Mit ‘Horror’ getaggte Beiträge

Ein psychopathischer Metalsänger, der einst mehrere Menschen umgebracht hatte, kehrt während eines Rockfestivals von den Toten zurück, um seine blutige Tat fortzusetzen und das „Final Girl“ von damals zu töten. Oder ist es doch ein anderer Täter?

Horror und Metal sind auf dem Papier eine gute Kombination: Metal hat seit seinen Anfangstagen mit Black Sabbath eine Affinität zu Schauerromantik und Okkultismus, Heerscharen von Grindcore-, Black-, Thrash-, Death- und Doom-Metal Bands bilden auf Covers horrible Szenen ab, besingen Tötungsarten, Zombieattacken und jahrhundertealte Flüche, widmen ihren Lieblingsfilmen passende Songs oder tummeln sich auf dem Soundtrack. Kein Wunder also, dass mehrere Filmemacher sich während der Achtziger- und frühen Neunzigerjahre, der kommerziellen und kulturellen Hochzeit des Metal, daran versuchten, beide Genres miteinander zu vermählen: man denke an Titel wie ROCK N‘ ROLL NIGHTMARE, HARDROCK ZOMBIES, BLACK ROSES, TRICK OR TREAT, SHOCK ‚EM DEAD, NEW YEAR’S EVIL, HACK-O-LANTERN oder die NEON MANIACS. Allerdings teilen die meisten dieser Filme (TRICK OR TREAT ist als größere Produktion eine kleine Ausnahme) nicht nur die Affinität zu Metal, sondern auch zu hirnrissigen Plots, Geschmacksverirrung, chargierenden Darstellern und ranziger Rummelplatz-Geisterbahn. Was die Chose natürlich umso liebenswerter macht.

ROCKTOBER BLOOD ist zum Glück keine Ausnahme: In Kollaboration mit ihrem produzierenden Ehemann Ferd „inszeniert“ von der Exploitation-Veteranin Beverly Sebastian (u. a, GATOR BAIT, AMERICAN ANGELS), zeigt ihr Film alle Merkmale, die den „Metal-Horror“ von damals auszeichnen: ein eher rudimentäres Verständnis der Musik und die Auffassung, jedes Metalkonzert sei eine Karnevalsveranstaltung, Hauptdarsteller, die ihren Job nur mäßig beherrschen (mit einer nur in Nuancen variierten Darbietung könnten sie auch als Mitglieder einer New-Wave-Combo durchgehen), heute natürlich wunderbar altmodisch anmutende Musik sowie schrundige „Effekte“, triste Settings und die irgendwie immer mitschwingende Ansicht, diese komische Musik sei vielleicht doch nicht so harmlos.

ROCKTOBER BLOOD ist dabei trotz seiner nun wirklich tausendfach durchgekauten Story so faszinierend unpointiert und ungeschickt gescriptet (?) und in Szene gesetzt, dass man nur staunen kann. Der Psychopath, von dem später steif und fest behauptet wird, er sei tot, verschwindet einfach durch eine Tür, ohne je wieder gesehen zu werden. Die anhaltenden Behauptungen der Protagonistin, er habe sie angegriffen, werden nicht ernstgenommen, obwohl es nachweislich mehrere tote Freundinnen gibt. Die Geheimhaltung der Identität des Killers wirkt sehr pro forma, angesichts der Tatsache, dass man sich gar keine Mühe gibt, auch nur einen zweiten Verdächtigen zu etablieren, und die Auflösung präsentiert dann eine „Überraschung“, die die wahrscheinlich denkfaulste Option darstellt, die eigene Ideenarmut zu kaschieren. Dass ROCKTOBER BLOOD technisch ausgesprochen mäßig und meist ziemlich langweilig ist, muss ich eigentlich nicht noch extra betonen.

Trotzdem ist Beverly Sebastians müder Reißer right up my alley. Er hat diesen unperfekten, amateurhaften und improvisierten Charme, ohne dabei total in die Untiefen des Amateurvideos zu sinken, er ist ein erschütterndes Zeitdokument, mehr als es jeder Musikclip aus dieser Zeit sein könnte, und er ist wirklich herrlich schrundig. Ganz toll ist die obligatorische „Wir-öffnen-das-Grab-des-Mörders-damit-du-weißt-dass-er-tot-ist“-Szene die mit dem Blick auf ein blankgeputztes, perlweißes Skelett mit Stirnband und Glitschwurm endet. Oder natürlich der Höhepunkt, das große Rockfestival, bei dem der zurückgekehrte Killer mit Gruselmaske auf der Bühne festgekettete Schönheiten ermordet und alle denken, dass sei nur ein cooler Effekt. Tray Loren, der Darsteller des Mörders, sieht zwar nicht für zehn Pfennig aus wie ein Metalsänger, aber sein Overacting ist den vollen Eintrittspreis wert, genau wie die zwei, drei feistkreischigen Metalsongs, die in Mangel weiterer Kompositionen rauf- und rutergenudelt werden. Dazu kommen Details, die man als Fan solcher Ware hoffentlich längst in sein Herz geschlossen hat: Aerobic-Einlagen, Bikini-Flecken auf Brüsten und Ärschen, holzvertäfelte „Wellness-Oasen“ mit offen herumliegenden Kabeln, eilig von der Requisite an die Wand getackerte AC/DC-Poster und ins Leere laufende Scares. Ich mag diesen Scheiß.

Advertisements

Wahnsinn, meine Gattin und ich habe es tatsächlich mal wieder in einen aktuellen Film ins Kino geschafft!

Etwas ganz Ähnliches kann man auch über THE MEG sagen, den Riesenhaifilm um den aus einem tiefen Schlummer geweckten Urzeithai Megalodon. Der Film nach einem Roman von Steve Alten sollte bereits vor über zehn Jahren gedreht werden – damals war Jan de Bont als Regisseur im Gespräch – und schlingerte ca. zwei Jahre lang durch die „development hell“, bevor New Line beschloss, das Projekt auf unbestimmte Zeit auf Eis zu legen (hier die entsprechende Nachricht dazu). Haifisch-Film-Fans wie ich dürfen nun frohlocken, denn der in mehrerer Hinsicht reanimierte Hai ist besser, als man es eigentlich erwarten durfte.

Die Handlung ist mehr oder weniger unwichtig: Ein vom unsympathischen Millionär Morris (Rainn Wilson) finanziertes Forschngsteam hat herausgefunden, dass die tiefste Stelle im Meer tatsächlich noch tiefer liegt als angenommen. Der Boden des Mariannengrabens ist nämlich gar kein Boden, sondern eine Art Nebelschicht, unter der sich ein völlig unerschlossenes Ökosystem befindet. Doch das erste Team, das sich in die unbekannten Tiefen begibt, wird sogleich von etwas sehr, sehr großem attackiert und liegt nun hilflos auf dem Meeresboden. Hinzugezogen wird der Rettungstaucher Jonas Taylor (Jason Statham): Der ist nicht nur der Ex-Mann der verunglückten Lori (Jessica McNamee), er hat seinen Job eigentlich an den Nagel gehängt, seitdem er bei der Bergung eines Atom-U-Bootes mit etwas sehr, sehr Großem konfrontiert, danach aber für verrückt erklärt wurde …

Das Wichtigste an einem Film um einen Monsterhai sind natürlich die Haiszenen selbst, die tricktechnisch sehr gut gelungen sind und viel Abwechslung bieten: Es gibt diese ominösen Bilder, in denen sich das Monster langsam aus dem Dunkel des Meeres schält, plötzliche Attacken, kurz vor der Kamera zuschnappende Mäuler, überraschende Sprungangriffe, Asichten der aus der hungrigen Ego-Perspektive, Blicke von oben, die das Ungetüm in voller Größe zeigen, und immer wieder die bedroliche Rückenflosse. THE MEG funktioniert als eine Art Best-of filmischer Haiattacken: Wer sich in den vergangenen 40 Jahren mit gefräßigen Meeresbewohnern und Unterwasser-Expeditionen im Film beschäftigt hat, wird naturgemäß einiges wiedererkennen. Die Ausgangssituation erinnert etwas an Camerons THE ABYSS und wartet mit einem schönen Panorama des neuen Lebensraumes auf. Das Hickhack auf der Forschungsstation kennt man natürlich aus Harlins DEEP BLUE SEA, manche Aufnahme zitiert den seligen JAWS 3-D. Später, wenn es auf die Jagd nach dem Monster geht, erkennt man die Spielereien mit Harpune und Haikäfig aus Spielbergs Klassiker JAWS wieder und sogar der oft verlachte ORCA wird referenziert. Und am Ende, wenn sich der Hai dem beliebtesten Urlaubsstrand der Welt nähert, wird manche JAWS-Einstellung nahezu eins zu eins übernommen.

Dem großen Vorbild kann Turteltaub erwartungsgemäß nicht das Wasser reichen: THE MEG ist Monsterfilm-nach-Zahlen und er begnügt sich damit, bekannte Situationen zu modifizieren und quantitativ einen draufzusetzen: Spielbergs Hai war sechs Meter lang, der Meg misst 20 Meter. Auch die Charaktere sind nicht mehr als hingeworfene Folien, die man sofort in die schon offene Schublade stecken kann und ihre kleinen Problemchen interessieren wirklich niemanden. Aber die Schauspieler machen das beste aus dem eng gesteckten Rahmen und sorgen dafür, dass man am Ball bleibt. THE MEG ist eigentlich eine mit viel Geld aufgeblasene Videopremiere (wenn es sowas denn noch gäbe) und es freut mich immer wieder, wenn solcher Käse mit viel Geld zum Summer-Event-Movie aufgeblasen wird, insofern hat er eh einen Bonus bei mir. Aber auch ohne diesen hätte ich gestern meinen Spaß gehabt.

Übersinnliche Phänomene waren in den Siebzigerjahren bekanntlich der heißeste Scheiß. New Ager entdeckten zwischen der Pediküre und dem Termin mit dem Broker plötzlich ihre „Spiritualität“, träumten vom Eingang ins Nirvana oder hielten sich für die Wiedergeburt eines indischen Teppichknüpfers. Die Zahl der Filme, die in jenen Jahren zu entsprechenden Themen entstanden, ist erstaunlich. Und obwohl die meisten von ihnen thematisch dem Horrorkino verpflichtet sind, haben die wenigsten von ihnen etwas mit Horror zu tun. Das bringt mich zu Thompsons THE REINCARNATION OF PETER PROUD, einem Wiedergeburtsdrama, das sich selbst leider fürchterlich ernst nimmt, aber nicht viel mehr als gepflegte Langeweile produziert.

Der Universitätsprofessor Peter Proud (Michael Sarrazin) wird von rätselhaften Träumen heimgesucht. Sie sind lebensecht, haben mit ihm und seinem Umfeld aber nicht das geringste zu tun. Im furchteinflößendsten Traum wird ein Mann beim Schwimmen von einer Frau namens Marcia erschlagen. Proud sucht einen Parapsychologen auf und begibt sich in Schlaftherapie. Das Resultat ist erstaunlich: Proud träumt gar nicht, vielmehr scheint es sich bei den Bildern, die ihn plagen, um Erinnerungen zu handeln. Er geht auf Spurensuche, landet in einem verschlafenen Städtchen in Neuengland und sitzt dort bald dem Glauben auf, dass er die Wiedergeburt eines gewissen Jeff Curtis ist, der ca. dreißig Jahre zuvor von seiner Gattin (Margot Kidder) erschlagen worden war. Und er ist auf dem besten Wege, sich in Curtis‘ Tochter Ann (Jennifer O’Neill) zu verlieben …

THE REINCARNATION OF PETER PROUD ist geschliffen und geduldig inszeniert: Die Geschichte schreitet langsam voran, lässt ihren gebildeten Protagonisten nicht zu schnell auf esoterischen Pfaden wandeln. Kurze Inserts nackter Haut, die Proud erträumt, sind das einzige Zugeständnis Thompsons an den Exploitationfilm. Jeff Curtis, das alter ego des Protagonisten, entpuppt sich im weiteren Verlauf des Films als schlimmer Womanizer und Misshandler, ein mieser Karrierist, der damals nur bekommen hat, was ihm zustand. Und Proud scheint sich dann, zumindest in den Augen von Curtis‘ Ex-Frau und Mörderin, tatsächlich als Wiederkehr dieses Bastards zu entpuppen, als er sich an ihre Tochter heranmacht, obwohl er sich doch selbst für ihren spirituellen Vater hält. Natürlich vollzieht sich Prouds Schicksal dann fast exakt so, wie man das erwartet.

Man muss es Thompson zugute halten, dass er der Reinkarnations-Theorie nicht voll erliegt. Bis auf ein paar eher oberflächliche Gemeinsamkeiten haben Proud und Curtis nichts miteinander zu tun, er liebt Ann wirklich und ist weit davon entfernt, jemals gewalttätig zu werden. Aber wenn es in REINCARNATION nur um eine Art self-fulfilling prophecy ihres besessenen Protagonisten geht, stellt sich natürlich die Frage, woher diese Erinnerungen kommen, die sich nur dadurch schlüssig erklären lassen, dass Proud und Curtis etwas teilen. Aber das ist ja nicht unüblich für die übersinnlichen Filme aus jener Zeit: Sie wollen den Kuchen haben und ihn essen. Zeigen, was es für rätselhafte Phänomene zwischen Himmel und Erde gibt, aber sich dennoch das Hintertürchen der Wissenschaft aufhalten. Das finde ich immer schwierig, lasse es mir aber gefallen, wenn es mit einem gewissen Quäntchen Humor einhergeht. Aber davon ist Thompson weit entfernt, lädt alles mit bierernster Schicksalsschwere auf, selbst wenn die gerade 27-jährige Margot Kidder mit grau gefärbten Haaren die Mutter von Jennifer O’Neill spielen muss, die sogar ein halbes Jahr älter war. Bis auf wenige Details tilgt Thompson alles, was seinen Film irgendwie sensationalistisch oder reißerisch machen würde, aber es sind eben diese wenigen noch verbliebenen Details, in denen der Film eigentlich zu sich zu kommen scheint. Am Ende, wenn THE REINCARNATION OF PETER PROUD ganz und gar erwartungsgemäß und ohne echte Überraschung zum Schluss kommt, fühlte ich mich fast ein wenig erleichtert. Wie der T-Shirt- und Jeansträger, der nach dem steifen Geschäftsessen, endlich den Schlips lockern und das Bier aufreißen darf. Thompson musste witzigerweise noch ein wenig auf diesen Moment warten: Er drehte als nächstes das Bronson-Vehikel ST. IVES, in dem der sonst auf grummelige Haudegen abonnierte Star einen wohlhabenden Detektiv im Designeranzu spielte …

Pietro Francisci hatte mit seinen Herkules-Filmen LE FATICHE DI ERCOLE und ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA nicht nur zwei absolute Megahits geschaffen (tatkräftige Hilfe erhielt er dabei von Mario Bava) und das Subgenre des Peplum begründet, sondern auch das am Boden liegende italienische Kino wiederbelebt. In den Jahren bis ca. 1966/67 schossen die Pepla nur so aus dem Boden, vor allem nachdem Franciscis Filme mit einiger Verspätung auch in den USA einschlugen wie eine Bombe. Eine Renaissance erfuhr auch der Stummfilmheld Maciste, ursprünglich ein nubischer Sklave, den es in seinen frühen Filmen dann und wann aber auch sehr postmodern mit Anzug und Hut in Abenteuer in der Gegenwart verschlug. MACISTE CONTRO IL VAMPIRO ist der dritte der „neuen“ Maciste-Filmen und haut gleich mal ordentlich rein.

Direkt zu Beginn gibt es ein zünftiges Massaker an den Einwohnern von Macistes (Gordon Scott) Dorf, bei dem Männer Pfeile ins Auge bekommen, Kehlen augeschlitzt und Männer an den Füßen aufgehängt und dann angezündet werden. Maciste kommt zu spät, um das Unheil abzuwenden: Männer, Kinder und Frauen sind tot, die jungen Mädche wurden auf die Insel Salmanak verschleppt. Mit seinem jungen Freund Ciro (Rocco Vidolazzi) macht sich der Muskelprotz auf den Weg, um die Mädels, darunter seiner Freundin Guja (Leonora Ruffo) zu befreien. Hinter dem Frauenraub steckt der bösartige Dämon Kobrak, der mit hypnotischem Einfluss eine ganze Armee willenloser Mörder befehligt und auch die Frau von Salmanaks Herrscher, die schöne Astra (Gianna Maria Canale) unter seine Einfluss gebracht hat. Maciste zur Seite tritt Kurtik (Jacques Sernas), seinerseits legitimer Thronfolger …

Die Kopie, die mir zur Verfügung stand, war leider in einem etwas traurigen Zustand, was stichhaltige Aussagen über die visuelle Gestaltung etwas schwer macht. MACISTE CONTRO IL VAMPIRO schwankt beständig zwischen staubiger Rumpelkammer und gothischer Prä-Psychedelik, wie sie Maestro Bava himself nur wenig später in seinem eigenen ERCOLE AL CENTRO DELLA TERRA perfektionieren sollte. Er stellte sein Talent für Trickaufnahmen und Ausleuchtung wohl ach hier zur Verfügung, zumindest behauptet das Tim Lucas in seinem Bava-Standardwerk; und wer wäre i, ihm da zu widersprechen? Langweilig ist Gentilomos Film nie, er geht von Anfang an ein hohes Tempo und wirft seinem schlagkräftigen Helden im Zwei-Minuten-Takt Gegner zum Wegboxen in den Weg, aber richtig interessant wird er in der letzten halben Stunde, wenn das Geschehen immer fantastischer wird. Alles beginnt mit einem fadenscheinig, aber effektiv inszenierten Sandsturm, in dem Maciste und seine Guja die Übersicht verlieren und in eine Grotte stürzen, in der Kurtik mit der Blue Man Group haust. Wenn sich Maciste dann auf den Weg macht, Kobrak zu stürzen, erreicht MACISTE CONTRO IL VAMPIRO seinen Höhepunkt und man ist wieder der sechsjährige Knirps, der die Eltern anbettelt, diesmal doch länger als bis halb neun aufbleiben zu dürfen, um den Höhepunkt des Abendprogramms zu schauen.

Angeblich hat Sergio Corbucci – der gemeinsam mit Duccio Tessari auch das Drehbuch verfasste – Gentilomo zur Seite gestanden, aber darüber weiß ich nichts. Ein paar Szenen wirken zugegebenetwas holprig: Ganz zu Anfang erhascht man etwa einen so kurzen Blick auf ein Seeungeheuer, dass man sich schon fragt, ob da nicht möglicherweise mehr Material gedreht worden war. Aber es ist ja auch diese Unbekümmerheit und eben der Mangel an Perfektion, der diese Filme auszeichnet gegenüber den durchoptimierten, am Reißbrett entstandenen Eventmovies von heute. MACISTE E CONTRO IL VAMPIRO mal in einer richtig schnieken HD-Version: Das wär’s!

Der neureiche Mitch Hansen (Michael Rogen) ist mit seiner blonden Geliebten Kiki (Patty Mullen) auf dem Weg in eine glückliche Zukunft, da werden beide Opfer eines tödlichen Unfalls. So scheint es zumindest, denn bei der anschließenden Autpsie wacht der von Herzschmerz geplagte und außerdem grotesk entstellte Mitch wieder auf und tötet seine beiden Pathologen. Zehn Jahre später macht sich Judy (Patty Mullen), die Tochter der Verunglückten, mit ihren Freunden auf den Weg, den Unfallort aufzusuchen. Dabei verschlägt es sie auch zu der mittlerweile stillgelegten Irrenanstalt, in der Mitch einst untergebracht war und immer noch sein Unwesen treibt …

Ob es nun unbedingt erforderlich war, dass dieser mit einem Budget von 90.000 Dollar gedrehte Spätslasher das Arrow-HD-Treatment erfährt, sei mal dahingestellt. Filmhistorisch relevant ist er, wenn überhaupt, weil der spätere SEX & THE CITY-Star Kristin Davis hier sein Spielfilmdebüt feierte: Ob sie heute noch gern darauf angesprochen wird, wage ich zu bezweifeln und im Bonusmaterial glänzt sie dann auch mit Abwesenheit. Aber als Slasher-Komplettist kann ich dem Werk bescheinigen, seine Sache zumindest während der ersten Hälft besser zu machen als unzählige seiner Kollegen. Weil ihm für echten Thrill wohl die Mittel und die Inspiration fehlen, verlegt er sich auf einen angenehm debilen, mitunter die Grenze zur Selbstreflexion mit Lust überschreitenden grellen Humor. In der ruinösen Anstalt trifft das Figureninventar üblichen Opfermaterials etwa auf eine Girl-Punkband, die nicht nur grausame „Musik“ macht, sondern mit Bandleaderin Tina (Ruth Collins) auch über eine sehr exzentrische Sängerin verfügt, deren Verhaltensweisen mitunter an die farbenfrohen Schurken des Endzeitfilms denken lassen. Und die Schlagzeugerin ist eine Russin, die ihrem Hass auf das „System“ Luft verschafft, indem sie wahllose Parolen an die Wände schmiert. (Sehr modern: Die Aufschrift „Men“ auf der Herrentoilette überschreibt sie mit „Persons“.) Mit ihrer Nonkonformität ist es dann aber Schluss, als sie dem Killer gegenübersteht: Ihr Bekenntnis „I voted Republican!“ kann sie aber auch nicht retten. Sehr schön auch Judys Aussage, als sie sieht, wie ihr Freund sich mit schwindender Kraft am Dach des Hauses festhält: „He’s probably not gonna fall.“ Schön, wenn man seinem Partner vertraut.

Für eine Weile macht DOOM ASYLUM also durchaus Spaß, doch die Probleme beginnen, als es in den letzten Akt geht. Es ist ja von Anfang an klar, worauf das alles hinauslaufen wird und weder Regisseur Friedman noch Drehbuchutor Rick Marx haben sich die Mühe gemacht, sich einen Twist auszudenken, der die Laune noch einmal heben würde, nachdem zwei Drittel der Belegschaft abgemurst sind und es folglich nur noch darum geht, den Killer unschädlich zu machen. Das endlose Geschleiche durch das verfallene Gebäude bringt rein gar nichts außer Langweile und Zeit: DOOM ASYLUM hätte gut und gern nach 60 Minuten beendet sein können, denn selbst die schmalen 77 Minuten erscheinen einem dann am Ende noch deutlich zu lang (einen nicht unerheblichen Teil der Laufzeit machen Clips von SWEENEY TODD: THE DEMON BARBER OF FLEET STREET aus, den sich der Killer in seinem Keller auf dem Fernseher anschaut). Die positiven Eindrücke sind so schnell wieder verpufft.

Ich bin trotzdem bereit, in Anbetracht der ersten halben Stunde Gnade walten zu lassen, denn DOOM ASYLUM ist streng genommen eine größere Amateurproduktion (Nachtdrehs waren offenkundig nicht drin und Darstellerin Ruth Collins zahlte man die geradezu irrwitzige Summe von 100 Dollar, damit sie ihre Brüste entblößte). Ich habe ja irgendwann mal geschrieben, mein Ziel sei es, irgendwann behaupten zu können, alle Slasherfilme der „klassischen“ Phase gesehen zu haben und dafür muss man eben Opfer bringen. Es hätte aber, wie gesagt, deutlich schlimmer sein können.

Damals in Deutschland radikal gekürzt, war Brian Yuznas RETURN OF THE LIVING DEAD 3 ein letzter Paukenschlag des Splatterfilms „alter“ Prägung. An Dan O’Bannons klassischen ersten Teil kommt er nicht ran, Peter Jacksons kurz zuvor erschienener BRAIN DEAD ließ Steve Johnsons Gematsche schon etwas zweitrangig erscheinen und insgesamt wirkt der Film heute noch mehr wie eine DTV-Produktion als damals schon Trotzdem sollte er Freunden des Horror- und Splatterfilms immer noch munden, zumal er mit Mindy Clarke als Piercing-süchtigem Maso-Zombie eine wirklich ikonische Figur aufzubieten hat. Bei Koch Media ist derFilm unlängst ungekürzt in einem schicken Mediabook erschienen, zu dem ich das Booklet beisteuern durfte. Viel Vergnügen!

Erste Sichtung nach vielen, vielen Jahren. Aber als die ersten Töne des Carpenteresken Scores erklingen, ist alles wieder da. Henry (Michael Rooker), Otis (Tom Towles) und Becky (Tracy Arnold), der Fernseher, die Kamera, die gedrungene Statur des Mörders, sein ausdrucksloses Gesicht, das sadistische Lachen von Otis, Beckys Freude über das „I love Chicago“-Shirt. Und natürlich das Knacken der Genicke von Henrys Opfern, ihre Körper eingefangen in beinahe künstlerischen Stillleben, die Gesichter eingefroren nicht so sehr in Angst oder Schmerz, sondern in einer Grimasse der Überraschung, der Ungläubigkeit. Der Tod, den Henry bringt, ist die totale Willkür, nichts verbindet ihn mit seinen Opfern, er wählt sie bei seinen Ausflügen aus, folgt ihnen, spioniert sie aus und schlägt dann zu. Immer sind es Frauen und es ist die pure Lust, aber Henry hat sich unter Kontrolle, seine Triebe so weit im Griff, das er niemals Gefahr läuft erwischt zu werden. Er ist der menschgewordene Tod.

Doch mit der Routine ist es vorbei, als er seinen alten Knastkumpel Otis wiedertrifft. Soeben hat der seine Schwester bei sich augenommen, weil sie ihren Ehemann verlassen hat. Es entwickelt sich eine gefährlich Dreiecksgeschichte: Otis wird durch Henry auf den Geschmack des Tötens gebracht, aber ihm fehlt jegliche Beherrschung. Becky verliebt sich in den schweigsamen Henry, hinter dessen kühler Fassade eine gepeinigte Seele wohnt, und der erwidert ihre Gefühle. Sein Leben, wie er es zu leben gewohnt ist, ist in Gefahr.

HENRY: PORTRAIT OF A SERIAL KILLER entstand für ein Budget von knapp über 100.000 Dollar, nachdem Regisseur John McNaughton eine Dokumentation über den Serienmörder Henry Lee Lucas gesehen hatte. Der Film erlebte seine Premiere auf einem Filmfestival in Chicago. Es folgten weitere Einsätze, die ihm schnell einen kontroversen Ruf einbrachten, aber erst in den frühen Neunzigerjahren erfuhr er einen offziellen Kinostart in den USA, versehen mit dem berüchtigten X-Rating, das eigentlich Pornos vorbehalten ist. In vielen Ländern war er jahrelang beschlagnahmt oder nur stark geschnitten zu sehen, aber es war nicht der Vorwurf übertriebener Gewaltdarstellung, über den er stolperte, sondern die Kühle und Distanz, mit der er die Verbrechen von Henry und Otis einfängt. In einigen Szenen hilft ihm dabei der Camcorder, den die beiden Freunde mitführen: Eine Home Invasion, bei der sie eine dreiköpfige Familie umbringen und sich einen Spaß mit den Leichen machen, filmen sie mit und wir sehen sie durch das Objektiv des am Boden liegenden Geräts. Später sitzen beide zu Hause auf der Couch, eine Bierdose in der Hand, den eigenen Film begutachtend, als handele es sich um eine Talkshow, die man am Nachmittag aus Langeweile konsumiert. McNaughton zeigt den Wahnsinn als erschreckende Normalität und der gewaltige Sprung vom „normalen“ Bürger zum Triebtäter ist bei ihm (und Otis) nur ein kleiner Schritt. Genauso wie Todd Phillips HATED handelt auch McNaughtons HENRY: PORTRAIT OF A SERIAL KILLER von einer verwundeten Generation von Männern, für die es in der Gesellschaft kein echtes Auffngbecken gibt. Henry und Otis sind seelisch kaputt, finanziell am Boden, ohne soziales Umfeld, das ihnen helfen könnte. Was bleibt sind Dosenbier, Sex mit billigen Prostituierten, Frustration und der Kick, den die Gewalt verspricht.

Auffällig: Der Titel des Films ist ein Trick. Es gibt kein Porträt, nur eine (repräsentative) Momentaufnahme. Was Henry über sich selbst sagt, kann wahr, aber genauso gut gelogen sein. (Darin orientiert sich McNaugton an seinem realen Vorbild.) Wesentlich näher ist uns Otis: Er liegt da wie ein offenes Buch, ein Einfaltspinsel mit einfachen Bedürfnissen. Henry ruht den ganzen Film über in sich, Otis macht eine Reise durch und verändert sich dabei. Er fungiert auch als eine Art Stand-in für den Zuschauer, der sich bei der Kontaktaufnahme mit dem Serienkiller hinter ihm verstecken kann. Aber erstaunlicherweise ist uns Henry näher als Otis. In seinem Tötungshandwerk bringt er den Opfern einen gewissen Respekt entgegen, während Otis immer maßloser wird.

Als wir nach der Vorführung über den Film sprachen, bemerkte Jochen, dass wir im Versuch, die Hauptfigur zu verstehen, alle mehr über uns sagen, als über Henry. Das ist der Kern des Films: Es geht nicht um den Serienmörder. Er ist nur der Katalysator. HENRY: PORTRAIT OF A SERIAL KILLER hat in den vergangenen, nun schon 32 Jahren nichts, rein gar nichts von seiner Power und suggestiven wie verstörenden Kraft eingebüßt. Es ist ein im wahrsten Sinne des Wortes erschreckend guter Film, nahe an der Perfektion und mit drei zentralen Performances geadelt, ohne die er kaum denkbar wäre. Mit anderen Worten: ein modernes amerikanisches Meisterwerk.