Mit ‘Horror’ getaggte Beiträge

Warum dieser Film BLUE MONKEY heißt, ist leider auch nach dem Studium diverser Online-Artikel nicht klar. Der deutsche Verleihtitel INSECT, der das schicke Videocover zierte, macht definitiv mehr Sinn. Als Steppke hielt ich die Kassettenhülle zahllose Male in der Hand, ohne allerdings Nägel mit Köpfen zu machen und das Teil auszuleihen. Warum, weiß ich nicht mehr, denn die Szenenfotos versprachen ein effektreiches Spektakel, das 30 Jahre später  erwartungsgemäß nicht mehr ganz so beeindruckend daherkommt.

Fruets Film beginnt mit einem alten Opa, der von einem Insekt gestochen wird und daraufhin kollabiert. Im Krankenhaus erbricht er eine Larve, die sich in ein Insekt verwandelt, das nach der Unachtsamkeit einiger Kinder gigantische Ausmaße annimmt. Neben dem Mörderinsekt, das sich im Krankenhauskeller mit seiner Braut einnistet, haben die Insassen auch noch damit zu kämpfen, dass der Stich eine Epidemie ausgelöst hat. Die Regierung riegelt das Krankenhaus ab, um die Gefahr zu bannen, und so ist es an dem Polizisten Jim Bishop (Steve Railsback), der Ärztin Rachel Carlson (Gwynyth Walsh) und dem Insektenforscher Elliott Jacobs (Don Lake), den Kampf gegen das Insekt aufzunehmen, bevor es zu spät ist.

BLUE MONKEY zeigt ein buntes Potpourri von Einflüssen, von denen James Camerons ALIENS sicherlich der wichtigste ist. Die Hatz durch die blau ausgeleuchteten Kellergänge erinnert ebenso an den Klassiker wie die Szenen mit den in Kokons eingeschlossenen Opfern und das Monster selbst, eine Art riesiger schwarzer Gottesanbeterin, die ziemlich angepisst ist. Ein bisschen Katastrophenfilm spielt auch noch mit hinein, vor allem der Vergleich mit dem kürzlich erst gesehenen THE CASSANDRA CROSSING drängte sich auf. Auch das Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Figuren lässt an die effektintensiven, starbesetzten Vehikel der Siebzigerjahre denken: Neben den Protagonisten gibt es da noch zwei Omas, die sich ordentlich volllaufen lassen, während um sie herum ums Überleben gekämpft wird, eine Gruppe niedlicher Kiddies, die die Gänge unsicher macht und am Ende natürlich wichtige Unterstützung liefert, sowie ein Ehepaar, das gerade sein erstes Kind zur Welt bringt. Fruet versieht seinen Film mit viel auflockerndem Humor und besetzt diverse Rollen mit bekannten kanadischen Komikern. Trotzdem kippt BLUE MONKEY nicht in Richtung Genreparodie, sondern hält ein gesundes Gleichgewicht. Ein paar Einfälle sind hübsch bescheuert, aber das gehört ja auch irgendwie dazu. Jedenfalls erweist es sich als überaus praktisch, dass in dem Krankenhaus auch ein Labor zur Laserforschung untergebracht ist. Nachdem dieses nach seiner ausführlichen Einführung zu Beginn überhaupt keine Rolle mehr spielt, ist klar, wo das Insekt sein Ende finden wird. Und die Sexszene im Labor darf natürlich auch nicht fehlen. Fazit: Nicht so geil, wie ich mir das mit 15 ausgemalt habe, aber schon ganz nett, der blaue Affe.

Millionär Jason Kincaid (Oliver Reed) wird von Visionen heimgesucht, seit er bei einer Expedition von einer hochaggressiven Schlange gebissen wurde. Während sein Bruder an dem Schlangengift starb, überlebte Kincaid rätselhafterweise und scheint seitdem eine Art telepathischer Verbindung zu dem Tier zu haben. Er lässt es einfangen und nach Amerika bringen, wo er sich Unterstützung des Psychologen Thomas Brasilian (Peter Fonda) geholt hat. Natürlich bricht das Tier aus, weil sich der Anführer eines bizarren Schlangenkults ebenfalls dafür interessiert …

SPASMS (malerischer deutscher Titel: AVANAIDA – TODESBISS DER SATANSVIPER) erschien zu einer Zeit, als die sogenannten „Bubble-Effekte“ groß in Mode waren: Unter eine auf der Haut aufgetragene Latexschicht wurde Luft gepumpt, die die falsche Haut daraufhin lustige Blasen werfen ließ. Zu sehen war der Effekt sehr prominent in Joe Dantes THE HOWLING, aber er kam auch in kleineren Filmen zum Einsatz wie etwa in Philippe Moras THE BEAST WITHIN – oder eben in Fruets SPASMS. Dem putzigen Effekt verdankte SPASMS eine Platzierung auf der Titelseite einer frühen Ausgabe der Fangoria, die nebenan zu sehende Tagline und seine berühmtesten Szenenfotos, die man auch heute noch im Netz finden kann. Explodieren, wie es das Poster verspricht, tut allerdings keiner.

Fruet hat ein paar ganz hübsche Sachen gemacht, etwa den Terrorfilm DEATH WEEKEND, den Vietnam-Heimkehrerfilm SEARCH AND DESTROY, den Backwood-Film TRAPPED oder den originellen Slasher KILLER PARTY, aber trotz der famosen Besetzung und den genannten Splattereffekten ist SPASMS ähnlich öde wie sein missratener Grusler FUNERAL HOME. Es dauert einfach viel zu lang, bis der Film in die Gänge kommt, das Monster sieht man zu spät und der parapsychologische Quark führt nirgendwo hin. Stimmung kommt immer dann auf, wenn die „Satansviper“ zuschlägt: Die begnügt sich nämlich nicht, wie ihre kriechenden Filmkollegen, mit blitzschnellen Einzelbissen, nein, sie heftet sich wie ein blutgieriger Serienmörder an die Fersen ihrer Opfer und wirft sie anschließend durch die Gegend wie ein Profiwrestler mit Tollwut. Das ist schon eine Schau, aber leider auch völlig spannungsarm: Immer, wenn der Film einzuschlafen droht, wird eine unbedeutende oder nur zu diesem Zweck eingeführte Nebenfigur plattgemacht, ohne dass man viel sieht. Erst zum Schluss bekommt man die Schlange in (fast) voller Pracht zu Gesicht und wie es bei Filmen ist, die ihre Hinhaltetaktik überstrapazieren, ist die Enttäuschung groß.

Ich finde es ja grundsätzlich gut, wenn auch solche völlig absurden Filme nicht in offen zur Schau getragener Selbstironie versinken, aber SPASMS hätte eine Prise Humor oder wenigstens Lockerheit definitiv nicht geschadet. Man muss sich das mal vorstellen: Da liegt Oliver Reed festgeschnallt auf einem Untersuchungstisch, heimgesucht von POV-Shots der mörderischen Schlange und wirres Zeug stammelnd, während Psychologe Fonda mit seiner Sonnenbrille danebensteht und was von viral übertragener „extra-sensory perception“ faselt und Fruet behandelt das mit der Ernsthaftigkeit eines Wissenschaftsthrillers. Das muss man auch erst einmal hinbekommen. Ein feister Tierhorrorfilm wäre mir aber lieber gewesen.

the evil dead (sam raimi, usa 1981)

Veröffentlicht: April 22, 2017 in Film
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Es sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben: Sam Raimis hierzulande seit 1984 beschlagnahmter Horror- und Splatterfilm-Klassiker ist vor einem knappen Jahr endlich freigegeben worden – und aus gegebenem Anlass in einer üppigen Blu-ray-Edition erschienen. Welchen besseren Grund hätte es geben können, als sich THE EVIL DEAD endlich mal wieder anzusehen? Für critic.de habe ich darüber geschrieben. (Jetzt bitte noch MOTHER’S DAY rehabilitieren!)

the outing (tom daley, usa 1987)

Veröffentlicht: April 17, 2017 in Film
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Ein halbwegs origineller, wenn auch nicht herausragend guter Beitrag meines geliebten Achtzigerhorrors: THE OUTING, auch bekannt als THE LAMP und hierzulande stark gekürzt als KLAUEN DES TODES veröffentlicht, bemüht statt der damals üblichen maskierten Killer einen Flaschengeist, der sich – hier ist es dann aber auch schon wieder vorbei mit der Originalität – über ein paar Teens hermacht, die auf die grandiose Idee kommen, sich für eine Nacht im Museum einschließen zu lassen, um dort Bier zu trinken und zu fummeln.

Der Film beginnt zunächst mit dem Überfall ein paar überdurchschnittlich widerwärtiger juvenile delinquents – zwei Typen, ein bimbo – auf eine alte Hexe, die angeblich viele Reichtümer gehortet hat. Anstatt sie einfach nur zu beklauen, wird sie aus bloßem Spaß an der Freude auch noch überfallen und getötet, wonach die Täter dann allerdings nicht Reißaus nehmen, sondern sich stattdessen im Pool (?) der alten Dame vergnügen. Es kommt, wie es kommen muss: Sie werden von einem Djinn hinweggerafft, der in einer Wunderlampe der Alten wohnt und von einem der Einbrecher freigesetzt wird. Danach landet die Lampe im Besitz eines Museums und in den Händen von Dr. Wallace (James Huston), der Ärger mit seiner Tochter Alex (Andra St. Ivanyi) hat, weil er zu wenig Zeit für sie aufbringt (worüber sich Töchter in jenem Alter eigentlich freuen sollten). Bei einem Ausflug in das Museum setzen sich Alex und ihre Clique ab, lassen sich einschließen und werden schließlich vom erneut befreiten Djinn heimgesucht. Außer ihnen befinden sich noch zwei weitere Schüler im Museum, zwei Vollasis, die sich an Alex und ihrem Freund dafür rächen wollen, weil sie ihretwegen Ärger mit der Schulleitung bekommen haben. Es folgen die ganz putzigen creative killings – u. a. Aufspießung, wiederbelebte Kobras, Zweiteilung, Quetschmaske und Mumienbiss -, bevor es zum „spannenden“ Showdown kommt.

Vor 20 Jahren fand ich THE OUTING zwar noch deutlich besser – wahrscheinlich spielte damals auch die Freude darüber mit rein, den Film ungeschnitten aus Holland geborgen zu haben -, aber mögen tue ich ihn immer noch. Zu dem Bemühen, etwas halbwegs Eigenständiges abzuliefern, kommt diese einfach herzallerliebste Plumpheit: Nicht so sympathische Charaktere benehmen sich wie total entfesselte Psychopathen, nach einer Bierkleckerei lachen sich alle Schrott und es muss sofort ein Bad genommen werden (im Museum wohlgemerkt!) und im Geschichtsunterricht wird bevorzugt Vlad, der Pfähler besprochen. Dazu noch die passablen Effekte, fertig ist der Film zum Dosenbier. Ich bin zudem erstaunt, wie kurzweilig dieser Quatsch tatsächlich ist: Und das, obwohl THE OUTING eigentlich schon fast vorbei ist, wenn der Spaß so richtig anfängt. Die spanische Blu-ray ist qualitativ streitbar, aber derzeit wohl die beste Option, und gehört demnach ins Regal des gewissenhaften Archivars des Eighties Cheese.

Es ist gut, wenn ein Film, über den man rein gar nichts weiß, den man einfach mal so angeworfen hat, weil er gerade da war und einem nicht besseres eingefallen ist, damit beginnt, dass Richard Lynch mit Hüfthose, Hosenträgern und Ballettschuhen aus einem Kirmeswohnwagen steigt und Gymnastikübungen im Sonnenaufgang macht. THE PREMONITION hatte danach annähernd Narrenfreiheit bei mir oder zumindest einen solchen Bonus, dass ich es ihm manche Schwäche gern verziehen habe – was zugegebenermaßen immer schwieriger wurde, je näher er sich dem Ende zuneigte. THE PREMONITION ist nicht nur ein Beitrag zum Mitte/Ende der Siebzigerjahre populären New-Age-Parapsychologie-Metaphysik-Schwurbelspukfilm, eines sowieso schon ziemlich schwer tolerierbaren Genres, sondern auch noch eine echte Überzeugungstat von Director-Producer-Writer Robert Allen Schnitzer, dessen Imdb-Profil ohne Zweifel von ihm selbst geschrieben wurde, anders lassen sich solche Sätze nicht erklären: „Robert Schnitzer is Founder/CEO of Sedona, Arizona-based Elation Media, Inc., owner-operator of streaming content channels serving the Body Mind holistic consumer market.“ Äh, ja. Wenn man das liest, wundert er einen gleich viel weniger, dass THE PREMONITION jede gute Idee mit zwei immens blöden auskontert, inhaltlich ziemlich idiotisch ist und das dadurch auszugleichen versucht, dass er seinen pseudowissenschaftlichen Mumbojumbo noch bedeutungsvoller und ernsthafter behandelt als ebenfalls schon ziemlich bedeutungshuberische Filme wie etwa AUDREY ROSE. Laut der zitierten Schnitzer-Bio soll THE PREMONITION auch einen Award gewonnen haben, aber weder Imdb noch Wikipedia geben Aufschluss darüber, welcher das gewesen sein könnte. Interessant immerhin: In Schnitzers Spielfilmdebüt REBEL spielte niemand Geringeres die Hauptrolle als der damals gerade 24-Jährige Sylverster Stallone.

Zurück zu THE PREMONITION: Der geht nach der beschriebenen Eröffnung ziemlich interessant weiter. Richard Lynch ist Jude, der Geliebte und Partner Andreas (Ellen Barber), die auf der Suche nach ihrer leiblichen Tochter Janie (Danielle Brisebois) ist, die vor fünf Jahren zur Adoption freigegeben wurde. Janie wohnt bei Sheri und dem Wissenschaftler Miles Bennett (Sharon Farrell und Edward Bell): Sheri leidet unter seltsamen Albträumen und Visionen, in denen eine Frau – Andrea – ihr versucht, ihr Janie wegzunehmen. Eines Tages entdeckt sie die Frau aus ihren Träumen eines Tages an Janies Schule, wie sie versucht Kontakt mit dem kleinen Mädchen aufzunehmen. Die Situation eskaliert, als Andrea eines Nachts im Haus der Bennetts auftaucht, um Janie zu entführen und von Sheri ertappt wird. Es gelingt ihr, Andrea ohne Janie in die Flucht zu schlagen, doch einige Tage später verschwindet ihre Tochter nach einem Autounfall Sheris spurlos. Als dem Kriminalbeamten Denver (Jeff Corey) die Ideen ausgehen, zieht Miles seine Kollegin Dr. Kingsley hinzu, eine Expertin auf dem Gebiet der Parapsychologie …

Schnitzer macht zunächst sehr viel richtig: Er schenkt sich jegliche Exposition und gibt dem Zuschauer nur nach und nach die Informationen, die der braucht. Das hält das Interesse wach, weil man wissen will, was es mit Andrea und Jude eigentlich auf sich hat. Die rätselhaften Vorgänge, die man aufgrund dieses Mangels an Wissen nicht einzuordnen weiß, werden durch die sehr effektive Inszenierung, Bildsprache und Musik noch unterstützt: THE PREMONITION ist kein glatter Parapsychologiethriller, sondern bemüht eher avantgardistische Verfremdungs- und Überrumplungsstrategie, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Immer wieder brechen da Bilder über einen ein, die nicht mehr zum „objektiven“ Erzählstrang gehören, sondern einen in die Subjektive der von unverständlichen Träumen gepeinigten Sheri zwingen. Und Andrea und Jude geben ein superbes Außenseiterpärchen ab, das einen lange darüber rätseln lässt, ob man nun mit ihnen mitfühlen oder sich vor ihnen fürchten muss. Vor allem Andrea, ein Ausbund mütterlicher Neurosen, hinter deren prinzessinnengleichem Antlitz sich eine wahre Furie verbirgt, gräbt sich tief ins Gedächtnis. Leider bleibt Schnitzer nicht bei diesen beiden, sondern verlegt den Fokus gerade in der zweiten Hälfte des Film ganz auf die Bennetts und ihre Versuche, hinter die Visionen Sheris zu kommen. Das ist leider oft unangenehm melodramatisch und außerdem deutlich weniger faszinierend als Schnitzer glaubt: Ziemlich schlimm wird es immer, wenn Dr. Kingsley auftritt und mit bierernster Miene über parapsychologische und „spirituelle“ Phänomene doziert, vor allem weil man merkt, das hinter diesen Szenen auch noch so eine Art aufklärerische Intention steckt. Das Finale ist dann wirklich der Gipfelpunkt dieser Entwicklung. Was schade ist, weil THE PREMONITION mit ein bisschen mehr Zurückhaltung und weniger missionarischem Eifer wirklich das Zeug zu einem bizarren kleinen Klassiker gehabt hätte. Bizarr ist er auch so noch, allein deshalb auch ziemlich interessant, aber das Gefühl der Enttäuschung kann ich am Ende nicht ganz abschütteln. Da war so viel mehr drin. Aber wie gesagt: Der Film legt die Messlatte mit seiner Auftaktszene auch verdammt hoch …

Nach der Scheidung seiner Mutter Sally (Catherine Hicks) von seinem Vater Paul (Edward Herrmann) geht der kleine Billy (Peter Billingsley) mit ihr zusammen auf eine Urlaubsreise durchs Death Valley – gemeinsam mit ihrer alten Jugendliebe und neuem Partner Mike (Paul Le Mat). Während Mike versucht, das Vertrauen des Jungen zu gewinnen, kommt der durch Zufall einem Serienmörder auf die Schliche, der die Gegend seit Jahren unsicher macht und sich an Billys Fersen heftet, als er von dem unliebsamen Zeugen erfährt …

John McCarty, Autor des einst wegbereitenden „Splatter Movie Guide“ hat nicht allzu viele gute Worte für DEATH VALLEY übrig: Er lobt die erstklassige Cinematografie von Richards und Kameramann Stephen H. Burum, der mit seiner Arbeit jahrelang Brian De Palmas Filme veredelte, verreißt den Film aber als „glorified tv“, also etwa als aufgemotztes Fernsehfilmchen. Ich finde das ein bisschen unfair. Es ist richtig, DEATH VALLEY bietet nicht viel mehr als überdurchschnittlich solide gemachtes Entertainment, das mit tollen Bildern aufwartet, aber das ist ja immerhin schon etwas, finde ich. Richards holt viel aus seiner Prämisse raus, nutzt die endlose Weite und Leere der Wüste für atmosphärische Bilder, die Robert Harmons Miniklassiker THE HITCHER vorwegnehmen, hat dann viel Spaß mit der kitschigen Kulisse einer für Touristen betriebenen Westernstadt und schafft es zudem die tatsächlich etwas fernsehhafte Figurenkonstellation mit Leben zu erfüllen.

Filme mit Kindern als Hauptfiguren sind oft problematisch und auch Billy ist wirklich ein geradezu herzerwärmend hübscher kleiner moppet, aber der Konflikt zwischen ihm und dem um Anerkennung ringenden Ersatzpapa fühlt sich trotzdem sehr echt an – das habe ich schon viel, viel schlechter gesehen und zwar in deutlich größeren Filme. Auch die Eingangsszene mit Edward Herrmann als Papa, einem Professor, der den Jungen ins Museum mitnimmt, ihn im Schachspiel gegen einen Opa im Park unterweist und anschließend antike Klassiker mit ihm rezitiert, ist sehr schön geraten, weil sie Billys emotionalen Konflikt kontextualisiert ohne gleichzeitig den „neuen“ Papa zu diskreditieren. Es ist eine Szene, die der Film nicht unbedingt gebraucht hätte (als DEATH VALLEY mit Bildern von New York eröffnete, dachte ich zuerst, ich hätte den falschen Film angeworfen), die aber zeigt, dass die Charaktere Richards am Herzen lagen.

Wenn ich DEATH VALLEY etwas vorwerfen würde, dann dass er es versäumt, im letzten Drittel eine Schippe draufzulegen. Zwar ist das Finale durchaus spannend und zupackend, aber auch ein bisschen unspektakulär. Es spielt sich eben ziemlich genauso ab, wie man das erwarten konnte, was nach dem behutsamen und schönen Aufbau ein bisschen enttäuschend ist. Trotzdem: Ich freue mich immer wieder darüber, über solche Filme zu stolpern, die noch nicht an jedem Baum als vergessene Perle abgefeiert werden. Mich mit der Entdeckung zu brüsten ginge trotzdem zu weit, immerhin ist DEATH VALLEY in den USA auf Blu-ray erschienen, was seiner visuellen Pracht sehr angemessen ist. Wilford Brimley hat einen wunderbaren Auftritt als kinderfreundlicher Sheriff und Stephen McHattie, den man wahrscheinlich am ehesten aus PONTYPOOL und WATCHMEN kennt, ist gut besetzt als Wüstenkiller mit einem MAD MAX-artig aufgemotzten Wagen. Wenn man irgendwann diese Welt verlässt, ohne DEATH VALLEY gesehen zu haben, hat man nicht unbedingt etwas zu bedauern, aber wenn man ein Herz für sauber inszenierte Spannungsware hat, die nicht unbedingt zum Kanon gehört, sollte man ihm ruhig eine Chance geben.

KILLER’S MOON zeigt wieder einmal sehr schön, wie die Zeit für manche Themen manchmal einfach reif zu sein scheint: Der Film handelt davon, wie eine Gruppe von Mädchen, die auf der Reise zu einem Chorauftritt aufgrund einer Buspanne gezwungen sind, in einem sich auf die bevorstehende Saisoneröffnung vorbereitenden Landhotel zu übernachten, von vier aus einer Klinik ausgebrochenen Psychopathen heimgesucht werden. Das erinnert nicht nur inhaltlich an den Ende 1978 in den USA gestarteten HALLOWEEN, der Carpenter-Klassiker, der zum Box-Office-Phänomen avancierte, wird in einer Szene ganz explizit zitiert. Zumindest scheint es so, denn der Protoslasher startete in Großbritannien erst nach Birkinshaws Film. Aber KILLER’S MOON ist keine Kopie: Er hat einen ganz eigenen Stil, lässt in seiner Grundkonstellation mit den ängstlichen, hilflosen, am Ende in weißen Nachthemden durch die Nacht stolpernden Mädchen an die poetischen Horrormärchen eines Jean Rollin denken (es passt, dass der Film seine Digitalauswertung durch Redemption erlebte), in seiner Zeichnung der Killer hingegen an Kubricks A CLOCKWORK ORANGE und versieht das ganze mit einem Humor, den man gemeinhin als „typisch britisch“ apostrophiert.

Nicht alles geht auf: Die Zeichnung der Irren ist gewöhnungsbedürftig wie auch die Idee, das gleich vier unter völlig unterschiedlichen Psychosen leidende Mörder gemeinsame Sache machen wie eine gewöhnliche Bande von Einbrechern (hier musste ich an Jack Sholders ALONE IN THE DARK denken). Das Drehbuch begründet ihre Mordtour damit, dass sie durch eine Traumtherapie verlernt haben, Realität und Traum zu unterscheiden: Sie glauben, sie befänden sich in einem Traum. Das ist eine schöne Idee, die eine etwas geschliffenere Umsetzung verdient gehabt hätte. In Birkinshaws Film wird dieser Aspekt aber vor allem auf der Dialogebene abgehandelt, anstatt ihn auf die visuelle Ebene zu hieven. Gut, das Setting des alten, schlossartigen Hotels mitten im englischen Niemandsland und die durch den dunklen Tann schleichenden Mädchen in ihren Nachthemden bieten ein durchaus traumgleiches Motiv, aber die Inszenierung ist sehr trocken und sachdienlich, wie sich auch die Handlungsabwicklung als eher bodenständig erweist: Den Mädchen kommen zwei in der Nähe campierende junge Männer zur Hilfe und KILLER’S MOON springt dann, wenn er einmal in Fahrt gekommen ist, zwischen den im Hotel gefangen gehaltenen Schülerinnen, den Helfern und den delirirenden Killern hin und her, ohne seine eigentlich vielversprechende Prämisse jemals so ganz zur Entfaltung zu bringen.

Mir hat es vor allem die Zeichnung der vier Psychos erschwert, so richtig in den Film eintauchen zu können: Sie bekommen meines Erachtens zu viel Raum, sich zu erklären, als dass sie als mörderische Phantome Angst und Schrecken verbreiten könnten, und die Geisteskranken habe ich den Darstellern auch nicht abgenommen. Hier kommt der oben genannte Vergleich zu Kubricks Gewaltoper zum Tragen: Nicht nur sehen sie Alex DeLarges droogs mit ihren weißen Krankenhausanzügen zum Verwechseln ähnlich (einer trägt sogar eine Melone), sie behandeln die ganze Situation wie diese als großes Spiel. Das ist nicht per se problematisch, aber die Darsteller tragen diesen Einfall einfach nicht. Immer, wenn die vier Mörder ins Zentrum des Geschehen rücken, hat man den Eindruck, einen komplett anderen Film zu sehen. Trotzdem möchte ich eine Lanze für KILLER’S MOON brechen: Allein deshalb, weil der Film anders ist und sich von den zu jener Zeit aus dem Boden schießenden Vertretern des Stalk’n’Slash vor allem US-amerikanischer Prägung deutlich unterscheidet. Und der lausige eine Stern, den Frank Trebbin in einem seiner zahlreichen Anflüge von geistiger Umnachtung verteilt hat, ist völlig indiskutabel.