mannequin (michael gottlieb, usa 1987)

Veröffentlicht: September 18, 2016 in Film
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mannequin-1986MANNEQUIN ist eine der unzähligen Teenie-RomComs seines Jahrzehnts und mit Andrew McCarthy und James Spader mit zwei wichtigen Jungakteuren des damals florierenden Subgenres besetzt. Die beiden waren sich zuvor schon in PRETTY IN PINK begegnet und gehörten zum erweiterten Kreis des erfolgreichen sogenannten Brat Packs. Beide sind hier in für sie typischen Rollen zu sehen: McCarthy als der sympathische Träumer, Spader als schmieriger Yuppie, allerdings in einer deutlich spießigeren Variante. Handlungstechnisch haben wir es mit fast schon prototypisch zu nennendem Eighties-Stoff zu tun: Es geht darum, sich seine Individualität in einer Welt zu bewahren, in der der schnöde Mammon alles regiert. MANNEQUIN ist ein modernes Märchen, hoffnungslos romantisch und naiv, ästhetisch mit seinem Mode-Overkill, Pastellfarben und Spiegelflächen ganz in seiner Zeit gefangen, ein heftiger Trip, wenn man ihn sich heute ansieht.

Andrew McCarthy spielt Jonathan Switcher, einen Bildhauer, der vergeblich versucht, seine künstlerischen Ambitionen mit den traurigen Anforderungen des Arbeitsmarktes in Einklang zu bringen: Seinen Job als Hersteller von Schaufensterpuppen verliert er, weil er einfach zu lange für eine Figur braucht. Dafür ist ihm seine neueste Schöpfung so gut gelungen, dass er selbst ganz hin und weg von ihr ist. Als sie plötzlich zum Leben erwacht – aus ungenanntem Grund ist sie vom Geist einer ägyptischen Prinzessin (Kim Cattrall) beseelt -, verliebt er sich nicht nur in sie, die freigesetzten Gefühle begünstigen einen kreativen Höhenflug, die die von ihm dekorierten Schaufenster zu einer Sensation machen und dem darbenden Kaufhaus von Claire Timkin (Estelle Getty) neue Umsatzrekorde verschaffen. Seine karrieregeile Ex Roxie (Carole Davis) will ihn daraufhin zum Konkurrenzunternehmen des fiesen B. J. Wert (Steve Vinovich) locken, der wiederum das Timkin-Kaufhaus mithilfe des verräterischen Richards (James Spader) in seinen Besitz bringen möchte …

MANNEQUIN macht fast alles richtig: Er verschwendet keine Energie und Zeit darauf, seine fantastische Prämisse irgendwie herzuleiten, er hat mit Andrew McCarthy einen sympathischen Hauptdarsteller, dem man die Daumen drückt, eine mit turbulenten Verwicklungen und sexuellen Anspielungen gespickte Handlung, fiese Schurken und ein buntes Inventar an Nebenfiguren. Das alles ist natürlich voller Klischees, aber diese Klischees werden durch die Darbietungen des Casts und ein pfiffiges Drehbuch lebendig: Der schrill-schwule schwarze Designer Hollywood (Meshach Taylor), der stets mit absurden Sonnenbrillen und Jacken herumstolziert, ist nicht gerade progressiv, wird aber auch nicht zur homophoben Karikatur verzeichnet, darf vielmehr als einer jener Individualisten durchgehen, denen die Sympathie des Films gehören. Dann ist da als ein Zeitgeistbezug G. W. Bailey als dämlicher Wachmann Felix mitsamt Hund Rambo („because he likes to draw first blood“): Bailey hatte sich 1984 einen Namen mit seinem Mitwirken in der Hitkomödie POLICE ACADEMY gemacht und gibt hier eine Art Reprise auf die Rolle, die ihn im öffentlichen Gedächtnis verankerte. Auch James Spader zeigt komisches Talent und hat eine sehr schöne Szene, in der er mit einer Schreibtischlampe kämpft – und verliert. Freundin Roxie ist eine jener damals gängigen Karrierezicken und als sie dem lieben Jonathan den Laufpass gibt – wie sie jemals zusammenkommen konnten, ist ein größeres Mysterium als das Erwachen der Schaufensterpuppe -, buhlt sofort der italienische Geck Armand (Christopher Maher) um sie, ein selbstverliebtes Weichei, das im entscheidenden Moment trotz Tigerfellbettwäsche an erektiler Dyfunktion leidet.

Am wichtigsten ist aber natürlich die Beziehung zwischen Jonathan und seiner magischen Geliebten Emmy: Es gibt eine tolle Montagesequenz, in der die beiden in immer neuen  Verkleidungen durch das Kaufhaus toben und eine wunderbare Szene, in der die Holde an einem Flugdrachen durch das riesige Treppenhaus kurvt. Cattrall ist heute ja vor allem durch ihre Cougar-Rolle aus SEX AND THE CITY bekannt und hier verkörpert sie so ziemlich das exakte Gegenteil. Es funktioniert. MANNEQUIN ist Trivialunterhaltung in Reinkultur und wenn man die Achtziger abstoßend findet, wird man sich auch hier nur in seiner Meinung bestätigt sehen. Ich fand den Film aber ganz wundervoll (wenn auch am Schluss vielleicht einen Hauch zu lang), mitsamt aller Nostalgieschübe. Ehrlich, ein Film, in dem Schaufensterdekorationen Aufsehen erregen? Ja, so war das damals.

 

 

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