yong zheng ming zhang shao lin men (cheng hou, taiwan 1977)

Veröffentlicht: Dezember 5, 2018 in Film
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Vor Jahren ließ ein böser Kaiser einen ganzen Clan niedermetzeln, weil der sich seinem Willen widersetzt hatte. Nur zwei kleine Mädchen konnten mithilfe eines Shaolin-Mönches fliehen und wurden in deren Obhut natürlich zu unbesiegbaren Kung-Fu-Bienen ausgebildet, damit sie später Rache nehmen können. In der Gegenwart des Films kommt ihnen dabei der starke Ken Teng (Carter Wong) zu Hilfe, um sie im Kampf gegen die Häscher des Kaisers, seine Kung-Fu-Gorillas und langzüngige Zauberer zu unterstützen.

Schon erstaunlich, was für Rumpelbuden-Produktionen es im Zuge des Eastern-Booms auf bundesdeutsche Leinwände schafften. Auch dieser, unter dem ultimativ austauschbaren deutschen Titel DAS TÖDLICHE DUELL DES SHAOLIN in die hiesigen Bahnhofskinos gekommen, ist produktionstechnisch meilenweit von den Glanzlichtern entfernt, die etwa unter dem Siegel der Shaw Brothers entstanden, doch was ihm in punkto inszenatorischer, ausstatterischer oder martialartistischer Hinsicht fehlt, macht er mit depperten und noch dazu unbeholfen umgesetzten Ideen wieder wett. Die Filmgeschichte kennt unzählige „Gorillas“, sprich Menschen in schwarzen Zottelkostümen (seit einiger Zeit gibt es dazu mit „Gorillawood“ von Ingo Strecker sogar ein telefonbuchdickes Nachschlagewerk, das beeindruckende Ergebnis einer immensen, mehrjährigen Recherchearbeit), aber die beiden Exemplare aus diesem Werk schneiden selbst im Vergleich mit Poverty-Row-Produktionen der Dreißigerjahre noch bescheiden ab. Hände und Füße stecken gut sichtbar in separaten Kostümbestandteilen, die Köpfe sind viel zu klein, die Ärsche dafür überdimensional groß. Es ist gewiss schwierig, wenn nicht gar unmöglich, in solcher Verkleidung eine einigermaßen würdevolle Darbietung abzuliefern, doch was die mit dieser undankbaren Aufgabe betrauten Statisten zum Besten geben, legt den Verdacht nahe, dass sie zuvor noch nie einen Menschenaffen gesehen hatten. Die Kämpfe, in die sie verwickelt werden, sind haarsträubende Slapstickeinlagen, umso mehr, als der Kaiser von China (der seltsamerweise in gleich mehreren Szenen auf einer Holzbühne mitten im Nadelwald hockt) sie unablässig als unbezwingbare Killermaschinen anpreist. Sicher, Schwerthiebe prallen an ihren Brustmuskeln ab wie berechtigte Kritik am Ego von Uli Hoeneß, aber dafür sind die Biester ja nicht einmal in der Lage, mit ihren bratpfannengroßen Patschhänden einen Apfel vom Boden aufzuheben. Und dass der „Hinterkopf ihre verwundbare Stelle“ ist, ist ja auch irgendwie ein Hinweis, den es eigentlich nicht braucht, oder? Immerhin führt er zu zwei schönen Blutfontänen am Ende, wenn die Gorillas (bzw. die Statisten) von ihrem würdelosen Dasein befreit werden.

Eine ähnliche Schau ist auch der Magier mit der langen, heraushängenden Zunge, der dann im Finale noch Unterstützung von einem Kollegen erhält, der seinen Lätschen bis dahin im Mund behalten hatte. Da der „Effekt“ auf denkbar einfachste Art und Weise gelöst wurde, nämlich indem man den beiden einfach einen Gummilappen zwischen die Lippen klemmte, sind sie in den entsprechenden Szenen ihrer Sprache beraubt und sehen überdies reichlich verkrampft (und unglücklich) aus. Wer sich für die Bedeutung der langen Zungen in der ostasiatischen Mythologie und dem Geisterglauben interessiert, dem sei an dieser Stelle gesagt, dass sie Kennzeichen der Geister Gehängter sind: Aber inwiefern das mit den beiden Zauberern hier zu tun haben könnte, darüber gibt die Synchro leider keinen Aufschluss. Wie bei den Gorillas lässt die Sparsamkeit der Effekte auch hier leider keine allzu spektakulären Zungenspiele zu: Teilweise müssen die Akteure gar mit ihren Händen nachhelfen, um den Eindruck zu erwecken, die Gummilappen seien beweglich. Dass der Held die Zauberer bezwingt, indem er ihre Zungen aneinander knotet, belegt dann aber, dass die Macher durchaus wussten, welches Absurdion sie hier auf die Leinwand zu bringen im Begriff waren. Wer über den Film lacht, ist also mal wieder im Unrecht.

Wie so viele Billigeastern endet auch dieser hier wieder so abrupt, als sei man eben so mit dem letzten Meter Filmrolle ausgekommen. Eine sehr schöne Eigenheit, die man sich für mehr Filme wünscht, die den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpassen oder mit furchtbar „runden“ Abschlüssen nerven, in denen noch der letzte unwichtige Handlungsfaden sauber verknotet wird. Wenig ungewöhnlich auch, dass ich den Todesstoß für den Obermotz verpennt habe. Aber egal, die Gorillas und Zungenmagier habe ich ja voll mitbekommen.

 

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