secuestrados (miguel ángel vivas, spanien 2010)

Veröffentlicht: März 28, 2011 in Film
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Jaime (Fernando Cayo), seine Frau Marta (Ana Wagener) und die gemeinsame Tochter Isa (Manuela Vellés) sind soeben in ein luxuriöses Haus eingezogen. Als sie noch darüber diskutieren, wie sie den ersten Abend im neuen Heim verbringen wollen, stürmen drei vermummte Gestalten herein und bedrohen die Familie. Als der Chef der Einbrecher (Dritan Biba) mit Jaime zum nächsten Geldautomaten fährt, um sämtliche Konten zu plündern, eskaliert zu Hause die Situation …

Terrorkino as usual. Zum xten Mal bricht in den Alltag einer ganz normalen Familie das Grauen in Form eines ebenso banalen wie rücksichtslosen Bösen ein. Demütigungen und physische Pein wechseln sich ab, dann kippt das Kräfteverhältnis kurzzeitig zugunsten der „Guten“, die nun beweisen dürfen, dass sie genauso gemein sein können wie ihre Gegner, bevor diese dann noch einmal ihre ganze Abgebrühtheit und die Tatsache unter Beweis stellen, dass das Terrorkino kein Happy End kennt – oder es vielmehr nicht kennen will. Die Inszenierung bemüht sich redlich, dem desillusionierenden Geschehen auf der Leinwand mit eisiger Präzision zur Seite zu springen: Mit einem entsprechend drangsalierenden Sounddesign bewaffnet, foltert der Regisseur auch den Zuschauer, zwängt ihn mit den zunächst hilflosen Opfern in das zunehmend beengende Haus, blendet in den wenigen Außenszenen jedes Detail der Umwelt konsequent aus und fokussiert so ganz auf den Überlebenskampf der Akteure, dessen Härten sich in Form von Blut und Tränen auf ihren Gesichtern abzeichnen. Kurze Split-Screen-Sequenzen, in denen sich jeweils eine Hälfte des Bildes den Opfern, die andere den Schurken widmet, sollen wohl die Spannung noch weiter steigern, distanzieren aber tatsächlich eher vom Geschehen, noch bevor diesem das mit seiner Monotonie ganz allein gelingt: Diese technische Finesse mutet  angesichts der Tatsache, dass Vivas jeden erzählerischen Schlenker zugunsten des nackten Affekts über Bord schmeißt, irgendwie albern an. SECUESTRADOS ist nicht schlecht gemacht und gut gespielt, aber dennoch so unkreativ, dass es weh tut – lustigerweise mehr als die zum Ende hin immer ausufernder werdenden Gewaltdarstellungen. Gut möglich, dass ich mit dieser Meinung allein dastehe (tue ich nicht): Rainer Stefan von Rosebud Entertainment, die die Fantasy Filmfest Nights ausrichten, lobte SECUESTRADOS als seinen persönlichen Favoriten und die in den letzten Jahren losgebrochene Flut von ähnlich brutalen No-Nonsense-Gewaltfilmen lässt auch keinen wirklich anderen Schluss zu. Ich hingegen empfinde es  mittlerweile nur noch als billig, wie dem Zuschauer unter dem Deckmäntelchen des Realismus eine Breitseite nach der anderen verpasst wird, ohne dass damit noch irgendein dahinterliegender Zweck verfolgt würde. Vielleicht ist SECUESTRADOS aber nicht nur zynischer, sondern auch reaktionärer Mumpitz: Seine Schurken weist der Film als Albaner aus. Dass ein Regisseur, der sonst so darauf bedacht ist, seinen Film durch den Verzicht auf allzu spezielle Details als allgemeingültig zu markieren, ausgerechnet bei der Herkunft seiner Bösewichter konkret wird, entkräftet diesen Verdacht jedenfalls nicht.

Kommentare
  1. Andres sagt:

    Das hört sich so an als könnte man sich sparen SECUESTRADOS sich anzusehen. Wieso kommen eigentlich immer die Albander so schlecht im Film weg?

    • Oliver sagt:

      SECUESTRADOS ist schon gut gemacht. Ob man ihn letztlich mag, hängt wohl auch davon ab, wie viel „Spaß“ man daran hat, sich 90 Minuten Leid, Qual, Angst und Terror anzusehen, ohne dass man für dieses Durchhaltevermögen am Ende irgendwie belohnt würde. Ich persönlich habe davon mehr und mehr die Nase voll, räume aber ein, dass ich aus diesem Bereich schon deutlich Schlimmeres gesehen habe.

      Deine Albanerfrage kann ich leider auch nicht beantworten, würde aber behaupten, dass fast alle Angehörigen der alten Ostblockstaaten im Film schlecht wegkommen.

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