Mit ‘Teeniefilm’ getaggte Beiträge

ODDBALLS, eine kanadische Low-Budget-Produktion, gehört zu den Komödien, in denen der damals große Einfluss der Filme von Zucker-Abrahams-Zucker sichtbar wird: Hier werden die Gags im Sekundentakt an die Wand geschmissen, in der Hoffnung, dass irgendwas davon schon kleben bleiben wird und mit der Gewissheit, dass die Trefferzahl bei 1.000 Versuchen höher ist als bei 100. Die Erfolgsquote ist eher bescheiden, aber das spielt eigentlich gar keine Rolle: Schon der Enthusiasmus, mit dem die Beteiligten wirklich jede sich bietende Gelegenheit nutzen und sich dabei auch für die hohlste Zote nicht zu schade sind, ist bewundernswert. Und irgendwann kann man als Betrachter eh nicht mehr zwischen gut und misslungen unterscheiden: Der Film schafft sich seinen eigenen Kosmos, in dem außerhalb davon geltende Maßstäbe hinfällig sind. Der Wahnsinn bemächtigt sich der Unternehmung und verschlingt alles.

ODDBALLS beginnt mit einer im Jahr 1984 wahrscheinlich unvermeidlichen INDIANA JONES-Persiflage: Auf der Flucht vor der rollenden Kugel stürzt der Archäologe aus dem Busch mitten auf eine Straße – und vor den Bus, der die jugendliche Protagonistenschar zum Handlungsort des Filmes bringt. Mit dem ersten von unzähligen albernen Soundeffekten klatscht der Abenteurer gegen die Winschutzscheibe, von der ihn der Busfahrer – der sich ein paar Szenen später als Blinder entpuppt – mithilfe des Scheibenwischers entfernt. Bis die Kiddies im mitleiderregenden Camp Bottomout angekommen sind, wird außerdem ein mit seinem Pappraumschiff notgelandeter Marsmensch passiert, der im weiteren Verlauf für zeitgenössische E.T.-Gags herhalten muss. Die Filmreferenzen – später werden in kurzer Folge erst die Hexe aus WIZARD OF OZ und Mary Poppins vom Himmel geballert – gehören zugegebenermaßen zu den kläglicheren Humorversuchen von ODDBALLS, aber auch sie stehen für die „Volle Kraft voraus!“-Strategie, der sich der Regisseur aufopferunngsvoll hingibt.

Camp Bottomout ist ein absolutes Dreckloch, das Gelände übersät mit Fahrzeugwracks, zwischen denen sich in den Totalen immer wieder Römer und Wikinger balgen, die Zimmer sehen nicht besser aus (in einem Bett liegt eine halbverweste Leiche) und die Trunkenheit des depressiven Eigentümers wird nur noch von seinem Kinderhass übertroffen. Zuständig für die „sozialen Unternehmungen“ ist ein verurteilter Kinderschänder, weil der nun einmal so preiswert zu haben war, Camp Counsellor Laylo Nardeen (Mike MacDonald) hingegen beglückt die Kinder mit seinen Aufreißtipps und Ausflügen in den lokalen Amüsierbetrieb namens „Meat Racket“. Einziger Lichtblick für die desillusionierten Kinder – die hier übrigens tatsächlich Kinder sind und keine Dreißigjährigen, die Teens spielen – sind das am anderen Ufer des Sees liegende Camp Bountiful, dessen Gäste allesamt gut gebaute Mädels sind, die den lieben langen Tag nichts anderes machen als Aerobic im Freien, die üppigen Brüste der Camp-Krankenschwester und das sonnige Gemüt von Bassetts Enkeltochter Jennifer (Konnie Krome). Der Konflikt, den es für die Jungs zu bewältigen gibt, ist die Auseinandersetzung mit Bountiful-Chef Skinner (Donnie Bowes), der das Bottomout-Grundstück kaufen will, um darauf eine Shopping Mall zu errichten und in der Verfolgung dieses Plans vor keiner Gaunerei zurückschreckt. Dass er ein echter Teufel ist, zeigen schon die Bilder über seinem Schreibtisch: der Crimson Ghost und Adolf Hitler.

Das eine Element von ODDBALLS, das ohne Wenn und Aber großartig ist, ist Bassett-Darsteller Brooks: Der Comedian machte sich einen Namen mit der Darstellung von „lovable drunks“ und nimmt man seine Darbietung hier zum Maßstab, führte er diese Kunst zur makellosen Perfektion. Bevor ich wusste, wer Brooks ist, hatte ich die Vermutung, dass der Darsteller des Bassett tatsächlich sternhagelvoll bei den Dreharbeiten war – dem Film wäre es zuzutrauen gewesen: Er imitiert die typischen Merkmale, den müden, wegdriftenden Blick, dieses Schlurfen der Sprache, mit solcher Brillanz, dass man kaum glauben mag, dass es nur gespielt ist. Und der Charakter eines angebrannten, alternden Kinderhassers, der dazu gezwungen ist, ein Feriencamp zu leiten, ist einfach nur komödiantisches Gold, ganz gleich ob Bassett nun von einem brav und stumm dreinblickenden Lausebengel Backsteine vor die Rübe gedonnert bekommt oder auf den Vorwurf der Enkelin, sie habe 18 leere Whiskey-Flaschen bei ihm entdeckt, entgegnet, er kaufe niemals leere Whiskey-Flaschen.

Bemerkenswert ist auch die Vielzahl der verschiedenen Humor-Spielarten, die der Film bedient: Ich erwähnte schon die Filmzitate, hinzu kommen typische Sight Gags – Skinners dämlicher Sohn trägt ein Poloshirt, an dessen Brust ein echter Babyalligator befestigt ist, hinter der Klotür mit der Aufschrift „Men“ verbergen sich eben Männer, bis ein cleveres Kerlchen das Schild mit dem Edding kurzerhand um die Buchstaben „Wo“ ergänzt -, Slapstickeinlagen und dusselige Puns (als Skinner dem begriffsstutzigen Filius den Begriff „to woo“ erklärt und das Wort dazu mehrfach wiederholt, treten auf einmal Indianeer ins Bild und fragen, warum man sie gerufen habe) sowie lupenreiner Metahumor: Als sich in Vorbereitung eines Flashbacks dieser bekannter Wabereffekt über das Bild legt, wundern sich die Charaktere über den komischen Nebel und einmal knallt der jugendliche Hauptdarsteller bei einem Zoom mit dem Kopf gegen die Kamera, sodass ein Sprung auf der Mattscheibe sichtbar wird. Einer der inspirierteren Gags dreht sich in Anlehnung an ANNIE HALL um plötzlich eingefügte Untertitel – „für die Kunstfans“ -, mit denen eine der Figuren beleidigt wird. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass David Wain, Schöpfer der ganz ähnlich gelagerten Kultkomödie WET HOT AMERICAN SUMMER, diese kleine kanadische Bizarrerie nicht unbekannt ist und sein Werk entscheidend mitbeeinflusste: In ihrer no holds barred-Strategie sind beide Filme Seelenverwandte – auch wenn Wains Komödie deutlich geschliffener daherkommt. Drehbuchautor Ed Naha fand hier das Sprungbrett für eine Karriere, in der er unter anderem die Scripts für TROLL, C.H.U.D., DOLLMAN und HONEY, I SHRUNK THE KIDS sowie dessen Fortsetzung verfasste. Ein liebenswerter kleiner Film, dessen Hingabe seine Defizite aber mehr als aufwiegt und objektiv „besseren“ Werken seine singulär-beknackte Haltung voraus hat.

Der coole Brad Lovett (Bryan Genesse, der ein paar Jahre später in dem schicken DTV-Actioner HUMAN TIMEBOMB mitspielen würde), der blonde Popper Steve Hardman (Lance van der Kolk), Nerd Hugh G. Rection (Alan Deveau) und Fettsack Marvin Eatmore (Jason Warren) drohen an der Beaver Academy durchzufallen und müssen demnach im Sommer in der Coxswell Academy, „a college for morons“, büffeln. Hier erregt die junge Französischlehrerin Mona Lott (Cynthia Belliveau) ihre Aufmerksamkeit: Das Ziel, sie ins Bett zu zerren, verfolgen die Jungs mit weitaus größerem Ernst, als ihre schulische Ausbildung.

Dass Zielinski die anarchisch-dadaistische Qualität des Vorgängers SCREWBALLS noch einmal erreichen würde, war nicht unbedingt zu erwarten, umso schöner die Erkenntnis, dass LOOSE SCREWS ihr verdammt nahe kommt. Der Film macht genauso viel Spaß wie sein großer Bruder – vorausgesetzt man ist dieser Art anspruchsloser, triebbefriedigender, direkt unter die Gürtellinie zielender Unterhaltung gegenüber aufgeschlossen und hat Freude an doofen Wortwitzen. Schon die oben aufgeführten Namen lassen erahnen, was den Betrachter hier erwartet: Neben diesen gibt es auch noch eine Nikki Nystroke, eine Hilda van Blow und einen chinesischen Masseur namens Hung Lo. Die sequeltypische Steigerung gegenüber dem zwei Jahre älteren Vorläufer besteht darin, dass es nun nicht mehr nur um die Befriedigung voyeuristischer Bedürfnisse geht, sondern um „echten“ Sex – und um dieses Ziel zu erreichen, werden wieder alle Register gezogen. Der Klassiker unter den Anmachstrategien – sich als Mädchen verkleiden und im mit David-Lee-Roth- und Boy-George-Postern tapezierten Schlafraum Einzug halten – darf in diesem Spektakel natürlich ebensowenig nicht fehlen wie der Besuch im lokalen Stripschuppen, in dem Wet-T-Shirt- und Whipped-Cream-Wettbewerbe abgehalten werden.

Super – und tatsächlich besser als im Vorgänger – ist der Gegenspieler der notgeilen Hauptdarstellerclique, der Schuldirektor Arsenault (Mike MacDonald), der nicht nur in Omnipotenzfantasien schwelgt, sondern auch selbst der jungen Lehrerin nachsteigt, während seine nymphomane Ehefrau sich zu Hause lüstern in den Laken wälzt. Ihm bricht am Schluss ein Video, dass die Jungs von ihm und Mona gedreht haben, das Genick. Ein bisschen fies ist es, dass sie die Karriere der Begehrten, die sich bis zum Schluss beharrlich weigert, sich ihren Verehrern zu öffnen, gleich mit ruinieren. Sie hat ihnen ja gar nichts getan, im Unterschied zu ihrer Vorgängerin Purity Busch aus SCREWALLS, die ja eine sadistische Freude daran entwickelte, die Jungs erst geil zu machen und dann auflaufen zu lassen. Aber diese selbstbezogene Aggression der Pubertät, die auf der Jagd nach Befriedigung auf nichts und niemanden Rücksicht nimmt, wird so natürlich recht adäquat abgebildet.

„SCREWBALLS is utter lunacy – or keeping with the nature of the movie, ,udder lunacy‘. Opening with an actual image of the word ,coming‘, accompanied by orgasmic female squeals, the camera pulls back to reveal a pair of teenage nubiles hanging a ,COMING SOON‘ banner outside a hot-dog stand as a giant inflatable wiener pokes them repeatedly to-and-fro in their crotches and butts. Each bump is punctuated, of course, by Three Stooges-style sound effects. From there, the wit just keeps, like the sign says, coming.“

Ich habe mir die Beschreibung Mike „McBeardo“ McPaddens Buch „Teen Movie Hell“ ausgeborgt, weil ich besagtes Eröffnungstableau selbst nicht besser hätte in Worte fassen können, es gleichzeitig aber so wunderbar dazu geeignet ist, einen Eindruck vom Wahnsinn dieses Films zu vermitteln. Die Protagonisten von SCREWBALLS sind fünf Jungs der Taft and Adams High School – deren Cheerleader passenderweise Trikots mit der Aufschrift „T&A“ tragen -, und ihre Wege kreuzen sich schicksalhaft, als sie gemeinsam nachsitzen müssen. Der smarte Rick (Peter Keleghan) hatte sich als Doktor getarnt in eine schulärztliche Brustuntersuchung geschlichen, der bebrillte Nerd Howie (Alan Deveau) war dabei erwischt worden, wie er seinen MItschülerinnen mithilfe einer Spiegelkonstruktion unter die Röcke schauen wollte, der dicke Melvin Jerkovski (Jason Warren) war seinem Namen im Kühlraum der Schulcafeteria gerecht geworden, das Landei Tim (Jim Coburn) aus Versehen in die Mädchenumkleide gestolpert und der Preppie Brent van Dusen III (Kent Deuters) hatte ein Mädchen im Französischunterricht dazu gebracht, ein Modell des Eiffelturms zu fellationieren – die superheiße Lehrerin war bei der wiederholten Aussprache des Wortes „la bouche“ so heiß geworden, dass sie das Klassenzimmer verlassen musste. Alles klar?

Die fünf Jungs teilen eine Obsession: Sie wünschen sich nichts sehnlicher als einen Blick auf die Brüste der Schulkönigin Purity Busch (Linda Speciale) werfen zu können. Die weiß aber ganz genau um die Wirkung, die sie auf die im Hormonwirbel taumelnden Jungmänner ausübt – und wie wichtig es für diese Zuneigung ist, ihre beiden sekundären Geschlechtsorgane wie ein gutes Geheimnis zu hüten. SCREWBALLS ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung der verschiedenen Versuche der Jungs, sich ihren Traum zu erfüllen, immer wieder unterbrochen von orgiastischen Szenen mit den weniger verkniffenen Cheerleadern um die geile Bootsy Goodhead (Linda Shayne): Eine Autokino-Sichtung des Films „Wild Women of Wango“ (hinter dem Titel verbirgt sich nicht etwa WILD WOMEN OF WONGO, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern das Pam-Grier-Vehikel THE ARENA) artet in eine Massenschlägerei aus, als Tim bemerkt, dass Brent es mit seiner Schwester treibt. Bei einer Runde Strip-Bowling bleibt Howie bestes Stück in einer Bowlingkugel stecken (fragt nicht …), schießt dann aber natürlich unter lüsterner Mithilfe der Cheerleader zum eruptiven Strike in die Pins. Der Schulball gerät zum Gelage, als die Jungs aus Versehen eine ganze Flasche Aphrodisiakum aus dem Sexshop in die Bowle kippen. Nur die heiligen Hügel von Purity bleiben verhüllt – bis zum großen Finale: Während die frisch gekürte Homecoming Queen die Nationalhymne singt, zeigt Howies neueste Erfindung ihre Wirkung und reißt der sonst so zugeknöpften Schönen die Kleider vom Leib. Während die Credits laufen, werden nun immer wieder die beiden überaus ansehnlichen Brüste eingeblendet, auf die man so lange warten musste. Ein wahrhaft sensationelles Ende.

SCREWBALLS hat alles, was das Genre der Teenie-Sexkomödie auszeichnet: Jede Menge selbstzweckhafte Zurschaustellung nackter Mädchenkörper, männliche Charaktere, die nur das eine im Kopf haben, laute Zoten, Kalauer, Wortwitze und Slapstickeinlagen, die mal mehr, mal weniger gut funktionieren, aber in einer solchen Vielzahl auf den Betrachter niedergehen, dass das irgendwann keine Rolle mehr spielt, und haufenweise abstruse Einfälle. Was den Film dabei besonders auszeichnet ist seine Direktheit – und die Gleichsetzung der Protagonisten mit der Zielgruppe, deren Motivation sie teilen: Sie wollen Titten sehen, nicht mehr, nicht weniger. Um es mit den Worten des Songs zu sagen, den die Cheerleader singen: „We must, We must, We must develop our bust. The bigger the better, the tighter the sweater, the boys depend on us.“

Schon mit FRIDAY THE 13TH hatte Cunningham bewiesen, dass er seinen Finger am Puls der Jugend hatte. Um auf die Idee zu kommen, dass die alljährlichen Spring-Break-Orgien an den Stränden Floridas einen guten Stoff für einen Teeniefilm hergeben würden, musste man hingegen kein Genie sein. SPRING BREAK war dann ach kein ganz so großes kommerzielles Phänomen wie die Campmetzeleien um Jason Voorhees, aber dennoch ein lukratives Geschäft: Bei einem Budget von knapp 6 Millionen Dollar spielte er an den Kassen satte 25 wieder ein. In Deutschland startete er unter dem putzigen Titel IM SAUSESCHRITTT INS DÜNENBETT im Sommer 1984 und dürfte hier all jene angesprochen haben, die sich auch die EIS AM STIEL– oder PORKY’S-Filme mit Begeisterung angeschaut hatten.

Der Reiz von SPRING BREAK erschöpft sich eigentlich darin, die titelgebenden Feierlichkeiten in epischer Breite auf die Leinwand zu hieven. Die Handlung kreist um die beiden braven Jungfrauen Nelson (David Knell) und Adam (Perry Lang), die in Fort Lauderdale angekommen sogleich Bekanntschaft mit den beiden erfahrenen Feierbiestern Stu (Paul Land) und O.T. (Steve Bassett) machen. Gemeinsam machen die vier die Nacht zum Tag, besuchen Wet-T-Shirt-Contests, treten bei Saufwettbewerben an, erobern diverse Frauen, verlieren im Falle von Nelson und Adam ihre Jungfräulicheit und retten am Ende gemeinsam das kleine Motel, in dem sie wohnen und auf das es Nelsons kapitalistischer, patriarchischer Stiefvater (Donald Symington) abgesehen hat: der Hauch von Drama, den sich SPRING BREAK gönnt.

Ich tue Cunningham sicherlich nicht Unrecht, wenn ich behaupte, dass er diesen Film nicht mit dem Vorhaben, große Kunst zu schaffen, inszenierte. Das Script dürfte in wenigen Stunden entstanden sein, seine Aufgabe als Regisseur bestand während großer Teile der Dreharbeiten darin, die Kamera in die tobenden Teeniemassen zu stellen und „Action!“ zu rufen.  (Spaß war das bestimmt trotzdem nicht.) Bis es endlich zum oben erwähnten dramatischen Konflikt kommt, ist SPRING BREAK fast vorbei und bis dahin besteht er aus einer einzigen Aneinanderreihung von Saufgelagen, Parties und nur mäßig witzigen Zoten. Wenn man Cunningham wirklich etwas zu Gute halten kann, dann dass er den Ausnahmezustand on location einfing, mit vielen authentischen Impressionen, anstatt ihn in einem anonymen Studio in Hollywood nachzustellten. Die Protagonisten – vor allem Nelson und Adam – sind nicht unsympathisch, aber sie bekommen, wen wundert’s?, nicht viel Gelegenheit für character development. Stu und O.T. entsprechen dem Typus der endlos selbstbewussten, völlig eindimensionalen Sex- und Alkoholsüchtigen und sind da schon fragwürdiger, erweisen sich letztlich aber, wie das meistens so ist, als Kerle mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

Eine ernsthafte Empfehlung kann ich für diesen Quatsch naturgemäß nicht aussprechen, wer aber ein Faible für solche durch und durch atavistischen Triebbefriedigungsvehikel, Eighties-Zeitgeist und weibliche Brüste hat – eines der love interests ist das Penthouse „Pet of the Year“ Corinne Wahl – der liegt hier nicht daneben.

Den Bahnhofskino-Podcast mit Patrick Lohmeier aufzunehmen, ist eine der größten Freuden meiner Bloggertätigkeit. Diesmal habe ich Patrick zwei Teeniekomödien aus den Achtzigerjahren vorgeschlagen bzw. aufgedrängt: Greydon Clarks jede nach unten offene Niveauskala sprengenden JOYSTICKS sowie MAKING THE GRADE, einen in Deutschland nur wenig bekannten Genrebeitrag der seligen Cannon mit dem wenig später zur Bratpack-Ikone aufgestiegenen Judd Nelson. Patrick war gerade von JOYSTICKS nicht ganz so überzeugt wie ich, aber dennoch habe ich nicht locker gelassen, ihn vom schmuddeligen Charme des Films zu überzeugen. Wer 90 Minuten Zeit und Lust hat, unsbeim Plaudern zuzuhören ist hiermit herzlich eingeladen. Hier geht’s zum Podcast: https://www.bahnhofskino.com/2019/04/vidioten-zoff-hoover-academy-podcast.html

Erstaunlich, wie aktuell ausgerechnet diese Teeniekomödie aus den Achtzigern – nicht unbedingt ein Genre, das für fortschrittliche Ideen bekannt ist – über 30 Jahre nach ihrer Entstehung anmutet. Die hübsche Terri (Joyce Hyser) hat alles: einen anbetungswürdigen Freund mit tollem Sportwagen (Leigh INFERNO McCloskey), einen heißen body und jede Menge Verehrer. Doch ihrem echten Traum macht ihr Lehrer einen Strich durch die Rechnung: Ihr Zeitungsartikel, von dem sie sich einen Praktikumsplatz bei der lokalen Zeitung versprochen hat, findet seine Zustimmung nicht, stattdessen wählt er drei Jungs aus. Ihren Ärger versucht er damit abzubügeln, dass sie ja als hübsches Mädchen auch Model werden könne. Terri ist empört und schmiedet einen Plan. Sie wird als Junge Terry erneut an dem Wettbewerb teilnehmen. Im Außenseiter Rick (Clayton Rohner) findet sie einen Freund – in den sie sich dann allerdings verliebt …

JUST ONE OF THE GUYS ist leider nicht in den Kanon der Teeniekomödien eingegangen, die Menschen in meinem Alter heute mit seligen Erinnerungen verbinden. Für den ganz großen Hit fehlte zunächst einmal die Kinoauswertung, denn Gottliebs Film wurde unter dem Titel LASS MICH MAL RAN! – ALS JUNGE IST SIE SPITZE gleich auf Video verwertet. Vermutlich traute man dem Braten hierzulande nicht: keine großen Stars (obwohl die Besetzung sehr charmant ist), kein Hitsoundtrack, keine ikonischen Szenen, Bilder und Momente, in denen der Eighties-Zeitgeist und das Lebensgefühl der damaligen Jugend zu perfekten Momentaufnahmen kristallisierten. Tatsächlich wirkt JUST ONE OF THE GUYS gerade in jenen Szenen, in denen er versucht, den Vorbildern nachzueifern, bemüht und steif. Die beiden geeks, die in Außerirdischensprache quaken (einer davon Arye Gros), der Nerd, der ständig ein neues Reptil mit sich führt: Das ist ganz putzig, aber eben auch etwas gewollt. Der Film hat solche Zoten eigentlich gar nicht nötig, weil er den zentralen Konflikt sehr glaubhaft und mit viel Gefühl inszeniert und sich dabei auf sympathische Figuren verlassen kann. Terri ist keine hübsche, aber stinklangweilige Prinzessin, ihr Rick kein schleimiger Prince Charming und sogar die sonst oft kreuzpeinliche Geschlechterwandlung funktioniert hier sehr gut. Für die meisten Gags sorgt Billy Jayne als Terris notgeiler, pubertierender Bruder, der sich auf der Jagd nach willigen Mädchen für nichts zu schade ist („horny will kick embarassment’s ass every time“) und mit seinen herrlichen One-linern fast schon den Philosophenstatus von Bill Murrays groundskeeper Carl aus CADDYSHACK oder Clint Howards Eaglebauer aus ROCK’N’ROLL HIGH SCHOOL heranreicht. Am schönsten ist sicherlich die Szene, in der er seiner Schwester die verschiedenen Arten beibringt, wie man sich gepflegt am Sack kratzt.

Etwas weniger gut kommt William Zabka weg, der noch einmal seine Arschloch-Rolle aus THE KARATE KID wiederholen darf und vom Drehbuch tatsächlich keine einzige positive Eigenschaft abbekommen hat. Wie am Ende mit ihm abgerechnet wird, ist dann der einzige echte Wermutstropfen: Man hätte ihm eine Läuterung gewünscht oder zumindest eine Erkenntnis, die ihn vor der totalen Demütigung bewahrt, aber dazu konnte man sich dann wohl nicht mehr durchringen. Schade, denn es hätte sehr gut in diesen ansonsten sehr schönen, warmherzigen und lebensnahen Film gepasst, der allzu krasse Schwarzweißmalerei vermeidet und eigentlich allen Figuren eine Chance gibt, sich zu beweisen. Den Mangel an „ikonischen“ Bildern kann man daher durchaus positiv wenden: Alles das, was in anderen Teeniekomödien oft überzogen und plastikhaft daherkommt, wirjt in JUST ONE OF THE GUYS sehr authentisch. Das macht ihn sehenswert. Und wem das nicht reicht: TWIN PEAKS-Star Sherilyn Fenn ist in einer Nebenrolle zu sehen.

promnight3Teil 3 setzt die mit dem Vorgänger eingeschlagene Linie fort: Im Mittelpunkt der Handlung steht Mary Lou (Courtney Taylor), in den Fünfzigerjahren bei einem Abschlussball-Unfall ums Leben gekommene Femme fatale, die als verführerischer Sexdämon in der Gegenwart dem nerdigen Alex Grey (Tim Conlon) den Kopf verdreht. Der ist zwar mit der braven Sarah (Cynthia Preston) liiert, doch kann er den Avancen Mary Lous nicht widerstehen. Neben ihren Liebesdiensten räumt sie auch Alex‘ Widersacher aus Lehrer- und Schülerschaft aus dem Weg, zwingt ihn in die Mitttäterschaft, verwandelt ihn nebenbei aber auch in einen obercoolen Lederjackenmacker. Das gefällt Sarah natürlich gar nicht …

Noch mehr als der Vorgänger erinnert PROM NIGHT III: THE LAST KISS an die Filme um Freddy Krueger, mit der frechen Mary Lou in der Rolle des mörderischen Wiedergängers. Zwar sucht sie nicht die Träume ihrer Opfer heim, aber auch sie ist in der Lage, die Welt um sie herum zu verwandeln, und hat immer eine thematisch zu ihren Opfern passende Mordmethode parat.  Wie sie dem etwas langweiligen Alex – der lieber ein Wochenende mit seinem Kumpel Shane als mit Sarah verbringt – zum sexuellen Coming-out verhilft, lässt vor allem an Jack Sholders zweiten NIGHTMARE-Teil denken, auch wenn Oliver und Simpson eine etwas weniger mutige heterosexuelle Variation vorgelegt haben. Wenn noch nicht einmal Sholder gewusst haben will, was er da für einen Film gedreht hat, dann darf man vermuten, dass Oliver und Simpson erst recht keine Ahnung von den geheimen sexuellen Wünschen ihres Protagonisten hatten und sich nichts dabei dachten, als sie in seine Liaison mit Shane grätschten.

Es gibt ein paar schöne Ideen, von denen die höllische Spiegelversion der Prom-Night-Festivitäten sicherlich die schönste ist, der Film ist trotz seines latenten Spießertums grundsympathisch, aber es gelingt den Machern nicht, das vorhandene Potenzial ´wirklich auszuschöpfen. PROM NIGHT III ist über weite Strecken eine Komödie, die die Grenzen zur Parodie bisweilen überschreitet: Das ist mitunter durchaus witzig, verhindert aber auch, dass man richtig eintauchen kann. Dass die Kopie, die ich gesehen habe, schon etwas monochrom war, minderte seine Wirkung noch zusätzlich. Insgesamt also leicht überdurchschnittlich, aber schwächer als der tolle zweite Teil.