verbinden. Das sich aus Träumen und Ideen speist, die manchmal spontan entstehen, manchmal aber auch durch den reichen Schatz an existierenden Filmen und Erzählungen befruchtet werden. Das schließlich von verschiedensten Klängen erfüllt ist, die sich alle zu einem unverwechselbaren Sound zusammenfügen, ein Sound der sich immer wieder verändert, entwickelt, entfaltet. Das Leben von SOMETHING WILD ist kein langer, ruhiger Fluß, es ist ein unberechenbarer Strom – und ob man kentert und untergeht oder am Ziel ankommt, hängt entscheidend davon ab, ob man bereit ist, sich auf die Herausforderungen, die seine Stromschnellen und Untiefen darstellen, einzulassen. Es lohnt sich.

 

Nur wenige Profiwrestler haben es geschafft, so berühmt zu werden wie Hulk Hogan und vor allem auch über ihre aktive Laufbahn einen gewissen Status zu wahren. Seinen ersten Profikampf trug er 1977 aus, in den Achtzigerjahren war er eine Art Popstar, wie auch sein Auftritt in ROCKY III belegt, noch in den Neunzigern zog seine „Hulkamania!“-Tour die Massen an – und nebenbei versuchte er es auch noch mit einer Filmkarriere. Die kam trotz einiger Versuche nie so richtig aus den Pötten, da hat Dwayne Johnson dann doch einige Nasenlängen Vorsprung, aber dafür erlangte Hogan zweifelhafte Popularität mit seiner Reality Soap und zählt zu jener Sorte Celebritys, die nie weit von einem Mikrofon der Regenbogenpresse entfernt sind.

MR. NANNY ist Hogans dritter eigener Spielfilm nach NO HOLDS BARRED und SUBURBAN COMMANDO und er knüpft konzeptionell ziemlich deutlich an Schwarzeneggers erfolgreichen KINDERGARTEN COP an. Wenn man sich nichts Witzigeres vorstellen kann als einen Hünen, der auf zu kleinen Stühlen sitzt, von Kindern gedemütigt wird oder mit Tütü herumläuft, muss man MR. NANNY in der Tat wenigstens einmal gesehen haben. Wenn man lediglich ein Herz für die bescheuerten Auswüchse der Popkultur hat, aber natürlich auch. MR. NANNY ist erstaunlicherweise gar nicht so scheiße, wie man sich das vorstellt, ein paar der Gags funktionieren sogar und zwar nicht trotz, sondern wegen Hogan, aber am Ende ist das ganze Dingen dann doch eher Durchschnitt.

Hogan ist Sean Armstrong, ein ehemaliger Catcher, der immer in Geldnöten ist und zudem ein solch gutes Herz hat, dass er seinem alten Manager Burt (Sherman Hemsley) immer aus der Patsche hilft, wenn der in Nöten ist – also ständig. Aktuell benötigt der Erfinder Alex Mason (Austin Pendleton) Hilfe: Ein Schurke namens Thanatos (David Johanson) hat es auf einen wertvollen Mikrochip abgesehen und der alleinerziehende Mason fürchtet um die Sicherheit seiner Kinder Alex (Robert Hy Gorman) und Kate (Madeline Zima), also engagiert er Armstrong als Bodyguard und Babysitter. Doch der tut sich schwer mit den beiden Satansbraten, denen ein Erziehungsberechtigter fehlt, der ihnen Grenzen aufzeigt.

Hogan bekommt im Verlauf des Films Bowlingkugeln auf den Kopf und Duschköpfe in die Fresse. Er stolpert über Drähte, stürzt Treppen hinab, wird im Fitnessraum gequält, unter Strom gesetzt und in einen Pool voller roter Farbe gestürzt. Mehr als einmal ist er kurz davor, alles hinzuschmeißen, doch er erlebt seinen Durchbruch, als er den Kiddies einmal zeigt, wer der Herr im Hause ist: Was sie von ihrem Daddy, der aus Angst vor Ablehnung immer lieb ist und „Ja“ und „Amen“ sagt, einfach nicht gewöhnt sind. Ab diesem Zeitpunkt entspinnt sich eine wunderbare Freundschaft, Armstrong tanzt im rosafarbenen Ballettanzug durchs Haus und trinkt mit abgespreiztem kleinen Finger Tee aus den winzigen Tassen von Kates Puppenstube. Der Schurke Thanatos hat eine verchromte Schädelplatte, klagt ständig über Migräne und zu seinen henchmen gehört ein Kraftprotz der deutsche Ein-Wort-Befehle bellt. MR. NANNY fängt richtig gut an und ich erwartete insgeheim schon ein kleines Highlight der Gaga-Komödie, doch dann nimmt der egale und austauschbare Plot immer mehr Raum ein und der Film versandet etwas in der Normalität der Familienkomödie. Hogan ist mit seiner Dreiviertelglatze, der buttergelben Mähne und dem Mongolenschnäuz eine Augenweide, wenn er mit den Augen rollt, bewusstlos umfällt oder mit elektrifizierter Haarpracht herumläuft, aber eher trist, wenn er die abgegriffene Botschaft des Films – etwa: „Kinder brauchen Liebe, aber auch eine Autoritätsperson“ – verkörpern muss. Wer will sowas sehen? Gibt es wirklich Menschen da draußen, die in einer Hulk-Hogan-Komödie nach Erziehungstipps suchen? Und vor allem: Solche Tipps? Ich hatte gehofft, ich könne durch die Sichtung meinen Leg Drop, Hogans berüchtigten Finishing Move, verbessern und diese Kunst an meine Kinder weitergeben, aber das war wohl nichts. Ich baue auf SANTA WITH MUSCLES, den ich als nächstes schauen werde.

Nein, gemessen an Wilders zahlreichen  Großtaten ist BUDDY, BUDDY kein guter Film. Aber weil es eben ein Wilder ist, ist er dennoch amüsant geraten. Das Remake von Édouard Molinaros L’EMMERDEUR von 1973 lässt Walter Matthau als Auftragsmörder Trabucco auf den suizidalen Fernsehzensoren Victor Clooney (Jack Lemmon) treffen. Trabucco will von seinem Hotelzimmer aus den Kronzeugen in einem Mafiaprozess erschießen, doch dabei kommt ihm immer wieder der nebenan wohnende Clooney in die Quere, der seine Ehefrau (Paula Prentiss) an den Sexguru Dr. Zuckerbrot (Klaus Kinski) verloren hat und sich deshalb umbringen will. Die Versuche Trabuccos, den Störenfried loszuwerden scheitern und am Ende benötigt er sogar die Hilfe der bürgerlichen Nervensäge.

BUDDY, BUDDY hat eine schön lakonische Performance von Matthau, einen gewohnt nervösen Lemmon und einen herrlichen Kinski aufzubieten, dazu eine sonnige kalifornische Atmosphäre, aber der Erfolg des Ganzen wird durch eine eher hemdsärmelige Dramaturgie sabotiert und ihm fehlt etwas, was Wilders Komödien sonst immer auszeichnete: Tempo und Timing. Seinen Witz bezieht BUDDY, BUDDY zumindest auf dem Papier eigentlich daraus, dass ein hoffnungsloser Verlierer einen eiskalten Profi an den Rand des Wahnsinns treibt, bis letzterer auf ersteren sogar angewiesen ist. Aber genau hier versagt Wilder: Ihm fehlt der lange Atem und auch die Finesse, um Trabucco langsam, aber unaufhörlich in den Wahnsinn zu treiben. Vielleicht ist die Entscheidung, mit Matthau und Lemmon ein Traumpaar der US-Komödie für BUDDY, BUDDY wiederzuvereinen, mitursächlich für das Scheitern des Films: Ihr Mit- und Gegeneinander ist schon zu eingeschliffen, als dass es noch echte, ursprüngliche Emotionen evozieren würde. Matthau wirkt als Trabucco weniger genervt von Clooney, als einfach nur müde. Auch der Subplot um Dr. Zuckerbrot zeigt diese Probleme: Wilder steuert im Konflikt zwischen Clooney und dem exzentrischen Wissenschaftler auf einen großen Höhepunkt zu, nur um Kinski dann kurz vorher höchst unspektakulär aus dem Film zu nehmen. Der geht einfach!

Natürlich ist Wilder einfach zu gut, als dass hier nicht auch der ein oder andere Lacher abfiele. Die meisten gehen auf das Konto von Lemmon, der sich als moralistischer Spießer über Nippel zur Primetime ereifert und die Patienten in Zuckerbrots Sexklinik als „Perverse“ beschimpft. Kinskis Performance beweist, dass an ihm ein grandioser Komiker verloren gegangen ist, dessen Potenzial in dieser Richtung leider unentdeckt blieb. In einer Nebenrolle punktet zudem Dana Elcar als wichtigtuerischer Captain Hubris (!). Matthau hingegen agiert eine Nummer zu routiniert für diesen Film: Er agiert so abgebrüht, dass ihn dieser Clooney eigentlich kaum wirklich aus der Ruhe bringt, was aber Dreh- und Angelpunkt des Plots ist. Und Paula Prentiss ist als Clooneys Ex-Frau, die seinen Ehering zu einem Penisanhänger für den neuen Lover hat umformen lassen, seltsam übersteuert. Dass die beiden 12 Jahre miteinander verbracht haben sollen, nimmt man beiden einfach nicht ab.

So bleibt am Ende ein, wie gesagt unterhaltsamer, hier und da durchaus komischer Film, der aber viel, viel mehr Potenzial gehabt hätte und insgesamt unüberlegt und provisorisch wirkt. Vielleicht hatte Wilder einfach keine rechte Lust mehr.

Der Zahnarzt Julian Winston (Walter Matthau) gaukelt seiner viele Jahre jüngeren Geliebten Toni (Goldie Hawn) vor, verheiratet zu sein, um sich nicht an sie binden zu müssen. Ein Selbstmordversuch Tonis bringt einen Sinneswandel und weitere Komplikationen, denn das Versprechen Julians, sich scheiden zu lassen, reicht ihr nicht. Sie will seine Ehefrau kennen lernen. Dem Zahnarzt gelingt es, seine Praxisassistentin Stephanie Dickinson (Ingrid Bergman) dazu zu überreden, sich vor Toni als seine Gattin auszugeben …

Nach dem Erfolg seiner Theateradaption von THE ODD COUPLE kehrte Regisseur Gene Saks mit einer weiteren Verfilmung eines erfolgreichen Broadway-Stücks zurück. CACTUS FLOWER handelt von der Doofheit der Männer in Beziehungsdingen, von der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit, die Männer mit jüngeren Geliebten normal findet, Frauen, die sich mit jungen Männern umgeben, aber als unpassend, von der Liebe zwischen Gleichaltrigen und natürlich vom Aufblühen einer vermeintlich alten Jungfer, eben der Kaktusblüte. Wie schon beim Vorgänger ist CACTUS FLOWER stark dialoglastig und im Wesentlichen auf zwei, drei Handlungsorte reduziert. Die drei Hauptdarsteller füllen ihre stark klischierten Rollen mit Leben, allerdings ohne den Stoff dabei in der Form aufzuwerten, wie das dem Traumpaar Matthau/Lemmon gelang. Das größte Problem von CACTUS FLOWER ist wohl, dass er sehr vorhersehbar ist und in seiner Charakterzeichnung eigentlich genauso vorurteilsbehaftet, wie er das selbst kritisiert. Matthau gibt den egoistischen Deppen, den seine Manipulationen einholen, Hawn das kuhäugige Naivchen, dqw ohne es mitzubekommen die Pläne ihres Geliebten durchkreuzt (und am Ende ziemlich unsanft abserviert wird), die Bergman die etwas strenge, aber patente Singledame, die im Zuge der sich vollziehenden Turbulenzen aufblüht und allein deshalb die Richtige für ihren Chef ist, weil sie mit ihm das Alter teilt. Die Sympathien gehören ihr, aber ihre finale Verbindung mit dem Protagonisten ist eher das Ergebnis schöpferischen Willens, als dass sie sich wirklich aus den Charakteren ergibt. Was sie an Winston findet, bleibt unklar, ebenso wie seine Beweggründe, Toni den Laufpass zu geben.

Trotzdem fallen ein paar hübsche Szenen und Dialoge ab. Am besten gefallen hat mir der Lokalkolorit des Manhattan der späten Sechziger, als sich sogar die Spießer in hippiesken Clubs wiederfanden und dort zusammen mit den cool cats eine flotte Sohle aufs Parkett legten. Toll ist auch Jack Weston als Patient Winstons, der sich von diesem als Dickinsons neuer Geliebter anheuern lässt und seiner eigentlichen Herzdame, einem dümmlichen Hippiemädchen, weismacht, er sei CIA-Agent. Insgesamt ein netter Film, der seine Momente, aber eben auch dieselben Probleme hat wie THE ODD COUPLE: Ich mag diese verlaberten, auf den Punkt gescripteten Boulevard-Komödien und ihre Filmadaptionen einfach nicht besonders. Auch hier habe ich mir immer wieder gewünscht, die Charaktere mögen doch mal ihre Klappe halten und den Film sich entfalten lassen.