the most dangerous game (ernest b. schoedsack/irving pichel, usa 1932)

Veröffentlicht: Juni 4, 2009 in Film
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most_dangerous_game[1]Nach einem Schiffsunglück landet der einzige Überlebende, der berühmte Großwildjäger und Buchautor Bob Rainsford (Joel McCrea), auf einer kleinen Insel, wo er von dem dort lebenden russischen Grafen Zaroff (Leslie Banks) aufgenommen wird. Aber Rainsford ist nicht der einzige Gast des merkwürdigen Grafen: Das Geschwisterpaar Eve (Fay Wray) und Martin Trowbridge (Robert Armstrong) weilt schon länger in dessen Obhut, deren Begleiter sind unter mysteriösen Umständen verschwunden. Zaroff stellt sich bald schon als Psychopath mit Jagdobsession heraus, der sich nicht länger mit Tieren zufrieden gibt: Er jagt Menschen – und Bob und Eve sollen seine nächsten Opfer sein …

Die Produktionsgeschichte von THE MOST DANGEROUS GAME ist fast so berühmt wie der Film selbst: Back-to-back mit KING KONG in dessen Kulissen, einem Teil seiner Besetzung und für ein Bruchteil seines Budgets gedreht, wurde er zu einem veritablen Hit für die darbende RKO und die auf saftige Abenteuerfilme in exotischer Kulisse spezialisierten Globetrotter Schoedsack und Cooper, der hier „nur“ als Produzent fungierte. Aber auch ohne diese kuriose Erfolgsgeschichte ist THE MOST DANGEROUS GAME von einigem Interesse und Einfluss. Nicht nur, dass er als immer noch gültige Blaupause für das alle paar Jahre eine kleine Renaissance erfahrende Sub-Subgenre des Menschenjagdfilms gelten darf, Regisseur Schoedsack und sein Partner Merian C. Cooper führten mit ihrem Film auch eine bis dato unbekannte psychologische Ebene in den Horrrofilm ein und schufen – so Filmhistoriker Bruce Eder auf dem Kommentartrack der Criterion-DVD – einen der ersten Serienmörder des Hollywoodkinos. Tatsächlich legten Schoedsack und Drehbuchautor Creelman (Co-Regisseur Pichel war ausschließlich für die Dialogregie verantwortlich) den Grundstein für die Darstellung von Wahnsinn im Film – die längst nicht immer so glaubwürdig ist wie hier – und schufen viele auch heute noch gängige Inszenierungsstandards: visuelle Hinweise gehen einer sich schließlich in Dialogen immer weiter offenbarende Psychose voraus, Psychopath und Held stehen sich kontrastierend als zwei Seiten einer Medaille gegenüber, sind bis zu einem gewissen Grad miteinander „verwandt“, die Erkenntnis bricht über die Helden in einem Schockmoment herein. Was THE MOST DANGEROUS GAME aus filmtechnischer und dramaturgischer Hinsicht so bemerkenswert macht, ist seine unglaubliche Ökonomie. Der knapp 65 Minuten dauernde Spielfilm – die knapp bemessene Länge war dem geringen Budget geschuldet und machte mehrere radikale Drehbuchkürzungen notwendig – verliert keine Zeit und kennt keinerlei Pausen: Die Exposition dauert gerade einmal fünf Minuten, bereits das erste Zusammentreffen Rainsfords mit Zaroff leitet zielgenau die Menschenjagd in der zweiten Filmhälfte und den dieser folgenden Showdown ein. Die Jagd selbst besteht eigentlich nur aus drei Sequenzen, die jeweils über eine recht beachtliche Spannungsdramaturgie verfügen und die KING KONG-Settings perfekt nutzen. Das Tüpfelchen auf dem i ist die Leistung Leslie Banks‘: Seine halbseitige Gesichtslähmung – von Kameramann Henry Gerrard, der mit vielen visuellen Einfällen glänzt, effektiv ins Bild gerückt – spaltet seinen Charakter auch physisch, ihm gelingt die Gratwanderung zwischen dekadenter Kultiviertheit, sexueller Devianz und augenrollendem Wahnsinn perfekt und fast ohne jedes Overacting.

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