horror house on highway five (richard casey, usa 1985)

Veröffentlicht: Oktober 27, 2017 in Film
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Selbst ein so gut erschlossenes Genre wie der US-amerikanische Slasherfilm birgt immer noch Geheimnisse. Von HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE hatte ich noch nie zuvor gehört – trotz obsessiver Horrorlexika-Lektüre -, jetzt ist der bizarre kleine Film in den USA gar auf Blu-ray erschienen. Ein echter Liebesdienst, denn ich glaube kaum, das irgendjemand mit bebender Brust auf dieses Teil gewartet hat. Nur ganz knapp oberhalb des Amateurfilms angesiedelt, erinnert Caseys Debüt (er wirkte als Editor beim tollen 3:15 mit) aber weniger an den Billigschund aus jenen Tagen, sondern eher an die Filme solcher Leute wie Ted V. Mikels oder Al Adamson, die ihre Zuschauer mit irrsinnigem Stuss bei Laune hielten, wenn es mit dem storytelling und dem Spannungsaufbau mal wieder nicht klappte. HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE ist eigentlich eine lupenreine Komödie, aber dabei so far out, dass er schon fast wieder als verstörend durchgeht. Zumindest ist er in seiner seltsamen Mischung absolut originell. Das ist ja schon mal was.

Eine Gruppe von Studenten (der Dozent ist genauso alt wie sie) soll sich in einem kleinen Kaff nach dem ehemaligen deutschen Wissenschaftler Frederick Bartholomew erkundigen, der erst eine V2-Rakkete entwickelte, dann seine ganze Familie abschlachtete. Eine der Studentinnen fällt bei der Recherche einem durchgeknallten Brüderpaar in die Hände, das vorgibt, Nachfahren des Wissenschaftlers zu sein und die junge Frau festhält, um sie in einem bizarren Ritual zu opfern. Gleichzeitig läuft ein verrückter Killer mit Nixon-Maske herum …

Die besten Szenen des Films sind eigentlich die witzigen: Als der schwachsinnigere der beiden Brüder die Frau zurückholen soll, schnappt er stattdessen eine andere von der Straße weg. Sein Bruder maßregelt ihn und zwingt ihn, die Betäubte wieder loszuwerden. Das tut der, indem er sie einfach an einer Bushaltestelle ablädt. Der Killer geht später tatsächlich mit einem Handbohrer (siehe Bild) auf seine Opfer los, den er bedrohlich in seiner Hand dreht und die Fliehenden damit zum Kreischen bringt. Und ein weiterer Student fällt so unglücklich, dass er sich eine Harke in den Kopf rammt: Diese macht ihn zwar zum Zombie, aber immerhin lebt er noch ein bisschen, bis ihm eine Kommilitonin das Gartenwerkzeug gegen seinen Willen aus dem Kopf zieht. Seine letzten Worte: „Don’t pull the rake!“

Die hervorstechendste Qualität von HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE ist ganz gewiss, dass man nie weiß, was einen als nächstes erwartet. So bescheuert und billig der Film auch ist – vor allem im Schnitt kommt zum Vorschein, dass da keine Ahnungslosen am Werk waren -, so eigenständig ist er auch. Wir haben es nicht mit einer bislang unentdeckten Perle zu tun, aber ich freue mich immer wieder, wenn ich bei meinen mittlerweile doch etwas anstrengenden Wanderungen durch den immer muffiger stinkenden Slashertümpel über solche Filme stolpere, die sich nicht bereits nach fünf Minuten völlig offenbaren. Freunde des Bizarren sollten Caseys Film eine Chance geben.

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