la lama nel corpo (elio scardamaglia, italien/frankreich 1966)

Veröffentlicht: Dezember 18, 2015 in Film
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revenge_of_the_living_dead_the_murder_clinic-306678374-largeElio Scardamaglias LA LAMA NEL CORPO (übersetzt etwa: „Die Klinge am Körper“, aber der offizielle deutsche Titel war DIE MÖRDERKLINIK) ist gut dazu geeignet, die Tradition nachzuvollziehen, aus der der italienische Giallo entstand, jene Spielart des Thrillers, in der schöne, oft nackte Frauen in psychedelisch eingerichteten Seventies-Appartements einem fiesen Messermörder mit sexueller Macke zum Opfer fallen. Auch LA LAMA NEL CORPO schickt einen behandschuhten Killer auf Mordtour und die Opferschar rekrutiert sich ausschließlich aus attraktiven Blondinen, doch stilistisch ist der Film tief im gediegenen, leicht angestaubten Gothic-Grusel und dem Whodunit- bzw. Mysteryfilm verwurzelt. Erinnerungen an die Wallace-Reihe werden wach, auch wenn diese stets in der (damaligen) Gegenwart spielten.

Schauplatz ist besagte „Mörderklinik“, eine bereits etwas heruntergekommene alte Villa, in der der seltsam verschwiegene Dr. Vance (William Berger) seinem Amt nachgeht. Seine nicht weniger mürrische Ehefrau Lizabeth (Mary Young) sitzt im Rollstuhl, die Patienten der nicht gerade vor Betrieb brummenden Klinik scheinen nicht ihrer Heilung entgegenzusehen, sondern einem gnädigen Ende. Die wohlmeinenden Schwestern werden von ihrer strengen Vorgesetzten mit barschem Ton an der kurzen Leine gehalten, im klinikeigenen Labor Experimente an lebenden Meerschweinchen durchgeführt. Meist ist es Nacht und wenn nicht, dringt trotzdem kaum Tageslicht in die finsteren Gänge und mit schweren Vorhängen verhängten Zimmer. Der Kerzenverbrauch ist immens und in schöner Regelmäßigkeit werden da blonde Frauen von rätselhaften Geräuschen in wallenden Nachtkleidern auf die dunklen Flure hinausgetrieben. Irgendwo gibt es dieses eine Zimmer, dessen Tür immer verschlossen ist und dem man sich nicht einmal nähern darf, ohne böse, unmissverständliche Blicke zu ernten. Und wenn es dann mal einen Toten gibt, wird nicht etwa die Polizei gerufen, sondern man legt die Stirn in Falten, schnürt ein trauriges Bündel und macht sich daran, im dunklen Wald ein Loch auszuheben.

LA LAMA NEL CORPO lebt zu 99 Prozent von seiner knarzigen Atmosphäre und dieser farbenfroh-pulpigen visuellen Gestaltung, die Erinnerungen an alte, heute längst vergilbte Gruselcomics und Groschenheftchen weckt. Wirklich beunruhigen oder gar gruseln dürften sich nur ganz zartbesaitete Gestalten, und richtig spannend ist der Film auch nicht. Zu oft hat man sowas schon gesehen, zu sehr ist er den relativ starren Vorgaben seines Genres verpflichtet. Trotzdem mag ich diese Schauerstücke, nicht zuletzt wegen dieser Geborgenheit spendenden Vorhersehbarkeit. Die Handlung tritt weit in den Hintergrund, was von Interesse ist, sind optische und akustische Signale, sowie diese würdevolle Ernsthaftigkeit, mit der diese Räuberpistolen vorgetragen wird. Ich lasse mich liebend gern davon einlullen und gerade an einem tristmüden Winternachmittag entfaltet ein Film wie LA LAMA NEL CORPO seinen ganz eigenen, unnachahmlichen Charme.

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