matthew mc conaughey romcom-romp: failure to launch (tony dey, usa 2006)

Veröffentlicht: März 15, 2015 in Film
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failure-to-launch-movie-poster-2006-1020340533Das Paradoxon der RomCom: Um den unschätzbaren Wert der romantischen Liebe zu proklamieren, muss sie das Beziehungs- und Liebesleben als tückisches gesellschaftliches Spiel voller Fallstricke und -gruben, schwachsinniger Konventionen, ernüchternder Erfahrungen, vergeudeter Zeit, emotionaler Narben und zu erleidender Demütigungen zeichnen. Meist sind ihre Helden/Heldinnen für die Romantik verloren, desillusioniert, gezeichnet und bereit für die auf rationalen Erwägungen basierende Vernunftheirat, bis dann der Prinz/die Prinzessin vorbeikommt und sie vor einem voller Tristesse rettet. Die RomCom ist ein Genre voller Soziopathen, psychisch zerrütteter Egoisten und Autisten, deren „liebenswerten“ Marotten ihnen im echten Leben die berechtigte gesellschaftliche Geißelung, Unverständnis und die ein oder andere Ohrfeige einbrächten, im Film aber Ausdruck einer originellen, spritzigen Persönlichkeit sein sollen und nur etwas Liebe bedürfen, um abgestellt zu werden. Oft genug sind die Liebesbeziehung, die da zum Happy End eingegangen werden, Bündnisse des Schreckens, Verbindungen von Monstren, deren schlimmsten Charakterzüge sich zur potenziellen Gefährdung all ihrer Mitmenschen potenzieren werden. Man muss sich nur das Poster zu FAILURE TO LAUNCH anschauen, um zu wissen, dass das zweifellos ein solcher Film ist: McConaughey voll cooler Selbstgefälligkeit, wissend, dass er sich in jeder Situation auf seinen ihm angeborenen Charme verlassen kann, die Parker weibgewordener Enthusiasmus im Stechschritt auf die Züchtigung des Unbeugsamen zumarschierend.

Der Film beginnt mit einer von Grund auf fragwürdigen Prämisse: Tripp (Matthew McConaughey), ist 35, gut aussehend und durchaus erfolgreicher Bootsverkäufer. Er hat immensen Schneid bei den Frauen, landet Nacht für Nacht mit einer anderen in der Koje, die er, wenn er keine Lust mehr hat, nur mit der Tatsache konfrontieren muss, dass er noch bei seinen Eltern (Terry Bradshaw und Kathy Bates) lebt. Genauso halten es seine beiden Freunde Ace (Justin Bartha) und Demo (Bradley Cooper), mit denen Tripp seine Freizeit in einem Zustand der verlängerten Jugend verbringt. Kurz: Tripps Leben ist der Himmel auf Erden. Auftritt Paula (Sarah Jessica Parker), die ihr Geld damit verdient, Nesthocker wie ihn durch Vorgaukeln einer Liebesbeziehung zur Selbstständigkeit zu „erziehen“. Sie wird von Tripps Eltern engagiert, den Sohn zu verführen und somit flügge zu machen. Ihre Strategie erinnert frappierend an das Drehbuchschema, auf das nahezu jede RomCom aufbaut, doch die Chance eine Meta-RomCom wird natürlich fahrlässig liegen gelassen. Es kommt, wie es kommen muss: Tripp verliebt sich in Paula und kommt just in dem Moment hinter ihre wahren Motive, als sie ihrerseits Gefühle für den unwissenden Klienten entwickelt. Dem Zerwürfnis folgt die Intervention der Freunde und Eltern, die die beiden zur Vernunft bringen und also verkuppeln wollen. Und wie gelänge das besser, als ihn gefesselt und in geknebelt in einen Schrank zu sperren und sie mit ihm einzuschließen?

Das Problem des ganzen Konstrukts liegt natürlich auf der Hand. Zuerst ist die Figur, die McConaughey da verkörpert, total unglaubwürdig, aber das ist noch nicht einmal das schlimmste Vergehen des Film: Warum sollte Tripp sein wunderbares Leben gegen eine Beziehung mit einer Schreckschraube wie Paula eintauschen wollen? Mit einer intriganten, manipulativen Lügnerin, die nichts ahnenden Männern Liebesbeziehungen vorspielt, wo ausschließlich finanzielles Interesse ist? Einer verabscheuungswürdigen Kreatur also, die noch dazu wie Sarah Jessica Parker und mithin wie der Welt hässlichste Transe aussieht? Aber er ist ja nicht der einzige, der auf sie hereinfällt. Paula lebt in einer WG mit Kit (Zooey Deschanel), einer misanthropischen Eigenbrötlerin, die den ganzen Film über mit einem Singvogel kämpft, der sie mit seinem ständigen Gezwitscher in den Wahnsinn treibt. Eine Person wie Kit würde jemanden wie Paula verachten und die „Freundschaft“, die die beiden da unterhalten, kann nur in einem idiotischen RomCom-Drehbuch aus Hollywood existieren. Genauso wie die Beziehung, die Kit dem netten, aber auch etwas dämlichen Ace eingeht, einem gutmütigen Tölpel, dem der Konvention solcher Filme entsprechend maximal eine kurzsichtige Schreckschraube, gewiss aber kein It-Girl wie Zooey Deschanel verfallen dürfte. Die eigentliche „Romanze“, also der zentrale Teil des Films, funktioniert überhaupt nicht, aber was FAILURE TO LAUNCH gegenüber einer Totgeburt wie THE WEDDING PLANNER wenigstens halbwegs erträglich macht, sind das Zusammenspiel der drei männlichen Hauptdarsteller, die sonnige Urlaubskulisse und der genervte Zynismus der Deschanel, den man auch als Reaktion auf die Spießigkeit des Endprodukt und die Ernsthaftigkeit, mit der sich Sarah JessicaParker in ihre Rolle wirft, werten kann. Ach ja Kathy Bates und Terry Bradshaw sind als alterndes, kernentspanntes Ehepaar ebenfalls ein Lichtblick in diesem Film, den ich mir noch um einiges schlimmer vorgestellt hatte.

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Kommentare
  1. Chrisch sagt:

    „Einer verabscheuungswürdigen Kreatur also, die noch dazu wie Sarah Jessica Parker und mithin wie der Welt hässlichste Transe aussieht?“

    Sicher, du verschriftlichst hier nur deine Gedanken und schreibst keine Filmkritik für die Washington Post, aber muss so etwas wirklich sein?

    Muss man wirklich zu so einem niederträchtigen argumentum ad personam greifen, um seinen Standpunkt – Polemik in Ehren – deutlich zu machen?

    Und was ist überhaupt der Inhalt einer solchen Aussage?
    Dass „Männer“ nicht auf Frauen mit maskulinen Zügen stehen können?
    Dass Parker nicht „nur“ hässlich, sondern optisch sogar in „Transengefilden“ anzusiedeln sei, welche (anscheinend) – um deiner Aussage zu folgen – einen Superlativ zu „normalen“ Hässlichkeitsgefilden bilden?

    Verstehe mich nicht falsch, Polemik ist an und für sich eine wunderbare Sache. Zumindest sofern sie nicht dergestalt fragwürdig formuliert wird.

    Noch dazu von einem Autor, der seinerzeit der Prämisse des Weißen Ritters folgend einem Werk wie „Black Rain“ unerträglichen Sexismus und Chauvinismus vorwarf. Ich wittere diesbezüglich, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

    Ach, irgendwie ist eine derartige Erkenntnis immer wieder ziemlich ernüchternd.

    greetz

    • Oliver sagt:

      Bei mir fällt das ehrlich gesagt unter „Humor“. Ich finde eben, dass die Parker aussieht, wie ein Typ, der sich als Frau verkleidet hat. Und dass das mit den Rollen, die sie seit ca. 20 Jahren bekleidet, ziemlich kollidiert.

      Klar, dass ist weder ein besonders geistreicher, vielleicht auch kein übermäßig witziger, noch ein „bedeutender“ Hinweis, aber bedeutend ist ja auch der Film nicht, den ich da besprochen habe. Du hast insofern Recht, als es des Zusatzes “der Welt hässlichste” nicht bedurft hätte. Die Aussage, das SJP wie eine Transe aussieht, hätte vollkommen ausgereicht. My bad.

      Warum es allerdings „sexistisch“ von mir ist, zu sagen, dass ich finde, dass SJP scheiße aussieht, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Sie ist eine Schauspielerin, für die das Aussehen Kapital ist, vor allem, wenn man die Filme betrachtet, in denen sie mitwirkt (und die zu 99 % propagieren, dass eine Frau sich über die Schuhe definiert, die sie trägt, soviel zum Thema „Sexismus“ und „Widersprüchlichkeit“). RomComs funktionieren darüber, dass man sich zum männlichen bzw. weiblichen Hauptdarsteller hingezogen fühlt und sich die beiden zusammen vorstellen kann. Die Prämisse von FAILURE TO LAUNCH krankt für mich in erster Linie daran, dass die von SJP verkörperte Paula zum Kotzen ist, in zweiter daran, dass ich es unglaubwürdige finde, dass Tripp die erlittenen Manipulationen einer Frau zu verzeihen bereit ist, die noch dazu wie eine Transe aussieht.

      Wie gesagt: Ich behaupte nicht, dass das das Tollste ist, was ich jemals geschrieben habe, wenn du davon aber ein Urteil über mich und meine Weltanschauung ableiten möchtest, solltest du bedenken, dass ich die RomCom nicht am echten Leben messe, sondern nur an ihren eigenen Gesetzen. Mir ist sehr wohl klar, dass Äußerlichkeiten nicht unbedingt entscheidend sind und sich hinter dem Antlitz einer hässlichen Transe eine wunderbare Frau verbergen kann. Ich hoffe, das beruhigt dich ein wenig. 😉

  2. zorafeldman sagt:

    Erstmal Begrifflichkeiten klären. Eine Transe, soll damit eine Transsexuelle oder ein Crossdresser gemeint sein? Dann: beides ist ja nun per se keine Beleidigung. Der Zusatz und die Wortwahl sind sicher nicht p.c., aber ich stimme zu, dass SJP unter anderem wegen ihres Äußeren für den Film besetzt wurde, selbst schlimmen internalisierten Sexismus verbreitet und außerdem Olli sich auch mit der Beleidigung männlicher Darsteller nicht zurückhält. Equal opportunity.

  3. Faniel Dranz sagt:

    Da schiebt sie den Matthew ins Cover die Parker. Grausig schönes Artwork!

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