Mit ‘Science Fiction’ getaggte Beiträge

Godzilla mag der König des Kaijû Eiga sein, aber mein Herz schlägt für Kingu Kongu! Der Riesenaffe sieht in seiner japanischen Inkarnation so herzerwärmend derangiert aus – dümmlich-verschlafener Blick aus trüben Glubschaugen, Überbiss, unreine, krustige Affenhaut, Altherrenbusen und ein motten- und wanzenzerfressenes Fell, das bestimmt nach nassen Hund riecht -, das man ihn einfach liebhaben muss. Die Fortsetzung zu KINGU KONGU TAI GOJIRA ist für mich einer der schönsten Toho-Kaijû der Sechzigerjahre, ein einziges Wunderwerk, vollgestopft mit allem, was man an diesen Filmen immer schon toll fand: putzige Modellbauten, erwachsene Menschen in Gummianzüge, tolldreisten Ideen, einem schier wahnwitzigen Plot und dusseligen Dialogen in rasanter Folge.

Der böse Dr. Who (Hideyo Amamoto) will mithilfe eines dem Riesenaffen King Kong nachempfundenen Roboters ein wertvolles Mineral aus dem Erdreich unterhalb des Nordpols bergen, doch er hat die Rechnung ohne die magnetischen Ströme gemacht, die seine Erfindung kurzerhand lahmlegen. Schnell auf die Insel, die der echte Affe bewohnt, ein bisschen Ether auf den Dez geknallt und ab dafür. Am Nordpol prallen King Kong und sein Blechdouble aufeinander – und verlagern ihre Keilerei nach eine kurzen Plantscherei ins japanische Tokio. Die UN-Soldaten Carl Nelson (Rhodes Reason), Jiro Nomura (Akira Takarada) und Susan Watson (Linda Miller), in die sich King Kong ein bisschen verliebt hat, beobachten den Kampf …

Ganz ehrlich: Der Verlauf der Handlung hält nicht ganz, was der Aufbau verspricht. Aber das kennt man als Kaijû-Zuschauer ja schon. Am Ende läuft eben alles auf eine große Balgerei hinaus, bei der Pappkulissen zertrampelt werden, Plastikpanzer lustig in der Gegend herumkullern, zerrissene Stromleitungen Funken sprühen und erwachsene Darsteller an die kostümbedingten Grenzen der Mobilität stoßen. Das ist immer schön und herzig anzuschauen, aber nicht unbedingt spannend. Aufregendes ist der Weg, der bis dahin zurückgelegt wird. Der Stützpunkt des bösen Dr. Who ist ähnlich größenwahnsinnig wie die Behausungen der zur selben Zeit aktiven Bond-Schurken, seine faulige Kauleiste der Stoff aus dem die Albträume sind. Der Robokong hingegen macht einiges her und ist natürlich der Gipfel der Absurdität, den der Kaijû in den Sechzigerjahre erklomm. Auf Kongs Heimatinsel werden die Protagonisten unterdessen von dem obligatorischen alten Zausel willkommen geheißen, bevor sie einem Kampf zwischen King Kong und dem Gorosaurus, einem missgebildeten T-Rex mit Schunkelbirnensyndrom, beiwohnen dürfen. Richtig toll ist das Talent Hondas, Schauplätze die Tausende von Kilometern voneinander entfernt sind, in der Handlung wie Nachbarorte zu verbinden. Dr. Who fliegt mit einem Hubschrauber zu Kongs Insel (ohne einmal zu tanken) und entführt das Biest nur wenige Minuten, bevor Nelson und Co. dort aus New York eintreffen. Nelson, der Fuchs, weiß angesichts der zurückgebliebenen Kampfspuren sofort, was los ist: Das kann nur Dr. Who gewesen sein, „the international Judas“. Und wo könnte der wohl besser sein Unwesen treiben als am Nordol?

Das ist die Logik, nach der KINGU KONGU NO GYAKUSHÛ vorgeht – und wer wollte es ihm verübeln? Ein Film, der einen potthässlichen, zurückgebliebenen und unter Maul- und Klauenseuche leidenden Riesenaffen zu seinem erklärten Helden macht, muss sich nicht mit eitlen Details aufhalten, denn er hat alles, was es braucht. Ich finde es ein bisschen schade, dass dem Robokong nicht noch weitere Filmauftritte spendiert wurden, denn da wäre noch so Einiges möglich gewesen. So sollten wir aber alle dankbar sein für das, was wir haben und das Positive sehen: Immerhin konnte dem Blechaffen kein missratenes Sequel den Zauber stehlen. KINGU KONGU NO GYAKUSHÛ ist reine Kinomagie, die in der Szene zu sich kommt, in der King Kong mit dem Arsch voran ins Wasser des Nordpols hüpft.

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Arbeiter in einem Bergwerk verunglücken unter mysteriösen Umständen. Bei Nachforschungen wird die Ursache der Unfälle entdeckt: riesige Käfer, sogenannte Meganulons. Kurz nach der Entdeckung der Krabbelviecher wird ein zweites Monster gesichtet, ein Rodan, ein an den Pteranodon erinnerndes Flugungeheuer. Aber auch der ist nicht allein …

Zwei Jahre nach dem Erfolg von Hondas GOJIRA schickte der Regisseur ein weiteres Riesenmonster in die Welt hinaus, diesmal in einem prächtigen Farbfilm. Der Name „Rodan“ (bzw. „Radon“ im japanischen Original, angelehnt an den PteRAnoDON) wurde hier noch als Gattungsbegriff verwendet, den gleich zwei der Flattermänner trugen. Im acht Jahre später entstandenen SAN DAIKAIJÛ: CHIKYU SAIDAI NO KESSEN  bezeichnete er dann nur noch einen Vogel, der gegenüber den Ursprungsmonstern eine ganze Nummer dämlicher aussah, nämlich ungefähr wie ein brauner Hühnerhabicht mit Gesicht zum Reinschlagen.

Hier lassen sich die Rodans ganz schön Zeit bis zu ihrem Auftritt, dafür gibt es die putzigen Meganulons, die die Bergarbeiter dezimieren und tricktechnisch gleichermaßen rührend wie toll anzusehen sind: Offensichtlich steckten auch hier Schauspieler in den detailverliebten Kostümen und mussten auf allen Vieren in der Gegen rumkrauchen. Was diese Käfer eigentlich mit dem Auftauchen der Riesenvögel zu tun haben, hat sich mir nicht ganz erschlossen: In einer Rückblende sieht man noch, wie ein gerade schlüpfender Rodan ein paar der für ihn winzigen Tierchen aufpickt und verschlingt, danach werden die Meganulons mit keiner Silbe mehr erwähnt. Stattdessen gibt es Vögelaction (höhö), die sich sehen lassen kann: erst ein Duell zwischen einem Kampfflugzeug und dem Tier hoch zu Luft, dann die typische Modellstadtvernichtung. Wie Rodan da mächtig Wind mit seinen Flügeln macht und so dafür sorgt, dass Häuser  einstürzen und Panzer wegfliegen, ist in der Tat ziemlich toll und man versteht auch, warum das Vieh für spätere Filmeinsätze reanimiert wurde – allerdings nicht, warum er in keinem seiner weiteren Auftritte auch nur annähernd an seine Frühform herankommt. Das Ende, in dem der Vogel in der Lava eines ausgebrochenen Vulkans verglüht, ist geradezu avantgardistisch in seiner distanzierten Langgezogenheit und rundet einen Kaijû ab, der sich von den GOJIRA-Filmen der Showa-Staffel (unter diesem Namen werden die ersten 15 Filme zusammengefasst) deutlich unterscheidet.

SORA NO DAIKAIJÛ RADON hat mich vor allem visuell an Hayao Miyazakis brillanten TONARI NO TOTORO erinnert: Das inmitten grün bewaldeter Hügel gelegene Bergbau-Dörfchen mit seinen bescheidenen Einwohnern, in dem Hondas Film spielt, sieht jedenfalls ganz ähnlich aus wie die Gegend, in der die kleine Satsuki den freundlichen Waldgeist trifft – und auch die Zeit passt ja ungefähr. Während die GOJIRA-Filme eher städtisch anmuten, zigarettenrauchende, perfekt frisierte Journalisten, kluge Wissenschaftler oder strenge Militärs aufbieten, ist SORA NO DAIKAIJÛ RADON bodenständiger, langsamer, erdiger und ruhiger. Ein Garant für Hochspannung ist Hondas Film nicht unbedingt, auch wenn Rodan in den Zerstörungsmodus schaltet, behält der Film seine rurale Unaufgeregtheit. Aber das macht eigentlich gar nichts: SORA NO DAIKAIJÛ RADON fließt mit großer Ruhe dahin wie das ländliche Leben seiner Bewohner, nimmt sich seine Zeit wie der außerirdische Monstervogel, der unter der Erde wartet, bis es Zeit ist, aus seinem Riesenei auszuschlüpfen. Und bis es soweit ist, kann man den Blick wandern lassen und sich fragen, welche Wunder da zwischen Himmel und Erde auf ihre Entdeckung warten.

Der letzte Beitrag der ersten GODZILLA-Reihe ist nicht nur ein Sequel zum unmittelbar vorangegangenen GOJIRA TAI MEKAGOJIRA, sondern auch die letzte Regiearbeit des großen Ishirô Honda. Er beschert dem Franchise einen versöhnlichen Abschluss, nachdem die unmittelbar vorangegangenen Teile  Ermüdungserscheinungen und konzeptionelle Ratlosigkeit nicht mehr verbergen konnten. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU erinnert wieder mehr an die frühen, naiven Monsterabenteuer mit Sci-Fi-Einschlag und muss sich nicht noch zusätzlich bei Kleinkindern und Pärchen anbiedern.

Nach den Ereignissen des Vorgängers versuchen Wissenschaftler die Trümmer des Mechagodzilla vom Meeresboden zusammenzuklauben, um ihn zu rekonstruieren, doch ihr U-Boot wird dabei von einem Monster, dem Titanosaurus, attackiert und zerstört. Den Titanosaurus hatte einst der mittlerweile verstorbene Professer Mafune entdeckt, der dafür aber nur Hohn und Spott erntete und in der Versenkung verschwand. Nun stellt sich heraus, dass er nicht nur quicklebendig ist, sondern auch mit außerirdischen Kräften paktiert, um sich mithilfe des Mechagodzilla an den Menschen zu rächen …

Die Story ist so herzhaft Banane, wie man das von der Reihe erwartet und der neue Titanosaurus, dessen Superpower das Windmachen mit seiner Schwanzflosse ist, sieht aus wie ein Riesenseepferdchen mit Wendehals und Schunkelbirne. Das sind schon einmal zwei Grundzutaten für ein putziges Vergnügen, das zwar mit den frühen GOJIRA-Filmen nicht mithalten kann, aber eben doch wieder angenehm naive Unterhaltung bietet. Zusätzliches Drama liefert der Subplot um das menschliche Hirn, das Mechagodzilla zum perfekten Funktionieren braucht und das ausgerechnet Professor Mafunes Töchterlein ihm geben soll. Aber wie gehabt ist das letztlich alles nur Vorgeplänkel für die ausufernde Schlacht der Monstren am Schluss, die noch einmal all das aufbietet, was man von Anfang an so geliebt hat. Man merkt es meinen Texten an: Wenn man über einen dieser Filme geschrieben hat, fällt es schwer, noch Neues über die anderen zu sagen. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU markiert gehobenen Godzilla-Film-Durchschnitt, was für seinen Status als Abschlussfilm nicht so verkehrt ist. Wer mehr wissen will, sollte ihn sich selbst anschauen.

ticks (tony randel, usa 1993)

Veröffentlicht: Oktober 26, 2017 in Film
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Ein Film, um den ich keine großen Worte machen muss. Durch Düngemittel mutierte Killerzecken machen sich im Wald über eine Gruppe schwer erziehbarer, straffälliger Jugendlicher her, die dort gerade mit ihren Sozialarbeitern campieren. Inszeniert wurde das von HELLBOUND-Regisseur Randel in einer Zeit, in der keine Woche verging, ohne dass eine Handvoll bunter neuer US-amerikanischer Horrorfilme in den Regalen der hiesigen Videotheken landete. Wobei die wenigsten dieser Filme tatsächlich noch echten Schrecken verbreiteten. Wie die Ekeleffekte realisiert wurden, konnte man haarklein in der Fangoria nachlesen, auf bleibenden Eindruck waren die wenigsten dieser Filme hin konzipiert, eher schon am Reißbrett entworfen: Man nehme ein paar nett anzusehende Teens und konfrontiere sie auf begrenztem Terrain mit einer mörderischen Bedrohung, in diesem Fall eben Killerzecken.

Das kann man natürlich nicht ganz zu Unrecht für vollkommen unoriginell und künstlerisch minderwertig halten, aber als unschicke Berieselung funktioniert TICKS für mich auch heute noch hervorragend, ohne dass ich ihm deswegen gleich einen Klassikerstatus oder sowas zugestehen würde. Nein, man muss sich TICKS wirklich nicht anschauen. Der für mich bei dieser Sichtung wahrscheinlich interessante Aspekt des Films war dann auch die Besetzung des obligatorischen schwarzen street kids Panic mit Alfonso Ribeiro. Ribeiro kennt man wohl vor allem aus Will Smiths Sitcom FRESH PRINCE OF BEL-AIR: Er gab dort den Cousin Carlton als Inbegriff des „white n*****s“ mit Pullunder, Strickpullovern, Bundfaltenhosen, miserablem Musikgeschmack, peinlichen Tanzmoves und einer generell weibischen Art. Eine Rolle, in der Ribeiro vollkommen aufging – und von der er von mir einfach nicht mehr zu trennen ist. Ribeiro macht seine Rolle hier so gut es das klischeeüberfrachtete Drehbuch hergibt, aber ich sehe immer nur diesen Carlton, der jetzt verzweifelt versucht, mit umgedrehter Cap, Lederjacke und Gehtto-Manierismen auf dicke Hose zu machen. Und dann wird der arme Kerl auch noch Wirt für die große, finale Riesenkillerzecke …

TICKS muss man zugutehalten, dass er ohne große Umwege zu Ziel kommt, keine falschen Ambitionen verfolgt und dann auch noch mit Clint Howard auftrumpfen kann, der jeden Film automatisch ein Stück aufwertet. Dass er über das Stilbewusstsein verfügt, seinem heimlichen Star den vielleicht schönsten Make-up-Job zu verpassen, gibt Zusatzpunkte. Die Effekte um die Zecken sind gut gelungen, eben „handgemacht“, wie man zu sagen pflegt, und natürlich der Mittelpunkt von TICKS. Ich habe mich während des Gucken gefragt, ob riesige Killerzecken nicht eigentlich eine beknackte Idee sind: Das Eklige oder Beunruhigende an Zecken ist doch vor allem, dass sie so klein sind, dass man sie nicht unbedingt bemerkt. Zwar möchte ich ungern eine Riesenkillerzecke an mir wissen, aber ich würde es schnell bemerken und könnte dann entsprechende Maßnahmen ergreifen. In TICKS müssen die Zecken mithin auch noch superaggressiv sein und Menschen aktiv attackieren, damit sie als Bedrohung überhaupt funktionieren. Vielleicht dreht ja mal jemand TICKS 2, in dem die Killerzecken mutieren, aber trotzdem weiterhin nur auf dem Baum sitzen und darauf warten, sich auf jemandes Kopf fallen zu lassen. Den würde ich mir dann auch noch angucken. Schade, dass Eric Rohmer schon verstorben ist.

Eine konzeptionelle Linie in dieser Endphase der ersten Godzilla-Reihe zu finden, ist schwierig. Hatte man die stärkere Hinwendung zum Kinder- und Pärchenfilmmarkt (KAIJÛTO NO KESSEN: GOJIRA NO MOSUKO und GOJIRA – MINIRA – GABARA: ORU KAIJÛ DAISHINGEKI) versucht, um dann wieder ernstere Töne anzuschlagen (CHIKYU KOGEKI MEIREI: GOJIRA TAI GAIGAN), nur um sich dann doch wieder um die Kinder zu kümmern (GOJIRA TAI MEGARO). GOJIRA TAI MEKAGOJIRA ist nun also die erneute Rückbesinnung auf die Wurzeln im Abenteuer- und Science-Fiction-Film. Wieder einmal wollen Böslinge die Welt erobern, wieder einmal wissen sie, dass sie es zuerst mit Godzilla aufnehmen müssen. Ihre Antwort: der Mechagodzilla, ein dem Original nachempfundener Roboter (auch wenn sie noch so oft „Cyborg“ sagen), der auch fliegen sowie Raketen aus Fingern und Zehen abschießen kann.

Godzilla zur Seite steht wieder einmal der weitestgehend nutzlose Anguirus, dem vierbeinigen Dinomonster, das den auf den Knien herumkriechenden Schauspieler leider/zum Glück nicht verbergen kann. Und dann kommt da noch die zweite Neuschöpfung ins Spiel der löwengleiche King Cäsar, der von einer holden Maid mit lieblichem Gesang aus tausendjährigem Schlaf geweckt wird und Godzilla zur Hilfe kommt. Das klingt wahrscheinlich genauso bunt, banane und potenziell spaßig wie bei anderen Godzilla-Filmen auch, aber die Luft ist doch merklich raus. Die Monsteraction und der erzählerische Anteil des Films stehen merklich unverbunden nebeneinander, zum ersten Mal musste ich an Godfrey Ho denken. Mechagodzilla ist eine Schau, kommt aber erst spät und dann zu selten zum Einsatz. King Cäsar stört nicht wirklich, ist aber auch kein neuer Star am Kaiju-Himmel, am schönsten ist die oben genannte Erweckungsszene. Vielleicht ist die Folge dieser Sichtung aber auch viel weniger ein Urteil über den Film als die Erkenntnis, dass man vielleicht nicht drei Godzilla-Filme nacheinander schauen sollte.

Das Godzilla-Franchise lebt noch, aber es ist merklich ins Trudeln geraten: Seit KAIJÛTO NO KESSEN wurden die Budgets kontinuierlich reduziert und durch Beigaben wie Godzillas knuffiges Söhnchen Minira versucht, neue Zuschauer zu gewinnen. Diese Bemühungen kulminierten dann schließlich im Kleinkinderfilm GOJIRA – MINIRA – GABARA: ORU KAIJÛ DAISHINGEKI und dem drogeninduzierten, leider kommerziell gescheiterten GOJIRA TAI HEDORA von Yoshimitsu Banno. Mit GOJIRA TAI GAIGAN war es an der Reihe von Jun Fukuda, Godzilla wieder auf die Erfolgsspur zurückzubringen. Zwar konnte er letzten Endes keine wesentliche Trendwende einläuten, aber es gelang ihm immerhin, wieder einen „ernsteren“ und moderneren Kaijû zu machen, der die Wurzeln der Reihe mit den seit den Sechzigern doch etwas gereifteren Ansprüchen des Publikums zu versöhnen.

Fukudas Protagonist ist der jobsuchende Manga-Zeichner Gengo (Hiroshi Ishikawa), dessen neueste Monsterkreationen leider niemanden so wirklich zu begeistern vermögen – außer dem Begründer eines Godzilla-zentrierten Themenparks für Kinder. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei diesem um einen Außerirdischen handelt, dessen Heimatplanet von einer menschenähnlichen Rasse unbewohnbar gemacht wurde. Nun will er den Themenpark als Basis für seine feindliche Übernahme gründen. Gengo ruft Godzilla und Anguirus zur Hilfe. Es kommt zur Schlacht zwischen den beiden Monstern sowie den aus dem All herbeieilenden King Ghidorah und Gigan …

GOJIRA TAI GAIGAN gönnt sich eine echte Exposition für seinen Helden und erinnert im Aufbau durchaus ein wenig an die politischen Paranoiafilme des Jahrzehnts: der nichtsahnende Protagonist, der durch einen Zufall in ein großes Komplott stolpert, das sich hinter einem Wirtschaftsunternehmen verbirgt. Auch wenn die Handlung dann mit der Enttarnung der Außerirdischen – es handelt sich um riesige Küchenschaben! – und dem Auftauchen der Monster erwartungsgemäß Richtung Quatsch kippt, das putzige Setting des Godzilla-Parks an die selbstreferenziellen Pop-Ausflüge der Reihe erinnert, ist GOJIRA TAI GAIGAN einer der düsteren Einträge in dem sonst so infantilen Franchise. Das liegt nicht nur am Look der Zeit, sondern auch daran, dass Fukuda auf ein sauber und straff strukturiertes Drehbuch zurückgreifen kann, das die Vorlage für eine actionlastigere Inszenierung ist: Parallel zum Monster Mash müssen die Helden den Godzilla-Turm stürmen und einen Gefangenen befreien. Da kommt fast Söldnerfilm-Stimmung auf! Bevor man aber allzu aufgeregt wird, senken die ausgedehnten Monsterkeilereien den Blutdruck. So süß das grundsätzlich auch ist, nicht nur sinkt ihr Reiz nach x gesehenen Filmen auf ein gesundes Normalmaß, gleiches gilt auch die Toleranzschwelle angesichts der epischen Breite, mit der die nun nicht eben filigran choreografierten Kämpfe ausgewalzt werden. Ob Gaigan nun irgendwie cool oder nicht doch total bescheuert aussieht, habe ich auch noch nicht abschließend entschieden, tendiere aber zu letzterem. Ich habe GOJIRA TAI GAIGAN schon als Kind ein bisschen ermüdend gefunden: Der Film hat einen klinischen, leblos-perfektionistischen Touch, der möglicherweise etwas mit dem Budget zu tun hat. Nicht nur wirken die Sets auffallend unterbevölkert, in den Modellbaustädten sind auch die Autos längst zum Stillstand gekommen.

Mit Ishirô Hondas Rückkehr auf den Regiestuhl werden der vollkommen entfesselte Infantilismus des Vorgängers auf ein goutierbares Maß zurückgefahren und dafür der zuletzt vernachlässigte Science-Fiction-Gehalt wieder erhöht. KAIJÛ SÔSHINGEKI erinnert damit wieder mehr an Filme wie SAN DAIKAIJÛ: CHIKYÛ SAIDAI NO KESSEN oder KAIJÛ DAISENSÔ, macht die liebgewonnenen Monster zu Instrumenten in einem intergalaktischen Kampf zwischen den Menschen und dem außerirdischen Invasorenvolk der Kilaaker. Die Handlung springt von Planet zu Planet und hält darüberhinaus die Neuerfindung der Monsterinsel parat, auf die die Menschheit alle Monster ins Exil geschickt hat und sie dort mittels technischer Apparaturen festhält. Eine gleichermaßen putzige wie logisch fragwürdige Idee, denn wenn man den Monstren bislang nicht einmal annähernd Schaden zufügen konnte, wie ist es dann überhaupt gelungen, sie gefangen zu nehmen? Klar, Erbsenzählerei, die angesichts des Tohuwabohus des Plots gleich doppelt kleinlich und verkrampft daherkommt, aber man wird ja wohl noch fragen dürfen! (Und den Film, in dem die Großwildjagd thematisiert wird, hätte sicher nicht nur ich gern gesehen.)

Was ist da los? Die Offiziellen schauen nicht schlecht, als die eigentlich auf der Monsterinsel gefangenen Monster Godzilla, Anguirus, Mandas, Baragon, Mothra (wieder in Raupengestalt) und Rodan die großen Weltmetropolen in Schutt und Asche legen. Auch die Wissenschaftler und Raumfahrer um Dr. Otani (Yoshio Tsuchiya) benehmen sich seltsam: Alle stehen sie unter dem Einfluss der bösen Kilaaker, die am Fuji eine Basis errichtet haben, von der aus sie die Erde erobern wollen. Die Herrschaft über die Monster und Menschen, die sie unter ihre Kontrolle gebracht haben, soll ihnen dabei helfen. Und als man ihnen auf die Schliche kommt, holen sie kurzerhand King Ghidorah zur Hilfe …

Mehr ist manchmal mehr: Das war wahrscheinlich die Devise für KAIJÛ SÔSHINGEKI, der nun so ziemlich alle Monster der bisherigen Filme sowie einige weitere aus anderen Kaijû zur ausgedehnten Keilerei zusammenbringt und ansonsten viel knallige Raketen-, Militär- und Weltraumaction aufbietet, damit es auch ja nicht langweilig wird. Es ist immer was los und wenn einem das geschäftige Treiben zu viel wird, kann man den Blick immer wieder über herzallerliebste Miniaturstädtchen, Raumstationen, Züge oder Papp-Skylines wandern lassen, die pittoresk im Licht der Studioscheinwerfer baden, während sie von erwachsenen Männern in schlecht sitzenden Gummianzügen plattgetrampelt werden. Die Godzilla-Kaijûs sind eigentlich reine Spielzeug- und Kinderfilme und als solche auch nur das Vorspiel für die Fortsetzungen im heimischen Kinder- und Jugendzimmer, wo für die Sammlung an Monster-Actionfiguren ebensolche Landschaften aufgebaut und gleich noch andere Spielsachen zweckentfremdet und eingemeindet werden. Deshalb sollte man von den Filmen selbst auch nicht zu viel erwaten: Eigentlich ist das immer der gleiche Quatsch, den man aber einfach liebhaben muss, sofern man sich einen Hauch Kindlichkeit bewahrt hat. So idiotisch, unlogisch, naiv und mitunter rammdösig inszeniert (Höhepunkt ist eine gut 30-sekündieg Szene, in der man voller Spannung zusehen darf, wie die Helden mit einem Laserstrahl auf einen außerirdischen Apparillo halten, bis er endlich kaputt geht) sie auch sind, sie sind mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit hingeworfen, Ausdruck einer sprudelnden Kreativität, die man nicht irgendwelchen faden Geschmäcklereien unterwerfen möchte. Hier wird einfach alles reingehauen, am besten auf einmal, und wenn es passt, dass die Außerirdischen auch noch in rot leuchtenden Untertassen herumsausen, dann macht man das eben, was soll der Geiz. Angesichts solchen Überflusses ist es dann auch zu verschmerzen, dass der Kampf der Monster gegen King Ghidorah eher antiklimaktisch ist. Was ist das überhaupt für eine Strategie: Der dreiköpfige Weltraumdrache hatte ja schon zuvor, im Kräftemessen mit Godzilla, Rodan und Mothra keine Chance, warum sollte er da gegen eine ganze Monsterarmee triumphieren? Aber das Schöne an diesen Kaijûs ist ja auch, dass sie ihrer übergeordneten Mythologie nur lose verpflichtet sind. In jedem Film geht einfach alles wieder von vorn los. Wie im Kinderzimmer am nächsten Tag.