the package (jesse v. johnson, usa/kanada 2012)

Veröffentlicht: November 12, 2015 in Film
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THE PACKAGE ist von den DTV-Actionern, die ich zuletzt gesehen habe, wahrscheinlich der beste. Regisseur Johnson verfügt über zwei starke Hauptdarsteller und eine Idee, wie er sie einzusetzen hat, wovon vor allem Steve Austin immens profitiert. Kommt der ehemalige Profiwrestler in seinen schwächeren Filmen eher persönlichkeitsarm rüber, gefällt er hier als ahnungsloser Schuldeneintreiber eines Gangsterbosses, der ein mysteriöses „Paket“ an „den Deutschen“ (Dolph Lundgren) liefern soll und plötzlich eine ganze Armee gedungener Killer im Nacken sitzen hat. Austin, wenn auch nicht gerade das, was man einen „Durchschnittstypen“ bezeichnet, ist in solchen tragisch angehauchten Loserrollen am besten, weil sie seine mangelnden Ausdrucksmöglichkeiten auffangen. Und Lundgren hat hier einen supersaftigen Part an Land gezogen, darf als todkranker Gangster lange, wahnwitzige Monologe halten und dabei den Bass seiner Grabesstimme rollen lassen. Einmal mixt er sich vor einem Sterbenden einen Fruchtsaft und zählt all die wichtigen Inhaltsstoffe auf, die in den verschiedenen Früchten enthalten sind. Sobald er zu sehen ist, zieht sich der ganze Film um ihn zusammen.

Das charakterisiert auch Johnsons ästhetisches Programm: THE PACKAGE ist vordergründig ein geradliniges, einfach strukturiertes Action-Roadmovie, allerdings mit heftiger Schlagseite gen parabelhafter Schicksalserzählung, deren Twist am Ende an eine weltliche Version von ANGEL HEART erinnert, mit Dolph Lundgren als Teufel. Der Look des Films ist monochrom, mit vielen Grau- und Brauntönen, schlechtem Herbstwetter und schummerig beleuchteten Räumen, deutet die Tragweite der Ereignisse, die Austins Protagonist Tommy nicht durchblickt, bereits an, ohne aber auszusprechen, worum es eigentlich geht. Was verbirgt sich in dem verdammten Paket, einer unscheinbar aussehenden Brieftasche, hinter der plötzlich alle her sind? Die Action ist sehr ruppig gehalten, großkalibrige Schusswaffen kommen ausgiebig zum Einsatz, der Tod ist schmerzhaft, unbarmherzig und blutig. Das Leben in THE PACKAGE ist ein einziges Rennen, bei dem man aber nicht weiß, was einen am Ziel eigentlich erwartet. Vielleicht ist es nur zu folgerichtig, dass die Auflösung des Ganzen nur sehr bedingt Sinn macht. Der Twist ist etwas zu clever for its own good, passt aber auch wieder, weil die Welt von THE PACKAGE sowieso nicht mehr nach Gesetzen der Logik funtioniert, sondern bereits völlig aus den Fugen geraten ist.

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