private school (noel black, usa 1983)

Veröffentlicht: Juli 27, 2019 in Film
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In meinem Eintrag zu FRATERNITY VACATION hatte ich geschrieben, dass sich die Teenie-(Sex-)Komödie in den Achtzigern in einer „engen Verwertungsspirale“ befand, also bestehende Erfolgsrezepte innerhalb des gesteckten Rahmens immer wieder neu aufgekocht wurden und Updates bzw. bloße Variationen erfuhren. PRIVATE SCHOOLS (dessen Titel auch manchmal als PRIVATE SCHOOL … FOR GIRLS erfasst wird) ist ein gutes Beispiel: Im Titel lehnt er sich zweifellos an PRIVATE LESSONS von 1981 an, der mit seiner notgeilen Jungsfantasie – ein Schüler bändelt mit seiner heißen Nachhilfelehrerin (Sylvia Kristel) an – zum Überraschungshit avancierte. Sylvia Kristel ist dann auch hier wieder dabei, diesmal als tolpatschige, aber selbstredend scharf bestrapste Sexualkundelhrerin Mrs. Copuletta. In der weiblichen Hauptrolle ist die süße Phoebe Cates zu sehen, die ein Jahr zuvor einen ikonischen Oben-ohne-Auftritt in FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH absolvierte, den sie hier nicht nur nicht toppen kann, sondern wahrscheinlich auch nicht toppen wollte: Ihre Brüste bleiben den ganzen Film über schamhaft verborgen, dafür darf sie zwei Songs zum Hitsoundtrack beisteuern. Ebenfalls aus Amy Heckerlings Klassiker herübergerettet wurde Ray Walston, der hier einen kleinen Gastauftritt als Chauffeur absolviert. Angesichts als dieser offenkundigen Parallelen und Anspielungen wundert es nicht, dass es heißt, PRIVATE SCHOOLS sei das Ergebnis einer lückenlosen Marktforschungskampagne gewesen.

Was man von am Reißbrett entworfenen Filmen zu erwarten hat, sieht man hier: Noel Blacks Spielfilm enthält zwar all jene Zutaten, die andere vor ihm so überaus erfolgreich kombiniert hatten, erlangt dabei jedoch niemals deren Maß an Inspiration oder auch nur Lebendigkeit. PRIVATE SCHOOLS ist vordergründig ein professionell gefertigtes Hochglanzprodukt, doch tonal hat er mehr mit billigen Exploitern zu tun, die ihre Reize alibihaft durch ein durchsichtiges Storykonstrukt verschleiern. Noel Black findet nie den richtigen Ton oder ein Verhältnis zu seinen Figuren und deshalb müssen auch seine ohne Unterlass abgefeuerten Gags weitestgehend folgenlos versanden.

Zur Handlung: Über die räumliche Grenze ihrer getrennt geschlechtlichen Privatschule himmeln sich Jim (Matthew Modine) und Chris (Phoebe Cates) an und bereiten nervös giggelnd die gemeinsame Entjungferung vor. Dabei kommt ihnen das intrigante Luder Jordan (Betsy Russell) in die Quere, die es nicht nur nicht mit Enthaltsamkeit hat, sondern sich auch nichts Schöneres vorstellen kann, als einen Keil zwischen die Turteltäubchen zu treiben – was ihr dann auch gelingt. Um dieses Dreieck herum tummeln sich Charaktere wie der in seiner Notgeilheit nahezu geistig behindert erscheinende Bubba (Michael Zorek), die als einzige halbwegs menschliche Betsy (Kathleen Wilhoite), die aus unerfindlichen Gründen aber mit Bubba liiert ist, und der inkompetente Lehrerstab um die prüde Ms. Dutchbok (Fran Ryan).

PRIVATE SCHOOLS versucht den heillos-frivolen Klamauk von Filmen wie SCREWBALLS mit den romantischen Elementen einer warmherzigen Liebeskomödie zu vermählen, scheitert aber in erster Linie daran, dass seine Figuren einfach keine Seele besitzen. Dass sich Traumboy Jim mit einem Typen wie Bubba abgibt, ist ein kaum wiedergutzumachender Makel, der dritte Typ im Bunde, der bebrillte Nerd Roy (Jonathan Prince), kommt gleich ganz ohne irgendwelche Eigenschaften aus. Chris darf adrett aussehen und niedlich, aber wenig mehr sein, Jordan ist eine fleischgewordene Männerfantasie, deren einzige Funktion es ist, blank zu ziehen, wann immer der Film in einer Sackgasse gelandet ist. Nichts passt zusammen, die erzählerische Strategie des Films sieht so aus, möglichst viel an die Wand zu schmeißen und zu hoffen, dass etwas kleben bleibt, was meistens nicht klappt. Dabei ist PRIVATE SCHOOLS jederzeit als drittklassiges Plagiat zu erkennen. Die Figur des Bubba ist nur das offenkundigste Beispiel für den Plagiarismus des Films, denn die Figur ist natürlich an John Belushis Bluto aus ANIMAL HOUSE angelehnt. Während der SNL-Star aber einen Charakter kreierte, der den ihn umgebenden Film in a nutshell verkörperte, ist Zoreks Bubba einfach nur abstoßend in seiner geilen Gluckserei. In einer Szene fragt Chris ihre Freundin Betty, ob sie „es“ schon einmal getan habe, und die erzählt nur davon, dass Bubba behaupte, sie hätten schon mehrfach miteinander geschlafen, aber sie sei dabei nie wach gewesen. Das ist ungefähr das Niveau des Films. Nun gut, jetzt ist Niveau sicherlich nicht das, was man in einer Teenie-Sexkomödie sucht, aber dafür, dass PRIVATE SCHOOLS eben unter anderem auch eine romantische Liebesgeschichte sein möchte, verfügt er über eine beträchtliche Zahl an Momenten, in denen man sich wie ein schmieriger alter Sack im Trenchcoat fühlt, der sich bevorzugt in der Nähe viel zu junger Mädchen aufhält, beide Hände dabei fest in den Taschen vergraben. In seiner Exploitativität ist das ganze Teil bemerkenswert unehrlich und freudlos, wirkt wie eine maschinelle Simulation von Filmen, die mit weitaus geringeren Mitteln deutlich Größeres leisteten. Nur Ray Walston kommt hier mit intakter Würde raus, weil sein Gesichtsausdruck ein gewisses Maß an wissender Selbstverachtung verrät. Für Komplettisten aufgrund der Besetzung ganz interessant, ansonsten darf hier lediglich der Soundtrack als makellos hervorgehoben werden.

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