14. hofbauer-kongress: take her by surprise (rudi dorn, kanada 1967)

Veröffentlicht: Januar 8, 2015 in Film
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hk148Der Übergang vom farbigen, eleganten, schönen und stilsicheren COME, QUANDO, PERCHÉ zur räudig-niederträchtigen Schwarzweiß-Pulpschleuder TAKE HER BY SURPRISE kann nur mit Wechselduschen adäquat verglichen werden (oder mit einem Menü, bei dem auf ein raffiniert gewürztes, leichtes Sommer-Süppchen eine Hausmacher-Schlachtplatte mit Blutwurst und Sauerkraut folgt). Eben noch das differenzierte Psychogramm einer Ehefrau, die sich zwischen Gatte und Liebhaber entscheiden muss, jetzt diese mit schnellem Bargeld im Hinterkopf, dem pulsierenden Glied in der Hand und der intellektuellen Kapazität eines pubertierenden Vierzehnjährigen hingerotzte Groschenheft-Story. Es geht um den Geschäftsmann/Drogenhändler Walter Dorland (Paul Negri), dessen Gattin Margaret (Joan Armstrong) ihm droht, ihn bei der Polizei zu verraten. Um sie sich vom Hals zu schaffen, sucht er den Hypnotiseur Korba (Peter Adamson) auf und bringt ihn dazu, den soeben aus der Haft entlassenen (und sofort bei seiner Bewährungshelferin rückfällig gewordenen) Serienvergewaltiger Miklos (Noel Beckett) unter Therapievorwand so zu hypnotisieren, dass er alles tut, was Dorland will. Der Plan funktioniert, also setzt Dorland den armen Triebtäter auf die allein im „Landhaus“ Dorlands – einer tristen Blockhütte im Wald – ihr Wochenende genießende Ehefrau an. Doch die ist mindestens ebenso wehrhaft, wie Miklos als Killer imkompetent ist.

Meine Liebe für solch ultrabillig runtergekurbelten Schlock habe ich zuletzt bei Joe Sarnos THE LOVE REBELLION  bekundet, TAKE HER BY SURPRISE ist noch einmal eine ganze ecke schäbiger. Regisseur Dorn trat nach diesem Film nur noch bei vier Serienepisoden in Erscheinung und auch seine Hauptdarsteller, fast allesamt Debütanten, beendeten ihren kurzen Ausflug ins Filmgeschäft anschließend sofort wieder, sicherlich eher aus Ernüchterung, denn aus dem Wunsch heraus, auf dem Höhepunkt aufzuhören. Dafür machen sie ihre Sache aber ganz ordentlich: Paul Negri gibt den skrupellosen Verbrecher und Manipulator mit Verve, Joan Armstrong zieht als tapferes Eheweib die Sympathien auf ihre Seite und Noel Beckett verleiht dem Sexverbrecher mit dem mehrseitigen Strafregister ein trauriges Gesicht. Wenn er im ausgedehnten Finale der armen Margaret hinterherjagt und sich dabei rührend ungeschickt anstellt, fühlt man sich ein wenig an Boris Karloffs Monster erinnert. Der zweifelhafte Clou von TAKE HER BY SURPRISE ist das Drehbuch, das neben der haarsträubend idiotischen Prämisse eine besondere Unfähigkeit an den Tag legt, die Probleme zu lösen, die der Plot aufwirft. Anstatt sich irgendeinen Grund dafür einfallen zu lassen, warum es Miklos nicht gelingt, Margaret zu überwältigen, lässt Dorn ihn stattdessen einfach wie einen kurzsichtigen Gorilla auf Valium agieren, immer wieder an seinem Opfer vorbei ins Leere stürzen und sich schlicht und ergreifend beharrlich weigern, seine Pistole zu benutzen, selbst wenn er nur drei Meter von der Frau entfernt ist. Wesentlich besser ist der Film darin, seine drei Frauenfiguren – neben der Gattin und der mit naiv noch freundlich beschriebenen Bewährungshelferin tritt noch Dorlands atombusige Sekretärin Carla in Erscheinung – darzubieten wie Lachsschnittchen auf dem Silvesterbüffet, und sie auf Dialogebene entsprechend herablassend zu behandeln. Der Befehlston, mit dem die Männer in diesen Filmen Frauen herumkommandieren, und die Selbstverständlichkeit, mit der sie auf diesen Ton reagieren, als bräuchten sie einen Kerl, der ihnen sagt wo es langgeht, ist immer ein besonderer Quell der Freude. Das mutet heute an wie aus einem anderen Universum (nicht, dass es nicht immer noch sexistische Machoärsche gäbe). TAKE HER BY SURPRISE vermag keinen wirklich nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, dafür ist er dann doch zu sehr Billigprodukt, aber für die Dauer von 80 Minuten kommen Freunde gepflegten Schunds voll und ganz auf ihre Kosten. Ein schönes Schnäpperken für Zwischendurch eben.

 

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