real genius (martha coolidge, usa 1985)

Veröffentlicht: Januar 12, 2011 in Film
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Prof. Jerry Hathaway (William Atherton) hat den Spezialauftrag der US-Regierung, bis zum Sommer ein neuartiges Waffensystem zu entwickeln, das es erlaubt, mittels eines aus dem All abgefeuerten Lasers (menschliche) Ziele auf der Erde zu vernichten. Dabei helfen sollen ihm die Studenten, die er für eine Eliteuniversität rekrutiert. Vor allem auf dem schlampigen Genie Chris Knight (Val Kilmer) und dem 15-jährigen Wunderkind Mitch Taylor (Gabe Jarret) ruhen seine Hoffnungen. Und die haben keine Ahnung, was für ein Mordwerkzeug sie da eigentlich konstruieren sollen …

Vor einer halben Ewigkeit hatte ich den Film mal auf Deutsch gesehen und wohl auch gemocht, erinnern konnte ich mich an ihn aber kaum noch. Umso mehr hat es mich gefreut, so ausnahmslos positiv überrascht zu werden: REAL GENIUS hebt sich – vielleicht auch, weil eine Frau Regie führte – angenehm vom Gros der durchschnittlichen Teeniekomödien ab, beschränkt sich demnach nicht darauf, die Zielgruppe mit Klamauk, markanten Typen und einem schmissigen Soundtrack zu versorgen, sondern hat durchaus auch etwas mitzuteilen. Dabei kommen genannte Zutaten definitiv nicht zu kurz: Die erste Hälfte des Films bietet Sprüche, Gags und beknackte Situationen en masse, mit Chris Knight zudem einen Protagonisten, dessen Respektlosigkeit, Hänger- und Einfallsreichtum ihn jedem Junggebliebenen sofort ans Herz schweißt, und mit dem Setting der Eliteuni für Naturwissenschaftsgenies ein originelles Umfeld, das Coolidge geschickt für Teeniespäße mit Einstein’schen Ambitionen ausnutzt.

In der zweiten Hälfte setzt sich REAL GENIUS dann in die dem Genre inhärente Opposition zum in den Achtzigerjahren durchbrechenden Leistungs- und Erfolgsgedankens, der die Unterwerfung der Jugend und die Verleugnung ihres jugendlichen Vorrechts auf Müßiggang, Leichtsinn und Faulheit fordert, geht dabei aber einen Schritt weiter als andere Vertreter. Zwar ist Chris Knight auch nur einer der vielen Teeniefilmprotagonisten, die Ferris Buellers Philosophie des An- und Innehaltens anhängen und der Überzugung sind, dass sie ihr nacktes Talent in ein frühes (metaphorisches) Grab treibe, wenn sie sich nicht ab und zu die Auszeiten gönnten, die ihre erwachsenen Kritiker veranlasst zu behaupten, sie verschleuderten ihre Chancen, doch wird dies durch die Einbettung in ein quasi-realpolitisches Szenario, das unübersehbar an Reagans damalige Star-Wars-Pläne angelehnt ist, verschärft. Wichtiger, als die Erwartungen der Wirtschaft und der Politik zu erfüllen, ist es, als Mensch zu reifen, seiner Verantwortung nicht bloß gegenüber der Nation, sondern gegenüber der ganzen Welt gerecht zu werden. Nice.

 

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