the party animal (david beaird, kanada 1985)

Veröffentlicht: Juni 7, 2011 in Film
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Pondo Sinatra (Matthew Causey), ein Landei aus Alabama, hat nur eines im Sinn, als er am College ankommt: Sex. Leider hat er weder Charme noch überhaupt eine Ahnung, was Frauen so attraktiv oder interessant finden könnten, und seine offen erkennbare Notgeilheit hilft ihm auch nicht gerade weiter. Alle gut gemeinten Ratschläge seines Freundes Studley (Timothy Carhart) verfehlen ihr Ziel, weil sie vor der tödlichen Kombination aus Pondos naturgegebener Einfalt und seinen dicken Eiern in die Knie gehen müssen. Doch dann erfindet der geplagte Student ein Aphrodisiakum …

THE PARTY ANIMAL ist ein sicherer Kandidat für den Titel der besten Teenie-(Sex-)Komödie schlechthin. Geht es im Kern dieses Subgenres ja sowieso immer nur um das eine, sind die meisten seiner Vertreter doch auch immer wieder darum bemüht, diesen natürlichen Trieb zu kaschieren, zu kontrollieren und dann schließlich in ein gesellschaftsfähiges Gewand zu kleiden, um nicht anzuecken oder gar zu verhindern, dass die Zielgruppe per Jugendschutz vom für sie bestimmten Vergnügen ausgeschlossen wird: Der Held, der sich eigentlich nur die Hörner abstoßen wollte, muss so natürlich immer die Eine kennen lernen, die ihm deutlich macht, dass der wahre Segen in der Monogamie und der Ehe mit 17 zu finden ist. Dave Beaird verzichtet auf solchen verlogenen und biederen Unsinn und geht stattdessen geradewegs ans Eingemachte: Alle im Film gezeigten Frauen sind lüsterne Bimbos, stets bereit, sich freizumachen und die Idee von Liebe und Partnerschaft blüht nicht für eine Sekunde in den Köpfen der Protagonisten auf. In THE PARTY ANIMAL geht es ausschließlich um physische Bedürfnisse und so verschwendet er wirklich keinen einzigen Augenblick an einen Gedanken jenseits des Offenkundigen. Der ganze Film ist von einer solch erfrischenden Direktheit, ja Plumpheit, dass ich ihn dafür fast als subversiv bezeichnen möchte. Auf eine schlüssige Charakterisierung und Dramaturgie wird zugunsten einer rasant-schlüpfrigen Abfolge von kurzen Episödchen verzichtet, die mit der Subtilität und Dezenz zünftiger Herrenwitze aufwarten. Und nach knackigen 75 Minuten ist dann auch schon wieder Feierabend, können sich die voraussichtlich zu 99,9 % männlichen Zuschauer wieder ganz ihrer Gerstenkaltschale widmen oder aber den Film gleich nochmal schauen.

Die lässig herbeikonstruierte narrative Klammer – in kurzen Interviewfetzen verleihen Pondos ehemalige Mitschüler ihrer Verwunderung über dessen plötzliche Prominenz Ausdruck, deren Geschichte dann das Thema des Films ist, der also eine Rückblende darstellt – etabliert einen Rahmen und so etwas wie „Spannung“: Man ahnt, dass da am Ende irgendwas Großes kommt. Doch eigentlich hat man nicht viel Zeit, auf dieses Ende hinzufiebern, weil Beaird seine Zuschauer durch eine Vielzahl schlüpriger Tableaus hetzt, die mit zunehmender Spielzeit immer absurder werden. Das ist für sich genommen schon eine Kunst, weil THE PARTY ANIMAL schon alles andere als zögerlich beginnt. Pondos erste Annäherungsversuche in einem Auto lassen sich nur als versuchtes, aber gescheitertes Date Rape bezeichnen, danach widmet er sich einem poesiebegeisterten Bimbo, zu dessen Eroberung ihm sein Freund Studley als Cyrano-Ersatz dient: In maximal drei Metern Entfernung und also nicht nur in Sicht-, sondern auch deutlicher Hörweite sitzt Studley mit einem Funkgerät im Busch und souffliert schwelgerische Eroberungssprüche, die Pondo über einen riesigen Kopfhörer empfängt, den er ihr gegenüber als „Hörgerät“ bezeichnet. Auf diesem Debilitätsniveau geht’s ohne Pause weiter: Pondo schleicht sich als Frau verkleidet in das Studentinnenwohnheim ein und fordert die allesamt nur in Dessous bekleideten und gerade (wie eigentlich den ganzen Film über) mit Aerobic, Gymnastik oder Yoga beschäftigten Damen zu einer Partie Strip-Poker auf, worauf diese begeistert eingehen, bis er von seinem unkontrollierbaren Ständer enttarnt wird. Der Versuch Studleys, Pondo zum Herrenausstatter „Willinger’s“ zu schicken, auf dass Pondo sein äußeres Erscheinungsbild verbessere, endet im Punkladen „Dillinger’s“, aus dem Pondo mit blauem Iro, Nägeln durch den Kopf, in Sackleinen gehüllt und mit einem Buckel (!) versehen wieder herausstolpert und umgehend von einem mit Fackeln bewehrten Mob durch die Straßen gejagt wird wie einst Frankensteins Monster. Der Ratschlag, Frauen mit Drogen zu ködern, endet mit einer wahren Orgie Pondos, während der er einen ca. pfundschweren Joint raucht, sich die Trips gleich dutzendweise schmeißt, Pillen schluckt wie ein Irrer und schließlich kokst, dass dagegen selbst Tony Montana wie ein Waisenknabe aussieht. Frauen: Fehlanzeige. Einsamer Höhepunkt ist aber Pondos Besuch in einem Sexshop: Nach Betreten wechselt der Film in die Perspektive der Überwachungskamera und also zu Schwarzweiß, bei dem er auch bleibt, wenn er längst wieder zu normalen Close-ups und Schuss/Gegenschuss-Aufnahmen übergeht. (Ich dachte zuerst, mein DVD-Player sei im Eimer.) Es schließt sich ein Non-Sequitur-Dialog zwischen den beiden Angestellten an, die das Prinzip des atomaren Rüstungswettrennens mithilfe von grotesken Gummidildos nachstellen. Eine herrliche Szene, die ganz erheblich dazu beiträgt, dass THE PARTY ANIMAL den Rahmen des dumpfen Klamauks weit hinter sich lässt.

Wie auch schon bei THE RETURN OF CAPTAIN INVINCIBLE muss ich hier schließen, weil eigentlich jede Szene des Films nacherzählenswert ist, ich aber keinesfalls die Motivation meiner Leser, sich den Film selbst anzuschauen, unterwandern will. Die Erwähnung des Vibrators im handlichen Kindersargformat, die Geschichte von Pondos Besuch in einem Schwarzenclub oder die Folgen der Verwechslung seines Aphrodisiakums mit Furzpillen müssen deshalb an dieser Stelle entfallen, nicht jedoch die von einem zerstreuten deutschen Professor gelieferte Übersetzung des Wortes „Aphrodisiakum“, das sich aus dem afrikanischen „Aphro“ = „Big dick“ und dem griechischen „disiac“ = „want it bad“ zusammensetzt. Lehrreich ist THE PARTY ANIMAL also auch und das die Musik von solchen New-Wave- und Punkrockgrößen wie The Buzzcocks, The Fleshtones, R.E.M. und Chelsea stammt, sollte dann auch dem letzten klarmachen, dass dies hier ein Pflichtfilm für junggebliebene Männer mit Hang zum Schrägen ist. Knaller!

Kommentare
  1. Christian Schulze sagt:

    Hätte mir von diesem Film gar nichts erwartet. Aber das Review klingt wirklich interessant.

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