Mit ‘Abenteuer’ getaggte Beiträge

Die armen Bürger von Seriphos stehen im Clinch mit dem Königreich Argos: Wenn sie zum Meer wollen, um dort Handel zu treiben, werden sie von den Soldaten Argos‘ mit Waffen empfangen und geraten dabei entweder in die Fänge eines gefräßigen Sumpfmonsters oder der Medusa. Es scheint nur eine Möglichkeit zu geben, den Konflikt beizulegen: Andromeda (Anna Ranalli), die Tochter des Königs von Serephos, an den fiesen Galenor (Leo Anchóriz) zu verheiraten, seinerseits Thronfolger von Argos. Doch in einem Turnier, in dem Galenor seine Eignung beweisen will, wird ervon Perseus (Richard Harrison) besiegt: Und den weist ein Muttermal als dazu bestimmt aus, Galenor zu töten …

PERSEO L’INVINCIBILE hat zwei Stars: das Sumpfmonster, ein Dinosaurier, das von Effektpionier Carlo Rambaldi geschaffen wurde und noch so manches 20 Jahre später entstandene Gummimonster hinsichtlich Größe und Beweglichkeit in den Schatten stellt. Und dann die Medusa, die hier aussieht wie ein Lovecraft’sches Krakenmonster mit Spinnenbeinen und Zyklopenauge. Ihr Design ist tatsächlich sensationell, weil es absolut fremdartig wirkt: Ich mag gar nicht daran denken, wie mich dieses groteske Biest verstört hätte, wenn ich den Film damals im Abendprogramm aufgeschnappt hätte. Dazu kreierte Mario Bava ihr via grandiosem Glas-Matte den passend apokalyptischen Lebensraum, eine von versteinerten Menschen übersäte Einöde mit einem Vampirzahnbewehrten Höhleneingang am Horizont. Toll! (Die versteinerten Figuren stammten von Marios Vater Eugenio, der im Gegensatz zum Sohnemann dann auch in den Credits genannt wird.)

Leider begeht der Film einen folgenschweren Fehler: Er verheizt seine beden großartigen Spezialeffekte schon in den ersten zehn Minuten und beraubt sich so selbst eines echten Höhepunkts. Machen wir uns nichts vor: Die Story um den zu Großem berufenen Helden Perseus, der die Unterdrückten rettet, die Schurken bestraft, nebenbei zwei Monster abschlachtet und am Ende die Schöne in die Arme schließen darf, ist ganz nett, recht actionreich in Szene gesetzt, aber nichtsdestotrotz völlig vorhersehbar. Und der Kampf des Helden gegen die beiden Ungetüme wird eben dadurch erheblich an Wirkung beraubt, weil man beide Biester schon vorher in voller Pracht zu Gesicht bekommen hat. Ich habe mich dann auch über weite Strecken königlich gelangweilt, nachdem ich zu Beginn schier frohlockt habe. Ich würde PERSEO L’INVINCIBILE Fans des fantastischen Films auch dennoch empfehlen, denn diese Medusa muss man einfach gesehen haben. Einfach grandios unheimlich …

 

 

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Pietro Francisci hatte mit seinen Herkules-Filmen LE FATICHE DI ERCOLE und ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA nicht nur zwei absolute Megahits geschaffen (tatkräftige Hilfe erhielt er dabei von Mario Bava) und das Subgenre des Peplum begründet, sondern auch das am Boden liegende italienische Kino wiederbelebt. In den Jahren bis ca. 1966/67 schossen die Pepla nur so aus dem Boden, vor allem nachdem Franciscis Filme mit einiger Verspätung auch in den USA einschlugen wie eine Bombe. Eine Renaissance erfuhr auch der Stummfilmheld Maciste, ursprünglich ein nubischer Sklave, den es in seinen frühen Filmen dann und wann aber auch sehr postmodern mit Anzug und Hut in Abenteuer in der Gegenwart verschlug. MACISTE CONTRO IL VAMPIRO ist der dritte der „neuen“ Maciste-Filmen und haut gleich mal ordentlich rein.

Direkt zu Beginn gibt es ein zünftiges Massaker an den Einwohnern von Macistes (Gordon Scott) Dorf, bei dem Männer Pfeile ins Auge bekommen, Kehlen augeschlitzt und Männer an den Füßen aufgehängt und dann angezündet werden. Maciste kommt zu spät, um das Unheil abzuwenden: Männer, Kinder und Frauen sind tot, die jungen Mädche wurden auf die Insel Salmanak verschleppt. Mit seinem jungen Freund Ciro (Rocco Vidolazzi) macht sich der Muskelprotz auf den Weg, um die Mädels, darunter seiner Freundin Guja (Leonora Ruffo) zu befreien. Hinter dem Frauenraub steckt der bösartige Dämon Kobrak, der mit hypnotischem Einfluss eine ganze Armee willenloser Mörder befehligt und auch die Frau von Salmanaks Herrscher, die schöne Astra (Gianna Maria Canale) unter seine Einfluss gebracht hat. Maciste zur Seite tritt Kurtik (Jacques Sernas), seinerseits legitimer Thronfolger …

Die Kopie, die mir zur Verfügung stand, war leider in einem etwas traurigen Zustand, was stichhaltige Aussagen über die visuelle Gestaltung etwas schwer macht. MACISTE CONTRO IL VAMPIRO schwankt beständig zwischen staubiger Rumpelkammer und gothischer Prä-Psychedelik, wie sie Maestro Bava himself nur wenig später in seinem eigenen ERCOLE AL CENTRO DELLA TERRA perfektionieren sollte. Er stellte sein Talent für Trickaufnahmen und Ausleuchtung wohl ach hier zur Verfügung, zumindest behauptet das Tim Lucas in seinem Bava-Standardwerk; und wer wäre i, ihm da zu widersprechen? Langweilig ist Gentilomos Film nie, er geht von Anfang an ein hohes Tempo und wirft seinem schlagkräftigen Helden im Zwei-Minuten-Takt Gegner zum Wegboxen in den Weg, aber richtig interessant wird er in der letzten halben Stunde, wenn das Geschehen immer fantastischer wird. Alles beginnt mit einem fadenscheinig, aber effektiv inszenierten Sandsturm, in dem Maciste und seine Guja die Übersicht verlieren und in eine Grotte stürzen, in der Kurtik mit der Blue Man Group haust. Wenn sich Maciste dann auf den Weg macht, Kobrak zu stürzen, erreicht MACISTE CONTRO IL VAMPIRO seinen Höhepunkt und man ist wieder der sechsjährige Knirps, der die Eltern anbettelt, diesmal doch länger als bis halb neun aufbleiben zu dürfen, um den Höhepunkt des Abendprogramms zu schauen.

Angeblich hat Sergio Corbucci – der gemeinsam mit Duccio Tessari auch das Drehbuch verfasste – Gentilomo zur Seite gestanden, aber darüber weiß ich nichts. Ein paar Szenen wirken zugegebenetwas holprig: Ganz zu Anfang erhascht man etwa einen so kurzen Blick auf ein Seeungeheuer, dass man sich schon fragt, ob da nicht möglicherweise mehr Material gedreht worden war. Aber es ist ja auch diese Unbekümmerheit und eben der Mangel an Perfektion, der diese Filme auszeichnet gegenüber den durchoptimierten, am Reißbrett entstandenen Eventmovies von heute. MACISTE E CONTRO IL VAMPIRO mal in einer richtig schnieken HD-Version: Das wär’s!

Seid ihr der Meinung, ein Film aus den Dreißigerjahren könne es in punkto Action und Spezialeffekten nie mit einem zeitgenössischen Blockbuster aufnehmen? Zeit, sich THE HURRICANE anzuschauen und sich vom titelgebenden Sturm wegblasen zu lassen. Ich war bei der gestrigen Sichtung der festen Überzeugung, Ford habe in einem echten Hurrikan gedreht, musste mich dann aber von diversen Aufsätzen eines besseren belehren lassen. Was der Regisseur hier entfesselte, ist kaum in Worte zu fassen: Man hat Angst um die Schauspieler, die sich dem Tosen einer offensichtlich gigantischen Windmaschine entgegenstellen, dabei mit wahren Springfluten von Wasser übergossen werden und noch dazu aufpassen müssen, dass sie nicht von herumfliegenden Requisiten und Bauten verletzt werden. In ihrer Autobiografie „A Life on Film“ beschrieb Mary Astor die Strapazen, denen Ford sie und die Kollegen aussetzte: Wind und Wasser peitschten den Akteuren so hart ins Gesicht, dass sie von stecknadelkopfgroßen Blutstropfen übersät waren. Es ist ein angemessenes Ende für einen Film von gleichnishafter Kraft.

Auf der paradiesischen Südseeinsel Manakura leben die Bewohner friedlich im Einklang mit der Natur – und den französischen Kolonialherren. Als der bei allen beliebte Seefahrer Terangi (Jon Hall) kurz nach seiner Hochzeit mit der schönen Marama (Dorothy Lamour) auf Tahiti von einem Weißen beleidigt und daraufhin in eine Kneipenschlägerei verwickelt wird, statuiert man an ihm ein Exempel und verurteilt ihn zu sechs Monaten Haft. Auch die Versuche, DeLaage (Raymond Massey), den Gouverneur von Manakura, dazu zu bringen, Terangi zu begnadigen, fruchten nicht: Die Kolonialisten müssen ihre Autorität beweisen. Terangi wird unterdessen von einem sadistisch-rassistischen Wärter (John Carradine) gepeinigt und versucht zu fliehen, ohne Erfolg: Stattdessen verlängert jeder weitere Fluchtversuch die Strafe um weitere zwei Jahre, sodass der freiheitsliebende Mann bald 16 Jahre angehäuft hat. Nach acht Jahren gelingt ihm endlich die Flucht. Unter großen Entbehrungen erreicht er Manakura und seine Ehefrau Marama, die ihm inzwischen eine Tochter geschenkt hat. Während die weißen Bewohner noch diskutieren, wie man mit dem Flüchtling umzugehen habe, trifft ein gewaltiger Sturm das kleine Eiland …

John Ford widmet sich in THE HURRICANE wie schon im zuletzt gesehenen WEE WILLIE WINKIE dem Thema Kolonialismus: Er zeigt Herrscher, die ihre vermeintlich „zivilisierten“ und „progressiven“ Gesetze und Vorstellungen auf eine Welt übertragen, die nach gänzlich anderen Mustern funktioniert. Die Bestrafung Terangis ist nichts anderes als eine Machtdemonstration: Weil die Kolonialherren bessere Menschen sind – warum wären sie sonst Kolonialherren -, müssen sie den „minderwertigen“ Engeborenen unterjochen, eine Art perverser self-fulfilling prophecy. DeLaage scheint emotional durchaus einzusehen, dass er im Unrecht ist, dass aus Gründen der Menschlichkeit und Verhältnismäßigkeit eine Begnadigung angebracht wäre, aber er hält am Prinzip der Herrschaft fest. Er erinnert etwas an den Colonel aus WEE WILLIE WINKIE und seine Verteigung des Autoritarismus, nur dass der im Angesicht eines Feindes einen nachvollziehbaren Grund hatte, ein hartes Regiment zu führen (C. Aubrey Smith, der Darsteller des Colonels, spielt hier den christlichen Priester). Auf der Paradiesinsel Manakura, wo alle Menschen miteinander verbrüdert und verschwestert sind, scheint sein Bestreben, europäische Gesetzestreue einzuführen, geradezu absurd.

Die eigentlichen Protagonisten, das Liebespärchen Terangi und Marama, sind gegenüber dem differenziert und voller Ambivalenz gezeichneten Gouverneur kaum mehr als Chiffren: Dass beide von weißen Schauspielern interpretiert werden, unterstreicht diesen Charakter noch. Sie stehen für die unverdorbenen, ursprünglich lebenden Eingeborenen, und haben nicht viel mehr zu tun, als gesund, glücklich und liebenswert zu sein, die Empathie des Zuschauers zu evozieren und als Kontrast zu den rationell denkenden Zivilisationsmenschen zu fungieren, die auch im besseren Fall mit paternalistischem Blick auf die Eingeborenen hinabschauen. Wie in WEE WILLIE WINKIE ist interessanter, was um die beiden Helden herum passiert, und natürlich die wahnsinnige Actionszene am Ende, die den Höhepunkt des Films markiert: All die schlauen Erwägungen des Gouverneurs, die Sorgen und Konflikte sind vergessen, als die Insel von der alles gleichmachenden Gewalt der Natur geschüttelt wird. Plötzlich sind alle nur noch Menschen, die um ihr Leben zittern und kämpfen und versuchen, ihre nächsten zu beschützen. Die tolle Zivilisation und das Gotteshaus werden mit einem Schlag ausgelöscht und was übrig bleibt, sind die Überlebenden, die hoffen, dass ihre Angehörigen es auch geschafft haben. Terangi beweist sich als entschlossener Mann der Aktion, der seine Frau, seine Tochter und die Ehefrau des Gouverneurs (Mary Astor) rettet und am Ende mit einem Kanu in eine ungewisse Freiheit paddelt. DeLaage sieht ihn in der Ferne verschwinden und sofort setzt sein Jagdimpuls ein. Doch dann obsiegt endlich das Herz, das er die ganze Zeit verleugnet hat: „Nur ein Stück Holz …“

 

Es ist eine komplexe, komplizierte Welt: Die kleine Priscilla Williams (Shirley Temple) reist mit ihrer Mutter Joyce (June Lang) aus den USA nach Indien, um den Groß- und Schwiegervater zu besuchen, Colonel Williams (C. Aubrey Smith), der hier ein Regiment befehligt und die Aufgabe hat, den Rebellenführer Koda Khan (Cesar Romero) in Schach zu halten. Ob es hier Indianer gebe, wie zu Hause, fragt sie. Nein, die Indianer zu Hause seien fälschlicherweise so genannt worden, hier leben die echten Indianer. Ist denn dann der Opa auch ein Indianer? Nein, der ist hier auf Befehl der Königin von England. Aber immerhin wird es bei ihm ab sofort immer genug zu Essen geben.

Priscilla ist in John Fords Verfilmung einer Kurzgeschichte von Rudyard Kipling eines dieser typischen rotbäckigen, großäugig staunenden, zum Wegrennen niedlichen Kinder, deren erzählerische Funktion darin besteht, Komplexität mit der entwaffnenden Klarheit des kindlichen Blicks zu reduzieren – und natürlich harte Männerherzen zu erobern und aufzuweichen. Am Bahnhof angekommen beobachtet sie die Verhaftung Koda Khans und wie der dabei ein Amulett verliert: In naiver Missachtung der Gefahr stürzt sie hinter ihm her, um ihn den verlorenen Besitz zurückzugeben. Zwar kann der freundlich-knurrige Sergeant MacDuff (Victor McLaglen) sie eben noch zurückhalten, aber sie zieht mit ihrem Mut die Aufmerksamkeit und die Bewunderung des Banditen auf sich. Am Wohnsitz des streng-autoritären Großvaters wird sie unter dem Namen „Wee Willie Winkie“ zur Freude der Soldaten zum Rekruten ausgebildet und knackt mit ihrer offenen Art die harte Schale des Colonels. Am Ende, nach einem Überfall, bei dem ihr Freund McDuff tödlich verwundet wird, begibt sie sich todesmutig ins Versteck Koda Khans, um bei diesem für eine friedliche Beilegung des Konflikts zu werben. Doch der Colonel rückt schon mit seinen Männern an, um die Enkelin zu befreien.

Ich kann WEE WILLIE WINKIE nicht ganz vom Schmonzetten-Charakter freisprechen: Mit seiner zuckersüßen Hauptdarstellerin zielte der Film mit Sicherheit auch auf den Beschützerinstinkt von Mamas und Omas ab, die dann im Kino in Verzückung lachen oder Taschentücher vollheulen sollten. Die gerade neunjährige Temple war bereits ein veritabler Star und absolvierte mit WEE WILLIE WINKIE ihren sage und schreibe 22. Filmauftritt. Sie ist der unumstrittene Mittelpunkt des Films, aber zum Glück gibt es um sie herum noch ein paar andere interessante Darsteller und Rollen. Ford-Veteran McLaglen – die beiden drehten sieben Filme zusammen – ist wunderbar in der ihm auf den Leib geschriebene Rolle des vierschrötigen, aber herzensguten MacDuff, aber C. Aubrey Smith steht ihm als altehrwürdiger Colonel, der es sichtlich genießt, dass jemand sich traut, an seiner Fassade der Autorität zu kratzen, kaum nach. Cessar Romero hat nicht so viel zu tun, versieht den Rebellenanführer aber mit dem exotisch-geheimnisvollen Charme, mit dem Hollywood solche Ganoven noch bis heute gern ausstattet.

Ein vergessenes Meisterwerk sollte man nicht unbedingt erwarten, aber selbstredend profitiert WEE WILLIE WINKIE von der souveränen Regie Fords, der so gut es geht verhindert, dass der Kinderstar zu viel Raum bekommt, sein Film allzu rührselig wird. Und natürlich gibt es dann auch die Momente, die aufmerken lassen. Die Szene etwa, in der Mutter Joyce den strengen Schwiegervater mit dem Vorwurf konfrontiert, ein herzloser Knochen zu sein, und der ihr sehr schlüssig erklärt, dass es in seiner Welt, in der täglich das Leben der im untergebenen Männer auf dem Spiel steht, keinen Platz für Sentimentalitäten gibt, Disziplin und eine gewisse Härte überlebensnotwendig sind. Oder natürlich der Tod von MacDuff, der sein Leben aushaucht, während die kleine Priscilla für ihn „Auld lang syne“ singt. Ford melkt den Augenblick bis auf den letzten Tropfen aus, aber Spuren hinterlässt er trotzdem, auch weil der Kniff, den Moment des Todes selbst nicht im Bild festzuhalten, im die dringend nötige Distanz verleiht. Auch fotografisch setzt Ford mit seinem DoP Arthur C. Miller einige Glanzlichter: Ganz zu Beginn etwa, wenn man von außen durch das Fenster in das Zugabteil blickt, durch das im Vordergrund die staunende Priscilla hinausschaut, im Hintergrund leicht verschwommen die Mutter. Bildkompositionen, die Meisterschaft in flüchtigen Momente zeigen. Aus heutiger Perspektive mag man die Darstellung des verräterischen Dieners nicht ganz unproblematisch finden, aber Fords Humanismus behält stets die Oberhand. Seinen Realismus kann ihm aber auch die süße Shrley Temple nicht austreiben. Zum Glück.

Eine wertvolle Statue zeigt die sieben geheimen Akupunktur-Punkte, die in der richtigen Reihenfolge angepiekst dafür sorgen, dass der Angepiekste unendliche Kräfte erlangt. Kein Wunder, dass diverse Schurken sie haben wollen. Mittendrin: Dan (Joe Don Baker), der von der schlitzohrigen Felicity (Elizabeth Ashley) angeheuert wurde, sie aus den Händen des bösen Lin Toa (Roy Chiao) zu stehlen. Doch der handelt auch nur im Auftrag von Winters (Burgess Meredith). Eine wilde Hatz entbrennt …

Diesen Film drehte Robert Clouse direkt im Anschluss an BLACK BELT JONES, nur ein Jahr nach dem Riesenerfolg von ENTER THE DRAGON. Jim Kelly, der in beiden mitwirkte, hat einen ausgedehnten Gastauftritt und soll wohl zusammen mit dem Schauplatz Hongkong und dem „mystischen“ Sujet die Brücke schlagen. GOLDEN NEEDLES profitiert von seinem Schauplatz Hongkong, der vor allem zum Finale, einer Verfolgungsjagd durch den Hafen und die kleinen Gassen der Stadt, attraktiv in Szene gesetzt wird. Dennoch kann man sich aus heutiger Perspektive kaum des Eindrucks erwehren, dass ganz ähnlicher Stoff zehn Jahre später in schöner Regelmäßigkeit im Rahmen der zahlreichen Fernsehserien aus dem Hause Glen A. Larsen verbraten wurde – und zwar in gut der Hälfte der Spielzeit.

GOLDEN NEEDLES ist fürchterlich unerheblich – tragisch angesichts des betriebenen Aufwands. Die Jagd nach der Statue ist nicht wirklich aufregend, der mystische Hokuspokus spielt auch keine Rolle. Für Stimmung sorgt eigentlich nur Joe Don Baker: Er agiert hier mal wieder wie eine losgelassene Wildsau und sieht so aus, als hätte er nach Drehschluss nichts anbrennen lassen. Wenn er die ihn um Hilfe ansuchende Felicity dazu bringt, ihn in aller Öffentlichkeit zu umarmen und „I love you“ zu sagen, bloß, weil er sie demütigen will, erreicht der Film ein Maß an Abgeschmacktheit, dass heute gleich doppelt so anstößig und unkorrekt wirkt. Schade, dass der Impact dieser Triebtäterattitüde dadurch abgemildert wird, dass sie nur wenig später ganz freiwillig mit ihm in die Kiste steigt. Klar, wer könnte einem solchen Ausbund an virilem Charme auch widerstehen, vor allem wenn er auch noch aussieht wie Joe Don Baker?

Diskussionen über THE GOONIES drehen sich üblicherweise um die zentralen Punkte „Nostalgie“ und „Kindheitserinnerung“. Jedenfalls habe ich das jetzt mehrfach erlebt. Auch für mich ist die Spielberg-Produktion mit sehr konkreten Bildern verbunden und das, obwohl ich den Film erst einige Jahre nach seinem Kinostart zu Gesicht bekam. Aber THE GOONIES war damals ein großes Thema, etwa in der Bravo, die, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, einen ihrer „Film-Foto-Romane“ dazu brachten und das Plakatmotiv als Poster veröffentlichten. Dieses – siehe nebenan – war für mich eine Quelle der Faszination: Wie sollten diese Kinder, mit denen ich mich ja unweigerlich identifizierte, aus der dargestellten misslichen Lage entkommen? Das ging ja gar nicht! Höhlenverliese, Wasserfälle und -rutschen, ebenso raffinierte wie archaische Fallen und die Tatsache, dass mit dem Charakter des Sloth auch noch ein waschechtes Monster mitwirkte, machten THE GOONIES für mich zu einem Lieblingsfilm, obwohl er sich vorerst nur in meiner Fantasie abspielte.

Seltsamerweise hielt THE GOONIES bei der späteren Sichtung Stand und beschert mir auch heute noch großes Vergnügen. Nostalgie ist sicherlich ein Faktor und natürlich kann ich nicht beurteilen, wie mir Donners Film gefiele, wenn ich nicht diese Erinnerungen mit ihm verbände. Trotzdem mag ich ihn nicht darauf reduzieren, denn für mich verkörpert er eine bestimmte Art von großem Entertainment, wie es in den Achtzigerjahren (von Spielberg) perfektioniert wurde und auch heute noch ein Ideal darstellt. THE GOONIES ist, das zu verleugnen wäre töricht, ein INDIANA JONES-Rip-off für Kinder, voller Abenteuer, Schätze, comichaft überzeichneter Schurken, Höhlen und Gefahren in fantasievollen Settings, die den Eindruck machen, man habe bei der Konzeption gleich die Adaption als Theme-Park-Ride im Kopf gehabt. Das Drehbuch von Columbus hält sich nicht lang mit Erklärungen auf, stürzt den Zuschauer gemeinsam mit den Protagonisten in die Jagd nach einem legendären Piratenschatz, der den Erhalt des Wohnorts und damit auch der Freundschaft der Jungs und Mädels sichern soll. In die Quere kommen ihnen dabei die schurkischen Fratellis, verkörpert von den herrlich überdreht agierenden Robert Davi und Joe Pantoliano, die von der gewöhnt furztrockenen Anne Ramsey an die Kandarre genommen werden. Die Erkundung der unterirdischen Höhlensysteme ist wie aus einem Guss und kulminiert in einem Kampf auf einem Piratenschiff. Wie soll man das nicht mögen, wenn man sich einen Funken kindlichen Gemüts bewahrt hat? Keine Ahnung, aber es geht offensichtlich.

Was Menschen, die partout nicht verstehen wollen, was an THE GOONIES dran ist, vielleicht helfen mag: So perfekt, glatt und kommerziell der Film auf den ersten Blick wirken mag, er ist das Werk damals noch recht junger Filmemacher, die machten, was sie auch selbst cool und witzig fanden. Wie Sean Astin in diesem Video erklärt, waren Spielberg, Donner und Columbus vermutlich dauerbekifft, als sie den Film erdachten und umsetzten und ließen sich von dem Erfolgsdruck, der mit der Großproduktion ohne Frage verbunden war, nicht den Spaß verderben. Wie auch der mit Anschlussfehlern gespickte TEMPLE OF DOOM zeigt THE GOONIES eine gewisse Laisser-faire, die darin zum Ausdruck kommt, das kleinere Fehler einfach dringelassen wurden. Das Wohnmobil, in dem sich Donner während der Drehpausen aufzuhalten pflegte, steht zu Beginn mehrfach prominent im Bild rum, hörbare Lacher und Versprecher wurden genauso dringelassen wie Hinweise auf Szenen, die am Schneidetisch der Schere zum Opfer gefallen waren. An blöden Ideen, wie den unablässig wackelnden Ohren Sloths, und fehlgeleiteten Gags hielt man fest, als hinge das Leben davon ab. Was man vielleicht als Ausdruck von Gleichgültigkeit, Zynismus oder mangelnden Stil begreifen könnte, verleiht dem Film aber genau die Seele, die andere, nicht weniger am Reißbrett entworfene Eventkino-Blockbuster vermissen lassen und die THE GOONIES auch 30 Jahre später noch zu einem Liebling macht, mit dem warme Erinnerungen verbunden werden. Spielberg und Donner haben einen Film gedreht, der genauso improvisiert, unperfekt, geschmacksverwirrt und ungezogen ist wie seine Protagonsiten und ihr Wohnort. Es ist ein Film, der einem damals sagte, dass man weder ein schickes Haus in einem schnieken Vorort braucht noch teuere Markenspielsachen, besonders intelligente oder wohlerzogene Freunde oder wohlhabende Eltern, um jemand zu sein. Dafür würde ich ihn auch heute noch vehement gegen jede Kritik verteidigen.

 

 

Aus meiner Kindheit und Jugend sind mir dieser, der achte Film der Reihe, FRANKENSTEINS ZWEIKAMPF DER GIGANTEN und FRANKENSTEINS HÖLLENBRUT am meisten im Gedächtnis geblieben. FRANKENSTEINS MONSTER JAGEN GODZILLAS SOHN, wie KAIJÛTÔ NO KESSEN hierzulande hieß, fand ich damals, wenn ich mich recht erinnere, richtig super: Wahrscheinlich auch, weil ich mich mit Minigodzilla identifizieren konnte. Heute, rund 30 Jahre später, muss ich eingestehen, dass von dem Reiz, den Fukudas Film einst auf mich ausübte, nicht mehr so wahnsinnig viel übrig ist. Man könnte auch sagen: Die Vaterpflichten machen aus dem einstmals so imposanten Monster einen trampeligen Hausmann. Und man wünscht sich mehr als einmal, die fiesen Gottesanbeterinnen, mit denen es das Echsenpaar zu tun bekommt, schnitten dem nervtötenden Balg den Kopf ab.

Wahrscheinlich musste ein Film wie KAIJÛTÔ NO KESSEN irgendwann kommen. Vom realen Schrecken, der Düsterkeit und Trauer von Hondas Original hatten sich die Fortsetzungen immer weiter entfernt, waren immer bunter und alberner geworden und eine auf Kinder ausgerichtete Komödie war nur konsequent. So bekommt Godzilla also einen knuddligen kleinen Sohn zur Seite gestellt, der mit großen Kulleraugen in die Kamera quäkt, tolpatschig in der Gegend rumkullert, Schabernack mit des Vaters Schweif treibt und einfach nur herzig und knuffig ist. Oder zumindest sein soll. Denn eigentlich wünscht man ihm bereits nach kurzer Zeit den plötzlichen Kindstod an den halslosen Rumpf. Godzilla wird, wie erwähnt, nicht nur dazu verdammt, sein Balg zu erziehen und ihm die unverzichtbaren Moves des Monsterdaseins beizubringen, er sieht auch reichlich mitgenommen aus. Seine Gegner kommen jedenfalls deutlich besser weg: Sowohl die Riesen-Gottesanbeterinnen als auch die Riesenspinne sind toll geworden, lassen allenfalls etwas Persönlichkeit vermissen. Trotzdem drückt man ihnen die Daumen, dass sie wenn schon nicht den Vater, so doch wenigstens das Blag besiegen und Godzilla von den ihn niederziehenden Vaterpflichten befreien.

Sollte man die Idee eines kleinen, niedlichen Minigodzillas tatsächlich gut gefunden haben, schlägt das angesichts der infantil-bräsigen Possen, die er reißt, schnell ins Gegenteil um. Immer, wenn Godzillas Sohn das Bild betritt, weiß man, das jetzt etwas hirnerweichend Blödes passiert und Fukuda zelebriert diese „Gags“, dehnt sie endlos aus und beschert den Betrachter eine echte Vollbedienung, gegen die die Ewoks als „erwachsenes Entertainment“ durchgehen. Irgendwie finde ich es ja toll, dass es in der Godzilla-Reihe Platz für solchen Quark gibt, aber in der Praxis ist KAIJÛTÔ NO KESSEN vor allem ermüdend und anstrengend.