bad dreams (andrew fleming, usa 1988)

Veröffentlicht: Mai 26, 2016 in Film
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baddreams_posterBAD DREAMS ist einer von zwei Filmen, über die ich mich mit Patrick Lohmeier für seinen Bahnhofskino-Podcast unterhalten habe, der nächste Woche am Freitag, 03. Juni, online geht. Weil ich dem Gespräch nicht allzu sehr vorgreifen möchte, halte ich mich an dieser Stelle etwas zurück und hoffe, dass ihr am kommenden Freitag alle einschaltet.

BAD DREAMS erschien 1988, es handelte sich um eine relative große Produktion der Fox, für die niemand Geringeres als Gale Ann Hurd verantwortlich zeichnete, und die auch in Deutschland einen Kinostart erhielt. Der vom damals gerade einmal 23 Jahre alten Debütanten Andrew Fleming inszenierte Horrorfilm ist ein relativ typisches Kind seiner Zeit und vielleicht auch deshalb etwas in Vergessenheit geraten. Er ist zwar überdurchschnittlich sauber gestaltet und gespielt, ungewöhnlich erwachsen (keine nervenden Teenies) und nimmt auch eine durchaus originelle Storywendung, aber auf dem Weg dahin integriert er Versatzstücke aus so ziemlich jedem damals erfolgreichen Genrefilm. Die augenfälligste Vergleichsgröße entbirgt sich schon im nur mäßig einfallsreichen Titel: Unter bösen Träumen litten zur selben Zeit zahlreiche Teenager sehr prominent auf der Elm Street und gerade an den zum Zeitpunkt der Entstehung von BAD DREAMS aktuellen dritten Teil der Reihe, A NIGHTMARE ON ELM STREET 3: THE DREAM WARRIORS, erinnert Flemings Film massiv. Wie dort spielt sich ein Großteil der Handlung in einer psychiatrischen Anstalt und den dort abgehaltenen Gesprächsrunden einer Therapiegruppe ab, deren Mitglieder anscheinend einem untoten – und verbrannten – Bösewicht zum Opfer fallen, der auch die Träume der nach 13 Jahren aus dem Koma erwachten Cynthia (Jennifer Rubin) bevölkert. Dass die Protagonistin in einer ganz ähnlichen Rolle schon im genannten Vorbild zu sehen war, war wahrscheinlich die Parallele, die den Goodwill der Kritiker überstrapazierte. BAD DREAMS wird vielerorts als bloßes NIGHTMARE-Rip-off gehandelt; ein Vorwurf, der wie gezeigt nicht aus dem Nichts kommt, aber eben auch verkennt, dass Steven E. de Souzas Drehbuch einige interessante Volten schlägt.

Bis zum unerwarteten Twist kann man sich an der gediegenen Optik, der Darbietung des geliebten Schurkendarstellers Richard Lynch oder einigen blutigen Effekten erfreuen (die deutsche Fassung war/ist geschnitten) sowie die vielen bekannten Motive enttarnen. Die Sektenbackstory erinnert sowohl an die Manson-Family, der auch einige entsprechende Sixties-Songs auf dem Soundtrack Rechnung tragen, als auch an den Massenselbstmord der Mitglieder des Peoples Temple um den Sektenführer Jim Jones im Jahr 1978. Bruce Abbott ist seit RE-ANIMATOR vom Chirurgen zum Psychologen aufgestiegen, eine Szene in einem Luftschacht hat de Souza zur gleichen Zeit auch in DIE HARD untergebracht, das Zombie-Make-up von Lynch – der nach Cohens GOD TOLD ME TO zum zweiten Mal einen Sektenführer spielt – konnte man so ähnlich auch in Tony Randels HELLBOUND: HELLRAISER II bewundern, der darüber hinaus ja auch in einer „Irrenanstalt“ spielte, in der ein Oberarzt finstere Pläne verfolgte. Ein Amoklauf wird zu Sid Vicious‘ Version von Sinatras „My Way“ choreografiert, der Abschlusssong ist Guns N‘ Roses Superhit „Sweet Child O‘ Mine“. Die volle Achtzigerdröhnung also, die einen kleinen Ausflug lohnt, wenn man seine Erwartungen etwas im Zaum hält. Mehr nächste Woche.

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