gojira no gyakushû (motoyoshi oda, japan 1955)

Veröffentlicht: September 27, 2017 in Film
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Es dauerte nur ein Jahr, um aus der dunklen, geradezu verzweifelt traurigen Atombomben-Allegorie namens GOJIRA den unschuldigen Monsterquatsch zu machen, den man mit dem Namen „Godzilla“ in erster Linie verbindet. Das einzige, was in Odas Sequel noch an Ishirô Hondas Vorgänger erinnert, sind das Schwarzweiß und eine längere Film-im-Film-Sequenz, in der Material aus dem ersten Teil gezeigt wird. Atombomben und die Gefahr, die von ihnen über die unmittelbare Zerstörung hinaus ausgehen, werden zwar ebenfalls thematisiert, aber das geschieht eher aus alter Verbundenheit denn aus echter Überzeugung. Auffällig ist auch die Kluft zwischen der Monsterkeilerei und dem human factor: GOJIRA NO GYAKUSHÛ kommt mit großem Krachen zum Stillstand, wenn er sich seinen menschlichen Protagonisten zuwendet, die vollkommen willkürlich ausgewählt scheinen.

Kobayashi (Minoru Chiaki) und Tsukioka (Hiroshi Koizumi) sind Piloten für eine Großfischerei. Als Kobayashi auf einer Insel notlanden muss, entdeckt er dort ein neues Godzilla-Exemplar sowie ein weiteres Riesenmonster, das von Wissenschaftlern wenig später als Anguirosaurus bzw. Anguirus identifiziert wird – weitere Folgen der Atombombenversuche. Godzilla walzt auf Osaka zu, wo er sich mit Anguirus prügelt, dass die Häuser umstürzen. Auf Hokkaido verrennt sich die Riesenechse schließlich in einer Schlucht, wo es gelingt, ihn mithilfe von Lawinen festzusetzen. Leider verliert Kobayashi, der doch gerade eine Frau gefunden hatte, sein Leben. The End.

Eine wirklich kohärente, konsequent entwickelte Handlung hat GOJIRA NO GYAKUSHÛ nicht, dafür eben ein zweites Monster, sodass es hier erstmals zu den ausgedehnten Balgereien kommt, die später charakteristisch werden sollten. Eine schöne, aber kurze Actionsequenz behandelt einen Gefangenenausbruch, in dessen Folge ein Großbrand ausbricht, der Godzilla anlockt, nachdem es zuvor gelungen war, ihn mit Leuchtbomben aufs offene Meer hinauszuscheuchen. Wer die Serie für ihre unverstellte, geradezu mit offenen Armen empfangene Naivität liebt, wird auch jene Szene in sein Herz schließen, in der ein Wissenschaftler anhand eines Was-ist-Was-Buches erklärt, dass der einzige natürliche Feind des Anguirosaurus im Jura-Zeitalter „der Godzilla“ war. Keine Ahnung, ob das im japanischen Original ähnlich Banane klang, in der deutschen Synchro biegen sich jedesmal die Balken, wenn die Protagonisten da todernst über „den Godzilla“ sprechen. Ja, auch dieser Film ist natürlich herzallerliebst, aber er hängt noch etwas zwischen den Stühlen: In Schwarzweiß funktioniert dieser Unfug einfach nicht so gut wie das dann in Farbe ohne Zweifel der Fall sein sollte. Bis es soweit war gingen aber sieben lange Jahre ins Land …

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Kommentare
  1. […] Oliver Nöding von Remember It For Later hat einen schönen Text über den ersten „Godzilla“-Film geschrieben. Dann ist er gleich in Japan geblieben und stellt das Kino Hisayasu Satōs […]

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