Mit ‘Teeniefilm’ getaggte Beiträge

promnight3Teil 3 setzt die mit dem Vorgänger eingeschlagene Linie fort: Im Mittelpunkt der Handlung steht Mary Lou (Courtney Taylor), in den Fünfzigerjahren bei einem Abschlussball-Unfall ums Leben gekommene Femme fatale, die als verführerischer Sexdämon in der Gegenwart dem nerdigen Alex Grey (Tim Conlon) den Kopf verdreht. Der ist zwar mit der braven Sarah (Cynthia Preston) liiert, doch kann er den Avancen Mary Lous nicht widerstehen. Neben ihren Liebesdiensten räumt sie auch Alex‘ Widersacher aus Lehrer- und Schülerschaft aus dem Weg, zwingt ihn in die Mitttäterschaft, verwandelt ihn nebenbei aber auch in einen obercoolen Lederjackenmacker. Das gefällt Sarah natürlich gar nicht …

Noch mehr als der Vorgänger erinnert PROM NIGHT III: THE LAST KISS an die Filme um Freddy Krueger, mit der frechen Mary Lou in der Rolle des mörderischen Wiedergängers. Zwar sucht sie nicht die Träume ihrer Opfer heim, aber auch sie ist in der Lage, die Welt um sie herum zu verwandeln, und hat immer eine thematisch zu ihren Opfern passende Mordmethode parat.  Wie sie dem etwas langweiligen Alex – der lieber ein Wochenende mit seinem Kumpel Shane als mit Sarah verbringt – zum sexuellen Coming-out verhilft, lässt vor allem an Jack Sholders zweiten NIGHTMARE-Teil denken, auch wenn Oliver und Simpson eine etwas weniger mutige heterosexuelle Variation vorgelegt haben. Wenn noch nicht einmal Sholder gewusst haben will, was er da für einen Film gedreht hat, dann darf man vermuten, dass Oliver und Simpson erst recht keine Ahnung von den geheimen sexuellen Wünschen ihres Protagonisten hatten und sich nichts dabei dachten, als sie in seine Liaison mit Shane grätschten.

Es gibt ein paar schöne Ideen, von denen die höllische Spiegelversion der Prom-Night-Festivitäten sicherlich die schönste ist, der Film ist trotz seines latenten Spießertums grundsympathisch, aber es gelingt den Machern nicht, das vorhandene Potenzial ´wirklich auszuschöpfen. PROM NIGHT III ist über weite Strecken eine Komödie, die die Grenzen zur Parodie bisweilen überschreitet: Das ist mitunter durchaus witzig, verhindert aber auch, dass man richtig eintauchen kann. Dass die Kopie, die ich gesehen habe, schon etwas monochrom war, minderte seine Wirkung noch zusätzlich. Insgesamt also leicht überdurchschnittlich, aber schwächer als der tolle zweite Teil.

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1987-hello-mary-lou-prom-night-ii-poster1Paul Lynchs PROM NIGHT ist einer der allerersten Slasherfilme, erschien nur zwei Monate nach dem genrestiftenden FRIDAY THE 13TH und das auch nur, weil die Produktionsfirma Avco Embassy sich weigerte, ihren Film an die Paramount abzugeben. Die setzte daraufhin auf Cunninghams Werk und der Rest ist Geschichte. PROM NIGHT war trotzdem ein finanzieller Erfolg, wenn er auch an das Phänomen des direkten Konkurrenten nicht anknüpfen konnte. Dafür hatte er Jamie Lee Curtis an Bord, die Patin aller Scream Queens, und Leslie Nielsen. Ich habe den Film bislang zweimal gesehen und dabei wird es aller Voraussicht nach auch bleiben, denn ich finden ihn wirklich furchtbar öde. Das ist hier anders.

Warum es über sechs Jahre dauerte, bis man sich dazu entschied, ein Sequel aus der Taufe zu heben, weiß ich nicht, doch sehr wahrscheinlich waren es vor allem kommerzielle Erwägungen, den etablierten Namen noch einmal zu nutzen. HELLO MARY LOU: PROM NIGHT II hat nichts mit dem Vorgänger zu tun, außer dass er wie jener zur Prom Night auf einer High School spielt und die horriblen Vorgänge auf einen in der Vergangenheit liegenden tödlichen Unfall zurückzuführen sind (was ja für fast alle Slasherfilme gilt). Ansonsten wird weder an die Ereignisse des ersten Teils angeknüpft, noch werden Figuren aus diesem  aufgegriffen, noch gehört HELLO MARY LOU überhaupt zum selben Subgenre. Statt sich an den 1987 bereits in zahlloser Auswahl in den Videotheken bereitliegenden Slasherfilmen mit ihren traumatisierten, aber meist sehr weltlichen Serienkillern zu orientieren, widmet sich HELLO MARY LOU übersinnlichen Kräften und fantasievollen Effekten, die in Einfallsreichtum und Farbigkeit eher an die Ergüsse der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe gemahnen. Sicherlich nicht die schlechteste Referenz für ein Sequel, das anno 1987 von den allerwenigsten lautstark gefordert wurde.

So wird die Protagonistin Vicky Carpenter (Wendy Lyons) Opfer seltsamer Halluzinationen, während derer sich die sterilen Schulkorridore in modrige Tunnel verwandeln, ihr Schaukelpferd in einen lüstern mit der Zunge schleckenden, rotäugigen Hengst, eine Tafel in einen schwarzen Tümpel und schließlich sie selbst sich in die geile titelgebende Mary Lou, die in den Fünfzigerjahren dem Zorn eines gehörnten Liebhabers zum Opfer fiel und nun auf Rache sinnt. Pittman, dessen ansehnlichen MARK OF CAIN ich hier mal besprochen habe, macht das ganz clever: Er bietet etwas soapoperesken Teeniekram mit etwas Okkultismus-Gedöns, hübschen Make-up- und Spezialeffekten, Musik und natürlich viel Humor. Der kleine Gag, Figuren nach berühmten Genre-Regisseuren zu benennen (Carpenter, Henenlotter, Waters, Browning, Craven, Dante, Wood, O’Bannon, King und Romero), war 1987 nicht mehr neu, aber er zeigt, wes Geistes Kind HELLO MARY LOU: PROM NIGHT II ist. Die Spielart des quietschbunten, selten wirklich horriblen, aber im besten Fall fantasie- und humorvollen Achtzigerjahre-Horrorfilms repräsentiert Pittmanns CARRIE-Remeiniszenz jedenfalls ziemlich perfekt und damit besser als so manch anderer, berühmterer Vertreter. Ein schöner kleiner Film, der seinen Vorläufer mit links in die Tasche steckt.

trickortreatquadNach SHOCK ‚EM DEAD musste es einfach dieser Film sein: ein weiterer Vertreter des vor allem in den Achtzigerjahren reüssierenden Heavy-Metal-Horrorfilms, putzigerweise entstanden unter der Regie von Charles Martin Smith, der Brillenschlange aus DE Palmas THE UNTOUCHABLES, den man nun nicht unbedingt mit satanischen Lyrics und facemeltenden Gitarrensolos assoziiert. Der Film hinterließ keine echten Spuren, auch wenn er mit Gastauftritten von Gene Simmons (als Radio-DJ) und Ozzy Osbourne (als Fernsehprediger) sowie der Effektarbeit des späteren Chucky-Schöpfers Kevin Yagher aufwarten konnte. Den Soundtrack steuerte der ehemalige Motörhead-Gitarrist Fast Eddie Clarke mit seiner Combo Fastway im Verbund mit Christopher Young bei. Die Hauptrolle ging an den eher unbekannten Tony Fields, einen professionellen Tänzer (er starb 1995 im Alter von nur 36 Jahren), nachdem sowohl W.A.S.P.-Frontmann Blackie Lawless als auch Gene Simmons abgesagt hatten. Simmons gab an, dass ihm das Drehbuch nicht zugesagt habe, und das ist sofort nachvollziehbar.

TRICK OR TREAT verfolgt wie fast alle Vertreter des Subgenres eine Art Doppelagenda: Einerseits wird da mit der vor allem Jugendliche ansprechenden Musik auf die Zielgruppe geschielt, ihr rebellischer Gestus und ihre von gewalttätig über sexuell bis zu satanisch reichende Bildsprache als Inspiration für entsprechende erzählerische Winkelzüge und Effekte genutzt, die auf die Barrikaden gehende Elternschaft als scheinheiliger, bevormundender Haufen entlarvt. Andererseits bekommen diese Kritiker am Ende regelmäßig Recht, denn natürlich verbirgt sich in der übersteuerten Musik meist wirklich das Böse, dass die zunächst noch in ihrer Selbstentfaltung behinderten Kids an Leib und Leben bedroht. Protagonist von Smith‘ Film ist Eddie (Mark Price), aufgrund seines Geschmacks der Sonderling der Schule und den ständigen Übergriffen von Tim (Doug Savant) und seinen Jocks ausgesetzt. Eddies Idol ist der Metalsänger Sammi Curr (Tony Fields), der einst auf Eddies Schule ging und aufgrund seiner extravaganten Bühnenshow (man sieht ihn einmal, wie er eine Schlange durchbeißt und sich mit ihrem Blut besudelt) und suggestiven Texte Dorn im Auge des Establishments ist, und Eddie ist außer sich, als er von Currs Tod erfährt. Mithilfe einer raren Schallplatte von Currs letzter Aufnahme, die ihm der DJ Nuke (Gene Simmons) vermacht, erweckt Eddie den toten Rocker zu neuem Leben. Aber der hat dann nur Böses im Sinn und muss von seinem größten Fan gestoppt werden.

Die Story erinnert etwas an den putzigen BLACK ROSES, aber TRICK OR TREAT ist insgesamt ernsthafter: Gerade die erste Hälfte des Films, die sich der Darstellung von Eddies Einzelgängertum und der Befreiung widmet, die seine Musik für ihn bedeutet, ist eigentlich sehr einfühlsam und schön. Currs Musik spricht zu Eddie, er sieht sich in der Auflehnung des Musikers repräsentiert, sie macht sein eigenes Leben ein bisschen besser. Currs Tod trifft ihn daher besonders hart: Er fühlt sich um das einzige betrogen, was ihm noch einen gewissen Ausgleich zu den alltäglichen Frustrationen und Demütigungen verschaffte. Die Ablehnung, die „seine“ Musik bei anderen hervorruft ist auch nur die Dopplung der Ausgrenzung, die er täglich erfährt. In einer tollen Szene betrachtet seine Mutter angewidert die Plattencover in seinem Zimmer (u. a Megadeths „Killing is my Business“ und Exciters „Unveiling the Wicked“), bevor sie aus Versehen die Anlage einschaltet und ob des aus den Boxen dringenden Lärms in völlige Panik gerät, zunehmend hilflos und halb wahnsinnig vor Angst auf den Knöpfen herumhämmert: Ein schönes Bild für den unüberbrückbaren Graben zwischen der Elterngeneration und ihrem Nachwuchs. Wenn es dann im letzten Drittel ans Eingemachte geht, ist das zwar immer noch hübsch anzusehen – etwa Currs Auftritt in der Schulaula, bei dem er ein wahres Massaker anrichtet -, aber vor allem den Genrekonventionen statt einer über allem stehenden Idee verpflichtet. Was soll die Tatsache, das Curr als rachsüchtiger elektrischer Dämon aus dem Jenseits zurückkehr, uns sagen? Dass der vermeintlich kathartisch-therapeutische Effekt von Rockmusik ein Trugschluss ist, ein Mittel, um Opfer einzufangen, die es nicht besser wissen? Ich schätze, man darf diese Lesart ausschließen, aber TRICK OR TREAT bietet leider keine andere an.

the-new-kids-poster„A New Ticket to Terror from the Director of ,FRIDAY THE 13TH‚“ verspricht das Plakat von THE NEW KIDS marktschreierisch. Mit dem Hit hatte Regisseur Sean S. Cunningham fünf Jahre zuvor nicht nur das Slasher-Genre als profitable Spielart des Horrorfilms aus der Taufe gehoben, er hatte auch gezeigt, wie man mit einem preisgünstig produzierten Indiefilm in die Phalanx der Großen einbrechen kann. Andere Filmemacher legen mit einem solchen Hit den Grundstein für eine große Karriere, aber von Cunningham kam danach nichts mehr, was auch nur annähernd an den Kassenschlager heranreichte. Er verlegte sich eher aufs Produzieren, drehte hier und da noch saubere, aber immer auch etwas unspektakuläre oder derivative Genrefilme wie A STRANGER IS WATCHING oder DEEP STAR SIX. THE NEW KIDS – auf deutsch sehr schön als DIE KIDS VON ORLANDO vermarktet und sogar geschnitten worden – ist wahrscheinlich einer seiner besten Filme, obwohl das oben Genannte auch auf ihn zutrifft. Gegenüber dem frechen FRIDAY ist dieser Teeniethriller fast aufreizend konzeptarm und bodenständig – aber vielleicht auch deshalb so verdammt effektiv.

Loren (Shannon Presby) und Abby (Lori Loughlin), Kinder eines soeben mit einer Tapferkeitsmedaille ausgezeichneten Soldaten (Tom Atkins), stehen völlig unverhofft als Waisen da, als ihre Eltern bei einem Autounfall verunglücken. Die Erleichterung ist groß, als ihr Onkel Charlie (Eddie Jones), sie zu sich und seiner Gattin nach Florida einlädt. Er hat einen maroden Vergnügungsparkt gekauft, in dem die Kinder leben und mit anpacken können. Das tun sie nach Kräften, doch bald gibt es Schwierigkeiten mit dem fiesen Mitschüler Dutra (James Spader) und seinen Schergen: Er hat es auf die neuen, vor allem die hübsche Abby, abgesehen und ist nicht bereit, ein „Nein“ als Antwort auf seine Avancen zu akzeptieren. Was als Schulhofstreiterei angefangen hat, weitet sich bald zu einem Duell auf Leben und Tod aus.

THE NEW KIDS ist aus zwei Gründen so gut: Zum einen, weil der Grundkonflikt des Films nicht weit weg ist vom eigenen Erfahrungshorizont und Cunningham bis zum Schluss kaum von dieser realistischen Prämisse abweicht, zum anderen weil Dutra und seine Kompagnons wirklich wunderbar hassenswerte Schurken abgeben. Es gibt ja diese Filme, bei denen man die Wut und Verzweiflung förmlich in sich hochkriechen spürt, die es einem nahezu unerträglich machen, taten- und hilflos vor dem Bildschirm auszuharren, die den unstillbaren Wunsch in einem anwachsen lassen, dem Übeltäter höchstselbst die fiese Fresse zu polieren. THE NEW KIDS ist einer davon. James Spader, der hier aussieht wie der verlorene Sohn von Christopher Walkens Max Zorin aus A VIEW TO A KILL, ist ein wahrlich widerliches Ekelpaket, in dessen arrogante Visage man mit wachsender Begeisterung reinschlagen möchte, und die Redneck-Ärsche, die er um sich geschart hat, sind so richtig ignoranter, asozialer Abschaum ohne einen einzigen Funken Anstand im Leib. Wie sie in einem Fort vollkommen harmlose Mitschüler triezen, sich feige in ihrer Clique verstecken, Hunde zu blutgierigen Bestien abrichten, fremder Leute Eigentum mutwillig beschädigen und sich aufführen, als gehöre ihnen die Welt, verlangt einem jede Menge Disziplin ab, sie nicht gleich von der heimischen Couch aus mit unflätigen Kraftausdrücken zu überziehen. Dass Abby und Loren so überaus sympathische und gutmütige Kinder sind, trägt noch entscheidend dazu bei, dass das eigene Unrechtsbewusstsein lautstark Alarm schlägt.

Der Spannungsbogen ist sehr geschickt gespannt, langsam und stetig eskaliert die Situation vom harmlosen Streit bis zur lebensbedrohlichen Vendetta, beschleunigt sich die Gewaltspirale, bis sie von niemandem mehr aufzuhalten ist. Das Finale auf dem gammeligen Vergnügungspark-Gelände bietet dann zum Abschluss genug rostige Gerätschaften für diverse spektakuläre Todesarten und Hinrichtungen und das offene Ende ist erwartbar, aber in diesem Kontext dann auch nicht ohne. Mag sein, dass THE NEW KIDS den finalen Kick vermissen lässt, der die Etikettierung als „Klassiker“ rechtfertigen würde. Aber seine Qualitäten sind m. E. unverkennbar und ich denke, für die Behauptung, Cunninghams Film sei ein nicht zu unterschätzender Vorläufer des in den letzten zehn Jahren so populären, realistischen Terrorkinos, lassen sich einige sehr stichhaltige Argumente formulieren. Guter Film!

 

secret_admirerSECRET ADMIRER. Das klingt kaum weniger bieder und langweilig als der deutsche Verleihtitel, der da eine CRAZY LOVE – LIEBE SCHWARZ AUF WEISS verheißt. Kein Wunder, dass der Film – in den USA im Double Feature mit CLASS auf DVD erschienen – mehrere Jahre bei mir im Regal auf seinen Einsatz warten musste, obwohl ich die Teeniekomödien aus den Achtzigerjahren ja eigentlich sehr mag. Was für ein Irrtum! Wie auch der zuletzt gesehene MANNEQUIN ist SECRET ADMIRE wirklich charmant, lebt von seinem hervorragend aufgelegten Darsteller-Ensemble aus glaubwürdigen Jungstars und verdienten Profis, denen man den Spaß an der Sache ansieht, und einem Drehbuch, das seiner Prämisse im Laufe der 90 Minuten immer noch weitere Aspekte abringt. Dass man auch noch Kelly Prestons ziemlich beeindruckende Oberweite zu Gesicht bekommt, kann natürlich auch nicht schaden, soll über diese Erwähnung hinaus aber nicht weiter thematisiert werden. Ein Gentleman genießt und schweigt.

Highschool-Kid Michael Ryan (C. Thomas Howell) hat eine Schwäche für die schöne Deborah (Kelly Preston), die so begehrt ist, dass sie nur mit College-Schülern ausgeht. Als er eines Tages einen anonymen Verehrerbrief in seinem Locker findet, ist er sicher: Der muss von ihr sein! Seine lyrisch unbeholfenen Antworten werden von seiner besten Freundin Toni (Lori Loughlin) auf Vordermann gebracht, erweichen so das Herz der eingebildeten Schönheit – und gelangen auf Umwegen auch in die Hände der Eltern der Turteltauben (Dee Wallace Stone und Cliff De Young auf der einen, Leigh Taylor-Young und Fred Ward auf der anderen Seite), was wiederum deren Eheleben mächtig durcheinander bringt …

Es ist genau dieser Kniff, der SECRET ADMIRER von der netten, aber auch harmlosen romantischen Highschool-Teeniekomödie in einen sehr sympathischen, humanistischen und warmen Film verwandelt. Wie die Eheleute da wie aus dem Nichts in eine Affäre taumeln, über den Kitzel sich selbst und dann wieder die Liebe zum Partner entdecken, ist toll, kein bisschen spießig und ehrlich gesagt auch interessanter als der eigentliche Plot. Vor allem Fred Ward, der Deborahs Papa als hardboiled cop mit weichem Kern gibt, beweist wieder einmal seine ganze Klasse, die sich leider viel zu selten in entsprechend großen Rollen niederschlug. Ähnlich überraschend verfährt SECRET ADMIRER mit dem College-Arschloch Steve (Scott McGinnis): Der eklige Jock, der kurz davor ist, auch die zierliche Toni auf die Matratze zu zerren, zeigt plötzlich Skrupel und Herz und wächst zumindest für einen kurzen Moment über das Klischee hinaus, das sich in Sportwagenpostern an seiner Wand zu bestätigen scheint. Bei so viel Liebe zum Detail macht es auch überhaupt nichts, dass die Auflösung des ganzen ein alter Hut und natürlich von der ersten Minute an für jeden, der nicht völlig auf den Kopf gefallen ist, vorherzusehen ist. Völlig Wurst, denn man nimmt das Happy End mit den beiden sich im Hafenbecken in die Arme schließenden zu gern mit. Lori Loughlin ist aber auch wirklich zum Anbeißen niedlich. Das Engagement für die grauslige Schmalzbacken-Sitcom FULL HOUSE wird ihrem Konto gut getan haben, aber hier zeigt sie deutlich größeres Potenzial, das nach dem Fernsehengagement leider nicht mehr gehoben werden konnte. Und auch C. Thomas Howell erinnert daran, warum er dereinst zu den großen Teeniehoffnungen zählte. In einer weiteren Nebenrolle als tölpeliger Kumpel Michaels ist Ex-YOUNG GUN Casey Siemaszko zu sehen. Runde Sache, das.

e0e9f5c6bfGestern ging dieses unglaubliche Video von Corey Feldmans Auftritt im US-Fernsehen durchs Netz. Ich verfolge Feldman schon etwas länger, weil ich ihn hochgradig faszinierend finde – und quasi mit ihm aufgewachsen bin. Er evoziert eine komplexe Mischung von Gefühlen bei mir, die mit „Fremdscham“ nur unzureichend erklärt ist. In den Achtzigern war er ein beliebter und viel beschäftigter Kinder- und Jugendstar, dem die Herzen und die Geldscheine nur so zuflogen, bevor ihm der Ruhm dann aber irgendwie in die Quere kam. Die üblichen Drogenprobleme wurden publik, die Rollen wurden kleiner, die Kluft zwischen Feldman und der Realität größer. Als sein Kumpel und Filmpartner Corey Haim verstarb, der ein ähnliches Schicksal teilte, aber noch weniger gut damit zurechtkam, ließ Feldman in seiner Biografie verlauten, die beiden seien von einem namhaften Hollywood-Produzenten sexuell missbraucht worden. Richtig ernst nahm und nimmt das tragischerweise keiner: Feldman ist heute einer dieser C-Prominenten, die in erster Linie deshalb noch manchmal in die Öffentlichkeit gezerrt werden, weil man sich ulkige Schoten von ihnen erhofft. So machte er in den letzten Jahren mit peinlichen Partys von sich reden, auf die man sich teuer einkaufen konnte und die sich dann als traurige Versammlungen Fehlgeleiteter entpuppten oder eben von seinen verzweifelten Versuchen, eine Musikkarriere zu starten. An seinem aktuellen Album „Angelic 2 the Core“, das der Anlass für seinen TV-Auftritt war, arbeitete er angeblich zehn Jahre und suchte vergeblich nach einem Label: Natürlich nicht, weil er grotesk untalentiert und geschmacklich mit seinen Jacko-Anleihen in den Neunzigern stehengeblieben ist, sondern, weil sich keiner „getraut habe“. Die Musik, ein krass anachronistischer Rap/Rock-Hybrid ist ziemlich furchtbar, Feldmman definitiv weder ein Sänger noch überhaupt ein begabter Frontmann, seine Darbietung amateurhaft und überambitioniert. Aber ich finde seinen Auftritt ja gerade wegen des enthusiastisch dargebotenen Untalents ziemlich grandios. Feldman ist mit Leib und Seele bei seiner Musik, das merkt man, und das schützt ihn auch vor dem Spott der anderen. Er lebt mit „Corey’s Angels“, seiner Backingband aus engelhaft gekleideten Mädels, die er angeblich von der Straße aufgelesen habe, in einer komplett eigenen Welt, in der Jackos Tanzmoves immer noch das Allergrößte sind und die Leute versessen darauf sind, ihn im Duett mit Fred Durst zu hören. Das ist, wenn man den Hintergrund kennt, ziemlich tragisch: Aber wenn das Feldmans Weg ist, mit seinen Traumata klarzukommen, dann kann man das nur gutheißen. Fakt ist: Das, was er da auf die Bühne gebracht hat, macht sonst keiner.

LICENSE TO DRIVE ist in den Karrieren seiner beiden Stars knapp vor dem Niedergang anzusiedeln und war in den USA ein recht beachtlicher Hit. Feldman machte direkt im Anschluss mit Joe Dante den tollen THE ‚BURBS, es folgten, ebenfalls mit Haim, DREAM A LITTLE DREAM, eine Sprecherrolle im ersten TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES-Film sowie der spaßige EDGE OF HONOR, dann ging es, von Ausnahmen wie BORDELLO OF BLOOD abgesehen, stetig bergab. Für Haim war LICENSE TO DRIVE nach THE LOST BOYS die erste echte Hauptrolle: Er war der kommende Mädchenschwarm und gemeinsam mit Feldman gab er ein jugendlich-freches Duo ab. So dachten sich die Produzenten das jedenfalls. Der Plan ging nicht wirklich auf. Keiner von Haims folgenden Filmen – der genannte DREAM A LITTLE DREAM, die Koontz-Verfilmung WATCHERS oder der Endzeitfilm PRAYER OF THE ROLLERBOYS – hinterließ einen bleibenden Eindruck, der Abstieg in das weite Feld der Videopremieren war vorgezeichnet. Dazu passend ist LICENSE TO DRIVE auch ein Film, der eher von der kurzen Popularität Haims profitierte, als dass er echte Meriten hätte. So sehr sich Regisseur Beeman auch bemüht, eine turbulente Teeniekomödie auf die Beine zu stellen – Chris Columbus um Längen besserer ADVENTURES IN BABYSITTING ist ein guter Vergleich  -, alles wirkt irgendwie simuliert, steif und zweitklassig.

Es geht um den sechzehnjährigen Les Anderson (Corey Haim), der sich nichts so sehr wünscht, wie endlich den Führerschein und das dazugehörige Auto zu haben. Auf der Highschool muss man sich ohne fahrbaren Untersatz erst gar keine Hoffnungen machen, von den Mädchen wahrgenommen zu werden, schon gar nicht von einer Schönheit wie Mercedes Lane (Heather Graham), die sich lieber mit einem slawisch anmutenden Graf-Dracula-Ersatz mit Ferrari abgibt. Dummerweise fliegt Les just an jenem Tag durch die Prüfung, an dem er der holden versprochen hat, sie zu einem Date mit Opas Auto abzuholen. Also entwendet er den Cadillac kurzerhand und begibt sich in ein haarsträubendes Abenteuer, an dessen Ende der Wagen ein einziger Schrotthaufen ist.

LICENSE TO DRIVE bemüht eine Eskalationsdramaturgie, für die ein gutes Gespür für Timing nötig ist – und natürlich ein Hauptdarsteller, mit dem man mitfiebert. Beides fehlt. Die Aneinanderreihung von haarsträubenden Katastrophen wirkt beliebig (die feindseligen Rockerproleten, denen Les und seine Kumpels immer wieder begegnen) oder vollends überzogen (der Besoffene, der den Caddy stiehlt und damit auf Amokfahrt geht), und Haims stets mit offenem Mund in die Gegend stierender Les ist viel zu unreflektiert und verantwortungslos, um echtes Mitleid mit ihm und seiner Situation zu haben. In dem Bemühen, es allen Recht zu machen, lässt er sich auf die idiotischsten Aktionen ein (wie etwa die, die sturzbetrunkene Mercedes in den Kofferraum seines Autos zu stecken, damit sie den Innenraum nicht vollkotzt). Wie er mit dem Cadillac seines Großvaters umgeht, ist einfach zu fahrlässig, um als Zuschauer jenes Anteil an der fortschreitenden Zerstörung nehmen zu können, das notwendig für das Funktionieren von LICENSE TO DRIVE ist. Wirklich witzig sind Richard Masur und Carol Kane als Elternpaar, unangenehm fällt die Feindseligkeit auf, mit der jeder Kritik am US-amerikanischen Automobilfetisch begegnet wird. So wird der Aktivistentrip von Les‘ Schwester ihrer Verehrung für einen „Commie“ im Lenin-Look zugeschrieben und dass der Junge von einem BMW als Erstwagen träumt ist irgendwie legitim. Seine Verantwortungslosigkeit ist am Ende OK, weil er die schwangere Mama rechtzeitig ins Krankenhaus bringt und der Opa kann über seinen Schrotthaufen nur lachen, weil er den Wagen von Les‘ Eltern selbst zu Klump gefahren hat. Wie gut, dass Mercedes wenigstens einen Golf Cabrio ihr eigen nennt. Nun ja.

10312Zum zweiten Teil der EIS AM STIEL-Reihe habe ich einen Schwank aus meiner Jugend parat: Als er im Fernsehen ausgestrahlt wurde, war ich mit meinen Eltern zu einer Feier bei einem Arbeitskollegen meines Vaters eingeladen. Blöderweise hatte ich vergessen, den heimischen Videorekorder zu programmieren, also fragte ich den Gastgeber, ober er etwas für mich aufnehmen könne. „Hahaha, wohl EIS AM STIEL, was?!“, lachte er nur, sofort wissend, was einen 14-Jährigen am Fernsehprogramm interessieren musste, Mir war das ein bisschen peinlich, aber ich habe den Film dann direkt dort gucken dürfen, wenn ich mich recht entsinne.

Mit der Auffrischung des Sequels erklärt sich auch meine Überraschung angesichts des dorch recht unerquicklichen Tonfalls des Vorgängers. Mit FESTE FREUNDIN vollzieht Davidson den Schritt hin zu den eher harmlosen Teeniekomödien, die ich aus der Erinnerung heraus mit der Reihe assoziierte. Dramaturgisch ist alles viel runder, geformter, weniger episodisch, die Charaktere sind hinsichtlich ihrer Funktion zurechtgeschliffen, alles ist vorhersehbarer, aber auch etwas konsumierbarer als noch zuvor. Benny (Yftach Katzur) rückt noch mehr ins Zentrum, Johnny (Zachi Noy) wird endgültig zum tragischen Clown und Momo (Jonathan Segal) ist nun ein gänzlich unentschuldbares Arschloch, sodass es einen wundert, wie man ihn noch sechs weitere Teile dabei behalten konnte. Nachdem es in ESKIMO LIMON noch um den ersten Sex ging, steht nun nichts weniger als die große Liebe im Mittelpunkt, die Benny erwischt, als er eines Tages die schöne Tammy (Yvonne Michaels) trifft.

Seine Bemühungen, sie zu eine Date zu überreden, sind tatsächlich sehr süß und charmant, aber natürlich gibt es bald die ersten Probleme. Es ist schon erstaunlich, wie fix die Jungs hier mit Ohrfeigen um sich schmeißen, überhaupt muss man jederzeit damit rechnen, dass der Chauvi aus ihnen herausbricht. Unangenehmer Höhepunkt des Films ist die Episode, in der Bobby seine Kumpels bei seiner Eroberung einschleust und das nichts Böses ahnende Mädchen mitten in einer Numme „übergibt“. Das ist schon eine ziemlich abgefuckte und niederträchtige Idee, zumal die drei die Entrüstung des Mädchens nur so halb verstehen, wenn überhaupt. Aber solche Misstöne – die den ersten Teil noch prägten – sind hier eher rar und nach 85 Minuten gibt es dann so ein richtig herzerwärmendes Happy End. Kein Vergleich zur deprimierenden Frustration von ESKIMO LIMONs Schlussakkord. Emotionaler Höhepunkt ist für mich aber Johnnys Zusammenbruch, als er erfährt, dass sein bester Freund es mit seiner Martha getrieben hat: Wer Zachi Noy immer für einen fetten Witzbold ohne Talent gehalten hat, wird von seiner Darbietung eines besseren belehrt. Ein schöner Film, nicht so eigenständig wie das Original, aber dafür deutlich herzlicher.