lover come back (delbert mann, usa 1961)

Veröffentlicht: Oktober 29, 2018 in Film
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Komödien mit Rock Hudson und Doris Day: In meiner Kindheit ein Fixpunkt im spärlich besetzten öffentlich-rechtlichen Filmprogramm, der Familienabende vor dem Fernseher prägte. Noch heute verkörpern diese Filme für mich zum einen die (frühen) Sechzigerjahre als bonbonbunte Verlängerung der Fifties und das, was manche Leute „feelood movies“ nennen, aber damit meist die falschen Filme bezeichnen. LOVER COME BACK ist einer der Klassiker der beiden, wunderbar leicht, mit tollen Performances und göttlichem Set Design – und Betrachtungen zu den Themen Karriere und Geschlecht, die einen abwechselnd mit ihre Progressivität überraschen, dann wieder ein nachsichtiges Augenrollen evozieren. Was das Vergnügen eher noch steigert und über die dramaturgische Beliebigkeit hinwegsehen lässt, der Manns Film im letzten Drittel anheimfällt.

Jerry Webster (Rock Hudson) ist erfolgreich in der Werbebranche unterwegs: Um Deals an Land zu ziehen, öffnet er schon einmal die Trickkiste, führt seine Klienten in zwielichtige Amüsierbetriebe, füllt sie ab und organisiert wilde Parties für sie. Der zugeknöpften Carol Templeton (Doris Day), die für die Konkurrenzagentur arbeitet, sind solche Manöver zuwider. Sie sagt Webster den Kampf an, doch dann verliebt sie sich in ihn – ohne ihr Wissen. Er gibt sich ihr gegenüber als Wissenschaftler aus, der für Webster ein neues Konsumprodukt erfinden soll. Und genau an diesem Produkt hat sich auch der jüngste Streit zwischen Templeton un Webster entzündet …

LOVER COME BACK ist eines der zahllosen Beispiele für jene turbulenten Verwechslungskomödien, auf die sich Hollywood einst so gut verstand. Die müde Inhaltsangabe kann das Vergnügen, das es bereitet, dem Film bei der Entfaltung seines Plots zuzuchauen, nur sehr unzureichend wiedergeben. Hudson und Day sind in ihren jeweiligen Paraderollen zu sehen – und dabei so überzeugend, dass man sich den Film kaum mit anderen Darstellern ausmalen kann. Hudson gibt den charmanten, von sich selbst überzeugten und erfolgreichen Junggesellen, dem die Frauen zu Füßen liegen und der diese Tatsache weidlich für sich zu nutzen weiß. Die Day ist das etwas prüde Mauerblümchen, der die Spielverderbermentalität selbst ein wenig auf die Nerven geht. LOVER COME BACK macht sich über beide lustig, auch wenn er sich mit dem Zuschauer insgeheim einig ist, dass es vor allem die Day ist, die einer dringenden Läuterung bedarf. Der Film stammt eben unverkennbar aus einer Zeit, in der der Grundstein für die bevorstehende Frauenbewegung und die fortschreitende Emanzipation gelegt wurden, der diese Frauen, die meinen, jetzt auch noch Karriere mache zu müssen, aber doch auch ein wenig putzig findet. Es ist schon auch ein wenig symptomatisch, dass Hudsons Webster gegenüber Days Templeton im Vorteil ist, sein Spiel mit ihr treibt und es sichtlich genießt, den Zeitpunkt, an dem er sie aufklärt, herasuzuzögern. Die Auflösung kann fast erwartunsggemäß nicht ganz mithalten, aber bis dahin gibt es dafür Tony Randall als neurotischen Vorgesetzten Websters („Krank seid ihr, KRANK!“ knallt er einem völlig ahnungslosen Pärchen im Vorbeigehen an den Kopf) sowie den Besuch von Templeton und Webster in einem Stripclub zu sehen in dem das „ID Girl“ Sigrid Freud auftritt. Der grausige Anzug, mit dem Webster zum ersten Date aufläuft ist ebenfalls ein Highlight. Und dass diese Bonbons, die für 10 Cent einen gepflegten Alkoholrausch erzeugen, noch niemand erfunden hat, ist ein echter Skandal!

 

 

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