14. hofbauer-kongress: intime liebschaften (hans billian, deutschland 1980)

Veröffentlicht: Januar 7, 2015 in Film
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10426273_742635962485528_839337234016154227_nSexuelle Entgleisungen in entgleisten Interieurs: So könnte man Hans Billians INTIME LIEBSCHAFTEN beschreiben, die Softcore-Variante eines Pornos namens INTIMES LUSTGEFLÜSTER. Was dann lediglich unterschlüge, dass die Menschen, die da in schaurig eingerichteten Häusern rumficken, als hätten sie keine oder aber eine ziemlich miserable Kinderstube genossen, ebenfalls ziemlich suboptimal aussehen. Vor allem die Männer, mit ihrer sich über Rücken und Haupt bis ins Gesicht fortgepflanzten Schambehaarung, dem vulgären Haifischgrinsen und dem syphilitischen Brunftgrunzen, stellen der Menschheit kein allzu gutes Zeugnis aus. Man muss ihnen allerdings fairerweise zugutehalten, dass es ihnen die Frauen verdammt leicht machen.

Der bumsende Irrsinn beginnt im Haus eines wohlhabenden Verlegers (Bruhargh!), der seine Freunde zu feuchtfröhlichen Orgien einzuladen pflegt, bei denen sie sich an seiner Gattin abreagieren dürfen, die er in einem desillusionierenden Amüsierschuppen aufgetan hat (später mehr dazu). Sie braucht das halt. Auch sonst ist ihm am Wohl seiner Mitmenschen gelegen und er scheut zu diesem Behufe weder Kosten noch Mühen: Bevor die eigene Gattin von seinen Gästen reihum in die Horizontale gebracht wird, karrt er zwei Sarkophage an, die ein altägyptisches Liebespaar beherbergen, das nach der gemeinsamen Enthüllung zu frivolem Leben erwacht und sein vor dreieinhalbtausend Jahren jäh unterbrochenes Liebesleben zur Begeisterung der Anwesenden wieder aufnimmt. (Die Erklärung, dass es sich bei den Mumien nur um vom Verleger engagierte Schauspieler handeln sollte, habe ich verpasst, war aber sehr erleichtert, als man mich später darüber aufklärte.) Allzu große Dankbarkeit erntet der Wohltäter für seine Freigiebigkeit aber nicht: Nach vollzogenem Erguss packen die Herren ihre Klamotten und begeben sich eilends nach Hause, wo dann die Gattinnen beglückt werden sollen, die überwiegend zum Zuschauen verdammt waren, denen das aber sehr gut gefiel. Nur der schönen Silvia ist die Lust vergangen, fand sie das Spektakel doch eher ekelhaft, und so verweigert sich ihrem Gatten. Der lässt sich indes nicht lumpen, ruft seine willige Kollegin herbei, die sich so benimmt, als bliebe ihr keine Wahl, fesselt die Ehefrau an einen Stuhl und liefert ihr dann eine weitere Darbietung. Und dann ist da natürlich der andere Verleger des Films, verkörpert vom smarten Peter Bond, der später Maren Gilzer am Glücksrad drehen ließ: Auch er bleibt bei der Orgie auf Distanz, hat sich aber in die biegsame Frau mit den enormen Nehmerqualitäten verguckt, die er aus ihrer Gefangenschaft befreien will. In seinem Büro berichtet sie ihm, wie sie sich einst vor alten zahnlosen Weltkriegsveteranen („Wir sind harmlose Lustmolche!“) auszog und gegen die schmale Gebühr von fünf Mark befummeln ließ. Der Film kommt hier zu seinem geschmackvollsten Dialog: „Boah, bist du aber eng!“ – „Ja, weiter geht’s nicht, danach kommt der Mageneingang.“, der innere Tiefen andeutet, wo die geistige Transzendenz schmerzlich fehlt.Ein weiterer Plotstrang dreht sich um ein junges Mädchen, das sich Sex mit einem Perversen erhofft, auf eine Anzeige in einer Wochenend-Ausgabe antwortet und so bei einem Sadisten landet, der sich allerdings lieber an der mitgekommenen Freundin vergreift und diese auf einem Glastisch durchorgelt, während sie zum Zugucken verdammt darunter liegt. Eine Erpressungsgeschichte gibt es auch noch, bevor der Film beim Finale in einem privaten Swingerclub seinem Ende entgegenejakuliert. Da schlief ich aber bereits den Schlaf der Gerechten, hinweggerafft von zwei vollen Tagen Kongressprogramm, Schlafentzug und Billians Kunst, äußerste Niedertracht als großen Spaß oder umgekehrt erscheinen zu lassen. Man muss für INTIME LIEBSCHAFTEN durchaus eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen, auch wenn er dank Billians ausgezeichnetem Timing nie zur quälenden Tortur wird. Wenn man will, gibt es tatsächlich irrsinnig viel zu entdecken, von potthässlichen oder auch nur rätselhaften Requisiten bis hin zu protzigem Villen-Interieur, das wahrscheinlich nach einer Mischung aus Polyboy, altem, erkalteten Zigarettenrauch und Kölnisch Wasser riecht. (Ob Billian selbst in einem dieser Mausoleen des Zierrats gelebt hat?) Auf dem Weg zum Glück muss man nur an diesen hässlichen Typen vorbeischauen und die verbalen Tiefschläge überhören, die in einer Tour abgefeuert werden, als sollten nur die Tapfersten zum Ziel vordringen. Ein Vorbild nimmt man dabei sich am besten an der nymphomanen Protagonistin, die die von zahnlosen Gichtkranken auf sie geworfenen Heiermänner begierig aufklaubt wie kostbare Perlen und sich in dem ranzigen Kellerloch, in dem sie auftritt, bewegt wie auf der Bühne des Moulin Rouge. Film wird nicht umsonst als make believe beschrieben. Und es gibt definitiv schlechtere (Des-)Illusionisten als Billian. Ich hätte mir bei dem ganzen Trockengerammel nur gewünscht, dass irgendwann mal ordentlich abgespritzt wird. Vergebens. Verzicht ist eine Softcore-Fassung.

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