sgt. kabukiman n.y.p.d. (michael herz/lloyd kaufman, usa 1990)

Veröffentlicht: November 23, 2010 in Film
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Sergeant Harry Griswold (Rick Gianasi) gerät beim Besuch eines New Yorker Kabukitheaters in eine wilde Schießerei, bei der auch der Leiter der Kabukitruppe sein Leben lässt. In den letzten Sekunden kann dieser den zur Hilfe eilenden Griswold aber noch mit dem Geist des Kabukiman beatmen, der fortan mit Macht nach außen drängt und Griswold von einer peinlichen Situation in die nächste und schließlich um den Job bringt. Erst als Lotus (Susan Byun), die Tochter des Ermordeten, sich seiner annimmt, lernt er, die Kräfte des Kabukiman zu kontrollieren und zu nutzen und nimmt den Kampf gegen die Mörder auf …

„Inspiriert von Puccinis ,Madama Butterfly'“ heißt es in den Anfangscredits vollmundig, aber als Troma-geschulter Zuschauer ahnt man schon, dass diese Behauptung selbst wieder nur ein Witz ist. Statt einer bitteren Tragödie um eine  kulturelle und soziale Grenzen überschreitenden Liebe gibt es einen Amerikaner im japanischen Superheldenkostüm und es ist wohl dem bei aller anarchischer Energie im Grunde immer eher reaktionär-spießigen Troma-Humor geschuldet, dass traditionelle japanische Männertracht hier kurzerhand als „weibisch“ apostrophiert wird. Aber das hier soll gar kein Verriss werden. SGT. KABUKIMAN N.Y.P.D. vereint alle (streitbaren) Stärken, aber auch alle Schwächen einer Troma-Produktion: Einer herrlich beknackten Grundidee, die mit viel infantilem Verve und absurden Einfällen im Überfluss garniert ist, stehen ein unstrukturiertes Drehbuch und eine wieder einmal jeden Anflug von Nachhaltigkeit negierende Selbstironie gegenüber, die das Vergnügen trüben. Dabei beginnt KABUKIMAN sehr ordentlich, hat gegenüber anderen Troma-Filmen zudem den entscheidenden Vorteil, mit Rick Gianasi einen brauchbaren Hauptdarsteller zur Verfügung zu haben, sodass endlich einmal auch die Identifikation mit der Hautfigur gelingt. Die erste Hälfte gehört tatsächlich zum besten, was Troma zustande gebracht hat: Der Film legt ein hohes Tempo vor, die Gags zünden und sind nicht bloß hysterische Zoten, die zahlreichen Slapstickeinlagen sind gut getimt, es gibt – man höre und staune – tatsächlich Beispiele für gelungenen Wort- und Dialogwitz und das Superheldensujet bietet einen geeigneten Background für die überdrehte Troma-Kunterbuntheit. Ein paarmal habe ich tatsächlich herzhaft gelacht: Szenen wie jene, in der Griswold sich vor seinem cholerischen Vorgesetzten in einem Clownskostüm verantworten muss und alle Versuche, diesen zu beruhigen, nach hinten losgehen, weil ihm dafür nur typische Clowns-Scherzartikel zur Verfügung stehen, sind zwar alles andere als originell oder gar niveauvoll, aber sie sind einfach gut umgesetzt. (Und sie kommen meinem schlichten Gemüt sehr entgegen: Wenn Leute nassgespritzt werden und dann konsterniert dreingucken, gibt es für mich kein Halten mehr.) Letztlich ist SGT. KABUKIMAN N.Y.P.D. aber auch ein Film der leichtfertig vergebenen Chancen. Was hätte man aus der Grundidee, einen Mittelklasse-Amerikaner zum Wirt eines japanischen Geistes zu machen, alles rausholen können? Hier hätten sich einige Möglichkeiten für eine clevere Satire zum kulturellen Clash zwischen den USA und Japan geboten, eben der Anschluss an die zitierte Puccini-Oper, doch Troma ist leider mehr an harmlosen Stäbchen- und Sushiwitzchen interessert. Aber es ist ja nicht so, dass man das nicht schon gewusst hätte, als man die DVD in den Player schob. So bleibt unterm Strich ein Film, der anders als andere Troma-Werke am ehesten mit „normalen“ Filmen konkurrieren kann (mit Ausnahme von CLASS OF NUKE ‚EM HIGH, für mich ohne Frage die Sternstunde von Troma), insgesamt aber über Mittelmaß auch nicht herauskommt. Gerade gegen Ende zieht sich SGT. KABUKIMAN N.Y.P.D. wie ein Kaugummi und statt der opulenten 100 Minuten hätten 80 bis 90 dem Film besser zu Gesicht gestanden. Die Ermüdungserscheinungen, die sich bei mir irgendwann einstellten, haben den zunächst positiven Eindruck jedenfalls wieder etwas nivelliert. Trotzdem: Ein okayer Abschluss unter meine Troma-Retro, die die wichtige Erkenntnis brachte, dass es manchmal besser ist, Dinge in guter Erinnerung zu behalten, anstatt sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

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