explorers (joe dante, usa 1985)

Veröffentlicht: Februar 18, 2011 in Film
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Ben Crandall (Ethan Hawke), ein Science-Fiction-begeisterter Junge, träumt nachts von einem rätselhaften Schaltbrett, das er für seinen Freund Wolfgang (River Phoenix), einen genialen Tüftler, aufzeichnet. Nachdem der das Brett gebaut und an einen Computer angeschlossen hat, entsteht eine transparente Kugel im Raum, die sich über Tastatur beliebig vergrößern und steuern lässt. Zusammen mit Darren (Jason Presson) bauen die Jungs aus Schrott ein Raumschiff, das sie mit der Kugel verbinden und dann darin eine Reise antreten, die sie tatsächlich ins Weltall führt, zu den Außerirdischen, die Ben den Traum geschickt haben …

Von den Filmen, die Joe Dante in den Achtzigerjahren gedreht hat, ist EXPLORERS wahrscheinlich der am wenigsten populäre. Zu Unrecht, wie ich meine, denn er fügt sich nicht nur nahtlos ins Werk des Science-Fiction- und Monsterfilm-besessenen Nerds ein, sondern dürfte darüber hinaus der warmherzigste und schönste Film sein, den er in jenem Jahrzehnt vorlegte. Es ist nur unschwer zu erkennen, dass Dante mit EXPLORERS seine eigenen Kinderträume verfilmte: Ben ist sein Alter ego, schläft nachts zu WAR OF THE WORLDS, verschlingt Science-Fiction-Filme und -Magazine und wünscht sich nichts sehnlicher, als die dort beschriebenen fremden Welten einmal selbst zu besuchen. Dante lädt seine Bilder auf mit dieser Sehnsucht: ob es der blassblaue Himmel ist, der die endlose, zahlreiche Geheimnisse bergende Weite verbildlicht, das zartgoldenen Licht der Sonne, das einen Schleier über die amerikanische Kleinstadt legt, der gelüftet werden will, oder die diese Stadt umgebenden Hügel, hinter denen unzählige weitere Welten liegen, die auf ihre Erkundung warten. Dass es für Ben, Wolfgang und Darren ins Weltall geht, ist nur die äußerste Konkretion dieser Sehnsucht: Sie wollen tatsächlich dahin gehen, wo nie jemand zuvor gewesen ist. Dahinter steht aber letztlich das kindliche Bedürfnis, den eignenen Platz in der Welt zu finden und sich selbst zu erfahren – und wie ginge das besser als im Kontakt mit dem buchstäblich Anderen, Fremden, den Außeriridischen? Die Reise ins All ist dann auch vor allem eine Reise zu den eigenen Wurzeln. Sie treffen auf ihre Spiegelbilder, zwei außerirdische Kinder, die wie sie neugierig waren, wer da draußen noch ist. Die Erde kennen sie aus dem Fernsehen, so wie die drei Helden die Aliens aus den Filmen kennen, und die Bilder erfüllen ihre Fantasie und ihre Träume. Das Träumen und das Streben ist in Dantes Vision keine conditio humana, sondern die treibende Kraft hinter allem Leben.

Joe Dantes Kino, das Populärkultur und ihre Errungenschaften feiert, nicht als Quell der Verdammnis begreift, sondern als immateriellen Gedächtnisort, an dem die Gesellschaft ihre Ängste und Wünsche verarbeitet und verhandelt, könnte kaum außergewöhnlicher sein. Man ist es gewöhnt, von wichtigtuerischen pseudogesellschaftskritischen Filmen auf Technik- und Medienpessimismus gepolt zu werden, sich immer und immer wieder erzählen zu lassen, dass der Fernsehapparat der Grund für alle unsere Probleme ist. Vielleicht war Dantes Zeit, waren die Achtzigerjahre tatsächlich unschuldiger, dass er zu dieser These gelangen konnte. Ich glaube das nicht. Wie Ben, der ins Weltall reist, ohne zu wissen, was ihn dort erwartet, im Vertrauen darauf, dass die Welt gut ist, hat sich Dante einfach seinen kindlichen Idealismus bewahrt. Das macht seine Filme so wunderbar und wertvoll.

Kommentare
  1. HomiSite sagt:

    Ich hijacke mal diesen Beitrag: Weißt du (oder ein Leser) zufällig, wie der Fantasy-SF-Streifen heißt, in dem ein Außerirdischer von menschlicher Gestalt (?) im Mittelalter landet? Das alles ist ziemlich düster, erinnert mich etwas an „Der Drachentöter“. Viel mehr weiß ich nicht, außer dass am Ende die Bösen das Raumschiff (nur ein Kristall oder so) in die Hände bekommen und dann im Weltall gefangen sind.

  2. Thomas Hemsley sagt:

    Ich habe diesen Film geliebt, leider aber schon zu lange nicht mehr gesehen. Du triffst den Nagel mal wieder auf den Kopf, ich liebe vor allem diesen Satz: „Das Träumen und das Streben ist in Dantes Vision keine conditio humana, sondern die treibende Kraft hinter allem Leben.“ Ich glaube von den Kindergenrefilmen der Achtziger ist das wahrscheinlich derjenige, der am ehesten ins Erwachsenenleben hinüber zu retten ist (ohne den Nostalgiebonus), da er auch ein wunderbarer Film über das Kino ist, und Medienrezeptionskritik (bzw., wie für Dante üblich: Synergie von Kritik und Affirmation). Leider habe ich ihn nicht im Kino gesehen, wünschte mir aber wie bei wenigen anderen, dass ich das mal könnte – am besten in einem Double Feature mit MATINEE, den du auch gut re-viewed hat (sic) – das Wort „review“ ergibt bei deinen Texten besonders viel Sinn, weil du ja oft ein Wiedersehen beschreibst, und mich nach einem Wiedersehen mit einigen sehnen lässt. Wenn ich an dieser Stelle schon MATINEE erwähne: ich hab den Film tatsächlich erst vor ein paar Jahren (2001 oder 2002 oder so) gesehen, und leider auch nur ein mal, er spielt aber in meinem Kopfkino eine sehr große Rolle, weil ich sehr oft an ihn denken muss: ich finde, dass er sogar einer der besten Filme über das Kino ist, weil er die Erfahrung/das Erlebnis Kino so vielschichtig und ausdifferenziert verhandelt – auf einer Stufe mit REAR WINDOW und VERTIGO was das betrifft.

    • Oliver sagt:

      „Ein paar Jahre“ ist gut: 2001 oder 2002 sind mittlerweile ein Jahrzehnt her. Traurig, aber wahr. 🙂

      MATINEE habe ich leider noch nie im richtigen Bildformat gesehen. Die deutsche DVD (und das Video) ist cropped. Ich habe von Dante damals GREMLINS 2 im Kino gesehen (und THE HOLE, aber das zählt wohl nicht – zumal ich dabei eingepennt bin), mit dem schönen Alternativgag (Leinwand „brennt“ weg), die natürlich ungleich spektakulärer ist, als das Äquivalent auf Video.

      EXPLORERS ist ganz bestimmt einer seiner schönsten Filme, immer gut für eine Wiederentdeckung, weil er eben nicht ganz den Status von seinen bekanntesten Sachen hat. THE ‚BURBS bleibt aber wohl unangetastet.

      • Thomas Hemsley sagt:

        Ja man wird alt. HMPF:-( GREMLINS 2 hätte ich auch gerne im Kino gesehen, ich weiss noch wie begeistert meine Filmfanfreunde waren…dafür ist es neben EXPLORERS der von mir meist gesehene Film von Dante, steht bei mir auch ganz oben. THE BURBS wiederum hab ich glaub ich vor Ewigkeiten im Fernsehen gesehn, kann mich leider nicht mehr so dran erinnern, wobei ich auch die Zeiten vermisse, als Hanks noch komisch war: THE MONEY PIT hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen:-)
        Ich glaube SMALL SOLDIERS ist das einzige von Dante was ich im Kino gesehen habe. Ist doch alles Scheisse:-((( Wir brauchen hier so ein Kino wie das New Beverly in LA, dass mit Dante, Tarantino und Wright und anderen diese Mini-Festivals macht.
        Grüße aus Kölle
        Thomas

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