grand theft auto (ron howard, usa 1977)

Veröffentlicht: September 14, 2011 in Film
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Als Paula Powers (Nancy Morgan) ihren reichen Eltern den künftigen Gatten Sam Freeman (Ron Howard) vorstellt, sind die entsetzt, hatten sie doch vorgesehen, ihre Tochter an den „standesgemäßen“ Collins Hedgeworth (Paul Linke) zu verheiraten. Weil sie mit Strafe drohen, wenn sie sich ihrem Wunsch widersetzt, nimmt Paula gemeinsam mit Sam Reißaus im väterlichen Rolls Royce. Ziel: eine Hochzeitskapelle in Las Vegas. Als Collins von der Entscheidung Paulas hört, nimmt er die Verfolgung auf – und verspricht über einen lokalen Radiosender eine dicke Belohnung für den, der die Flüchtlinge aufhalten kann. Eine wilde Jagd quer durch die Wüste entbrennt …

GRAND THEFT AUTO ist die obligatorische Fortsetzung zum supererfolgreichen EAT MY DUST! und bescherte dem gerade 23-jährigen Ron Howard sein Regiedebüt. Der hatte sich zu letztgenanntem Film zu verminderten Bezügen verpflichtet – er war damals bereits ein populärer Fernsehschauspieler -, weil er wusste, dass Cormans New World Pictures ein Sprungbrett für werdende Filmemacher war und er eine Regisseurslaufbahn anpeilte. Das Drehbuch zum bereits existierenden Titel schrieb er gemeinsam mit seinem Vater Rance und beide orientierten sich dabei zweifellos an Stanley Kramers Slapstick-Opus IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD, dessen strukturelle Prämisse – eine Verfolgungsjagd, in die mehr und mehr unterschiedliche Charaktere verwickelt werden – sie unverändert übernahmen, jedoch auf Kramers überdeutliche Kapitalismuskritik verzichteten.

Natürlich ist der sequelinhärenten Überbietungslogik zufolge alles eine Nummer größer als im Vorgänger – schon auf dem Filmplakat wird damit geprahlt, welche Luxuskarossen im Laufe der 85 Minuten in ihre Einzelteile zerlegt werden -, aber damit eben längst noch nicht besser. Was GRAND THEFT AUTO gegenüber dem vom Start weg einnehmenden EAT MY DUST! vermissen lässt, ist dessen emotionale Klarheit, die den Konflikt des Films intuitiv nachvollziehbar und alle weiteren Fragen überflüssig macht: Hoover will das Mädchen, er mag Autos, also lädt er sie auf eine Spritztour ein, sie mag Geschwindigkeit, also ist ihr sein Truck zu langsam, sie fordert ihn auf, einen Rennwagen zu klauen, also tut er es. Der Film handelt dann von dieser Fahrt und wie sich während ihr alles verändert, und er ist zuende, wenn auch die Fahrt zuende ist. GRAND THEFT AUTO hat zwar eine ähnlich einfache Prämisse, aber die ist dennoch deutlich abstrakter und wird zudem, um weiteres Konfliktpotenzial in die Geschichte einzuflößen, noch weiter verwässert. In EAT MY DUST! war es richtig, dass Darlene nur sehr oberflächlich als attraktives Blondchen, mithin nicht als Charakter, sondern vor allem als Objekt von Hoovers Begierde eingeführt wurde. GRAND THEFT AUTO hakt hingegen nicht zuletzt deshalb, weil die Liebe zwischen den beiden Protagonisten Sam und Paula nie über die Drehbuchbehauptung hinauskommt, sie bleibt klischeehaft und leblos. Und hinter dem Wunsch, zu heiraten, steht auch nicht dieses körperliche, unbedingte und urwüchsige Verlangen, das EAT MY DUST! zu seinem fulminanten Kickstart verhalf, ihn zum natürlichen Ausdruck eines jugendlichen Euphoriegefühls machte. Vielleicht ist das durchaus treffend: Paula und Sam sind eben etwas älter als Hoover und Darlene. Waren jene noch ganz dem jugendlichen Glauben verfallen, die Welt ändern, ohne die anderen existieren zu können, sind die Helden von GRAND THEFT AUTO viel stärker in familiäre und gesellschaftliche Zwänge eingebunden: Ihr ganzes Handeln ist nur Reaktion auf Paulas Eltern und die restliche Umwelt, der sie verzweifelt zu entkommen versuchen. Nie kristallisieren sie sich in der Form als das Zentrum des Films heraus, wie Hoover und Darlene das im Vorgänger tun.

Es können noch so viele Autos geschrottet, Gags abgefeuert und Autoritätspersonen genasführt werden: GRAND THEFT AUTO ist müde und fast genauso bemüht, wie die halbherzig eingeflochtene Medienkritik. Schade.

Kommentare
  1. flimmerstunde sagt:

    Könnte ja praktisch auch der Film zum Kult-Game „GTA“ sein … *lach*

    http://filmchecker.wordpress.com/

    • Oliver sagt:

      Der Begriff „Grand Theft Auto“ ist weniger speziell als man annehmen mag: Eigentlich ist es bloß der juristische Fachbegriff für Autodiebstahl. Dass man dabei unweigerlich an das Spiel denkt (und etwa Google als erstes darauf hinweist), belegt wie erfolg- und einflussreich es ist – trotz eines im Grunde genommen sehr einfallslosen Titels, der 30 Jahre zuvor schon einmal in einem damals ebenfalls sehr erfolgreichen, heute aber weitestgehend vergessenen Film verwendet worden war.

      Eigentlich passt er zum Spiel ja nur noch sehr bedingt …

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