el orfanato (j. a. bayona, spanien/mexiko 2007)

Veröffentlicht: Dezember 15, 2016 in Film
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10287_i_affiche20orfanatoWahrscheinlich hätte ich EL ORFANATO damals sehen sollen. Guillermo del Toro war nach einer ganzen Reihe von tollen Filmen so etwas wie der Hoffnungsträger für ein märchenhaftes, erwachsenes, aber nicht zynisches, im Gegenteil eher melancholisches Genrekino, und Spanien ein Fels in europäischer Brandung, auf dem immer wieder originelle Horrorfilme gediehen. EL ORFANATO kam kurz nach del Toros EL LABERINTO DEL FAUNO in die Kinos und profitierte ganz erheblich vom Namen des mit 42 Jahren auch nicht mehr ganz so jungen Wunderkinds. Man hörte eigentlich nur Gutes über das von del Toro produzierte Regiedebüt J. A. Bayonas, und ich weiß gar nicht mehr, warum es nie zu einer Sichtung kam. Ein paar mal hielt ich bei meinen Ausflügen nach Holland die DVD in der Hand, schon bereit zu Kauf, bevor mir dann einfiel, dass spanische Filme mit niederländischen Untertiteln nicht so das Gelbe vom Ei sind. Und irgendwann geriet EL ORFANATO in Vergessenheit.

Die nach fast zehn Jahren nachgeholte Sichtung war nun nicht unbedingt ernüchternd, aber doch etwas enttäuschend, weil ich deutlich mehr erwartet hatte. Ich will das gar nicht unbedingt dem Film ankreiden, denn ich fürchte, dass sich mein Geschmack in den letzten Jahren einfach in eine Richtung entwickelt hat, die EL ORFANATO diametral entgegengesetzt ist. Bayonas Debüt ist gediegenes Erzählkino, das mich mittlerweile eher langweilt oder – um es etwas freundlicher zu formulieren – kalt lässt. Unheimlich fand ich den Film überhaupt nicht, viel eher reichlich vorhersehbar, immer den Konventionen des Geisterfilms verpflichtet und daher viel zu leer und formelhaft, um richtig zu packen. Diese Mysteryfilme um Kinder, die irgendwelche Geister sehen, und ihre Eltern, die dem Verhalten der Bälger erst belustigt, dann immer ratloser gegenüberstehen, bevor sie schließlich erkennen müssen, dass die Welt weniger geordnet ist, als sie das angenommen haben, verlaufen immer nach dem gleichen Schema und so hatte EL ORFANATO mich eigentlich schon nach zehn Minuten verloren. Ja, das Schicksal des kleinen Simón ist tragisch und verfehlt seine Wirkung nicht, aber irgendwie wirkt das auch immer etwas kalkuliert: Wen würde der sinnlose Tod eines Kindes nicht mitnehmen?

Auf dem Weg zu diesem Finale gibt es leider keine einzige Überraschung oder auch nur einen wirklich spannende Szene, dafür etabliert Bayona eine heilige Ergriffenheit, die mich schon ein wenig genervt hat. Da wird ständig Bedeutungsschwere und Emotionalität vorgespielt – und ich glaube auch, dass Bayona das alles ernst meinte – und Hauptdarstellerin Belén Rueda hat vor lauter Leid tiefe Ringe unter den Augen, der Score schwelgt in Dramatik und Trauer, aber wenn davon einfach nichts bei einem ankommt, fühlt man sich unangenehm bevormundet. To make a long story short: EL ORFANATO hat bei mir einfach nicht funktioniert. So ist das manchmal.

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