last man standing (joseph merhi, usa 1995)

Veröffentlicht: März 10, 2012 in Film
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Durch Zufall stellen Detective Curt Bellmore (Jeff Wincott) und sein Partner Detective Kane (Jonathan Banks) den gefährlichen Bankräuber Underwood (Jonathan Fuller). Als Bellmore wenig später erfährt, dass angeblich  ein bloß minimaler Geldbetrag beschlagnahmt worden sei, obwohl er die Beute mit eigenen Augen gesehen hat, verdächtigt er sofort Lieutenant Seagrove (Steve Eastin). Sein Verdacht erhärtet sich, als Seagrove bei einer Schießerei erscheint und „aus Versehen“ Bellmores Partner erschießt. Ohne Unterstützung von oben erwarten zu können, nimmt Bellmore den Kampf gegen die Korruption in seinem Revier und den wieder auf freiem Fuß befindlichen Underwood auf. Und der scheint mit dem ganzen LAPD eine gut gehende Geschäftsbeziehung zu unterhalten …

LAST MAN STANDING dürfte eine der Meisterleistungen aus dem Hause PM Entertainment sein: Im Minutentakt werden hier fette Explosionen gezündet, teure Autos zu Klump gefahren und Menschen erschossen, die Story, die sich nicht lang mit lästigen Details oder leisen Tönen aufhält, ist erfolgreich dabei, auch rein expositorische Dialoge noch wie Actionsequenzen erscheinen zu lassen. Wer Spaß daran hat, kilometerbreite Plotholes zu erspähen, der wird hier glücklich werden: Warum Underwood auf Kaution freigelassen wird, obwohl es bei seiner Festnahme gleich mehrere Tote gab, warum Seagrove nach der Erschießung seines Kollegen völlig straffrei ausgeht, während Bellmore eine Suspendierung erfährt, weil er seine Waffe abgelegt hatte, das ist auch dann nicht nachvollziehbar, wenn man annimmt, dass alle Beamten auf dem Gehaltszettel des Verbrechers stehen. Aber es ist egal, weil Merhi ein kompaktes Pfund Affektkino ohne jedes Gramm Fett dran abliefert: LAST MAN STANDING ist pure muscle. Und Logik ist was für Beamte.

Bevor es hier Missverständnisse gibt: LAST MAN STANDING ist durchaus adäquat und mit einigem Geschick erzählt. Veteran Jonathan Banks liefert eine exzellente Vorstellung in der undankbaren Partnerrolle ab und hat so neben Merhis erstaunlich sensibler Regie (er bleibt mit der Kamera draußen, als Bellmore Banks‘ Mutter aufsucht, um ihr die Nachricht vom Tod ihres Sohnes zu überbringen) einigen Anteil daran, dass die dramatischen Szenen um seine Erschießung emotionalen Nachhall entwickeln. Die meist als bloßes Alibi herhaltende oder für typische Klischeeprobleme sorgende Ehe des Helden erfährt hier eine originelle und willkommene Umdeutung Richtung BONNIE & CLYDE und ein kleiner selbstreflexiver Moment – Bellmore und Gattin lauschen einer Radiodiskussion über „Gewalt im Fernsehen“ – öffnet den Film plötzlich wie eine unerwartet sonnige Lichtung. Und Robert LaSardo, der Go-to-Guy, wenn es gilt, tätowierte Latinos mit Ganghintergrund zu besetzen, seitdem Danny Trejo zu seiner eigenen Marke geworden ist, wertet den Film auch nicht gerade wenig auf.

Bleibt unterm Strich ein exzellenter Vetreter des DTV-Actionfilms, den PM Entertainment mitte der Neunziger mit wissenschaftlicher Präzision beackerten. Man muss sich an die klinisch-sterile Atmosphäre ihrer Filme gewöhnen, die immer etwas aussehen, als seien sie in einem unbewohnten Gewerbegebiet gedreht worden, aber wenn man diese kleine Hürde genommen hat, dann steht einer glücklichen Liebesbeziehung nichts mehr im Weg.

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