Mit ‘Teeniefilm’ getaggte Beiträge

Ein Film namens FOXES, der sich um das Coming of Age von vier Highschool-Mädels dreht, inszeniert von Adrian Lyne: Da schrillen gleich alle Alarmglocken. Die von Lyne in schwül-steriler Videoclip-Optik inszenierten 9 1/2 WEEKS, FLASHDANCE und LOLITA haben den Ruf, vor allem den Voyeurismus lüsterner Herren zu bedienen und Frauen als makellose Objekte der Begierde zu stilisieren. Als völlig haltlos abzuschmettern ist der Vorwurf definitiv nicht und für FOXES, Lynes Debütfilm, lässt das Schlimmes befürchten, was sich dann aber nicht bewahrheitet. Im Gegenteil ist FOXES zurückhaltend, ehrlich, sensibel und empathisch und überhaupt nicht daran interessiert, seine jugendlichen Darstellerinnen zur Schau zu stellen. Die eröffnenden Bilder, die die Mädchen im Schlaf kurz vor dem Aufwachen zeigen und Detailaufnahmen ihrer bekleideten Körper zeigen, sind der einzige Moment, in dem man Lyne des Voyeurismus beschuldigen könnte, ansonsten bleibt FOXES angenehm zurückhalten, verhandelt das alles bestimmende Thema „Sex“ eher auf er Dialogebene statt in ausgebreiteten Erotikszenen.

„Jeanies Clique“, so der deutsche Verleihtitel, besteht aus Jeanie (Jodie Foster), die mit ihrer Mutter (Sarah Kellerman) allein lebt, seit die sich von ihrem Mann, einem englischen Musikproduzenten, getrennt hat. Nun wirft sie sich verzweifelt jedem Kerl an den Hals, um die Einsamkeit zu dämpfen, und holt ihr Studium nach. Jeanie ist meistens allein und hat trotz ihres Alters von 15 eine oberflächliche Reife erreicht, die sie zum Mittelpunkt ihres kleinen Freundeskreises macht. Insgeheim träumt sie von einer großen Loftwohnung, in der die vier Mädchen dann zusammenwohnen. Zu diesem gehöre außerdem Madge (Marilyn Kagan), das Mauerblümchen der vier, dass dann aber alle mit der Offenbarung überrascht, einen Verlobten zu haben (Randy Quaid), der die 30 schon hinter sich hat. Deirdre (Kandice Stroh) ist immer auf Beutezug, setzt gern ihre Reize ein und fühlt sich als die erwachsenste ihrer Clique, was sie in dramatisch inszenierten Nervenzusammenbrüchen zum Anlass nimmt, sich tränenreich über ihrer Verantwortung zu beklagen. Und dann ist da Annie (Cherie Curry), deren private Probleme – ein gewalttätiger Polizisten-Vater, eine sich in ihre Opferrolle ergebende Mutter und eine ausgeprägte Drogensucht – die Gruppe insgeheim zusammenhalten.

FOXES dreht sich im Wesentlichen um die Gespräche der Mädchen, die ihre Probleme, Träume und natürlich Jungs diskutieren. Noch im Highschool-Aalter, möchten sie eigentlich gern schon erwachsen sein, eine eigene, schick eingerichtete Wohnung haben, Parties feiern und sich von einem erfolgreichen Mann aushalten lassen. Sie halten sich für reif, doch ihr Blick auf das Leben weist sie als Kinder aus, deren Eltern es versäumt haben, ihnen einen Kompass an die Hand zu geben. Am deutlichsten zeigt sich das natürlich an Annie, die manchmal für Tage einfach in den Straßen Hollywoods verschwindet, sich mit merkwürdigem Volk einlässt und schon mit 15 im Eiltempo auf ihre Ende zurast. Das kaum weniger deprimierende Gegenstück bildet Madge, die am Ende den über 15 Jahre älteren Mann heiratet, um wiedergutzumachen, dass sie dessen Haus bei einer aus dem Ruder gelaufenen Party total verwüstet hat. Dazwischen taucht immer wieder der nette Brad (Scott Baio) auf, der eigentlich genau in ihrem Alter ist, von ihnen aber als „Kind“ bemitleide und abgelehnt wird. In einer rührenden Szene fragt er Annie auf der Rückfahrt aus der Disco, ob sie mit ihm schlafen wolle. Als sie lachend verneint, fragt er daraufhin nacheinander die anderen drei, von diesen ebenfalls nur albernes Kichern erntend.

FOXES war bei meiner Sichtung möglicherweise der richtige Film zur falschen Zeit – vielleicht ist er aber auch einfach nicht besonders zwingend: Er ist eigentlich recht schön, zeigt schon Lynes visuelles Gespür, ist aber noch nicht so gestreamlined wie seine späteren Kassenschlager – statt der Achtziger dominieren hier noch die Seventies -, aber er mäandert so etwas schwermütig dahin. Eigentlich ist es ja schön, dass er seine Protagonistinnen nicht den Zwängen eines Plots unterwirft, aber über weite Strecken wusste ich als Betrachter einfach nicht, wo das alles hinführen soll. Vielleicht sind mir diese Mädchen auch einfach zu fremd. Mike McPadden schreit in „Teen Movie Hell“ sehr richtig: „FOXES is the SEX AND THE CITY prequel for a generation of women who each love their girl gang, but always feel alne, and still live for a horse ranch fantasy dished out by an absentee  rock star dad who strokes his daughter’s hair, tries to pay her off with clothes-shopping money and tells her mom is doing her best.“ 

Die drei Darstellerinnen neben Jodie Foster, die hier alle als „Entdeckungen“ eingeführt wurden – die umwerfende Cherie Curry spielte vorher mit Joan Jett und Lita Ford in der Girlband The Runaways – traten danach nur noch sporadisch in Erscheinung, für eine Schauspielkarriere reichte es dann doch nicht. Wie Annie, Madge und Deirdre wurden sie von Hollywood geschluckt.

Charley Harrison (Phillip Paley) lebt mit seinen Eltern am Strand von Venice, wo er seit Jahren der schönen Wendy (Heidi Helmer) hinterherträumt, ohne sich zu trauen, sie anzusprechen. Sie will einen Musiker, er spielt zwar Gitarre, aber für eine Band hat es noch nicht gereicht. Die Mutter ist auf dem Religionstrip und vermutet hinter seinen Hardrock-Tapes Teufelswerk. Dazu kommt ein kleines Vergehen in der Vergangenheit und die Drohung, beim nächsten Fehltritt in den Jugendknast zu wandern. Um Wendys Herz zu erobern, richtet Charley auf Geheiß seines Kumpels Scully (Stephen Tash) ein Konzert in seiner Wohnung aus, als die Eltern verreist sind. Die Band „Severed Head in a Bag“ ködert er mit der Inaussichtstellung des Besuchs eines A&R-Mannes, der ihnen den beißersehnten Plattendeal bringen soll …

„Brilliantly hilarious“, wie ein IMDb-Kommentator schreibt, ist BEACH BALLS ganz gewiss nicht. Der Film ist ein später, kleiner, preisgünstiger und eher unspektakulärer Nutznießer des Teeniekomödien-Booms der Eighties, der bei mir weniger mit einem Dauerfeuer haarsträubender Gags gepunktet hat – dieses bleibt nämlich aus – als vielmehr mit seinem angenehmen  Understatement und seinem authentischen Zeit- und Lokalkolorit. Der Film entspringt derselben Epoche, der wir auch Penelope Spheeris grandiosen THE DECLINE OF THE WESTERN CIVILIZATION PART II: THE METAL YEARS verdanken: Der Soundtrack ist voll mit kreischigem Hard- und Cockrock, eine Sequenz spielt im legendären „Gazzari’s“, eines der damals wichtigsten Konzert-Venues auf dem Strip, unter Mitwirkung des Namensgebers. Es sticht nichts wirklich heraus, es gibt – anders als etwa beim zuletzt besprochenen ANIMAL HOUSE – keine Szenen, die ich jetzt gern nacherzählen würde, um für den Film einzunehmen. Es gibt ein paar Lacher, etwa um Charleys Bewährungshelfer, der versucht, vom Alkohol wegzukommen und immer, wenn ihn Charley besucht, dessen Urinprobe auf dem Tisch stehen hat, aber der Film ist eher etwas für Leute, die eine Zeitreise in die späten Achtziger unternehmen und sich beim Sightseeing nicht allzu sehr ablenken lassen wollen. Die Figuren fühlen sich eine Nummer echter und weniger plastikhaft an als in anderen, vergleichbaren Filmen, Charley ist ein glaubwürdiger Protagonist, auf eine sehr echte Art und Weise mittelmäßig, seine Traumfrau ist ebenfalls eine dankbare Abkehr von den solariumsgebräunten Bimbos, die sonst als love interests dargeboten wurden. Ich mochte auch die zahlreichen Musikszenen, bei denen man sieht, wie mainstreamig dieser Hardrock-Sound war: Da tanzen ganz normale Kids im Sweatshirt und Polohemd ab, keineswegs irgendwelche kettenbehangenen Metal-Monstren.

Ein Empfehlung auszusprechen, fällt mir angesichts der unspektakulären Natur des Films etwas schwer: Würde ich mich nicht gerade durch das Genre des Teeniefilms durcharbeiten, hätte ich mir BEACH BALLS niemals angesehen. Bereut habe ich die 90 Minuten nicht, aber „unvergesslich“ waren sie nun auch nicht gerade. Ein bisschen Trivia zum Abschluss: Hauptdarsteller Paley zählte bereits als Kind von 1974 bis 1976 zur Stammbesetzung der Fantasyserie LAND OF THE LOST und beendete mit diesem Film seine kurze Laufbahn. Auch Regisseur Joe Ritter trat als solcher nach seinem Debüt nur noch selten in Erscheinung und konzentrierte sich wieder verstärkt auf seine Karriere als Steadicam-Operator. Als solcher wirkte er unser anderem bei solchen namhaften Werken wie BARTON FINK, FREDDY’S DEAD: THE FINAL NIGHTMARE, DR. GIGGLES, BRAM STOKER’S DRACULA, PULP FICTION oder STARSHIP TROOPERS mit. Hinter der  Band „Severed Head in a Bag“ steckt der Musiker D. R. Starr, der es zwar damals nicht zu Berühmtheit brachte, aber sein Schaffen dafür auf seinem Youtube-Kanal dokumentiert, mit vielen Clips aus der damaligen Zeit.

 

Zu seinem erfolg- und einflussreichen Vorgänger FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH verhält sich THE WILD LIFE ein wenig wie ST. ELMO’S FIRE zu THE BREAKFAST CLUB: Er zeigt Charaktere, die sich langsam, aber sicher, auf die Zeit nach der Highschool vorbereiten müssen, beschäftigt sich mit den Geburtswehen, die damit einhergehen, fühlt sich dementsprechend etwas gedrückter, pessimistischer an als der dann doch sommerlich-leichtfüßige Vorgänger – war dann auch weniger erfolgreich und ist heute beinahe vergessen. Das dramaturgische Vorgehen ist hingegen vergleichbar: Nach der Vorlage von Cameron Crowes Drehbuch verfolgt Regisseur Linson eine Gruppe von lose zusammenhängenden Charakteren, deren Weg sich immer wieder kreuzen. Der Zeitraum des Geschehens ist deutlich begrenzter als noch in FAST TIMES: Verteilten sich die Episoden dort über ein Schuljahr, spielt THE WILD LIFE in der letzten Ferienwoche vor dem Beginn des neuen – für einige der Figuren letzten – Schuljahres.

Der Film beginnt mit einem Knall: Der junge, sich als Guerilla-Krieger inszenierende, präpubertierende Jim (Ilan-Mitchell Smith) schleicht sich nachts in seine Schule, wird dort vom Hausmeister erwischt und sprengt beim Rausgehen den Kopf der vor dem Eingang stehenden Statue ab. Jim kokettiert während der folgenden 90 Minuten aufreizend mit dem eigenen Tod und prahlt mit seiner „Freundschaft“ zu einem Vietnamveteran (Randy Quaid). Sein älterer Bruder Bill (Eric Stoltz) trauert der Ex-Freundin Anita (Lea Thompson) hinterher, während er mit dem Einzug ins eigene Appartement schon die Selbstständigkeit probt. Anita befindet sich in einer leidenschaftlichen Affäre mit dem Streifenpolizist David (Hart Bochner), muss aber die leidvolle Erfahrung machen, dass sie für diesen nicht mehr als ein Betthäschen für zwischendurch ist. Ihre Freundin Eileen (Jenny Wright) sucht sich endgültig von ihrem Ex Tom (Chris Penn) zu lösen und muss sich in ihrem Job als Modeverkäuferin nebenbei gegen die Avancen ihres Vorgesetzten (Rick Moranis) erwehren. Tom ist ein sorgloser Partylöwe ohne Perspektive, der sein ganzes Leben unter dem Paradigma größtmöglichen Vergnügens gestaltet und so das Dasein aller, die mit ihm zu tun haben, erschwert: am deutlichsten jenes von Bill, der den Fehler macht, Tom bei sich einziehen zu lassen.

Der Vergleich zu FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH muss eigentlich nicht gezogen werden, da beide Filme inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, trotzdem kommt man als Zuschauer kaum um den Abgleich herum, zumal auch die Marketing-Abteilung auf dem Poster noch einmal deutlich machte, dass hier dieselben Macher am Werk waren. Dass THE WILD LIFE nicht dieselbe Begeisterung auslöst, liegt schon in der erwähnten nüchteren, wenn nicht gar ernüchterten Haltung des Films und seiner Charaktere begründet. Das Erwachsenendasein zeigt sich bereits in seinen ersten Besuchen als runterziehende Abfolge von nervenden Verpflichtungen, existenziellen Sorgen und aufreibender Verantwortung. Entsagung scheint auch keine Alternative, wenn man sich Tom anschaut, der mit seiner Lebensphilosophie „It’s casual“ nur durchkommt, weil er sich darauf verlassen kann, dass ihm immer wieder Freunde aus der Patsche helfen, die es weniger lässig nehmen mit ihrem Leben. Tom ist natürlich nach dem Vorbild Jeff Spicolis modelliert und mit Sean Bruder Chris konsequent besetzt, aber man kann nicht ganz so reuelos für ihn jubeln wie für den ewig bekifften Surferdude. Im Gegensatz zu diesem, lebt Tom sein Leben auf Kosten anderer und man vermisst bei ihm jede Einsicht. Dennoch scheut auch Produzent Linson – der den Film kurzerhand selbst inszenierte, weil der eigentlich vorgesehene Regisseur kurzfristig ersetzt werden musste – wie Regisseurin Heckerling vor ihm davor zurück, einen seiner Charaktere ans Kreuz zu nageln. Letztlich kann er sich das leisten, weil THE WILD LIFE mit seinem spektakulären Höhepunkt – einer Abrissparty, die Tom in Bills Wohnung ausrichtet (und bei der Ron Wood von den Stones einen Cameo als Gast absolviert) – die Sphäre des Realismus ein ganzes Stück hinter sich lässt. Selbst der eigentlich gelackmeierte Bill kann dem Mitbewohner verzeihen und ihm ein Lächeln schenken.

So endet THE WILD LIFE zwar auf einer versöhnlichen Note: Noch einmal haben alle die Kurve gekriegt, aber man spürt, wie viel Glück dabei auch im Spiel war. THE WILD LIFE wird so seinem Titel gerecht und kann außerdem als eine Art optimistisches Spiegelbild eines Films wie RIVER’S EDGE betrachtet werden. Jener teilt mit diesem die Figur des durchgebrannten Vietnamveterans, der als eine Art missverstandenes Vorbild fungiert. Für Jim ist dieser gezeichnete Krieger eine exotische Figur, die Abenteuer und Draufgängertum symbolisiert, deren Außenseiterstatus zudem von Verwegenheit, Autonomie und Authentizität kündet. Er kleidet sich in Armyklamotten und streift wie ein Einzelkämpfer durch die Straßen, immer auf der Suche nach einem Gegner. Letztlich erkennt er aber, womit er da kokettiert, dass sein großes Idol kein Held, sondern ein Opfer ist: Er erhascht den Veteran dabei, wie er sich auf seinem vergiften Klo einen traurigen Schuss setzt. Ein kurzer flüchtiger Blick nur, aber er verleiht Jims Leben die Erkenntnis, die es für eine Kehrtwende braucht. Wer weiß, wo es sonst mit ihm hingegangen wäre. Wie in FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH gibt es für jede der handelnden Figuren immer die Möglichkeit zur Veränderung. Aber einige kommen diesem Point of no Return hier deutlich näher als im Vorläufer.

 

FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH habe ich hier in den vergangenen Beiträgen bereits mehrfach erwähnt. Seine Bedeutung für die Teeniekomödie ist kaum zu überschätzen, in den USA wird der Film geradezu kultisch verehrt, nicht zuletzt weil er Jungstars wie Jennifer Jason Leigh, Phoebe Cates, Forest Whitaker, Eric Stoltz, Anthony Edwards oder Nicolas Cage auf den Weg brachte. Sean Penn spielte sich mit seiner Darstellung des immer bekifften Surfers Jeff Spicoli in die Herzen der jugendlichen Zuschauer und schuf einen Charakter, der seitdem wohl dutzendfach imitiert wurde (am populärsten etwa in BILL & TEDS EXCELLENT ADVENTURE). In Deutschland scheint mir der Film eher weniger bekannt, was wohl auch dem ultimativ nichtssagenden und austauschbaren Verleihtitel ICH GLAUB‘ ICH STEH‘ IM WALD zuzuschreiben ist, der wüsten Klamauk suggeriert, den Heckerlings Film eher nicht bietet.

Schon die Entstehungsgeschichte von FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH ist interessant: Rolling-Stone-Journalist Cameron Crowe kam, gelangweilt von seiner Arbeit, auf die Idee, sich als Highschool-Schüler auszugeben und sozusagen „undercover“ noch einmal zur Schule zu gehen. Seine Erlebnisse während dieser Schulzeit hielt er im gleichnamigen Roman fest, der noch vor seine Veröffentlichung das Interesse Hollywoods weckte und für eine Adaption optioniert wurde. Crowe selbst schrieb auf Grundlage seines Buches das Drehbuch und der Film, der weder groß beworben wurde noch namhafte Stars aufwies, entwickelte sich in der Folge zu einem Geheimtipp. FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH startete demnach nicht nur die Karrieren der oben aufgezählten Jungdarsteller, sondern auch die von Cameron Crowe, der nur wenig später das Script zum Quasi-Sequel THE WILD LIFE vorlegte und 1989 schließlich den ebenfalls sehr verehrten SAY ANYTHING inszenierte. SINGLES, dem Film zum Grunge-Hype, folgten u. a. der Oscar-prämierte JERRY MAGUIRE und schließlich der autobiografische ALMOST FAMOUS. Erstaunlich angesichts dieses Hintergrundes, dass Crowes Buch seit Jahren OOP ist.

FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH hat keine geschlossene Handlung, sondern kreist um eine Gruppe von Schülern während eines nicht näher definierten Schuljahres: Jeff Spicoli interessiert sich mehr für Parties als für den bevorstehende Abschluss und wird von seinem strengen, aber fürsorglichen Lehrer Mr. Hand (Ray Walston) in die Mangel genommen. Stacy (Jennifer Jason Leigh) sehnt sich angestachelt von ihrer erfahrenen Freundin Linda (Phoebe Cates) nach dem ersten Mal und wird schließlich vom „hustler“ Mike Damon (Robert Romanus) geschwängert. Ihr Bruder Brad (Judge Reinhold) arbeitet in einem Burgerladen an der großen Karriere, erfährt aber eine herbe Enttäuschung, als er von seinem Chef kurzerhand gefeuert wird. Der schüchterne Mark (Brian Backer) ist wiederum in Stacy verliebt und muss miterleben, wie sein bester Freund Mike sie ihm ausspannt und benutzt. Diese eigentlich bekannten Geschichten erzählt Heckerling zum Teil mit großen Zeitsprüngen, aber hoher Sensibilität für jugendliche Befindlichkeiten und einem Gespür für die markanten Details, die dafür sorgen, dass sie sich echt anfühlen.

Herausstechend ist die Episode um Stacy, deren Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht überaus ernüchternd sind und nichts mit dem zu tun haben, was ihr Linda einflüstert: Von einem zehn Jahre älteren Weiberheld wird sie sehr unromantisch des Nachts im Dugout des örtlichen Baseballfelds entjungfert, Mike beglückt sie erst mit einer frühzeitigen Ejakulation, ignoriert sie anschließend und gibt ihr schließlich die alleinige Schuld, als sie ihm von ihrer Schwangerschaft berichtet. Obwohl er ihr verspricht, sie zur Abtreibungsklinik zu begleiten, lässt er sie sitzen, sodass sie sich von ihrem nichts ahnenden Bruder chauffieren lassen muss, dem sie eine Verabredung im Bowling Center vorgaukelt. Man spürt die weibliche Hand in der Inszenierung dieser Sequenz, die ganz ohne aufgesetzte TV-Movie-Drama und ohne die oft obligatorischen marktschreierischen OP-Szenen auskommt. Im Rahmen der Teeniekomödie, die Sex vor allem aus männlicher Perspektive betrachtete und sich eher selten mit seinen Konsequenzen auseinandersetzte, markiert sie eine bemerkenswerte Ausnahme. Besonders beachtlich: Die Entscheidung Stacy selbst wird nicht hinterfragt, wie das sonst gang und gäbe ist. Es gibt keine Ausflüge in den Beichtstuhl, keine Exkurse über den Wert des ungeborenen Lebens, keine Liebäugelei mit einer Teeniemutterschaft. Stacy tut, was sie tun muss und Drehbuch wie Regie stehen ihr dabei ganz ohne elterliche Bevormundung zur Seite. Diese Haltung ist noch heute, fast 40 Jahre später, nicht selbstverständlich.

Nach einer Lieblingsfigur gefragt, dürften die meisten Freunde des Films Jeff Spicoli nennen: Sean Penn hat die witzigsten Momente und die zitierwürdigsten Dialogzeilen abbekommen, ist von seiner Rolle des Stoners kaum zu trennen. Auch Robert Romanus darf seinem unerfahrenen Zögling Mark als altersweiser „Berater in Liebesdingen“ geschliffen formulierte Ratschläge mit auf den Weg geben und Phoebe Cates hat mit ihrer Oben-ohne-Szene den wahrscheinlich ikonischsten Auftritt des ganzen Films (der wahrscheinlich unzählige Onanie-Sessions beflügelte – ganz wie im Film selbst). Wenn ich mich entscheiden müsste, so würde ich wahrscheinlich Brad nennen, der das tragikomische Element von FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH ausmacht und mit Judge Reinhold wahrhaft kongenial besetzt ist. Er verkörpert den herzensguten Pechvogel mit jeder Faser seines Körpers und wenn er am Ende seinen großen Triumph feiert, nachdem er ein 90-minütiges Tal der Tränen durchwandern musste, gönnt man ihm das als Betrachter von ganzem Herzen. Die Idee, die Zukunft seiner Protagonisten am Ende in einer kurzen Texteinblendung vorherzusagen, haben Heckerling und Crowe aus Lucas‘ AMERICAN GRAFFITI übernommen und im Sinne ihres Films verbessert, indem sie auf unnötige Downer, die einem die Freude nachträglich verderben, verzichtet haben. Überhaupt muss ich den ausnehmend optimistischen Blick, den Heckerling auf das Leben wirft, loben. Selbst ein Charakter wie Mike Damone wird nicht zum „Schurken“ degradiert: Er hat sich wie ein Arschloch verhalten, ja, aber der Film gesteht ihm eine Entwicklung zum Positiven zu. Das scheint dann auch die wesentliche „Aussage“ des Films zu sein, wenn man eine solche denn unbedingt herausfiltern möchte: Die Jugend ist eine Zeit, in der man Erfahrungen sammelt. Diese beinhaltet Enttäuschungen und Fehltritte genauso wie Erfolge und Glücksmomente. Entscheidend ist, dass man nicht auf der Stelle stehen bleibt, sondern mit seinen Erfahrungen wächst. Schön, dass FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH einem dies vermittelt, ohne dabei auch nur einmal den belehrenden Zeigefinger zu heben.

 

 

In meinem Eintrag zu FRATERNITY VACATION hatte ich geschrieben, dass sich die Teenie-(Sex-)Komödie in den Achtzigern in einer „engen Verwertungsspirale“ befand, also bestehende Erfolgsrezepte innerhalb des gesteckten Rahmens immer wieder neu aufgekocht wurden und Updates bzw. bloße Variationen erfuhren. PRIVATE SCHOOLS (dessen Titel auch manchmal als PRIVATE SCHOOL … FOR GIRLS erfasst wird) ist ein gutes Beispiel: Im Titel lehnt er sich zweifellos an PRIVATE LESSONS von 1981 an, der mit seiner notgeilen Jungsfantasie – ein Schüler bändelt mit seiner heißen Nachhilfelehrerin (Sylvia Kristel) an – zum Überraschungshit avancierte. Sylvia Kristel ist dann auch hier wieder dabei, diesmal als tolpatschige, aber selbstredend scharf bestrapste Sexualkundelhrerin Mrs. Copuletta. In der weiblichen Hauptrolle ist die süße Phoebe Cates zu sehen, die ein Jahr zuvor einen ikonischen Oben-ohne-Auftritt in FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH absolvierte, den sie hier nicht nur nicht toppen kann, sondern wahrscheinlich auch nicht toppen wollte: Ihre Brüste bleiben den ganzen Film über schamhaft verborgen, dafür darf sie zwei Songs zum Hitsoundtrack beisteuern. Ebenfalls aus Amy Heckerlings Klassiker herübergerettet wurde Ray Walston, der hier einen kleinen Gastauftritt als Chauffeur absolviert. Angesichts als dieser offenkundigen Parallelen und Anspielungen wundert es nicht, dass es heißt, PRIVATE SCHOOLS sei das Ergebnis einer lückenlosen Marktforschungskampagne gewesen.

Was man von am Reißbrett entworfenen Filmen zu erwarten hat, sieht man hier: Noel Blacks Spielfilm enthält zwar all jene Zutaten, die andere vor ihm so überaus erfolgreich kombiniert hatten, erlangt dabei jedoch niemals deren Maß an Inspiration oder auch nur Lebendigkeit. PRIVATE SCHOOLS ist vordergründig ein professionell gefertigtes Hochglanzprodukt, doch tonal hat er mehr mit billigen Exploitern zu tun, die ihre Reize alibihaft durch ein durchsichtiges Storykonstrukt verschleiern. Noel Black findet nie den richtigen Ton oder ein Verhältnis zu seinen Figuren und deshalb müssen auch seine ohne Unterlass abgefeuerten Gags weitestgehend folgenlos versanden.

Zur Handlung: Über die räumliche Grenze ihrer getrennt geschlechtlichen Privatschule himmeln sich Jim (Matthew Modine) und Chris (Phoebe Cates) an und bereiten nervös giggelnd die gemeinsame Entjungferung vor. Dabei kommt ihnen das intrigante Luder Jordan (Betsy Russell) in die Quere, die es nicht nur nicht mit Enthaltsamkeit hat, sondern sich auch nichts Schöneres vorstellen kann, als einen Keil zwischen die Turteltäubchen zu treiben – was ihr dann auch gelingt. Um dieses Dreieck herum tummeln sich Charaktere wie der in seiner Notgeilheit nahezu geistig behindert erscheinende Bubba (Michael Zorek), die als einzige halbwegs menschliche Betsy (Kathleen Wilhoite), die aus unerfindlichen Gründen aber mit Bubba liiert ist, und der inkompetente Lehrerstab um die prüde Ms. Dutchbok (Fran Ryan).

PRIVATE SCHOOLS versucht den heillos-frivolen Klamauk von Filmen wie SCREWBALLS mit den romantischen Elementen einer warmherzigen Liebeskomödie zu vermählen, scheitert aber in erster Linie daran, dass seine Figuren einfach keine Seele besitzen. Dass sich Traumboy Jim mit einem Typen wie Bubba abgibt, ist ein kaum wiedergutzumachender Makel, der dritte Typ im Bunde, der bebrillte Nerd Roy (Jonathan Prince), kommt gleich ganz ohne irgendwelche Eigenschaften aus. Chris darf adrett aussehen und niedlich, aber wenig mehr sein, Jordan ist eine fleischgewordene Männerfantasie, deren einzige Funktion es ist, blank zu ziehen, wann immer der Film in einer Sackgasse gelandet ist. Nichts passt zusammen, die erzählerische Strategie des Films sieht so aus, möglichst viel an die Wand zu schmeißen und zu hoffen, dass etwas kleben bleibt, was meistens nicht klappt. Dabei ist PRIVATE SCHOOLS jederzeit als drittklassiges Plagiat zu erkennen. Die Figur des Bubba ist nur das offenkundigste Beispiel für den Plagiarismus des Films, denn die Figur ist natürlich an John Belushis Bluto aus ANIMAL HOUSE angelehnt. Während der SNL-Star aber einen Charakter kreierte, der den ihn umgebenden Film in a nutshell verkörperte, ist Zoreks Bubba einfach nur abstoßend in seiner geilen Gluckserei. In einer Szene fragt Chris ihre Freundin Betty, ob sie „es“ schon einmal getan habe, und die erzählt nur davon, dass Bubba behaupte, sie hätten schon mehrfach miteinander geschlafen, aber sie sei dabei nie wach gewesen. Das ist ungefähr das Niveau des Films. Nun gut, jetzt ist Niveau sicherlich nicht das, was man in einer Teenie-Sexkomödie sucht, aber dafür, dass PRIVATE SCHOOLS eben unter anderem auch eine romantische Liebesgeschichte sein möchte, verfügt er über eine beträchtliche Zahl an Momenten, in denen man sich wie ein schmieriger alter Sack im Trenchcoat fühlt, der sich bevorzugt in der Nähe viel zu junger Mädchen aufhält, beide Hände dabei fest in den Taschen vergraben. In seiner Exploitativität ist das ganze Teil bemerkenswert unehrlich und freudlos, wirkt wie eine maschinelle Simulation von Filmen, die mit weitaus geringeren Mitteln deutlich Größeres leisteten. Nur Ray Walston kommt hier mit intakter Würde raus, weil sein Gesichtsausdruck ein gewisses Maß an wissender Selbstverachtung verrät. Für Komplettisten aufgrund der Besetzung ganz interessant, ansonsten darf hier lediglich der Soundtrack als makellos hervorgehoben werden.

Der deutsche Titel dieser netten kleinen Teenie- bzw. College-Sex-Komödie lautet in Anlehnung an die damals hierzulande extrem populäre israelische Filmreihe AMERICAN EISKREM, was sehr schön verdeutlicht, in welcher engen Verwertungsspirale sich das Subgenre in seiner Blütezeit befand. Eine kleine Handvoll von Filmen, die meist ihrerseits von erfolgreichen Vorgängern inspiriert worden war, initiierte immer weitere „Updates“, deren Quellen mehr oder weniger offensichtlich waren. Die Traditionslinie reichte von den Juvenile Delinquents Filmen der Fünfziger- und den noch braven Strandfilmen der Sechzigerjahre über AMERICAN GRAFFITI und THE CHEERLEADERS hin zu ESKIMO LIMON und PORKY’S. Es folgten etwa NATIONAL LAMPOON’S ANIMAL HOUSE, MEATBALLS, ROCK N‘ ROLL HIGH SCHOOL, FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH oder der Überraschungshit namens PRIVATE LESSONS. Als John Hughes die Bildfläche betrat und das Genre von seiner ursprünglichen Triebgesteuertheit und anarchischen Unreife befreite, war das komplette Figuren- und Ploinventar nicht nur komplett, sondern bereits durch mehrere Metamoprhosen gegangen.

Auch James Frawley muss die einzelnen etablierten Elemente nur noch neu kombinieren, um einen zwar durch und durch derivativen, aber doch recht unterhaltsamen Film vorzulegen. Stephen FRIGHT NIGHT Geoffreys spielt Wendell Tvedt, der nicht nur mit einem bescheuerten Namen, sondern auch höchster Tolpatschigkeit, genereller Uncoolness und demzufolge anhaltender Jungfräulichkeit geschlagen ist. Immerhin hat er eine wohlhabende Familie und verfügt demnach über Zugang zu einem Appartement in Palm Springs, dem Wüstenrefugium der Reichen und Schönen aus L.A. Hier zieht er mit seinen Kumpels „Mother“ (Tim Robbins) und Joe (Cameron Dye) für einen feuchtfröhlichen Urlaub ein, von dem sich die beiden Freunde jede Menge Sex erhoffen. Zusätzlich angestachelt werden sie von ihrem Rivalen Chas (Leigh INFERNO McCloskey), der wettet, noch vor ihnen zum Stich zu kommen und ihre Bemühungen sabotiert, wo er kann. Natürlich ist es am Ende Wendell, der die Wette für sich entscheidet und beweist, dass auch Nerds über Sexappeal verfügen.

Die Prämisse von FRATERNITY VACATION, die auch die Tagline auf dem nebenstehenden Poster ausformuliert, lässt sich kulturgeschichtlich nicht nur bis zu den Screwball-Komödien, sondern noch weiter zurückverfolgen und baut zu Recht ganz darauf, dass sein Publikum dem jungfräulichen Antihelden näher steht als seinen erfahreneren Kumpels. Während die sich der anvisierten Traumfrau (Sheree J. Wilson) mit bisweilen stalkerhafter Attitüde annähern, knüpft Wendell also zarte Bande mit der burschikosen Nicole (Amanda Bearse, die Marcy D’Arcy aus MARRIED WITH CHILDREN), nicht wissend, dass die nicht nur die Tochter des lokalen Polizeichefs ist (John Vernon variiert seinen Part als Dean Wormer aus ANIMAL HOUSE), sondern von dem auch die sadistische Ader geerbt hat. Nachdem sie ihm gezeigt hat, wie schmerzhaft das Liebesleben und Beziehungsdinge sein können, finde er Trost ausgerechnet in den verständnisvollen Armen der von seinen Kumpels auserkorenen Traumfrauen, die mit dem sensiblen, weichherzigen Wendell gleich viel mehr anzufangen weiß als mit den ihr auf die Brüste sabbernden Vollhonks. Welche ein Wunder.

FRATERNITY VACATION ist ein „Gebrauchsfilm“: Ohne die ganz großen komödiantischen Highlights, aber durchweg kurzweilig, immens aufgewertet zudem durch die gute Besetzung, aus der Tim Robbins erwartungsgemäß heraussticht. Er hat dann auch maßgeblichen Anteil daran, dass man Frawleys Film letztlich positiv verbuchen kann. Denn die Eindimensionalität, mit der die Kerle da den zu Lustobjekten und Trophäen degradierten Frauen hinterhersteigen und diese immer wieder durch perfide Manipulation in Situationen treiben, in denen es nach Möglichkeit zum Sex oder zumindest zur Entblößung der begehrten Leiber kommen soll, kann ziemlich unangenehm werden, wenn man zu lang darüber nachdenkt. Dass Sex eine Sache beiderseitiger Übereinkunft ist, spielt in der Denke der männlichen Protagonisten keine wesentlich Rolle, wichtig ist der eigene Spaß. Heute könnte man dies nur noch schwerlich als Unterhaltung anbieten, ohne eine mittelschwere Empörungswelle auszulösen, was ich natürlich schon ganz gut und richtig finde. Andererseits ist diese Spielart der Teenie-Sexkomödie mit all den notgeilen Typen natürlich nicht ganz weit weg von der traurigen Realität, da waren diese Filme schon recht ehrlich und unverstellt. Nur mit dem Frauenbild haperte es ganz entschieden.

Da THE CHEERLEADERS drei Jahre zuvor ein überaus ertragreiches Geschäft darstellte, war das Sequel nur eine Frage der Zeit, die dann 1976 abgelaufen war. Dabei könnte REVENGE OF THE CHEERLEADERS gut und gern auch ein eigenständiger Film sein: Sieht man mal davon, ab, dass es erneut um die meist sexuellen Abenteuer der titelgebenden Motivierdamen geht, bestehen zwischen beiden Filmen keinerlei inhaltliche Gemeinsamkeiten.

Ein handfester Skandal erschüttert die heruntergekommene kalifornische Aloha High School in ihren Grundfesten: Heather (Rainbeaux Smith), eine der Cheerleaderinnen, ist schwanger und diese Entgleisung sieht der fiese Unternehmer Hartlander (William Bramley) als Chance, die Schule zugunsten einer Shopping Mall dem Erdboden gleichzumachen. Vorher wird jedoch ein neuer Rektor installiert, um dem unmoralischen Treiben ein Ende zu machen. Dem begegnen die Cheerleaderinnen mit vereinten Kräften, Hinterlist und gespreizten Beinen, bevor sie sich des Kapitalisten annehmen.

Der Plot bietet erneut den Hintergrund für all jene Exzesse, die schon den ersten Teil zum Hit in einschlägigen Kinos machten zuzüglich einiger Tanznummern, die erheblich dazu beitragen, REVENGE OF THE CHEERLEADERS auf Spielfilmlänge zu bringen: Schon die Titlesequenz zeigt die sechs ethnisch diversen Heldinnen, wie sie auf ihrer Fahrt durch die Vororte von L.A. am Steuer des Wagens lachend und gut gelaunt blank ziehen, ganz eins mit sich und ihrer weiblichen Natur. David Hasselhoff spielt einen der männlichen Tänzer, die die Cheerleader begleiten, und wird nur wenig später in einer öffentlichen Toilette von der feixenden Blondine Sesame (Patrice Rohmer) durchgezogen, seinem Namen „Boner“ offensichtlich alle Ehre machend. (Dem langen Lulatsch, der später mit seiner Musik die Berliner Mauer zum Einsturz brachte und Deutschland quasi im Alleingang wiedervereinigte, beim Tanzen zuzusehen, ist eine der Freuden, die dieser Film spendet.) Später gibt Tishi (Susie Elene), die Asiatin der Truppe, dem glucksenden Angestellten der örtlichen Eisdiele einen Blowjob hinter dem Tresen, während er einer nichts ahnenden Dame einen Banana Split zubereitet. Seinen frühzeitigen Höhepunkt findet REVENGE OF THE CHEERLEADERS, als die Mädels anlässlich des Besuchs des Schulamts die Mensa-Bolognese mit Marihuana und LSD versetzen und daraufhin eine zügellose Schaumparty samt Rudelbums auslöse.

Im Finale schrammt REVENGE OF THE CHEERLEADERS gar den (preiswerten) Actionfilm und sucht die Nähe zu Werken wie Ted V. Mikels THE DOLL SQUAD, als nämlich der Kampf mit den Schergen Hartlanders aufgenommen und sogar dessen unterirdisch gelegenes, an einen Bondfiesling gemahnendes Schurken-Hauptquartier geentert wird. Das alles ist ohne Sinn für visuelle Gestaltung in ultrabillig aussehenden Settings, dafür aber mit jeder Menge Verve, Freude am Chaos und Sinn für das „Wesentliche“ inszeniert. Absurder Gipfel des Ganzen ist aber eindeutig die Anwesenheit des schwangeren Softsex-Stars Rainbeaux Smith, der seinen Neun-Monats-Bauch beim besten Willen nicht mehr verbergen konnte: Flugs wurde ihre Schwangerschaft im Drehbuch aufgenommen. Man hat ein bisschen Mitleid mit ihr, wie sie da in den „erotischen“ Animierszenen immer an den Rand des Bildes gedrängt wird, damit ihre speziellen Rundungen nicht zu sehr von den anderen ihrer Kolleginnen ablenken: Zur Wiedergutmachung darf sie am Ende mit ihrem echten Kind voll erfülltem Mutterglück in die Kamera lächeln. Ein denkwürdiges Ende für dieses Werk.