blastfighter (lamberto bava, italien 1984)

Veröffentlicht: März 1, 2015 in Film
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Zu VHS-Zeiten war es unumgänglich, dass man sich manchen Film in fremder Sprache und ohne die heute nicht mehr wegzudenkenden Untertitel ansah. Ich vermisse diese Begleiterscheinung nicht unbedingt, bemerke aber, dass man vom heutigen DVD- und Blu-ray-Angebot, das manch einstige Obskurität in edelster Bild- und Tonqualität, versehen mit zig Tonspuren und mal mehr mal weniger sorgfältig verfassten Untertiteln bereithält, ziemlich verwöhnt ist. Nahm man damals auch mal ein beschnittenes Bild in Kauf, um einen begehrten Film endlich sehen zu können, gibt man sich mit so was heute in der Regel gar nicht mehr ab. Wieso ich darauf komme? Beim Kauf meiner schwedischen BLASTFIGHTER-DVD habe ich mich vom Cover, das englischen Ton verspricht, täuschen lassen. Tatsächlich ist er in der italienischen Fassung enthalten und die zuschaltbaren schwedischen, dänischen, norwegischen und finnischen Untertitel schaffen leider keine Abhilfe. Weil ich heute, Jahre nachdem ich den Fehlkauf verärgert ins Regal geschoben hatte, aber plötzlich große Lust auf den Film verspürte, habe ich mir BLASTFIGHTER trotzdem angeschaut. Und siehe da: Es ging auch so.

Es hilft sicherlich, dass er nicht die komplexeste Geschichte erzählt: BLASTFIGHTER ist eines von wahrscheinlich Dutzenden von Rip-offs, die der Sensationserfolg von FIRST BLOOD in den frühen Achtzigerjahren nach sich zog. Michael Sopkiw ist Jake „Tiger“ Shark, ein Ex-Cop, der nach einem Selbstjustizmord eine achtjährige Gefängnisstrafe abgesessen hat. Um einen Neuanfang zu wagen, begibt er sich in seine alte Heimat im ländlichen Georgia, wo er aber schon nach kurzer Zeit mit einer Bande von Wilddieben aneinander gerät, die unter der Leitung seines alten Freundes Tom (George Eastman) agieren. Wie er herausfindet verkaufen die Wilderer ihre Beute an einen chinesischen Geschäftsmann, der Medizin daraus herstellt. Die Situation eskaliert, als Tigers Tochter Connie (Valentina Forte), ihr Freund Pete (Michele Soavi) und ein alter Kumpel auftauchen und den Schurken zum Opfer fallen. Tiger startet einen gnadenlosen Rachefeldzug …

Details der Handlung musste ich nachträglich nachlesen, aber im Grunde ist es für den Genuss des Films ziemlich schnurz, aus welcher Motivation heraus die Wilddiebe handeln und wer genau die Freunde sind, die sich um TIger scharen. Das Wichtigste erschließt sich durch bloßes Hinsehen und die Tatsache, dass BLASTFIGHTER reines Genrekino ist, das einer längst etablierten Blaupause folgt. Genau das ist es ja auch, was Spaß macht an Bavas Film: Manchmal möchte man einfach, dass die eigenen Erwartungen erfüllt werden. Schon beim ersten Aufeinandertreffen von Tiger und den Wilderern weiß man, dass sie keine Freunde, sondern erbitterte Rivalen werden, dass man sich auf eine langsam Fahrt aufnehmende, dann schließlich überschlagende Eskalation einstellen kann, an deren Ende die Superwumme mit der Spezialmunition zum Einsatz kommen wird, die Tigers Freund ihm zu Beginn in die Hand drückt. (Man kann sich kein besseres Geschenk für einen aus der Haft entlassenen Mörder vorstellen.) Und so kommt es dann auch: Die Geduld, die der Zuschauer bis zum Finale aufgebracht hat, wird mit einem beachtlichen Body Count, vielen, vielen Explosionen und hitzigen Feuerstunts entlohnt, und wenn dann schließlich die Finalcredits laufen, weiß man wieder, dass es niemals besseres Actionkino gab als in den seligen Achtzigerjahren. BLASTFIGHTER weiß mit schönen Bildern der tiefen Wälder Georgias zu punkten, hat einen tollen Synthiescore von Fabio Frizzi (sowid einen von den Gibbs geschriebenen Countrysong) und mit Michael Sopkiw einen echten Antischauspieler in der Hauptrolle, dessen ans Komatöse grenzende Lethargie genau richtig ist für den verhinderten Amokläufer.

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