le couteau sous la gorge (claude mulot, frankreich 1986)

Veröffentlicht: Februar 28, 2016 in Film
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coutgorEin Fotomodell, das sich jeden Abend mit zerrissenen Kleidern in die Polizeistation flüchtet, um eine Vergewaltigung zu melden, aber von den zuständigen Beamten nur noch ausgelacht wird. Eine „Agentur“, die ihre beiden Models in höchst fragwürdige Shootings – etwa nachts auf dem Friedhof – verwickelt. Obszöne Anrufe, eine Reihe blutiger Morde, ein offensichtlich psychopathischer Killer, ein klobiges Mietshaus, das von einem Swimmingpool-artigen Teich umgeben ist, ein stets am Rande des Nervenzusammenbruchs agierender Ex-Freund. Das sind die Zutaten von Claude Mulots noch nicht einmal 80 Minuten langem Thriller, den vom typisch italienischen Giallo einzig die typisch französische Unterkühltheit unterscheidet.

Schwelgt die Thriller-Spielart vom Stiefel in Pop-Art-Exzessen, verzeichnet sie die sexuellen Neurosen ihrer Protagonisten zu escheresken Kathedralen des Kink, genießt sie es, den Zuschauer in den mit großer Spielfreude und viel Humor konstruierten Handlungslabyrinthen hoffnungslos stranden zu lassen, erinnert sie mithin an den Blick durch ein buntes Kaleidoskop, hat LE COUTEAU SOUS LA GORGE (zu Deutsch: Das Messer an der Kehle) mit seinen trostlosen Bildern urbaner Dunkelheit, fleischlicher Niedertracht, seelischer Hoffnungslosigkeit und hämmernder Brutalität eher Ähnlichkeit mit der opaken Oberfläche schwarzen Glases. Am deutlichsten wird der Unterschied, wenn man dem Soundtrack lauscht, das stählerne Pochen und pulsierende Wabern von Alain Guélis‘ quasi-industriellem Score den heißlaufenden Beat-Eskapaden seiner südeuropäischen Kollegen gegenüberstellt. Die Angst der Mythomanin Catherine (Florence Guérin) hat hier nichts Ornamentales, die Abgezocktheit der Agentin Valérie (Brigitte Lahaie) und ihres stets besoffenen, klumpfüßigen Fotografen J.B. (Jean-Pierre Maurin) nichts Belustigendes, die Morde wirken nicht wie Übungen in Performance-Kunst: Nein, Claude Mulot hat durchaus Thrill und Terror im Sinn. Stilistisch ist er auf dem richtigen Weg, aber für echte Durchschlagskraft ist seine Mordmär dann leider doch etwas zu flüchtig und schematisch. Trotzdem eine durchaus sehenswerte Kuriosität.

Mulot, Regiseur und Drehbuchautor war überwiegend im Pornofilm unterwegs, oft unter dem Namen „Frédéric Lansac“, versuchte sich aber auch an Horrorfilmen (LA ROSE ÈCORCHÈE, zu Deutsch: DAS BLUTIGE SCHLOSS DER LEBENDEN LEICHEN), Komödien (C’EST JEUNE ET CA SAIT TOUT!, zu Deutsch: DIE JUGEND WEISS EBEN ALLES), Krimis (LE SAIGNÉE) oder Dramen (BLACK VENUS). LE COUTEAU SOUS LA GORGE war sein letzter Film. Ein Jahr später ertrank er im Alter von nur 44 Jahren in St. Tropez, wo Max Pécas sein Drehbuch zu ON SE CALME ET ON BOIT FRAIS À SAINT-TROPEZ verfilmte.

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