Mit ‘Science Fiction’ getaggte Beiträge

heavy-thing-62Auf der ganzen Welt verschwinden Spitzensportler auf mysteriöse Art und Weise. Der coole Agent Mike Harber (Ross Hagen), ein Kollege von James Bond, wird hinzugezogen, um herauszufinden, was sich dahinter verbirgt. Die Spur führt auf die „Insel der 1.000 Frauen“, wo die verrückte Wissenschaftlerin Dr. Zu (Nancy Kwan) gemeinsam mit ihrer Armee heißer Martial-Arts-Babes am überlegenen Supermenschen herumschraubt, für den sie die passenden Ersatzteile braucht …

WONDER WOMEN, inszeniert von Robert Vincent O’Neil, der ein gutes Jahrzehnt später den famosen Rotlichtthriller ANGEL drehen sollte, ist eine der zahllosen amerikanischen Koproduktionen, die in den Siebzigerjahren auf den Philippinen entstanden. Wie bei den meisten von ihnen handelt es sich auch bei diesem Werk um einen mit heißer Nadel aus populären Versatzstücken und damals angesagten Elementen zusammengestrickten Unfug, der in seinen bescheuerten Impulsen durch eine Rainer-Brandt-Synchro auch nicht gerade gebremst wird. Die Berliner Schnodderschnauze trägt ihren Teil zum Gelingen dieses Teils bei, auch wenn sie sich dafür, das merkt man, kaum anstrengen musste: Er fliegt auf Autopilot, und wenn man die Brandt’sche Arbeit kennt, dann weiß man hier immer schon kurz vorher, was für einen Spruch man von ihm erwarten kann. Asiaten werden großzügig als „Schlitzis“ und „Gelbe“ bezeichnet, Frauen werden ebenso zur Zielscheibe. Hagens Mike spricht keinen einzigen normalen Satz, sondern kommuniziert nur noch in mal mehr, mal weniger sinnigen Sprüchen, in die gern auch mal Fantasiegestalten wie „Wenzel, der Teppichhändler“ oder Orte wie „Bad Salzufflen“ eingebaut werden. Richtig schön wird es immer, wenn Brandt in die Stille hinein improvisiert, als könne er es nicht ertragen, wenn die Figuren mal für fünf Sekunde die Klappe halten: Als Dr. Zu dem Helden ihr Labor vorführt, quittiert der das mit brummigen „hmmms“ und „ohhhs“ und als er den Blick einmal schweifen lässt, wird das sofort mit „Ach, nur eine Fliege“ quittiert.

Auffallend ist, dass Brandt mit den tielgebenden Wonder Women selbst kaum etwas anzufangen weiß. Wenn die auftreten, wird es dann auch umgehend etwas bleiern, was natürlich zum Paket dazugehört. Brandts Synchro passt sich dem typischen Auf-und-Ab zwischen überdrehten und absurden Actionszenen und eher schnarchige Passagen gewissermaßen optimal an. Immer wenn der Held auftritt, geht es rund. Das Highlight ist wohl eine Verfolgungsjagd durch Manila mit bunten Minibussen, an der auch der unverzichtbare Vic Diaz beteiligt ist. (Sid Haig ist auch dabei, hat aber als schurkischer Gregorius kaum mehr zu tun, als vielsinnig grinsend in einem Stuhl zu sitzen.) Da wird einmal ein Mann sehr unsanft über den Haufen gefahren in einem Stunt, der so nicht geplant gewesen sein kann, und einmal erwischt es auch ein paar auf einem Fahrrad hockende Hühner. Ein Hahnenkampf ist auch eher unerquicklich (ich weiß nicht, wie viele Hahnenkämpfe ich in den letzten Monaten in Filmen gesehen habe; das kann kein Zufall sein), dafür sorgt eine Keilerei zwischen Mike und einer Dame mit beeindruckendem Afro für Gelächter: Der Supertyp wird da quer durchs Mobiliar gedroschen und kommentiert das jedesmal mit einer neuen Zote – herrlich. Irgendwann endet WONDER WOMEN dann einfach. Auch das macht Sinn. Keiner der Beteiligten war hier der Illusion erlegen, eine Geschichte zu erzählen oder gar großes Kino zu machen: Es ging einfach darum, knappe 80 Minuten grelles Entertainment zusammenzukloppen. Mission accomplished. Meint auch Wenzel, der Teppichhändler.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Letztes Jahr war es der hongkongchinesische Bruceploiter MENG LONG ZHEN DONG, der sich in die Spitzengruppe meiner imaginären Jahrescharts katapultierte, dieses Jahr dürfte es nicht allzu vielen Filmen gelingen, UCHÛ DAIKAIJÛ DOGORA aus dem Führungsfeld zu verdrängen. Das in Deutschland unter dem Titel X3000 – FANTOME GEGEN GANGSTER firmierende Crossover aus klassischem Sci-Fi-Monster- sowie Gangster- und Agentenfilm ist eh schon eine Schau, aber es hat zudem noch den Bonus einer echten Rarität, was die Vorführung im Rahmen des 3. Mondo Bizarr Weekenders in Düsseldorf zu einer cinephilen Galaveranstaltung machte. Die Kopie, die zur Aufführung kam, ist möglicherweise die letzte in Existenz, zumindest in Deutschland ist keine weitere bekannt. Man kann ja nur hoffen, dass der Schatz bald in Form einer digitalen Version für die Nachwelt erhalten bleibt, denn UCHÛ DAIKAIJÛ DOGORA ist denkwürdig. Ein Film, der alles hat und davon auch noch eine Menge.

Zur Handlung: Weltweit werden vermehrt Diamanten gestohlen. Die Polizei steht vor einem Rätsel, aber auch die Gangster sind beleidigt, denn sie haben ausnahmsweise mal nichts damit zu tun. Komisch außerdem: Zeitgleich mit den Diamanten verschwinden auch immer Unmengen an Kohle. Bei seinen Ermittlungen stoßen der Polizist Kommei (Yôsuke Natsuki) und der rätselhafte Wolf Hanter (Robert Dunham) aneinander. Ist letzterer ein Ganove oder doch eher ein Geheimagent? Nachdem die beiden sich zusammengerauft und mit dem Wissenschaftler Dr. Munakata (Nobuo Nakamura) kurzgeschlossen haben, der daran arbeitet, Diamanten als Energiequelle nutzbar zu machen, kommen sie dem Geheimnis auf die Spur: Kohlenstoffe, die sowohl in Diamanten wie auch in Kohle enthalten sind, dienen einer riesigen Weltraumqualle namens „Dogora“ als Nahrung. Aber was, wenn alle Diamanten und Kohlen aufgefressen sind?

Zunächst mal ist der Film von vorn bis hinten einfach nur liebenswert: Kommei ist so einer dieser naiven, kantenlos-schwiegersohnartigen Helden, wie sie in Mode waren, bevor sie von den unrasierten James Bonds dieser Welt abgelöst wurden, der froschmäulige „Wolf Hanter“ in der unbestechlichen Logik des Films allein deshalb ein Teufelskerl, weil er Amerikaner ist. Seine Überlegenheit, die ihm da ständig attestiert wird, ist eigentlich eher in der totalen Hilflosigkeit aller Japaner im Film begründet, die sich wohl auch mit dem alten „Guck mal da!“-Trick noch ins Bockshorn jagen ließen. Dr. Munakata ist der obligatorische alte Wissenschaftszausel, der ganz in seiner eigenen Welt lebt und dessen hirnrissigen Hypothesen beständig fassungslose Gesichtsentgleisungen und Kulturschocks bei den handfesten Helden hervorrufen. UCHÛ DAIKAIJÛ DOGORA gehört zu jenen Science-Fiction-Filmen, für die „Wissenschaft“ in erster Linie bedeutet, dass allerhand verrückte Sachen möglich sind, an die der Ottonormalverbraucher nie zu denken gewagt hätte. So kommt es dann auch, dass die Riesenqualle am Ende mithilfe von Bienengift unschädlich gemacht werden kann, das eilends von allen Fabriken des Landes synthetisch hergestellt wird – wo die die Energie nach der Kohlenfressorgie des Monsters hernehmen, bleibt unbeantwortet: Recht so!

Hondas Film ist ein herrliches, rührendes, endlos spaßiges Filmerlebnis, aber es bekommt durch seine Effektsequenzen noch einmal einen zusätzlichen Schub, der es in andere Sphären katapultiert. Alles beginnt mit den schon nicht üblen Szenen, in denen Fabrikschornsteine, Autos, Züge und Kohlenberge „abgesaugt“ werden, der Auftritt Dogoras toppt dann aber alles: Die Sequenz, in der die Qualle in voller Pracht zu sehen ist, hat psychedelische Qualitäten, ist tricktechnisch höchst einfach gestaltet, aber so saumäßig effektiv umgesetzt, dass man sich fragt: Wie haben die das gemacht? Marc hat in seiner Einführung den Namen „Lovecraft“ in die Runde geworfen und damit ziemlich genau ins Schwarze getroffen: Dieses majestätische Biest, das da aus einem kosmischen Nebel herabschwebt und mit seinen fluoreszierenden Tentakeln herumwirbelt, ist wahrscheinlich eine bessere Cthulhu-Darstellung als alle „echten“ Versuche, den Großen Alten filmisch abzubilden. Dann kommen auch noch wunderschöne Zeichentrick-Effekte zum Einsatz, wenn Dogora mit seinen Greifarmen nach einer großen Brücke schnappt und sie kurzerhand einstürzen lässt. Fantastisch! Episch! Gänsehaut!

In UCHÛ DAIKAIJÛ DOGORA vereint sich das eigentlich Unvereinbare auf höchst glückliche Art und Weise zu einem wunderbar unterhaltsamen, schwungvollen und schlicht endlos sympathischen Werk, das größere Bekanntheit definitiv verdient hat und jeden, ich behaupte jeden, der ein Herz für den poppig-bunten Exploiter der Sechzigerjahre, für Monster und einfach für tolle Filme hat, um den Verstand bringen wird. Volle Punktzahl.

large_edjzjali1v5ps7dcmylt8cpf3dgDamals im Kino hatte Snake Plisskens gehauchtes „Nennen Sie mich Snake!“ schon für Begeisterungsstürme gereicht. Es war für mich, der altersbedingt nicht das Glück hatte, ESCAPE FROM NEW YORK im Kino sehen zu können, eines der schönsten Kinoerlebnisse überhaupt: Die damalige Kritik an ESCAPE FROM L.A. konnte ich zwar irgendwie nachvollziehen, aber gefühlt habe ich etwas anderes. Die gestrige Sichtung des Films auf Blu-ray, auf der er in den schönsten Farben erstrahlt, die famose Kameraarbeit von Gary B. Kibbe und die tolle Setdesigns zum Leuchten bringt, schloss direkt an die Kinoerfahrung von einst an und machte mir schlagartig wieder klar, wie toll dieses Sequel tatsächlich ist. John Carpenter ist damit meines Erachtens etwas ganz Besonderes gelungen: Er hat eine Fortsetzung geschaffen, die der seit dem Original vergangenen Zeit unverkennbar Rechnung trägt, ein Update, das der neuen Epoche angemessen und kein schnödes Retrogedöns ist, aber dabei dennoch vom selben Schrot und Korn. ESCAPE FROM L.A. ist bunter, witziger, bescheuerter und überdrehter als der Vorgänger, aber darunter schlägt immer noch das Herz des liberalen Zynikers, der mit Western aufgewachsen ist und das Genrekino liebt, der Autoritäten gegenüber skeptisch ist und mit dem Underdog mitfiebert.

ESCAPE FROM L.A. stellt inhaltlich eher eine Variation des Vorgängers dar als eine Fortsetzung, aber das Gefühl des „Been there, done that“, das damit einhergeht, unterstreicht noch einmal Carpenters Skeptizismus und Snakes Müdigkeit. Der Antiheld hat einfach nur die Schnauze voll von den immer gleichen Täuschungsmanövern und leeren Politikervrsprechungen. Der angry young man aus dem ersten Teil ist nun ein mit allen Abwassern gewaschener Veteran, seine Mission ein going through the motions. Was ihn am Laufen hält, ist sein Überlebenswille, insofern haben ihn seine Auftraggeber – Stacey Keach in der Lee-van-Cleef-, Cliff Robertson in der Donald-Pleasence-Rolle – genau richtig eingeschätzt, als sie ihm ein tödliche Injektion als Druckmittel verpasst haben. Plissken macht mit, aber eigentlich nur, um zu überleben, und seinen Peinigern am Ende vielleicht doch gepflegt in den Arsch treten zu können. Das Kriegsgebiet ist kein düsteres Loch mehr, sondern ein durch ein Erdbeben vom Rest der USA abgekoppeltes L.A., das nun als Exil für all jene fungiert, die gegen die Moral der neuen Spießernation verstoßen. Was man schon zwischen den Zeilen von ESCAPE FROM NEW YORK herauslesen konnte, das es Drinnen nämlich vielleicht besser ist als Draußen, wird hier zur Gewissheit und von einer Figur, der unglücksseligen Taslima (Valeria Golino), sogar expliziert – kurz bevor sie in der bittersten Szene des Films – einer Schlüsselszene – wie aus dem Nichts erschossen wird. Das L.A. aus Carpenters Film setzt dem spießigen Gottesstaat zwar eine kunterbunte Utopie voller durchgeknallter Individualisten entgegen, unter denen sich auch Hippie-Gottvater Peter Fonda als Surfer auf der Suche nach der ultimativen Welle wohl fühlt, aber die Kehrseite ist eine anarchische Gesellschaft, in der es keinerlei Rücksichtnahme mehr gibt und jedem Impuls nachgegeben wird – zum Beispiel jenem sich chrirgisch bsi zur Unkenttlichkeit zu verstümmeln. Am Ende kommt Plissken zum einzig logischen Schluss, nämlich dem, dass die Menschheit insgesamt keine Rettung verdient hat. Nach den Ereignissen der letzten Monate und Wochen muss man anerkennen, dass Carpenters Film 20 Jahre nach seinem Erscheinen erstaunlich zeitgemäß anmutet. Und dass, wo man ihn damals eigentlich schon zum Start als instantly dated diffamiert hat.

Grund waren nicht zuletzt die mäßig überzeugenden CGI und der Rückgriff Carpenters auf Mittel, die er schon zwanzig Jahre zuvor für sich genutzt hatte. ESCAPE FROM L.A. hat eine geradezu unverschämt dilettantisch animierte U-Boot-Fahrt komplett mit hektisch ins Bild schnappenden Riesenhaien zu bieten, dazu die schon im Original erprobte Ausleuchtung, die jeden Originalschauplatz in eine wunderbar künstlich aussehende Theaterkulisse verwandelt, herrlich übertriebene Matte Paintings und einen Actionshowdown, in dem die Helden an Seilen ins Bild geschwebt kommen und Rabatz machen. Schon erstaunlich dass man das in den Neunzigern, dem Jahrzehnt der Ironie und der bequemen Flucht auf sichere Metaebenen, nicht verstand, dem Film einen billigen Look unterstellte und Carpenters künstlerische Instinkte in Zweifel zog. Natürlich passt das alles wie Arsch auf Eimer und unterscheidet sich vom weithin geliebten Vorgänger nur oberflächlich. Klar, der war das logische Resultat einer Zeit gewesen, in der man sich vor dem Dritte Weltkrieg fürchtete, das unaufhaltsame Ansteigen urbanen Verbrechens beklagte und „No Future“ deklamierte, und dementsprechend düster. Bei ESCAPE FROM L.A. amüsiert man sich hingegen zu Tode: Das sieht etwas bunter aus, aber das Resultat ist dasselbe. Meiner bescheidenen Meinung nach ist dies Carpenters bester Film seit THEY LIVE und damit noch deutlich stärker als der gemeinhin überschätzte IN THE MOUTH OF MADNESS.

 

wraith-movie-poster-1986-1020216120Viel mehr Achtziger als THE WRAITH geht kaum noch: Charlie Sheen gibt den coolen Loner, Nick Cassavetes den fiesen Autotuner mit Matte und geairbrushter Lederjacke, Sherilyn Fenn trägt Bräunungscreme für zwei und arbeitet auf Rollschuhen im Burgerladen, dem Treffpunkt der Wüstenjugend, der Sountrack spielt u. a. Ozzy Osbourne, Mötley Crüe, Bonnie Tyler und Billy Idol. Erwachsene gibt es gar nicht – mit Ausnahme von Randy Quaids Sheriff und seinen Leuten – und das titelgebende Phantom kommt mit coolen Blitzen auf die Erde und heizt dann in einem potthässlichen Custom Car über die Landstraßen. Das hat schon was, auch wenn der Film um diese Zeitmarker herum nicht so wirklich zünden mag.

Auf den Highways rund um sein Wüstenkaff veranstalten Packard (Nick Cassavetes) und seine Gang Autorennen mit aufgegriffenen und drangsalierten Teens (die allesamt geile Sportwagen von Papa und Mama unter den Weihnachtsbaum gestellt bekommen haben): Wer verliert, ist seine Karre los, und Packard verliert nie. Bis plötzlich ein ganz in schwarze Bikerkluft gewandetes Phantom auftaucht: Da sterben Packards Leute einer nach dem anderen und enden trotz feuersbrünstiger Unfaälle ohne Verbrennungen – dafür aber mit leeren Augenhöhlen. Das Auftauchen des Phantoms koinzidiert mit dem von Jake (Charlie Sheen), der sich gleich an die süße Keri (Sherilyn Fenn) heranmacht, die von Packard umworben wird. Wie sich herausstellt, wurde Keris Freund einst von Packard und seinen Leuten ermordet …

Dass THE WRAITH – oder auch INTERCEPTOR, benannt nach dem Auto des Phantoms – ziemlich doof ist, muss nicht besonders betont werden. Als Spannungs- oder auch nur als Erzählfilm funktioniert er zudem überhaupt nicht: Dem Film fehlt ein Protagonist, mit dem man mitfiebern könnte, ein Konflikt, dessen Ausgang nicht von vornherein klar wäre. Charlie Sheen, dessen Jake sowas wie der Held ist, hat vielleicht 10, 15 Minuten Screentime aber dass er da ist, ist der totale Spannungskiller, denn das eine große „Mysterium“ des Films – wer ist der Rächer im Interceptor? – wird durch seine Anwesenheit völlig nivelliert. Man weiß, dass er es sein MUSS, weil seine Figur sonst überhaupt keine  Daseinsberechtigung hat. Die Morde an Packards Leuten sind ebenfalls total spannungsarm, weil von Anfang an kein Zweifel daran gelassen wird, dass sie chancenlos sind – und man darüber hinaus auch keinerlei Grund hat, auch nur das geringste Mitleid mit ihnen zu empfinden. Was bleibt, sind die sehr eigenartige Stimmung, die der Film allen Unzulänglichkeiten zum Trotz entfaltet, und seine geleckten Bilder, die an Airbrush-Kunstwerke auf Motorhauben aufgemotzter Muscle Cars denken lassen. Der Auftakt mit ein paar Irrlichtern, die aus verschiedenen Richtungen über die nächtlichen Wüstenhighways flitzen, ist sehr hübsch, genauso wie die Bilder des dampfenden Burgerladens vor dem violetten Nachthimmel. THE WRAITH wäre wohl gern sowas wie die Teenie-Version von HIGH PLAINS DRIFTER gewesen, aber dafür fehlt ihm einfach jede Ambiguität: Die Bösen sind böse, Jake und Keri herzensgut, und love will conquer it all in the end fo‘ shizzle. Am besten, man betrachtet das Teil als den überlangen Videoclip, der er ist, dann kommt man auf seine Kosten.

unbenanntHerrjemine, was für ein Kuddelmuddel! Fernsehreporter Craig Milford (David Warbeck) interviewt einen Wissenschaftler, dem es gelungen ist, durch Experimente an einem Meteorsplitter die Quelle irdischen Lebens zu entdecken. Die isolierte DNA blubbert nun in einem Schälchen und weckt die Begehrlichkeiten des schurkischen Anderson (John Ireland), der darin die Wurzel zur Weltherrschaft sieht. Aus gutem Grund: Wie die telepathisch begabte Joanna Fitzgerald (Laura Trotter) dem zunächst skeptischen Reporter vermitteln kann, handelt es sich bei dem von Anderson binnen weniger Tage aus der Ursuppe gezüchteten Glubschaugen-Embryo um einen Abkömmling einer tyrannischen Rasse Außerirdischer, die alles unterjochen will: Das haben Joanna die guten Aliens „aus einer anderen Dimension“ zugeflüstert. Am Ende bringen Milford und sie das plattgemachte Alien-Baby zum Raumschiff der guten Aliens, die es mit in weit, weit entfernte Galaxien nehmen, wo noch nie zuvor ein Mann gewesen ist. Und die Erde hat nochmal verdammtes Glück gehabt.

Dass MIAMI GOLEM inhaltlich ziemlich derber Schwachfug ist, muss ich nach meiner Inhaltsangabe wahrscheinlich nicht mehr extra erwähnen. Das allein diskreditiert ihn auch noch nicht, wohl aber, dass er grausam umständlich ist und einfach nicht aus den Pötten kommt. Mit genug Lärm und Krawumm – so wie auf dem abgebildeten deutschen Videocover – hätte ich als Zuschauer wahrscheinlich gar nicht gemerkt, wie abgrundtief idiotisch das alles ist, auf jeden Fall wäre es mir völlig egal gewesen. Aber Alberto De Martino, der keine zehn Jahre zuvor noch mit seinem THE OMEN-Rip-off HOLOCAUST 2000 bewiesen hatte, wie man okkulten Endzeitquark sehr geschickt mit Science-Fiction-Elementen verbindet, ist an Krawall um des Krawalls willen leider nicht sonderlich interessiert. Und so versteigt er sich in zum Scheitern verurteilten Versuchen, mittels Grenzüberschreitungen hin zum Polit- und Paranoiathriller eine Seriosität zu wahren, die sein Film einfach nicht hergibt. Ich würde noch nicht einmal so weit gehen wie viele der üblen Netznachredner, die sich über den Film lustig machen und sich über seine zugegeben nur mäßig gelungenen Effekte zu beeumeln: Klar, MIAMI GOLEM kann zu keiner Sekunde mit den großen amerikanischen Vorbildern – meinetwegen E.T., THE EXTRA-TERRESTRIAL oder CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND – mithalten (wer das gedacht hatte, ist ja eh mit dem Klammerbeutel gepudert), nicht einmal mit dessen amerikanischen Klonen, aber De Martino versteht sein Handwerk schon und Warbeck agiert hier wieder einmal so unfassbar cool und souverän, dass es eine wahre Freude ist. Eine so große, dass man bereit ist, mit ihm ein gutes Stück des Weges mitzugehen. Aber iIrgendwann ist auch der letzte Goodwill aufgebraucht: Spätestens beim ernüchternden „Showdown“, in dem Milford mit dem Mute der unglaubwürdigen Verzweiflung gegen das glotzende Wechselbalg im Gurkenglas vorgeht und die Inszenierung eine Götterdämmerung vorgaukelt, obwohl es eher ein Zäpfchenstreich ist, ist der Ofen aus.

Bleibt zum Schluss nur noch eine Frage, die ich zu gern beantwortet hätte: Was hatten die Italiener eigentlich mit Miami? Schon in den Siebzigern verschlug es Bud Spencer und Terence Hill dort hin, doch in den Achtzigerjahren scheint sich dann halb Cinecittà in die floridianische Metropole abgesetzt zu haben. Dutzende von Filmen spielen dort, ganz so, als habe es keine anderen attraktiven Drehorten in den US of Ey gegeben. In MIAMI GOLEM gibt es dann auch die unvermeidliche Bootsjagd durch die Everglades (darf man heute bestimmt auch nicht mehr machen), aber leider keine Krokodile. Die haben sich wahrscheinlich verweigert.

 

demon-seed-6Dass ich den Film mit ca. 17 Jahren  im Double Feature mit einem anderen Siebzigerjahre-Computer-Schocker namens COLOSSUS: THE FORBIN PROJECT auf Video aufgezeichnet und dann gesehen hatte, habe ich noch gut in Erinnerung. Ich fand den Film damals wohl recht verstörend, blieb aber bis zum Schluss bei der Stange – bei der gestrigen Wiederbegegnung ist mir das deutlich schwerer gefallen. Auch wenn ich immer noch eine Empfehlung für DEMON SEED aussprechen würde: Er ist ein bisschen dröge und seine Idee reicht eigentlich nicht für einen ganzen Film.

Anders als Cammells späterer WHITE OF THE EYE, der wie eine Anomalie in der Filmlandschaft seiner Zeit wirkt, ist DEMON SEED sehr Kind seiner Zeit. Sein Retrofuturismus – riesige Computer mit Floppy-Disk-Laufwerken, sprechende Bildschirme und sich wie gelandete Ufos in die Landschaft einfügende Forschungsstationen – ist genauso typisch für die Siebzigerjahre wie die mit ihm einhergehende Technikskepsis. So beunruhigend DEMON SEED auch ist, so naiv wirkt er auf den heutigen Betrachter. Viel mehr, als es sich Dean R. Koontz, Autor der Vorlage, damals vorstellen konnte, sind Computer tatsächlich Teil unseres Alltags geworden, aber die von ihnen ausgehende Bedrohung, die er sich ausmalt, hat sich nicht einmal annähernd bewahrheitet.

Der Wissenschaftler Alex Harris (Fritz Weaver) hat im Auftrag der Regierung einen Supercomputer geschaffen, der über ein Gehirn verfügt, das funktioniert wie das eines Menschen. Über die Arbeit kam es allerdings zum Zerwürfnis mit seiner Ehefrau Susan (Julie Christie), die nun in einem vollkommen computerüberwachten Haus lebt. Als „Proteus“, so der Name des Supercomputers, von seinem Schöpfer Raum zur freien Entfaltung verlangt, aber diesen verweigert bekommt, bringt er das Überwachungssystem im Haus Susans unter seine Kontrolle und sperrt sie ein. Aber das ist noch nicht alles: Weil er Mensch werden will, schwängert er die hilflose Frau …

Der dystopische Gehalt kann heute, wie oben schon angedeutet, eigentlich vollkommen ignoriert werden. Der mit sonorer Stimme sprechende Proteus muss den Zuschauern aber auch damals, knapp zehn Jahre nach HAL aus Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY, schon wie ein zweitklassiger Trittbrettfahrer vorgekommen sein. Die Angst vor einem superintelligenten Roboter, der diese Superintelligenz gegen seine Schöpfer wendet, ist schließlich ein Standard der Science Fiction, der auch 1977 schon einige Patina angesetzt hatte. Was vielleicht darüber hinwegtäuschte, war der Kuriositätenbonus, den Überwachungskameras, die Steuerung der heimischen Elektronik durch Stimmenbefehle und ähnliche Spielereien damals ohne Zweifel innehatten. Heute kann man sich ein Schmunzeln nicht ganz verkneifen.

Zum Glück muss man DEMON SEED nicht als Mahnfabel betrachten, sondern kann ihn vielmehr als Geschichte einer hochgradig dysfunktionalen Beziehung sehen. Dann ist er nicht nur ungleich faszinierender, sondern auch geradezu skandalös schmierig. Proteus und die ihm zur Hilfe kommende Schar kleinerer Computerdiener sind die Verlängerung von Alex, der über seine Begeisterung für die Arbeit die Liebe seiner Gattin verloren hat, und sie nun mit Gewalt zurückholt. Dass das nicht auf seine Initiative hin geschieht, sondern Proteus selbsttätig handelt, schwächt diese Lesart keineswegs, im Gegenteil: Sie liegt auf einer Linie mit Susans zu Beginn des Films geäußerter Befürchtung, dass Alex seine Menschlichkeit verlieren könne. Er kennt sich selbst nicht mehr. Was tatsächlich hinter Proteus‘ Wunsch steht, offenbart sich erst in den letzten Sekunden des Films. Das eigentliche Drama hinter dem Ende von Alex und Susans Beziehung wird nie offen angesprochen, man bekommt eher beiläufig einen Hinweis darauf. Supercomputer hin oder her: Die Ursache allen Übels liegt hier ganz klar im Versäumnis der beiden Hauptfiguren, offen miteinander umzugehen.

the-chilling-poster-202x300Oh Gott, was für ein unansehnlicher Käse. Erwartet hatte ich popcornigen, effektlastigen Plastikhorrror wie er in den Achtzigern populär war, bekommen habe ich kreuzlangweiligen Billigschlock, bei dem eigentlich gar nichts funktioniert.

Dabei geht es mit der ellenlangen Laufschrift zu Beginn, die den Zuschauer auf den neuesten Stand bringt hinsichtlich der Möglichkeit, sich einfrieren zu lassen, und dann die zwingende Frage stellt, ob diese Errungenschaft der Wissenschaft ein Segen oder nicht doch eher ein Werk des Teufels sei, immerhin noch putzig los. Man ahnt schon: Von jemandem, der in diesen Kategorien denkt, sollte man nicht allzu viel erwarten. Und so kommt es dann auch.

THE CHILLING ist streng genommen nichts anderes als ein Zombiefilm und eine freche Kopie von Dan O’Bannons THE RETURN OF THE LIVING DEAD noch dazu. Dr. Miller (Troy Donahue) ist der Kopf hinter Universal Cryogenics, einer Firma, die Menschen auf Wunsch hin einfriert. In Wahrheit ist die ganze Unternehmung aber nur Tarnung für einen florierenden Organhandel. Eines Nachts schlägt der Blitz in das Lagerhaus mit den Cryo-Tanks ein, woraufhin  die Eingefrorenen wieder auferstehen. Metzelmurks und Ende.

Man merkt von Anfang an, dass THE CHILLING eiligst runtergekurbelt wurde und der Aufhänger nur zur Vortäuschung einer gewissen Tagesaktualität diente. Dass Promis sich einfrieren lassen wollen oder dies schon getan haben, ging damals durch die Presse und der Film macht dann auch mit den Namen Disney, Roosevelt und Michael Jackson auf. Danach regiert jedoch die totale Beliebigkeit: Das Drehbuch hat es noch nicht einmal hinbekommen, eine echte Hauptfigur zu entwerfen. Linda Blair tritt auf als Assistentin von Dr. Miller, die sich der Wünsche des Klienten Davenport (Jack De Rieux) annimmt, der kurz hintereinander seine Frau und dann seinen verbrecherischen Sohn auf Eis legen lässt. Zwischen beiden entspinnt sich eine sehr halbherzige, sehr unglaubwürdige und vor allem sehr überflüssige Liebesgeschichte und der Film wendet sich der Arbeit zweier Nachtwächter zu, von denen einer von Dan Haggerty gespielt wird. Die beiden langweilen sich, müssen dann mit einem Stromausfall klarkommen und sich schließlich der Tiefkühlzombies annehmen, die aussehen wie grüne Gummimenschen. Das läuft dann so ab, dass da ewig lang im Dunkeln rumgekraucht und Spannung vorgegaukelt wird, wo einfach nur völlige Inkompetenz vorherrscht. Am Ende latscht dann noch ein Zombie mit Rauschebart durchs Bild, im Hintergrund sieht man einen Cryo-Tank mit der Aufschrift „A. Khomeini“. Und ein Sequel wird natürlich auch angeteasert, das dann aber glücklicherweise nicht mehr realisiert wurde.

Nee, hier geht gar nix, bei allem Wohlwollen. Auf die Geschichte wurden wohl maximal fünf Minuten verwendet, THE CHILLING ist dazu noch grausam unansehnlich, die Effekte beschissen, Spannung oder gar Schauder sucht mag ganz vergeblich. Dieser ganze Cryo-Kram hätte ja durchaus Stoff für einen Horrorfilm hergegeben, aber der Schrecken, aus dem Tiefkühlschlaf aufzuwachen und festzstellen, dass nichts mehr so ist wie vorher, hätte definitiv intelligentere Menschen gebraucht als die beiden Filmemacher, deren Regiekarriere nach diesem Rohrkrepierer wenig überraschend schon wieder vorbei war.