death warrant (deran sarafian, usa/kanada 1990)

Veröffentlicht: Oktober 20, 2008 in Film
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Der frankokanadische Cop Louis Burke (Jean-Claude Van Damme) empfiehlt sich mit der Überwältigung des Seriemörders Sandman (Patrick Kilpatrick) bei der amerikanischen Polizei für einen Sonderauftrag: Er soll undercover in einen Knast eingeschleust werden, in dem Häftlinge unter mysteriösen Umständen ums Leben kommen. Burke willigt ein und hat in der Folge alle Hände voll zu tun, sich die Schwerverbrecher vom Leib zu halten. Als der Sandman eingeliefert wird, spitzt sich die Situation für Burke dramatisch zu …

Hätte ich nicht ein paar Tage zuvor Fullers SHOCK CORRIDOR gesehen, mir bliebe hier kaum mehr übrig, als darüber zu referieren, wie blöd dieser Van-Damme-Klopper ist. Das Drehbuch von David S. Goyer mag interessante Ansätze bieten, mit denen Sarafian jedoch rein gar nix anzufangen weiß und den Zuschauer über weite Strecken mit einem bierernst vorgetragenen, aber vollkommen belanglosen Plot zu langweilt. Erst am Ende kommt ein bisschen Stimmung auf, wenn es einen Aufstand unter den Gefangenen gibt und die Muscles from Brussels zum Finalkampf gegen den hünenhaften Serienmörder antreten. Im direkten Vergleich mit Fullers Film, in dem ein Journalist in einer Nervenheilanstalt gegen den übergreifenden Wahnsinn ankämpft, mutiert dieser hohle B-Film zur sexualpsychologisch aufgeladenen Posse, in der ein hübscher Jungspund sich die vom jahrelangen Knastaufenthalt geradezu heißgelaufenen Verehrer vom Knackarsch halten muss. Über die kaum noch als latent zu bezeichnende Homophilie des Actionfilms ist an verschiedenen Orten schon geschrieben worden, doch die alberne Freude, mit der diese angeblich revolutionäre Erkenntnis da vorgetragen wird, enttarnt eigentlich nur die Homophobie derer, die solches überrascht beobachten. Natürlich ist der Actionfilm homophil, wie sollte er es anders sein? Wo Männerbünde geschlossen werden und Frauen allerhöchstens Zaungäste sind, da muss die gleichgeschlechtliche Liebe (de)florieren. Auch wenn es in DEATH WARRANT erstaunlicherweise keine obligatorische Duschszene gibt, sind die Konnotationen dieses Knastfilms völlig offenkundig – und deswegen schon kaum noch als Konnotationen zu bezeichnen. Van Damme, geschniegelt und gebügelt und wie frisch aus dem Solarium, trägt seine Karottenjeans bis unter die Brustmuskeln, das eng anliegende Jeanshemd stets ordentlich in die Hose gesteckt. Wenn man ihn demütigen will, wird er nackt ins “Loch” geschmissen – überhaupt dürfte es wenig Actiondarsteller geben, die mehr Nacktszenen als der Belgier aufzuweisen haben – und natürlich haben alle Mitgefangenen nur das Eine im Sinn, auch wenn das nur selten ausgesprochen wird. Wie in SHOCK CORRIDOR wartet draußen die Liebste – in diesem Fall Burkes Kontaktperson, die mauerblümchenhafte Polizistin Amanda (Cynthia Gibb) –, die dann auch die erste Chance ergreift, Burke für sich zu erobern, als sie die Gelegenheit hat. Solchermaßen annektiert muss der Kanadier den Hass der Verschmähten auf sich ziehen. Am Ende kommt er noch einmal ungeschoren davon, weil er sich mit dem Sieg gegen den Sandman (der ihn mit den Worten lockt: “Come to Papa!”) den Respekt der Häftlinge erwirbt. Der “fish” hat seine Überlegenheit demonstriert, als Frischfleisch kommt er nicht mehr in Frage, er ist das Alpha-Männchen, das selbst entscheiden darf. Und so schließt er noch im Gefängnishof seine Amanda in die Arme. Es darf dennoch vermutet werden, dass sich der deutsche Titel MIT STÄHLERNER FAUST nicht auf die folgende Liebesnacht bezieht.

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