4. mondo bizarr weekender: la rose écorchée (claude mulot, frankreich 1970)

Veröffentlicht: Februar 5, 2018 in Film
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u44224ggjc9Der Maler Frédéric (Philippe Lemaire) verliebt sich in die schöne Anne (Anny Duperey) und zieht mit ihr in das Schloss seiner Eltern. Seine Lebengefährtin Moira (Elizabeth Teissier) ist davon nicht sonderlich begeistert. Als sie Anne konfrontiert, kommt es zur Katastrophe: Die junge Frau erleidet schwere Verbrennungen, ist daraufhin fürchterlich entstellt – und ziemlich mies gelaunt. Frédéric hingegen ist verzweifelt und plant, seiner großen Liebe mit der (unfreiwilligen) Hilfe junger Damen ein neues Gesicht zu geben.

Der spätere Pornoregisseur Claude Mulot orientierte sich für sein Debüt unverkennbar am zehn Jahre zuvor unter der Regie von Georges Franjus entstandenen Horrorklassier LES YEUX SANS VISAGE und reicherte es mit saftigen Elementen des Pulp-Romans an. Frédérics Liebe und Wahn bieten Anlass für softerotische Einlagen und theatralisch-melodramatischen Schmonzes, darüber hinaus sorgen die Zwerge Olaf und Igor für jenes herzhafte Krachen der saftigen Schwarte, das für mich erst den besonderen Charme dieser Sorte Gothic-Grusler ausmacht. Wie auch die Filme eines Paul Naschy oder Jean Rollin sowie diverse Giallos, die im Grenzbereich zwischen Psychothriller und Horror angesiedelt sind, verkörpert Mulots Film einen ungehemmten Expressionismus, der sich in einem Überschwang der Emotion, großer Farbenpracht und einer Mischung klassischer und modernerer Motive niederschlägt. Was Mulot abgeht, ist die Intellektualität seines oben genannten französischen Kollegen, aber atmosphärisch stehen sich beide dennoch nahe. Das verfallene Schloss im Wald könnte auch der Schauplatz eines Rollin-Films sein und die beiden Zwerge würden sich bei ihm auch wohlfühlen. Mit der Beziehung, die der Maler zu seiner jungen Geliebten unterhält, sieht es da schon anders aus: LA ROSE ÉCORCHÉE ist, da muss man sich nichts vormachen, nicht gerade progressiv in seinem Rollenverständnis. Wenn die Handlung in das Sanatorium von Professor Römer (Howard Vernon) schwenkt, in dessen Garten sich die nackten Schönen tummeln, sind die zweifelhaften Herren in den speckigen Trenchcoats garantiert nicht weit. (Gut, die haben wahrscheinlich auch die Vorführungen von Rollins Filmen besucht, dürften dort aber durchaus das ein oder andere Mal weggenickt sein.)

Ich mag diese Spielart des erotischen Gruselfilms europäischer Provenienz sehr gern, auch weil es an entsprechenden Vertretern nicht gerade ein Überangebot gibt und jeder deswegen umso wervoller erscheint. Hier gab es die Vollbedienung: Einen trüben männlichen Helden, eine bezaubernde Schönheit, dunkle Begierden und Pläne, grunzende Zwerge in Tierfellen, kreischende Frauen, Kandelaber, dunkle Flure, Nebel, Gewölbe und natürlich Howard Vernon, der jeden Film besser macht. Das alles untermalt von einem stimmungsvollen Score (Jean-Pierre Dorsay), in ebensolchen Bildern eingefangen und mit einem perfekten Ende, das die niederschmetternde Schicksalsschwere zum Kulminationspunkt bringt. Einfach toll! Mehr muss nicht gesagt werden.

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