Mit ‘Science Fiction’ getaggte Beiträge

Unter dem fürchterlich nichtssagenden Titel SPACE INVADERS erschien er hierzulande einst auf Video: Die Rede ist von KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE, einem quietschbunten, einfallsreichen Horror- und Science-Fiction-Film, der seine putzige Prämisse konsequent ausreizt – und den Anstand hat, zu Ende zu sein, bevor es langweilig wird. Der erste und einzige Film der Chiodo Bros. genießt zu Recht einen kleinen Kultstatus und vielleiht wird es ja wirklich mal was mit der seit geraumer Zeit angekündigten Fortsetzung. Wenn nicht ist es aber auch nicht schlimm, denn mit dem wirklich spitzenmäßig aussehenden Mediabook aus dem Hause Koch Media gibt es ja jetzt das adäquate Liebhaberprodukt zum immer wieder aus dem Schrank ziehen und Anhimmeln. Neben vielen Extras findet sich auch ein Booklet, das Yours Truly mit viel Liebe und Clownsnase verfasst hat. Erhältlich in allen bekannten Vorverkaufsstellen und der Bahnhofsbuchhandlung. Ach so, wer vorab noch etwas über die KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE lesen will, kann dies hier tun.

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Es ist mal wieder Zeit für einen Megaflop: Produzent Ilya Salkind hatte große Pläne mit seinem SUPERMAN-Franchise und nach drei erfolgreichen Filmen stand ihm der Sinn nach Expansion und World Building. Wie sollte ihm das besser gelingen als mit einem Spin-off um Supermans Cousine Kara, besser bekannt unter den Namen „Supergirl“, die ihr Comicdebüt im Jahr 1958 gefeiert hatte? Mit einem im Stil der SUPERMAN-Filme hochkarätig besetzten und mit vielen Special Effects gepflasterten Blockbuster würde er die blonde Schönheit mit den langen Beinen einem nach mehr Stoff dürstenden Publikum präsentieren und dann in der Folge für die spektakuläre Familienzusammenführung auf der Leinwand sorgen. So oder ähnlich dachte er sich das wohl: Die Verweise auf den berühmten Cousin, der leider gerade verhindert ist, sind so zahlreich, dass sie dem berühmten Wink mit dem Zaupfahl ähneln, mit Marc McClure war zwar der „echte“ Jimmy Olsen mit von der Partie, aber bei dem handelte es sich nunmal auch um eine Figur, wegen der nun wirklich niemand ins Kino ging. SUPERGIRL ging phänomenal baden und spielte in den USA gerade mal ein Drittel seines üppigen 40-Millionen-Budgets ein. Nicht nur verpasste es den Plänen Salkinds einen heftigen Dämpfer, es trieb den Produzenten in den Ruin und zwang ihn dazu, die Rechte am SUPERMAN-Franchise an die Cannon zu verkaufen, die mit dem schier unfasslichen SUPERMAN IV: THE QUEST FOR PEACE die Ehre hatten, den letzen Nagel in den Sarg zu hämmern und das mit großem Ethusiasmus taten.

Was war schief gegangen? Zunächst einmal hatte Salkind das Interesse des Publikums an einem SUPERGIRL-Film maßlos überschätzt. Die Figur war, soweit ich das als Nichtexperte nach flüchtiger Recherche sagen kann, schon in ihrer Printinkarnation von nur mäßiger Popularität, mit sehr kurzlebigen selbstbetitelten Heftreihen in den Jahren 1972 bis 1974 und 1982 bis 1984. Dass die Menschen in die Kinos rennen würden, nur um einen weiblichen Superman-Verschnitt sehen zu dürfen, war höchst zweifelhaft und erwies sich dann ja auch tatsächlich als Trugschluss. Salkind versäumte es darüber hinaus, der Figur ein schärferes eigenes Profil zu verleihen. Sie ist im fertigen Film nicht viel mehr als ein Superman „für Mädchen“: Der ganze Film ist langsamer, legt ein größeres Gewicht auf eine zärtliche Liebesgeschichte, hat keinen wirklich interessanten Gegner für seine Heldin und nur äußerst sparsame über den Film verteilte Action. Die Spieldauer von 130, im Director’s Cut gar 140 Minuten, gestaltet sich so als ausgesprochen zäh: Es gibt ein paar nette, angenehm naive und an die Comictradition der Fünfzigerjahre erinnernde Momente, aber der Film weiß diese Ansätze nicht zu einer erfolgreichen Strategie auszubauen. Er entwickelt keinerlei erzählerischen Flow oder gar so etwas wie Spannung. In seinen Effektsequenzen wirkt er wie eine abgespeckte, langsamere, unspektakulärere Version der SUPERMAN-Filme: Warum hätte sich jemand das ansehen sollen, wenn er „the real deal“ haben konnte – oder etliche andere, aufregendere Filme?

Hinzu kommt, dass das alles fürchterlich steif wirkt: Die Energie, mit der Richard Lester komische oder actionreiche Sequenzen choreografierte, geht Jeannot Szwarc – bestenfalls ein solider Handwerker – leider völlig ab. Das Drehbuch ist schon nicht das Gelbe vom Ei, reiht eine statische, geschwätzige Szene an die nächste, und Szwarcs Regie macht alles noch lahmer und gestelzter. Faye Dunaway hockt als böse Hexe Selena zusammen mit ihrer Freundin Bianca (Brenda Vaccaro), deren Funktion rätselhaft bleibt, zusammen in ihrer Bude und schmiedet böse Pläne, die sie dann in den letzten 15 Minuten endlich in die Tat umsetzt. Der britische Schwarzmagier Nigel (Peter Cook) fungiert als ebenfalls biederer Einflüsterer für die Schurkin, Jimmy Olsen flirtet mit Supergirls Schulfreundin Lucy (Maureen Teefy), die Heldin selbst mit dem markigen Ethan (Hart Bochner). Peter O’Toole knüpft als Zaltar an die im ersten SUPERMAN mit Marlon Brando begonnene Tradition hoffnungslos überqualifizierter Schauspieler an, die es schaffen, in sinnlosen Wegwerfrollen richtig schlecht auszusehen. In der ersten Hälfte nimmt SUPERGIRL mit seinem College-Sujet die HARRY POTTER-Filme vorweg, bevor er sich dann dazu entschließt, diesen Strang komplett fallenzulassen. Supergirl selbst bleibt in der Darbietung von Helen Slater ebenfalls blass: Weder bekommt man Einblick in ihren Charakter, noch entwickelt sie so etwas wie körperliche Präsenz. Sie ist ein hübsches Gesicht mit langen Beinen dran. Nicht uncharmant, aber als Identifikationsfigur oder auch nur als Projektionsfläche für das Zuschauerinteresse gänzlich ungeeignet. Um es kurz zu machen: SUPERGIRL ist irrsinnig langweilig.

Zum Abschluss noch etwas anderes: Vor einiger Zeit habe ich hier WONDER WOMAN besprochen, über den im vergangenen Jahr heftig gestritten wurde. Die einen hielten ihn für eine Sternstunde des feministischen Films, die anderen diese Ansicht für maßlos übertrieben. In meinem Text äußerte ich Versändnis für erstere Perspektive: In der derzeitigen US-amerikanischen Mainstream-Filmlandschaft kann man es durchaus für einen wichtiges und erfreuliches Ereignis halten, wenn eine Multimillionen-Dollar-Produktion um eine weibliche Heldin gestrickt wird, die sich dann mit Mitteln behaupten darf, die üblicherweise den Männern vorbehalten sind. Dass die Messlatte nicht wirklich hoch lag, ist zwar klar, sollte m. E. aber den positiven Ansatz nicht gänzlich in den Schatten stellen. Man bedenke: WONDER WOMAN hätte tatsächlich auch wie SUPERGIRL aussehen können, ein Superheldinnen-Film, dessen Protagonistin wenig mehr sein darf als ein rotbäckiges Mädchen zum Anhimmeln, das stets etwas verloren und treudoof ins Leere schaut, lustig mit den Zehen in ihren roten Lackstiefeln wackelt und im entscheidenden Moment die Einflüsterungen eines väterlichen Freundes benötigt, um sich mit moderatem Körpereinsatz behaupten zu können. Wenn man sich dieses Supergirl so anschaut, möchte man es doch am liebsten in die Küche schicken.

 

Roger Zelazny gehört zu den großen und vor allem produktiven Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts. Er wurde vielfach ausgezeichnet und inspirierte etliche Autoren dazu, in seine Fußstapfen zu treten. Was er wohl zur Verfilmung seines gleichnamigen Romans sagte? Oder wenigstens darüber dachte?
DAMNATION ALLEY stammt aus dem Jahr 1977 und fügt sich thematisch auch gut in die in diesem Jahrzehnt neu aufkeimende Angst vor dem nuklearen Holocaust, aber während der knapp 90 Minuten fühlt man sich eher in die Fünfzigerjahre zurückversetzt oder aber in ein Autokino verfrachtet, in dem ein billig runtergekurbeltes Schlockfilmchen aus der Schmiede von Al Adamson, Ted V. Mikels oder Bert I. Gordon die Zungenküsse des Auditoriums untermalt. Zugegeben, Regisseur Jack Smight dürfte ein deutlich höheres Budget zuer Verfügung gehabt haben, was am Ende dabei herauskam, ist aber ähnlich käsig – und amüsant.

Nachdem mehrere Raketen mit Atomsprengköpfen in den Großstädten der USA eingeschlagen sind, macht sich eine vierköpfige Delegation von Überlebenden aus einer Raketenbasis im Südwesten auf zur Ostküste, von wo man ein regelmäßges Notisgnal auffängt. Auf dem beschwerlichen – in einem geilen Panzerwagen zurückgelegten – Weg haben Denton (George Peppard), Tanner (Jan-Michael Vincent) und Keegan (Paul Winfield) nicht nur mit dem aus den Fugen geratenen Wetter zu kämpfen, sondern auch mit riesigen Skorpionen, Killerkakerlaken und natürlich marodierenden Halsabschneidern …

Bemerkenswert an DAMNATION ALLEY ist neben seinem Einsatz farblich verfremdeter Hintergründe, die den Film zum Konsum unter LSD-Einfluss prädestinieren, vor allem der Anfang: Smight läst sich relativ viel Zeit, die atomare Katastrophe zu schildern, mit Leichtigkeit die spannendsten 20 Minuten des Films. Denton und Tanner treten ohne jede böse Vorahnung ihren Dienst an, scherzen mit den Kollegen, nehmen ihre Befehle entgegen und werden dann mit der Nachricht konfrontiert, dass Raketen im Anflug sind. Sie lösen den Gegenschlag nach Lehrbuch und ohne eine Miene zu vrziehen aus, dann beobachten sie auf dem Kontrollbildschirm gemeinsam mit den anderen wie um sie herum die Welt untergeht. Es ist die Beiläufigkeit, mit der das alles passiert, die erschüttert. Der Gedanke, die Welt würde genau so untergehen, schwebte damals (und auch noch im Folgejahrzehnt) durch die Köpfe und äußerte sich dann eben in absolut nüchternen Darstellungen wie dieser. Damit es aber nicht zu deprimierend wird, begibt sich DAMNATION ALLEY schon im unmittelbaren Anschluss in die Gefilde des Camp: Mäßig überzeugend ins Bild kopierte Skorpione lassen an den seligen TARANTULA denken, Dialoge gaukeln Tiefe vor, wo doch nur Plotholes sind, die ästhetische Gestaltung ist hoffnungslos unsubtil. Der episodische Handlungsverlauf gehört zum Roadmovie dazu, aber nur selten ist die Montage der einzelnen Tableaus so dermaßen arhythmisch wie hier. Dass das Ende des Films wie vom Himmel fällt, der Film einfach aufhört und dabei auch noch zwei seiner Protagonisten völlig außen vor lässt, ist da nur folgerichtig.

Wenn man Käsequark dieser Art zu goutieren weiß, verläuft auch die Sichtung von DAMNATION ALLEY nicht ohne Schmunzeln und Vergnügen. Die Dialogzeile „This city is infested with killer cockroaches“ aus dem Munde George Peppards jedenfalls darf durchaus als Poesie gelten. Die wenig überzeugenden Effekte und die Netzhaut-ablösende visuelle Gestaltung hatte ich ja schon gewürdigt. Der nach awesomeness dürstende Genrefan freut sich außerdem über den geilen Panzer (auf den auch auf diegetischer Ebene alle total versessen sind): Die Einstellungen kurz vor Schluss, in denen ein deutlich als solches zu erkennendes Modell in der Badewanne, äh, in der Sintflut treibt, machen zudem berechtigte Hoffnung, dass irgendwann bei eBay mal ein überteuertes Spielzeug auftauchen könnte. Und wem das alles noch nicht reicht, dem sei gesagt, dass George Peppard einen Schnurrbart trägt. Eben.

 

 

Godzilla mag der König des Kaijû Eiga sein, aber mein Herz schlägt für Kingu Kongu! Der Riesenaffe sieht in seiner japanischen Inkarnation so herzerwärmend derangiert aus – dümmlich-verschlafener Blick aus trüben Glubschaugen, Überbiss, unreine, krustige Affenhaut, Altherrenbusen und ein motten- und wanzenzerfressenes Fell, das bestimmt nach nassen Hund riecht -, das man ihn einfach liebhaben muss. Die Fortsetzung zu KINGU KONGU TAI GOJIRA ist für mich einer der schönsten Toho-Kaijû der Sechzigerjahre, ein einziges Wunderwerk, vollgestopft mit allem, was man an diesen Filmen immer schon toll fand: putzige Modellbauten, erwachsene Menschen in Gummianzüge, tolldreisten Ideen, einem schier wahnwitzigen Plot und dusseligen Dialogen in rasanter Folge.

Der böse Dr. Who (Hideyo Amamoto) will mithilfe eines dem Riesenaffen King Kong nachempfundenen Roboters ein wertvolles Mineral aus dem Erdreich unterhalb des Nordpols bergen, doch er hat die Rechnung ohne die magnetischen Ströme gemacht, die seine Erfindung kurzerhand lahmlegen. Schnell auf die Insel, die der echte Affe bewohnt, ein bisschen Ether auf den Dez geknallt und ab dafür. Am Nordpol prallen King Kong und sein Blechdouble aufeinander – und verlagern ihre Keilerei nach eine kurzen Plantscherei ins japanische Tokio. Die UN-Soldaten Carl Nelson (Rhodes Reason), Jiro Nomura (Akira Takarada) und Susan Watson (Linda Miller), in die sich King Kong ein bisschen verliebt hat, beobachten den Kampf …

Ganz ehrlich: Der Verlauf der Handlung hält nicht ganz, was der Aufbau verspricht. Aber das kennt man als Kaijû-Zuschauer ja schon. Am Ende läuft eben alles auf eine große Balgerei hinaus, bei der Pappkulissen zertrampelt werden, Plastikpanzer lustig in der Gegend herumkullern, zerrissene Stromleitungen Funken sprühen und erwachsene Darsteller an die kostümbedingten Grenzen der Mobilität stoßen. Das ist immer schön und herzig anzuschauen, aber nicht unbedingt spannend. Aufregendes ist der Weg, der bis dahin zurückgelegt wird. Der Stützpunkt des bösen Dr. Who ist ähnlich größenwahnsinnig wie die Behausungen der zur selben Zeit aktiven Bond-Schurken, seine faulige Kauleiste der Stoff aus dem die Albträume sind. Der Robokong hingegen macht einiges her und ist natürlich der Gipfel der Absurdität, den der Kaijû in den Sechzigerjahre erklomm. Auf Kongs Heimatinsel werden die Protagonisten unterdessen von dem obligatorischen alten Zausel willkommen geheißen, bevor sie einem Kampf zwischen King Kong und dem Gorosaurus, einem missgebildeten T-Rex mit Schunkelbirnensyndrom, beiwohnen dürfen. Richtig toll ist das Talent Hondas, Schauplätze die Tausende von Kilometern voneinander entfernt sind, in der Handlung wie Nachbarorte zu verbinden. Dr. Who fliegt mit einem Hubschrauber zu Kongs Insel (ohne einmal zu tanken) und entführt das Biest nur wenige Minuten, bevor Nelson und Co. dort aus New York eintreffen. Nelson, der Fuchs, weiß angesichts der zurückgebliebenen Kampfspuren sofort, was los ist: Das kann nur Dr. Who gewesen sein, „the international Judas“. Und wo könnte der wohl besser sein Unwesen treiben als am Nordol?

Das ist die Logik, nach der KINGU KONGU NO GYAKUSHÛ vorgeht – und wer wollte es ihm verübeln? Ein Film, der einen potthässlichen, zurückgebliebenen und unter Maul- und Klauenseuche leidenden Riesenaffen zu seinem erklärten Helden macht, muss sich nicht mit eitlen Details aufhalten, denn er hat alles, was es braucht. Ich finde es ein bisschen schade, dass dem Robokong nicht noch weitere Filmauftritte spendiert wurden, denn da wäre noch so Einiges möglich gewesen. So sollten wir aber alle dankbar sein für das, was wir haben und das Positive sehen: Immerhin konnte dem Blechaffen kein missratenes Sequel den Zauber stehlen. KINGU KONGU NO GYAKUSHÛ ist reine Kinomagie, die in der Szene zu sich kommt, in der King Kong mit dem Arsch voran ins Wasser des Nordpols hüpft.

Arbeiter in einem Bergwerk verunglücken unter mysteriösen Umständen. Bei Nachforschungen wird die Ursache der Unfälle entdeckt: riesige Käfer, sogenannte Meganulons. Kurz nach der Entdeckung der Krabbelviecher wird ein zweites Monster gesichtet, ein Rodan, ein an den Pteranodon erinnerndes Flugungeheuer. Aber auch der ist nicht allein …

Zwei Jahre nach dem Erfolg von Hondas GOJIRA schickte der Regisseur ein weiteres Riesenmonster in die Welt hinaus, diesmal in einem prächtigen Farbfilm. Der Name „Rodan“ (bzw. „Radon“ im japanischen Original, angelehnt an den PteRAnoDON) wurde hier noch als Gattungsbegriff verwendet, den gleich zwei der Flattermänner trugen. Im acht Jahre später entstandenen SAN DAIKAIJÛ: CHIKYU SAIDAI NO KESSEN  bezeichnete er dann nur noch einen Vogel, der gegenüber den Ursprungsmonstern eine ganze Nummer dämlicher aussah, nämlich ungefähr wie ein brauner Hühnerhabicht mit Gesicht zum Reinschlagen.

Hier lassen sich die Rodans ganz schön Zeit bis zu ihrem Auftritt, dafür gibt es die putzigen Meganulons, die die Bergarbeiter dezimieren und tricktechnisch gleichermaßen rührend wie toll anzusehen sind: Offensichtlich steckten auch hier Schauspieler in den detailverliebten Kostümen und mussten auf allen Vieren in der Gegen rumkrauchen. Was diese Käfer eigentlich mit dem Auftauchen der Riesenvögel zu tun haben, hat sich mir nicht ganz erschlossen: In einer Rückblende sieht man noch, wie ein gerade schlüpfender Rodan ein paar der für ihn winzigen Tierchen aufpickt und verschlingt, danach werden die Meganulons mit keiner Silbe mehr erwähnt. Stattdessen gibt es Vögelaction (höhö), die sich sehen lassen kann: erst ein Duell zwischen einem Kampfflugzeug und dem Tier hoch zu Luft, dann die typische Modellstadtvernichtung. Wie Rodan da mächtig Wind mit seinen Flügeln macht und so dafür sorgt, dass Häuser  einstürzen und Panzer wegfliegen, ist in der Tat ziemlich toll und man versteht auch, warum das Vieh für spätere Filmeinsätze reanimiert wurde – allerdings nicht, warum er in keinem seiner weiteren Auftritte auch nur annähernd an seine Frühform herankommt. Das Ende, in dem der Vogel in der Lava eines ausgebrochenen Vulkans verglüht, ist geradezu avantgardistisch in seiner distanzierten Langgezogenheit und rundet einen Kaijû ab, der sich von den GOJIRA-Filmen der Showa-Staffel (unter diesem Namen werden die ersten 15 Filme zusammengefasst) deutlich unterscheidet.

SORA NO DAIKAIJÛ RADON hat mich vor allem visuell an Hayao Miyazakis brillanten TONARI NO TOTORO erinnert: Das inmitten grün bewaldeter Hügel gelegene Bergbau-Dörfchen mit seinen bescheidenen Einwohnern, in dem Hondas Film spielt, sieht jedenfalls ganz ähnlich aus wie die Gegend, in der die kleine Satsuki den freundlichen Waldgeist trifft – und auch die Zeit passt ja ungefähr. Während die GOJIRA-Filme eher städtisch anmuten, zigarettenrauchende, perfekt frisierte Journalisten, kluge Wissenschaftler oder strenge Militärs aufbieten, ist SORA NO DAIKAIJÛ RADON bodenständiger, langsamer, erdiger und ruhiger. Ein Garant für Hochspannung ist Hondas Film nicht unbedingt, auch wenn Rodan in den Zerstörungsmodus schaltet, behält der Film seine rurale Unaufgeregtheit. Aber das macht eigentlich gar nichts: SORA NO DAIKAIJÛ RADON fließt mit großer Ruhe dahin wie das ländliche Leben seiner Bewohner, nimmt sich seine Zeit wie der außerirdische Monstervogel, der unter der Erde wartet, bis es Zeit ist, aus seinem Riesenei auszuschlüpfen. Und bis es soweit ist, kann man den Blick wandern lassen und sich fragen, welche Wunder da zwischen Himmel und Erde auf ihre Entdeckung warten.

Der letzte Beitrag der ersten GODZILLA-Reihe ist nicht nur ein Sequel zum unmittelbar vorangegangenen GOJIRA TAI MEKAGOJIRA, sondern auch die letzte Regiearbeit des großen Ishirô Honda. Er beschert dem Franchise einen versöhnlichen Abschluss, nachdem die unmittelbar vorangegangenen Teile  Ermüdungserscheinungen und konzeptionelle Ratlosigkeit nicht mehr verbergen konnten. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU erinnert wieder mehr an die frühen, naiven Monsterabenteuer mit Sci-Fi-Einschlag und muss sich nicht noch zusätzlich bei Kleinkindern und Pärchen anbiedern.

Nach den Ereignissen des Vorgängers versuchen Wissenschaftler die Trümmer des Mechagodzilla vom Meeresboden zusammenzuklauben, um ihn zu rekonstruieren, doch ihr U-Boot wird dabei von einem Monster, dem Titanosaurus, attackiert und zerstört. Den Titanosaurus hatte einst der mittlerweile verstorbene Professer Mafune entdeckt, der dafür aber nur Hohn und Spott erntete und in der Versenkung verschwand. Nun stellt sich heraus, dass er nicht nur quicklebendig ist, sondern auch mit außerirdischen Kräften paktiert, um sich mithilfe des Mechagodzilla an den Menschen zu rächen …

Die Story ist so herzhaft Banane, wie man das von der Reihe erwartet und der neue Titanosaurus, dessen Superpower das Windmachen mit seiner Schwanzflosse ist, sieht aus wie ein Riesenseepferdchen mit Wendehals und Schunkelbirne. Das sind schon einmal zwei Grundzutaten für ein putziges Vergnügen, das zwar mit den frühen GOJIRA-Filmen nicht mithalten kann, aber eben doch wieder angenehm naive Unterhaltung bietet. Zusätzliches Drama liefert der Subplot um das menschliche Hirn, das Mechagodzilla zum perfekten Funktionieren braucht und das ausgerechnet Professor Mafunes Töchterlein ihm geben soll. Aber wie gehabt ist das letztlich alles nur Vorgeplänkel für die ausufernde Schlacht der Monstren am Schluss, die noch einmal all das aufbietet, was man von Anfang an so geliebt hat. Man merkt es meinen Texten an: Wenn man über einen dieser Filme geschrieben hat, fällt es schwer, noch Neues über die anderen zu sagen. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU markiert gehobenen Godzilla-Film-Durchschnitt, was für seinen Status als Abschlussfilm nicht so verkehrt ist. Wer mehr wissen will, sollte ihn sich selbst anschauen.

ticks (tony randel, usa 1993)

Veröffentlicht: Oktober 26, 2017 in Film
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Ein Film, um den ich keine großen Worte machen muss. Durch Düngemittel mutierte Killerzecken machen sich im Wald über eine Gruppe schwer erziehbarer, straffälliger Jugendlicher her, die dort gerade mit ihren Sozialarbeitern campieren. Inszeniert wurde das von HELLBOUND-Regisseur Randel in einer Zeit, in der keine Woche verging, ohne dass eine Handvoll bunter neuer US-amerikanischer Horrorfilme in den Regalen der hiesigen Videotheken landete. Wobei die wenigsten dieser Filme tatsächlich noch echten Schrecken verbreiteten. Wie die Ekeleffekte realisiert wurden, konnte man haarklein in der Fangoria nachlesen, auf bleibenden Eindruck waren die wenigsten dieser Filme hin konzipiert, eher schon am Reißbrett entworfen: Man nehme ein paar nett anzusehende Teens und konfrontiere sie auf begrenztem Terrain mit einer mörderischen Bedrohung, in diesem Fall eben Killerzecken.

Das kann man natürlich nicht ganz zu Unrecht für vollkommen unoriginell und künstlerisch minderwertig halten, aber als unschicke Berieselung funktioniert TICKS für mich auch heute noch hervorragend, ohne dass ich ihm deswegen gleich einen Klassikerstatus oder sowas zugestehen würde. Nein, man muss sich TICKS wirklich nicht anschauen. Der für mich bei dieser Sichtung wahrscheinlich interessante Aspekt des Films war dann auch die Besetzung des obligatorischen schwarzen street kids Panic mit Alfonso Ribeiro. Ribeiro kennt man wohl vor allem aus Will Smiths Sitcom FRESH PRINCE OF BEL-AIR: Er gab dort den Cousin Carlton als Inbegriff des „white n*****s“ mit Pullunder, Strickpullovern, Bundfaltenhosen, miserablem Musikgeschmack, peinlichen Tanzmoves und einer generell weibischen Art. Eine Rolle, in der Ribeiro vollkommen aufging – und von der er von mir einfach nicht mehr zu trennen ist. Ribeiro macht seine Rolle hier so gut es das klischeeüberfrachtete Drehbuch hergibt, aber ich sehe immer nur diesen Carlton, der jetzt verzweifelt versucht, mit umgedrehter Cap, Lederjacke und Gehtto-Manierismen auf dicke Hose zu machen. Und dann wird der arme Kerl auch noch Wirt für die große, finale Riesenkillerzecke …

TICKS muss man zugutehalten, dass er ohne große Umwege zu Ziel kommt, keine falschen Ambitionen verfolgt und dann auch noch mit Clint Howard auftrumpfen kann, der jeden Film automatisch ein Stück aufwertet. Dass er über das Stilbewusstsein verfügt, seinem heimlichen Star den vielleicht schönsten Make-up-Job zu verpassen, gibt Zusatzpunkte. Die Effekte um die Zecken sind gut gelungen, eben „handgemacht“, wie man zu sagen pflegt, und natürlich der Mittelpunkt von TICKS. Ich habe mich während des Gucken gefragt, ob riesige Killerzecken nicht eigentlich eine beknackte Idee sind: Das Eklige oder Beunruhigende an Zecken ist doch vor allem, dass sie so klein sind, dass man sie nicht unbedingt bemerkt. Zwar möchte ich ungern eine Riesenkillerzecke an mir wissen, aber ich würde es schnell bemerken und könnte dann entsprechende Maßnahmen ergreifen. In TICKS müssen die Zecken mithin auch noch superaggressiv sein und Menschen aktiv attackieren, damit sie als Bedrohung überhaupt funktionieren. Vielleicht dreht ja mal jemand TICKS 2, in dem die Killerzecken mutieren, aber trotzdem weiterhin nur auf dem Baum sitzen und darauf warten, sich auf jemandes Kopf fallen zu lassen. Den würde ich mir dann auch noch angucken. Schade, dass Eric Rohmer schon verstorben ist.